Wochenrückblick 26. September 2021

genervt: warum sabotiere ich mich sooft selber? Hatte doch letztes Jahr der älteren Dame gesagt, dass ich ihr nicht mehr helfen kann. Ich war so genervt von ihr und den scheiß Gardinen und überhaupt. Und jetzt? Doch wieder belabern lassen. Und? Noch mehr genervt gewesen, weil es inzwischen bei ihr auch noch „riecht“. NEINNEINNEIN, ich geh da nicht mehr hin zum arbeiten.

– Arbeit: hatte ich ja dann am Wochenende gleich, kaum zuhause wieder angekommen Special-auftrag. In der FeWo waren über ne Woche osteuropäische Bauarbeiter. *örgs* das war schon hart an meiner Ekelgrenze. 6 Stunden geschuftet. Immerhin 25,- Trinkgeld. Aber irgendwie macht mich diese Arbeit auch zufrieden. Habe mir das früher nie eingestanden, weil immer wenn mir was gut gefiel oder gut tat wurde es mir ausgeredet: das geht nicht, kannst ja nicht machen, was? soviel Arbeit?, was so früh aufstehen, da verdienst aber nicht viel usw. und ich habe mich beeinflußen lassen. Damit ist jetzt Schluß. Ja ich mag handwerkliche Arbeit, ja ich mag es wenn man das Ergebnis sieht, vor allem wenn es ein sauberes, ordentliches ist. Scheiß drauf was die anderen denken. Weil auch die anderen Umstände passen (Arbeitszeit, guter Chef, ich bin alleine usw.) arbeite ich da gerne. Auch wenn ich danach kaputt bin und mir fast das Kreuz durchbricht.
Und ich war auch nicht sooo traurig, als der Chef schrieb: „Hast morgen doch frei, die Amis haben abgesagt, die dachten das Oktoberfest beginnt!“ HAHA die Amis wieder 😉

– getriggert: Letzter Tatort: Der Reiz des Bösenn. Frauen die auf Knastis stehen. Der Trigger war weniger, dass das Kind geschlagen wurde von dem Stiefvater, sondern eher, dass die Mutter es nicht beschützte und vor lauter Romantik nur ihren neuen Lover sah (der dann in Freiheit auf einmal nicht mehr romantische Briefe schrieb sondern das saufen anfing usw.) Haargenauso habe ich das auch erlebt. Alles was zählte war dieser „tolle neue Mann“ für den man sogar seine Kinder verrät und vernachlässigt. Furchtbar. Und ich kann das Kind SO gut verstehen, als es sich rächte. Würd ich zu gern auch manchmal. Aber meine Mutter macht sich schon selbst kaputt, da muss ich gar nix tun.
Davon abgesehen, hatte ich auch mal eine „Freundschaft“ zu einem Knasti. Genau wie in dem Film, fing auch ich eine Brieffreundschaft zu einem (angeblichen) Bankräuber an. Sie hielt 5 Jahre und ja ich besuchte ihn auch im Gefängnis. Es fing an, da war ich 15 (!) und besuchte ihn wenige Monate später. Als ich 20 war, kam er frei und ja auch da trafen wir uns erneut mehrmals (ohne das was lief zwischen uns) und er war einer der wenigen Menschen der mir einen wunderschönen Geburtstag bereitete! Das vergess ich ihm nie! Auch sonst war er freundlich und soweit ich das noch in Erinnerung habe hatte er auch einen anständigen Charakter. Habe die Briefe nicht mehr. Nunja dann wurden meine eigenen Probleme zu groß und wir verloren uns aus den Augen.

– gestresst: kaum bin ich wieder in meiner Wohnung, esse ich wieder mehr Süßkram. Ich merke den Stress hier einfach.

– Psychospielchen: Auf eine Kontaktanzeige geantwortet. Einige Tage sehr nett geschrieben. Wir wollten uns dann am Wochenende das erste mal treffen. Dann fragte er an,ob auch schon Donnerstag ginge. Ich verneinte da ich arbeiten müsse (sagte ich ihm) und es mir auch zuviel gewesen wäre (sagte ich nicht). Daraufhin: Stille. 3 Tage lang. Ich sah, dass er seine Kontaktanzeige aktualisiert hatte. Ok, ich war abgeschrieben. Kommt vor. Am Wochenende schrieb er dann aber: was nun heute abend wäre?
HAHA, das dachte ich mir schon: wenn sich nix besseres ergibt, bin ich gut genug. Ich antwortete nicht. Es kamen weitere Mails, wo er sich um mich sorgte, ob es mir gut gehe und warum ich mich nicht meldete…ach Gottchen…ich blieb still und nach der 3 Nachricht kam er auf „blockieren“ ein Hoch auf diese Funktion!
Und ich bin die blöde, einsame, kranke, seltsame, weil ich diese Psychospielchen nicht okay finde, die halbe Menschheit aber anscheinend schon? Oder können die nur so gut verdrängen…?

– Flohmarkt: war mir eigentlich auch zuviel, wegen Reizüberflutung undso, aber irgendwie zog es mich hin. Ging auch nur halb durch und saß dafür danach im Schatten mit nem Eis. Fand aber auch schöne Sachen, zum Beispiel eine kleine Kiste in schwarz-weiß bedruckt mit Nieten und Klappverschluß. Hab immer so Bastelzeug, das rumfliegt, das kommt nun da rein.

– gefreut: Nach 6 Wochen Schienenersatzverkehr kam die Nachricht: Der wird 2 Wochen verlängert. Och nöööö….und dann gings doch recht schnell und nach 1 Woche fuhr alles wieder normal. Freute mich riesig!

– Vorfreude: Auf Regentage und den ganzen Tag auf der Couch rumgammeln (die werd ich ausklappen, damit ich auch bissl drauf schlafen kann und nicht hoch ins Bett klettern muss). war halt doch wieder bissl zuviel Action in letzter Zeit. Naja, ich kenn mich ja langsam

Wochenrückblick 17. September 2021

Familie: ich hatte ja meine Cousine etwas vorgeschickt, damit sie mal unauffällig ein wenig nachhakt warum sich ihre Mutter (meine Patentante) nicht mehr bei mir meldet. Lapidarer Kommentar meiner Cousine: ach meine Mutter und ihr Zeitmanagement….äh nein, das hat nix mit Zeitmanagement zu tun, ne kleine Whatsapp, ein kurzer Anruf, aber das war ja nicht alles. Und das schrieb ich ihr dann auch: der vergessene Geburtstag, ständig schenkt sie mir ihre alten, nicht mehr gewollten Sachen, dann die Ausrede als ich zu Beuch kommen wollte usw. natürlich nahm meine Cousine ihre Mutter in Schutz, wie immer, ihre Mutter ist ihr heilig und da wurd mir alles klar. Bei meiner Cousine ist IMMER ALLES toll. Wirklich. Ohne Übertreibung. Die lebt so in der Verdrängung. Die kann und will nicht hinsehen. Ich meinte nämlich, dass es dieselben Verhaltensweisen wie bei meiner Mutter sind, darauf kam erbost, dass ich ja wohl die beiden nicht in dieselbe Schublade stecken will! (doch die 2 sind Schwestern). Auch ich habe es lange nicht gesehen, dass meine Tante kein Stück besser ist, als meine Eltern. Immer mauernd, immer respektlos und abwertend. Denn meine Gechenke an ihr wurden immer bemäkelt: da fühl ich mich ja uralt, das ist giftig (Magnesiumflocken fürs Bad) usw. Wer nicht will, der hat schon. Ich habe mir da jetzt lange genug angesehen und ich weiß einfach: da wird sich nicht ändern, da kann ich hoffen wie ich will. Das hab ich schon zigmal mit meinen Eltern durch.
Aber wisst ihr was? Ich bin neidisch. Auf meine Cousine. Die lebt so in ihrem Film, dass es ihr gut geht. Mit Haus, mit top Job, top Mann und natürlich top Kind, *lufthol top Urlaub nicht zu vergessen, riesen Freundeskreis.
Ich konnte bei meinen Eltern (und mein Vater war mir auch sehr lange sehr heilig) nicht wegsehen, ich konnte nicht mehr verdrängen, sonst wärs mir vielleicht auch besser gegangen…wer weiß das schon.
Und ja ich habe meine tante auch mal in den Himmel gelobt, weil ich auf ihre kleinen Zuckerstückchen die es dazwischen mal gab, reingefallen bin und mich daran geklammert habe: wenigstens DER Teil der Familie taugt wenigstens was. Nein tut es nicht.

– Luft gemacht: dem Zahnarzt geschrieben, was da im Praxismanagement passiert (u.a. Falschaussage der Zahnarzthelferin ect.), zwischendurch beim schreiben gedacht: ach komm lass es, dann bist du nur wieder „die komische“ gibt schlimmere Sachen als das usw. aber nein ich habe weitergechrieben, weil es mir wichtig war, das anzusprechen. Gute Übung um für mich einzustehen, mein Bedürfnis ernst zu nehmen, aus der Opferrolle auszusteigen und auch um was schwieriges anzusprechen, ohne zu emotional zu werden, denn das wid immer mal wieder vorkommen.
Freitagabend warf ich den Brief direktbei ihm ein und Montagfrüh rief er mich gleich an (ich ging aber nicht ran), also hatte ich 30 Minuten später eine Mailvon ihm, in dem er sich über die konstruktive Kritik bedankt hat und meinte, dass das Labor wirklich nix taugte und sie das eh gewechselt hatten (jetzt salopp geschrieben). Aber darum ging es mir ja nicht, sondern um die miese Arbeitsweise seiner Helferinnen und der 2.Abdruck war ja noch gar nicht im Labor, als ich erfuhr, dass das wieder daneben ging. Das war Mist der Zahnarzthelferin! Egal. Ich habs geschrieben, für mich ist das nun erledigt.

– enttäuscht. Oh so traurig und enttäuscht war ich schon ewig nicht mehr. Hatte mit viel Glück 2 Karten für München tanzt wieder! ergattert. Clubsound open air, ab 18h. Genau meins. Mal wieder zu Bass und Beat abtanzen, den Kopf frei bekommen und Enorphine einsaugen. A. sagte erst zu, um dann doch wieder abzusagen weil ihr einfiel, dass sie ja auf eine andere Veranstaltung wollte. Und dann gings in mir rund, zum einen die krasse Enttäuschung, weil mir diese Veranstaltung wirklich SEHR sehr viel bedeutet hätte und dann noch das Gefühl zu bekommen: ich hab was besseres als dich gefunden, was interessanteres vor. UFF, so angepisst, das ließ ich A. auch spüren und sagte ganz ehrlich was in mir abgeht. Ich kam dann drauf einen inneren Anteil (der so um die 20 J. alt ist, damals bin ich exsessiv auf Technopartys unterwegs gewesen und habe es SO genossen!) mal zu bemuttern und mich da drum zu kümmern, dass Trauer und Co da sein dürfen.
Ich konnte die Karten gut loswerden, sind ja heißbegehrt. Chef fragte dann noch an, ob ich am Wochenende arbeiten könnt. Na gut, dann halt lieber Kohle scheffeln, statt feiern. Püh.

– Urlaub: Seit 2 Jahren nicht weggwesen. Urlaub? Pöh mag mancher sagen, is ja reiner Luxus. Mag sein, für mich isses mehr: Wenn ich zu lange im eigenen Saft schmore, werd ich „komisch“. Selbstwert sinkt, ich trau mir immer weniger zu, die Spirale geht nach unten, ich denke immer dasselbe und ja der Alltag hält mich gefangen. Manchmal brauchts einfach einen Ortswechsel.
Jetzt bekam ich aber Magenaua und überlegte zu stornieren, überhaupt allein der Gedanke in einer fremden Wohnung ließ mich gruseln (ich nehm ja meist Ferienwohnungen wenn ich länger als 1 Nacht wo bin, weil ich nie weiß wie sozialphobisch es mir gerade geht und wenn es arg ist, geht essen in der Öffentlichkeit nicht und erst recht keine Zimmerreinigung usw.) Hab hin und her überlegt: vielleicht woandershin? Aber nach gutem hinfühlen stellte ich heraus, ne dann hab ich immer noch Streß/ungutes Gefühl. Weiter zuhause bleiben? Noch schlimmer….dann fiel mir eine alte frühere Situation ein: Auch da ging es mir eher schlecht, ich hatte aber Konzertkarten in einer anderen Stadt. Die Karten anders zu verkaufen ging nicht mehr, keiner wollte sie. Also bin ich doch hin gefahren. Traf mich mit einer Onlinebekanntschaft der mit ins Konzert ging, vorher noch was essen und dann übernachten im Hotel. Was soll ich sagen? Es hat mich wieder gestärkt, ich kam gut in die Erwachsenenrolle, hatte Spaß, andere Umgebung, kam aus meinem Gedankenkarussel raus und es tat einfach nur gut.
Als ich das für mich innerlich klar bekam, änderte sich meine innere Befindlichkeit. Ich entspannte und freute mich auf ein paar Tage wegfahren. Ohne Programm. Nur das machen worauf ich Lust habe und nicht: ja aber da muss ich doch…das und jenes…nein ich muss es mir nur gutgehen lassen.
Der Start war allerdings holprig, weil eine S-bahn kaputt war und das Gleis belegte, so dass nichts mehr fuhr. Toll, ich muss den Zug erwischen (hätte ich den nicht erwischt, hätte ich ohne Zugbindung einen anderen nehmen können, weil es ja nicht mein verschulden war, das hatte ich aber in dem Streß nicht auf Lager). Also rumtelefoniert, wer mich nun zu einem anderen Bahnhof bringen könnte. Niemanden erreicht. Doch, meine blöde Nachbarin, die ich NIE NIE NIE mehr um was fragen wollte, weil sie so engherzig und arschig ist. Wie auch jetzt: Sie kam zwar, nach einigem hin und her, weil dann doch ein Bus fuhr, ich ihr sagte sie muss doch nicht kommen, der Bus fuhr aber nicht weit genug, also wieder angerufen: kannst du bitte doch kommen? Ja war blöd, aber jetzt nix schlimmes, aber sie gleich: „Dann hab ich aber was ganz ganz ganz großes bei dir gut!“ Und dann bei der Fahrt: „aber zurück hol ich dich nicht nochmal!“ ECHT JETZT? Sie hatte frei, sie hatte eh nichts vor, sie war wach und geduscht, und das ganze dauerte (mit ihrer Rückfahrt) 20 Minuten! Ekelhafte Person. Jetzt ist sie endgültig bei mir durch und nein sie bekommt nichts von mir, dass sie mir ja geholfen hat. Am Arsch!
Aber zum positiven: Superschön war der Tag in Weinheim: Lange Wanderung durch den Schloßpark, dann durch den Exotenwald mit u.a. Mammutbäume, ich liebe diese Riesen! Dann weiter auf eine Burgruine. Hab ordentlich Höhenmeter gefressen, weil es da sehr hügelig ist. Wetter ideal: Sonnige 23 Grad, leichter Wind und bis auf den Exotenwald: Kaum Menschen! Hab ich ordentlich an Energie aufgetankt!

Die Wohnung in Mannheim: Ein 50qm Appartment in einer alten Fabrik. War abends/nachts etwas gruselig, weil auf 3 Stockwerke nur einige Firmenräumlichkeiten waren und ich glaub noch 1 Wohnung. Das alles 100 Jahre alt und das Treppenhaus sehr gammlig und modrig. Alles aber links-alternativ angehaucht auch ein Malatelier mit dabei, so dass es schon ging. Vorteil: Absolut ruhig! Trotz Innenstadt. Das Fenster ging zum sehr großen Innenhof und man hörte nur selten paar Stimmen, aber sonst: STILLE! Auch das nicht ständig wie bei mir zuhause, Nachbarn hin und her rennen und man Bahn/Flugzeug/Straße hört. Da merkte ich  wie sehr mich das nervlich immer anspannt, weil ich immer checke (also teils unbewußt: Gefahr? Diese Überaufmerksamkeit kann schon stressen).
Das Bad auch schön groß, natürlich mit Wanne, was ich sehr genoß. Alles eingerichtet mit einem Materialmix aus Marmor, Biedermeiertisch, Bauernschrank, dann noch bissl Industriestyle und Ikea.
Der 2.Tag war ganz im Sinne von: dösen, Regen zuhören, nachdenken, viel lesen. Weil ich nach 2 Tagen unterwegs sein, doch eine arge Reizüberflutung intus hatte, die mich schwer schlafen ließ.
3. Tag Nochmal bissl durch die Stadt mit der Tram gefahren und dann nochmal spazieren, diesmal am Rhein. Da am Ufer zu sitzen hat mich auch sehr entspannt. Aber am Nachmittag kam dann eine Trauer hoch, weil mich mein 1-Mann-Betrieb langsam echt nervt und stresst, alles mach ich alleine und überhaupt, mirtand meine Einsamkeit bis obenhin.
Die Heimfahrt verlief dann sehr gut und ja es tat schon gut rauszukommen und ich fühl mich auch wieder mehr in der Erwachsenen, allein sich in einer fremden Großstadt zurecht zu finden, fordert das ja schon ein

Sonnenuntergang

Den ganzen Sommer über wollt ich abends nochmal raus um den Sonnenuntergang mal wieder anzuschauen. Meine Wohnung hat Nord-Südfenster, aber hinten am Feld, da würd ich ja was sehen. Ich hatte aber immer eine so starke Schranke/Sperre in meinem Inneren, dass ich es nicht rausschaffte. Aber warum? Viel Anspannung und Angst…hm weil raugehen generell schwierig ist und ich abends da erst recht keine Kraft mehr dazu habe? Hmm…Gestern abend habs ich dann geschafft, aber nur in Verbindung: dann bring ich noch die Post weg. Und nur mitm Radl weil ich mich da sicherer fühle und schneller weg bin, wenn ich schnell heim will. Ja die Wolkengebilde und die Farben waren schon toll, aber dann? Tränen. Aha irgendwas ist zuviel. Melancholie, Trauer, Sehnsucht. Nach den schönen Kindheitstagen, deren Verlust ich nie überwand, weil ich nicht aus der Kindheit rauswachsen durfte, sondern sie mir von einem Tag auf den anderen weggerissen wurde. Kein draußen sein mehr, keine würzigen Düfte, keine Abendstimmungen mehr beim spielen, keine Grillen mehr die zirpten, kein schummriges Tageslicht, keine Tiere und noch sovieles mehr: stattdessen: Stadt und damit das komplette Gegenteil.
Und ja, ich habe abends weniger Kraft für draußen, die Sozialphobie ist nochmal viel stärker, außer ich treffe mich mit jemanden und habe was vor UND in der Stadt macht mir das alles weniger aus.
Morgenstimmung kann ich sehr gut haben, das ist euphorisierend, stärkend, lebendig. Aber Abendstimmung auf dem Land im Herbst….da zerreißts mich.

Wochenrückblick 10. September 2021

Oh hatte ich ja schon lange nicht mehr: Magen! Sonntags wunderte ich mich schon warum ich nur schläfrig rumhing und so keinen Hunger hatte. Montag wars dann klar: Gastritis. Vom feinsten. Mittwoch lag ich immer noch nur dösig rum, 3 Tage im Dämmerzustand wo man nicht genau weiß: träum ich? welchen Tag, welche Zeit? Dann kommen Bilder aus der Vergangenheit hoch, Gefühle auch, alles ein Matsch. Inzwischen weiß ich aber was hilft: rigoros auf den Körper hören: Nicht essen, wenn kein Hunger, wenn auf irgendwas bestimmtes Appetit: dann los. Meist is es Kartoffeln oder Milch, trockenes Brot sowas eben. Warm muss alles sein. Und natürlich viel Ruhe, und Wärmflasche aufm Bauch, der Körper schuftet innerlich. Aber auch nicht zu lange in diesem Schonzustand bleiben. Donnerstagnachmittag der Besuch im sonnigen Biergarten (mal wieder rauskommen, ein Schnitzel mit Pommes und 4 Stunden mit J geplaudert) tat einfach sehr gut und ich fühlte mich danach wieder etwas besser. Von daher: mehr war die Woche nicht los. Da ich eh keine Termine oder Arbeit hatte, musste ich auch nichts absagen und konnte mal vollkommen loslassen, was mir ja immer schwer fällt.
Aber weil ich ja immer wieder das Thema Zukunft im Kopf habe: Gabs auch Überlegungen zu den letzten 10 Jahren. Und ich merke, die jahrelange Therapie war „nur“ Stabilisierung. Wirkliche Traumabearbeitung gabs nie und ich finde das bei Entwicklung/Beziehungstrauma durch nahe Bezugspersonen wo es fast nur auf der psychischen Ebene abgeht da auch noch schwieriger, als bei einem Monotrauma. Ich habe auch keinen Bedarf das groß zu bearbeiten, wie auch immer das aussehen würde. Und erst recht ging es kaum um die Zukunftsgestaltung. Das ist jetzt kein Vorwurf, sondern eine Feststellung. Ich habe gute 6 Jahre (mit Unterbrechung) gebraucht um erstmal wieder stabil zu stehen: wer ich bin, was ich mag, was ich brauche, wie ich mit Situationen umgehe, Täterkontakte abbrechen, Schulden abbezahlen, kein neues Chaos verursachen und ganz wichtig Selbstfürsorge üben, lernen, einzustudieren, damit es aus dem FF sitzt (wie Muttern immer so nett sagte).
Ich lebte solange in Traumasituationen, in Chaos, in Vernachlässigung, in Unsicherheit, in Unbeständigkeit und jetzt ist Ruhe eingekehrt. Jetzt erst kann ich in die Zukunft schauen, was möchte ich, was ist machbar. Ungewohnt für mich, ich reagierte ja immer nur auf das Leben, aber agieren? Ich? Nein.
Und ich tue mich auch phasenweise schwer mit dieser Ruhe…ungewohnt ist das. Aber ich kann auch immer öfter sagen: Jetzt und hier ist alles gut-heute musst du nichts machen, du kannst das Wetter draußen genießen oder drin bleiben, was lesen oder einfach einen Film anschauen auch wenn ich ihn schon kenne, heute empfinde ich das nicht mehr als Zeitverschwendung. Ich atme öfter tuef durch. Ich seufze und lasse meine Anspannungen los, manchmal lächle ich dann vor mich hin, weil es so schön ist….und ich mich langsam immer mehr daran gewöhne. Ich schlendere auch öfters und binde meine Haare nicht mehr so streng weg. Alles darf ein wenig lockerer sein. Die extreme Schwere und der Ernst der oft viel zuviel war, mildert sich ab. Ich kann mir vorstellen, wie das andere so immer erlebten und warum die auch öfters Spaß haben und es lustig finden auf der Bierbank stehend alte Schlager grölen. Für mich war der Alltag sooft nur Streß, Streß, Streß. Trigger, Anspannung, schlechter Schlaf, da ist einem nicht zum lachen.
Jetzt hab ich auch das Leben. Es ist einfacher als ich dachte, ich glaube ich habe es selbst oft verkompliziert. Dass da noch was kommen müsse, irgendwas wichtiges, besonderes, großes. Aber nein, atmen, essen, fühlen, sich Beschäftigungen suchen, schauen dass es einem gut geht, paar kleine oder große Ziele stecken, Erfahrungen machen. Das ist das Leben. So einfach. Und dem kann ich mich hingeben.

In diesem Sinne: Habt alle ein entspanntes Wochenende! 😉

Raus aus der Unterschicht ?


Wie kommt man aus der Unterschicht raus?
Ich glaube da gibt es Unterschiede: „Nur“ Unterschicht oder Unterschicht plus, nämlich noch eine dysfunktione Familie mit Traumata oben drauf.
Ich glaube das man mit Bildung, Kraft, viel lernen und klar auch ein wenig Glück und Unterstützung schon sich gut nach oben arbeiten kann. Anders wenn zusätzlich noch Traumata hinzukommen.

Ich war (und bins meisten immer noch) immer lern- und wißbegierig. Ich wollte die Realschule besuchen und durfte nicht. Ich habe dann später die mittlere Reife nachgeholt, weil mir das wichtig war. Ich wollte nie so werden wie meine Familie oder generell meine Umgebung. Ich wollte immer aus dieser Unterschicht raus. Ich wollte was besseres sein. Ich wollte mehr erreichen.

In meinem Umfeld gab es soviel Alkoholismus, Unterdrückung, Abwertung, Krankheiten, Schulden, Verwahrlosung, prekäre Jobs, staatliche Unterstützung, Gewalt, Traumata.
Wie kommt man aus so einem Sumpf heraus?
Fachleute meinen, dass es in der Kindheit dazu mindestens einen (besser natürlich mehrere) Menschen geben muss, der einen wirklich sieht, nährt, versteht, unterstützt, einen stärkt, liebt und Geborgenheit schenkt. Das kann der Sporttrainer sein, eine Nachbarin, die Oma, eine Pflegefamilie oder die Familie eines Freundes.
Ich hatte das nicht. Selbst als es mal einen Lehrer gab, in einer sehr schwierigen Situation die auch lange anhielt, stellte sich heraus, dass er eigentlich was anderes im Sinn hatte…mit dieser süßen 12-jährigen.
Ich wurde zum Einzelkämpfer. Ich verließ meine Familie, las unzähliche Selbsthilfebücher, besuchte jahrelang Selbsthilfegruppen, gab viel Geld für Medizin und sonstiges aus, verbrauchte Unmengen an Zeit und Kraft für ein besseres Leben, war in Therapien, in Kliniken und einigen dubiosen Seminaren.
Der Wille allein half nicht. Ich hocke immer noch in dem Schlamassel, aber immerhin sank ich nicht noch tiefer. Immerhin, ein bisschen Optimismus muss sein, auch wenn der mir immer öfter abhanden kommt.
Habe ich zuviel vom Leben gefordert? Vielleicht, aber wo landet man wenn man zuwenig vom Leben fordert? Beim Glück? Bei der Gelassenheit? Oder im noch tieferen Sumpf.
Das mein Leben sich nicht besonders von dem meiner Familie unterscheidet versuche ich derzeit irgendwie zu akzeptieren, auch dass ich nicht aus den ganzen alten und neuen Traumata rauskomme, auch in prekärer Lage lebe, auch immer wieder Schulden mache, auch viel gebrauchtes kaufen muss und seit 10 Jahren auch zur Tafel gehe. Obwohl ich das, als meine Mutter davon so schwärmte ich das immer verachtet und mich geekelt habe. Genauso wie vor dem asozialen Pack meines Schwagers, die nur noch saufend vor der Glotze dahinvegetierten und von Anstand und Respekt keine Ahnung hatten. Nein zu diesem „Gschwärl“, wie man in Bayern sagt, gehörte ich nicht.
Und irgendwie eben doch

Wochenrückblick 2.September 2021



– Montag und Dienstag hatte ich ja frei, ließ mich durch den Tag treiben, gönnte mir viel Ruhe, tat bissl was im Haushalt wenn ich Lust hatte und ließ mich ohne Zwang einfach so sein. Früher sah das anders aus: Da mussten meine freien Tage total ruhig und still und ohne Türklingel und auf keinen Fall mit einkaufen sein, heute bin ich da innerlich lockerer. Entspannung und Zwang passen nicht zusammen. Auch so ein Lernprozeß.

-Mittwoch: krass: Also ich hab ja bei der Tafel schon vieles erlebt, erfreuliches aber natürlich auch viel ärgerliches. Nun kam was neues dazu: Ein hiesiger Sportwarenladen machte zu und spendete seine Restwaren an Schuhen der Tafel. Tolle Sportschuhe. Noch mit Preisschild meist so um die 130,- Blöderweise erwischte ich ein Paar mit 2 unterschiedlichen Größen. Das merkte ich erst zuhause. Nun fand sich die andere Frau die auch das andere falsche Paar erwischte. Beide brauchten wir aber die größere Größe. Also: auslosen. Fand ich fair.
Die Leitung der Tafel bot noch an, jetzt sofort im Keller nach einem weiteren Paar zu suchen, dass wir beide Schuhe bekämen. Die Frau verneinte: das losen wir jetzt aus und gut isses. Ich nickte. Sie drückte ein Geldstück der Leitung in die Hand und meinte: Wer den Euro erwischt, bekommt das Paar. Ich nickte wieder. Die Frau wählte auch noch die Hand aus und: tadaaaa: erwischte die leere. Also bekam ich den Zuschlag. Ich fasse mal zusammen: Wir taten alles was die Frau wollte. Aber neee, Zack wurde sie total pampig und hochaggressiv und rauschte von dannen. Ich war total perplex, die Leitung ebenso und irgendwie ziemlich gestresst und als ich noch was sagen wollte, breitet sie kurzerhand ihre Arme aus und drückt mich an sich. HUCH..äh…HUCH..äh…damit hatte ich nullkommanull gerechnet, wir sind jetzt nicht so dicke miteinander und sie ist seeeeeehr auf Coronaregeln bedacht aber scheiß drauf: es tat total gut!
Die ganze Woche über dachte ich nun nach, wie wohl die nächste Begegnung werden würde, denn die Frau hatte ihren Schuh ja zuhause gelassen (in der festen Meinung SIE bekäme den anderen ja auch noch) und ich bat sie, den einfach das nächste Mal mitzubringen.
Zu 80% dachte ich echt, sie bringt ihn nicht mit, hat ihn „verloren“, beschädigt oder pampt mich wieder aggressiv an oder sonstiges. Ich überlegte oft (oft konnte ich das aber auch stoppen, so ein Gedankenkarrussel zieht nämlich viel Energie) wie ich reagiere, wenn Situation A,B oder C eintrifft.
Mittwochmorgen war mir so schlecht vor Aufregung, dass mir die Knie nachgaben und ich das atmen vergaß- So schlimme Angst hatte ich schon lange nicht mehr (äh doch am Samstag), aber diese Konfrontation triggerte mich, die Frau hat was unberechenbares, falsches, böses an sich. Also halbe Tavor gegönnt und losmarschiert. Und was war? Ganze Aufregung umsonst: Ich musste sie noch nichtmal drauf ansprechen, von sich aus, gab sie mir einfach den Schuh und gut wars.
Und den ganzen Nachmittag hab ich mich dann gefreut, dass ich die tollen Schuhe bekam und der Streß endlich vorbei ist! Früher hätte mich das länger beschäftigt, aber hej, es ging a) nur um Schuhe, b) gings gut aus und c) is es nun vorbei, was ist JETZT wichtig? Da waren: Radlrunde durchn Wald, um Anspannung abzubauen, früher hätte ich mich gezwungen still sitzend zu lesen und hätte ewig diese Anspannung mit rumgetragen.
Schön wenn man dazu lernt 😉

– Donnerstag: nach 3 Wochen mal wieder in meiner regulären Arbeitsstelle anwesend gewesen. Fast langweilig, wenn man vorher in einer Partyhölle sauber macht und nun so eine gediegene 3-Zimmerbude auf Vordermann bringen soll. Entspannung auf Arbeit konnte ich da auch gut üben, es darf auch mal weniger Arbeit sein, das ist okay!  Danach mit lauter Musik in den Ohren am See in der Sonne Mittagspause gemacht und einfach mal geübt stolz auf mich zu sein. Und mich am schönen Tag zu freuen. Tat echt gut.

– Freitag: Ich merke, dass die letzten 2 Wochen wieder viel Aufregung dabei war und ich schon wieder so hochtourig laufe. Deswegen ist heute: Frei! Nur kurz einkaufen, und dann aufm Balkon sonnen und lesen oder dösen und Musik hören, egal. Es darf mir gutgehen. Ich darf locker lassen. Ich muss mich grad um nichts kümmern und ich freue mich tierisch, dass ich dieses Wochenende frei habe

Wohnort: Das mit den arroganten Leuten hier, kann schon stimmen, ich fand diese nordöstliche von München energetisch (kann es schwer beschreiben) schon immer kühler, ohne Flair und Charme. Anders als der Westen wo ich früher lange wohnte, da wars irgendwie gemütlicher, wärmer, herzlicher.
– mag ich sehr: online Arzttermine ausmachen, ich telefonier immer ungerner, hab das früher gar nicht gemerkt wie sehr mich das eigetlich stresst.
– Verbrecher: war bei einer Online-Plattform und wollte da nun mein Konto löschen. Haha, guter Witz. Ich fand nach ew Suchen einen Link wo man das könnte. Da passierte aber nichts. Ich Kundenservice angeschrieben, darauf kam ne Antwort: Meine Mail wäre leer angekommen. Jaaa wers glaubt. Ich solle den Link benutzen (gehts noch komplizierter?) ich also da alles angeklickt und ausgefüllt und warte seitdem auf die Bestätigungsmail. Nichts…Ich wieder angeschrieben was Sache ist und wenn das nicht bald erledigt ist, ich rechtliche Schritte einleiten würde. Antwort: „wir leiten Ihre Anfrage an das spezialisierte Team weiter. Ihre Anfrage wird innerhalb von 24 Stunden bearbeitet.“ Naa ich in ja mal gespannt.
– gestochen: eine Wespe prallte mir beim radeln volle Kanne an den Fingern und stach gleich zu. Jesus tat das weh. Is mir ja seit Ewigkeiten nicht mehr passiert. Ich saugte die Stelle gleich ab und spuckte aus und kühlte es mit einer Getränkedose. Glück im Unglück: juckte zwar einige Tage aber schwoll kaum an

Die Hölle,

…das sind die anderen.
Ich weiß auch nicht woran das liegt: Hier am Dorf oder an mir, dass ich immer weniger Menschen mag. Die meisten die ich (hier im Ort) kenne sind so arrogant, materialistisch, kalt, geschwätzig. Bekomme ich das jetzt nur mehr mit, weil ich sonst nie so lange an einem Ort gewohnt habe und nur meinen Freundeskreis und Arbeitskollegen kannte, also eine sehr überschaubare Zahl von Menschen oder weil ich generell mehr drauf achte wie die anderen so ticken oder was…?


Dieser Tratsch und diese Mißgunst überall, man find ich das zum kotzen. Ich will hier endlich weg. Bis ich am neuen Wohnort wieder genug Menschen kenne, die auch so drauf sind (oder eben nicht), vergehn ja erstmal paar Monate und Jahre und bis dahin genieß ich wieder mein Einsiedlerleben.
Die Nachbarin schrieb mir schon wieder ganz hitzig, dass die andere Nachbarin Streß mit der Vermieterin hat weil sie die Miete nicht zahlt und blaundblupp. Was interessiert mich das?
Gestern war ich mit einer Bekannten unterwegs, die sich mokierte, dass die eine Frau X ja im großen Haus wohnt und bla und blupp hat und warum DIE denn bitte zur Tafel geht? Äh darf ich sagen, dass DU auch ein Haus, einen Neuwagen und auch nicht alle Gehaltszettel abgegeben hast? (Muss man 1x im Jahr um Bedürftigkeit überprüfen zu lassen). Warum darf dann Frau X das nicht auch haben?
Jaaaa oder Frau Y, die geht ja jeden Tag woanders schwarz putzen und weißt du schon, die eine blonde, die bei der Lufthansa arbeitet, die bekommt nun ne Abfindung von 250.000. Ich glaub das nicht, so jemand geht doch nicht freiwillig zur Tafel? Oder is da echt soviel Gier? Oder will die einfach nur Zwietracht säen und Lügen verbreiten? Wenn ich nur 2 Bananen will und 2 bekomme, warum muss ich mich drüber aufregen, dass die neben mir aber 3 Bananen hat? Wie vergiftet muss man innerlich sein, um ständig so rumzuätzen?
Ich kapier das nicht.
Apropo Tafel, da soll ab nächstes Mal vorgelegt werden, wenn man gegen Covid geimpft wurde. Äh gehts noch? Das gibt nen richtigen Aufstand nächstes Mal (hoffe ich doch). Dann wird man angemeckert weil man was NICHT mitnimmt (ah heikel bist auch noch) oder WEIL man was bestimmtes will, die Verkäufer stopfen sich erstmal selber die Taschen voll und geben dann das schrumplige, alte Zeug uns und lächeln einem noch scheinheilig ins Gesicht und brüsten sich wie wohltätig und völlig selbstlos sie ja den ARMEN ARMEN helfen.
Würds derzeit nicht fast jedes Mal Gutscheine fürn Einzelhandel geben, ich würd im Moment nicht mehr hingehen, weil ich so die Schnauze voll habe. Auch untereinander ist das Klima so gehässig und widerlich!
Überlege ernsthaft mir auch was zu suchen, wo schwarz bezahlt wird. Um dann eben nicht mehr hinzugehen, sollen sie ihren Scheiß selber fressen…

Auch dieses lügen und schummeln… mir liegt das fern, wenn mich jemand für 3 Std. bezahlt, geh ich doch nicht nach 2,5 Std. oder so wie meine Nachbarin ganz offen sagt: sie putzt nur das offensichtliche, manchmal verstellt sie einfach nur paar Sachen, damit man meint, man hätte da was getan. Und ich bin die dumme, weil ich ehrlich bin. Ich hab eine zu stark geprägte Beißhemmung: auch mal schluderig sein, auch mal jemand anranzen, auch mal bescheißen, jemand ausnutzen…mir liegt das aber fern. Ich würde so gegen mich arbeiten, dass es mir mehr schadet.
Ja da kommt der abgekaute Satz: Zu gut für diese Welt. Ich bin sicher kein Engel, aber…oder…wart mal…doch irgendwie schon, ich heiße ja Angelika 😉

Boah ne, echt, den Leuten hier gehts immer noch viel zu gut. Ich werd auf jeden Fall nun die nächste Zeit: Welt aussperren, mich hinter Bücher vergraben (sind halt immer noch die besseren Freunde), mich entspannen und die Idioten Idioten sein lassen, wenn es sie glücklich macht wie arschig sie sich benehmen, bitte sehr. Sollen sie machen. Ich halte Abstand.

Arbeit Teil 2

Natürlich fragte mich der Exchef wieder, ob ich nicht DOCH wieder regelmäßig bei ihm arbeiten will. Er lässt nicht los 😉 ne freut mich natürlich, dass er mich so schätzt, sieht das ich gute Arbeit liefere und zuverlässig bin. Ich erkenne das langsam ja auch selber, nachdem mir die Nachbarin so erzähl hat, was SIE erlebt, wenn sie neues Reinigungspersonal sucht. Ich hab ja schon Pluspunkte dass ich a) pünktlich erscheine ODER rechtzeitig absage UND deutsch kann!
Nein, jede Woche ist mir zuviel, er dann: „Jedes 2.Wochenende?“ Ich nickte. Das wär okay.


Die Vorteile:
Relativ nah, ca. 30 Minuten einfacher Weg, obwohl mir das Wochenende arbeitstechnisch immer heilig war, hat sich das anscheinend geändert, es ist nicht mehr so schlimm, dann ist Montag und Dienstag mein Wochenende, der Chef ist super: freundlich, zuverlässig, immer erreichbar wenn ich irgendwas nicht weiß (das muss ich mir merken, weil die Panik VOR Arbeitsbeginn, wenn ich nicht weiß was mich gleich an Chaos erwartet, muss ich „in den Griff“ kriegen: Es ist nicht MEINE Verantwortung, es ist nicht mein Haus und ich glaub das übliche habe ich schon erlebt: Besoffene Gäste die noch nicht weg sind, kaputte Sachen, Konfetti überall ect.) schätzt und weiß dass es harte Arbeit ist und scheut sich auch nicht, mal selber anzupacken. Und es ist in einem eher vergammelten Stadtteil und ich schäme mich da weniger, wenn ich den Außenbereich putze und gesehen werde, mit 2 Riesentüten Pfandflaschen durch die Gegend latsche oder sonstiges.


Ich kenne inzwischen das Haus und hab mir einen Arbeitsablauf zurecht gelegt, den ich gut abbarbeiten kann und nicht jedesmal neu überlegen muss was ich wie mache, effizient arbeiten macht mir Spaß (Nerd *g*) und ja ich mag auch zupackende, körperliche Arbeit bei der man das Ergebnis sieht. Letztens las ich eine kurze Kolumne in der eine Kosmetikerin berichtet, wie gerne sie Pickel ausdrückt. Konnt ich gut verstehen, ich mag aufräumen und reinigen auch. Klar gibts Ekelsachen, aber die halten sich in Grenzen (was ich bisher so erlebt habe, will es ja nicht verschreien).
Es ist anonymer, zwar ist der Arbeitsbeginn wie schon erwähnt für mich sehr stressig, dafür lässt die Anspannnung nach wenn ich gesehen habe dass a) keiner mehr da ist und b) wie es ausschaut. Anders als in der festen Arbeitsstelle in einem Privathaushalt, da bin ich IMMER angespannt, weil ich in deren Privatsphäre bin. Für mich ein immenser Unterschied.
Es tut mir auch gut mehr Beschäftgung zu haben, die derzeitige Langeweile, Leere und Einsamkeit ist echt schwierig.
Und ich kann u.a. üben mir Zeit zu lassen. Ich bin auf Arbeit, nicht auf der Flucht! Und ich muss auch nicht immer alles 100% machen, das ist eine Location, die meistens von jungen feierwütigen Leuten gebucht wird, wenn da mal auf nem Regal Staub liegt oder nur das gröbste feuch durchgewischt ist, dann macht das nix (meinte auch Chef!) und auch was ich so von den anderen Kolleginnen mitbekommen habe, nimmts da manche nicht so genau. Da läuft seit Wochen der Geschirrspüler ohne Salz und Klarspüler, also bleibt das Geschirr dann dreckig, oder wenn Wäsche unsortiert ins Regal geräumt wird, anstatt Laken auf Laken und Handtücher auf Handtücher oder die Putzlappen nicht durchgewaschen werden usw. (wie gesagt, mein innerer Beamter jault da immer auf *g*).
Und was meiner Adrenalinsucht und dem Ego irgendwie entgegenkommt, die „besondere“ Location: Groß, mit Bar und bayrischer Einrichtung, eben was besonderes. Kein Mittelmaß, nicht normal.

Schwierig ist weiterhin der Gästekontakt (oft hab ich den auch nicht), da hoffe ich mir auch eine Routine/Maske/Floskeln erarbeiten zu können und auch hier nicht zuviel Verantwortung zu übernehmen: ich muss nicht den Entertainer spielen. Klar bin ich höflich und freundlich, aber es reicht, wenn ich nur das notwenige sage.
Und ich bin froh, dass dieses Jahr nochmal das Oktoberfest ausfällt, ich glaube zur Wiesnzeit will ich da nicht arbeiten, oder nur mit Sonderzuschalg oder zu zweit oder so.
Schwierig ist aber auch: Warum muss ich wieder sowas heftiges machen? 210 Quadratmester groß, als Partylocation, gehts auch maaaal normal? Wieder das dreckigste, schwierigste, triggerndste? Denn das Haus ist sehr verwinkelt plus Keller, wo die Sanitäranlagen sind. Alleine in so einem großen Haus. Unübersichtlich. Nicht so ganz kontrollierbar. Die Fenster kippe ich nur, ganz öffnen wäre viel zu gefährlich, da laufen immer komische Typen rum. Die lauernd gucken, Bierflasche in der Hand, mit sich selbst reden (üble Ecke). Die könnten da leicht ins Erdgeschoß einsteigen. Oft redet einer aber laut am Fenster und das hört sich an, als wäre er IN der Wohnung. Puh. Dazu wieder das alte Thema: Männer haben Spaß und ich mache deren Dreck weg. Manchmal reichts mir schon mit diesem „Männerduft“ aus Parfum, Rasierwasser, Alkohol, Hormonen und schlimmeren. Es bedient also ein altes Muster von mir: Das kann ich, das macht mir nichts aus, das ignoriere ich, da funktioniere ich. Alle anderen wollen da nicht arbeiten, weil: Wochenende und oft sehr viel Arbeit, Hinterlassenschaften einer Party halt. Aber ne ICH mach das, mir macht das doch überhaupt nichts aus! Haha.
Nicht umsonst bin ich danach voller Adrenalin, gehe weit zu Fuß statt den Bus zu nehmen, obwohl mir schon die Füße vom laufen weh tun,  kann zuhause kaum entspannen, schaue Filme ohne ihnen zu folgen, stopfe mich mit Essen und manchmal mit Alkohol voll, bin zittrig, angespannt, hibbelig, „eigentich“ völlig neben der Spur. Angetriggert. Aber mich triggert soviel an, ich kann dem nicht ausm Weg gehen, ich kann nur lernen damit zu leben…oder?

Arbeit

Das Wochenende musste ich an beiden Tagen arbeiten (jetzt reichts aber auch echt wieder) und der Chef gab Info durch, dass 10 Leute um 11 Uhr kommen, um ihre Sachen abzustellen. Hab ich schon gesagt, dass ich Menschenkontakt in der Arbeit hasse? Es stresst mich, es bringt mich ausm Tritt und außerdem, was wenn das (wie meistens in dieser FEWO) 10 feierwütige Männer sind? Sorry aber da krieg ichs mit der Angst zu tun. Vor 2 Jahren als ich dort arbeitete war das schonmal der Fall, aber diese Jungs waren sehr respektvoll und freundlich und zogen auch gleich wieder weiter. Nun weiß ich aber, dass ich in dieser Zeit (während die Zimmer anschauen, jeder noch aufs Klo geht, frisches Shirt anzieht usw.)im Hauptraum/Küche bleibe weil das am nächsten vom Ausgang ist. Schrecklich, dass Frau so überhaupt denken muss. Kein Mann verschwendet irgendeinen Gedanken daran, dass es jetzt gefährlich werden könne, wenn er in einen anderen Raum geht/was bestimmtes anzieht/eine dunkle Straße runtergeht/ sein Getränk mal unbeaufsichtig bleibt/ in einen vollen Bus steigt.
Aber es kam schlimmer: Als ich um 10h meinen Dienst antrat, waren die VORHERIGEN Gäste noch da: 16 junge Männer, die 3 Tage durchgesoffen hatten und keinerlei Anstalten machten zu gehen. Na super. Ich werkelte erstmal weiter hinten und versuchte meiner Panik Herr zu werden. Hilft nix, ich muss die jetzt rauswerfen. Super für jemanden mit Sozialphobie und genügend Erfahrung in Sachen Männergewalt. Also ging ich in dem Hauptraum und statt in die Menge zu brüllen, schnappte ich mir den erstbesten und sagte ganz freundlich dass sie nun langsam aber doch sicher gehen müssten. Er brüllte daraufhin in die Menge: „Sie sagt, wir sollen uns verpissen!“ Ahja. In der Menge: Großer Macker, aber wenn einer allein an mir vorbei huschte war derjenige fast unterwürfig. Den einen bat ich sogar mir den schweren Wäschewagen rüber zu schieben. Tat er auch brav und als ich mich umdrehte stand da noch der letzte Nackedei vor mir und war auf einmal gar nicht mehr cool. Diese Ferienwohnung ist echt IMMER für Überaschngen gut.

Ok. Unmengen an Müll, noch mehr Bier, ein kaputtes Bett, ein kaputter Stuhl und 16 Betten abziehen.
Die Gäste die dann um 11 kamen, blieben auch. Von wegen: stellen nur ihre Sachen hin. Ich hatte dann das „Vergnügen“ mit 6 Weibern, die nebenbei schon alles dekorierten und rumwuselten, da irgendwie weiter zu arbeiten. Sie meinten, der Chef hätte gesagt, das wär ok (weil ja um 13h das Überraschungshallo für die zukünftige Braut hier stattfindet, und da wollt ich nicht mitm Wischmop dazwischen wuseln, also hab ich kurzerhand das gröbste geacht und bin dann gegangen).
Da hatte ich zwar weniger Panik, weil es nette Frauen waren, aber ich kam total durcheinander. An mir ist echt ein astreiner Beamtenstatus flöten gegangen. Flexibel? Ich bins nicht. Alles muss nach Schema F laufen und immer hundertprrozentig gut sein. Meine Routine die ich endlich intus hatte, verabschiedete sich rauschend und ich konnte nicht so sauber arbeiten wie ich das von mir verlange. Das konnte ich aber auf dem Heimweg sausen lassen: Wenn er OK gibt, dann is das so. Wenns nicht 100% sauber nun ist: Ja nu nicht mein Problem. Ich hab keinen Job zu verlieren und wenns ne schlechte Bewertung gibt: Is das nicht meine Bewertung, sondern für die Unterkunft/Inhaber.
Im Gegenteil ich kann stolz sein, dass ich in 3 Std.: 16 Betten ab und 10 Betten neu bezogen habe, den Wäschewagen ins Lager einsortiert habe, Küche geputzt, Spülmaschine aus/eingeräumt, 3 volle Mülltüten ein gesammelt, Bierfalschen umsortiert, 2 große Badezimmer (ok nur grob) geputzt, gelüftet, mit Gästen unterhalten…und das für keinen rauschenden Stundenlohn. Wenigstens hab ich die Pfandflaschen noch weggebracht, waren auch 15,- plus nochmal 5,- an Geld was so rumflog, 2 Bier und 2 Tüten Chips, 1 Glas Senf und Schokolade, alles natürlich original verpackt, alles andere fliegt in Müll.

Und das macht für mich das Thema Arbeit so schwierig: Die anderen Menschen und wenn irgendwas nicht so läuft wie es laufen soll oder was fehlt oder so, ich komme sofort in die Panik, bin konfus, zittere, mache völlig kopflos und ohne Ordnung irgendwie weiter, was mir dann doppelte/dreifache Wege meist beschert und natürlich immer Huckepack: ich kann nix, ich mache alles ganz schlecht, ich müsste 10x besser sein.
JETZT nach fast 10 Jahren Erwerbsunfähigkeitsrente spüre ich das alles immer mehr. Kapiere ich, wie ich mich jahrelang geschunden und gezwungen habe: Angst unterdrücken und funktionieren und sich dann wundern, warum man auf einmal nicht mehr funktioniert und nur noch weint oder sich nicht mehr ausm Haus traut oder mit 3 Promille im Auto sitzt un sich die Pulsadern aufschneiden will. Von daher war es gut, dass ich nach dem 1.Rentenbescheid weiter stundenweise abeiten ging: Um das heraus zu finden…
Na auch generell tut das stundenweise arbeiten gut: ich bleib ein wenig mehr in der Spur, fühle mich ein Ticken normaler, komme raus, vertreibe mir die Zeit, verdiene ein paar Taler dazu und habe manchmal auch nette Menschenbegegnungen. Aber nächstes Wochenende hab ich endlich auch mal wieder frei, darauf freue ich mich auch.

Wochenrückblick 27. August 2021


Es war eigentlich eine ruhige Woche, ich musste mich von dem vollen Wochenende echt lange erholen. Äußerlich war wenig los, dafür gings innerlich mal wieder rund.

– Meine Angststörung reibt sich schon freudig die Hände und meint ganz überheblich: 3G? Am Arsch! Bleib ich halt daheim, ich muss nirgends hin, ich will eh niemanden sehen oder irgendwie rausgehen. Ich fühle mich daheim sehr wohl.
Doch das ist nur die eine Seite, die andere ist ja gerne mal unterwegs um was zu erleben. Und ich merke auch, wenn ich mich länger zurückziehe, dass das wieder rausgehen schwierig wird. Auch nix neues. Letztes Wochenende konnte ich das sehr gut beobachten: Es ging wieder mehr unter Leute, ich musste mit dem Schienenersatzverkehr klarkommen und spürte dabei wieder das innere vibrieren, die Anspannung. Starke Nervosität, Herzrasen, Unsicherheit. Aber ich konnte mir da gut zureden: dass ich das alles kann, dass es halt jetzt ein wenig ungewohnt wieder ist. Dass ich nur ein wenig aus der Übung mit, also auf diese Angst von außen drauf schauen, nicht in der Identifikation bleiben. Vor allem die Gruppensituation bei der Nachtwächtertour war ein wenig stressig für mich, weil ich ständig dachte, die anderen beobachten mich und verurteilen mich oder denken ich bin ein Streber weil ich immer recht weit vorne mitgegangen bin. Da war mein Gesicht oft verkrampft, was mich wiederum stresste und ich da immer ein wenig gegensteuern musste. Da es draußen war und wir immer ein Stück liefen, erleichterte das Ganze. In einem geschlossen Raum sitzend wär es sehr unangenehm geworden für mich.
Meist ist das nur so 2-3 Tage (je nachdem wie lange ich davor einsiedlerisch gelebt habe) und ich komme wieder mehr in Übung, ich muss nicht mehr jede Handlung des Busfahrer argwöhnisch beäugen und mit dem Schienenersatzverkehr fahre ich nach 2 Tagen auch lässiger. Diese Ängste wieder zu überwinden, hebt auch das Selbstwertgefühl! Das tut gut!
Also: Zurückziehen hin und wieder okay, das kann ich auch genießen, aber die andere Seite das raus gehen sanft übend beibehalten. Kurz: Das Leben nicht verpassen!

– HÄ? Meine Pechsträhne reißt nicht ab, langsam darf echt wieder eine positivere Phase kommen. Hatte ja für Mitte September eine Ferienwohnung gebucht, um nach 2 Jahren mal wieder paar Tage rauszukommen. Die Vermieterin schien auch sehr nett und so war ich schon gespannt. Montag kam von ihr ne Mail, sie muss mir leider absagen, da sie die Wohnung nicht mehr vermieten darf, ich möge bei der Plattform doch bitte stornieren. Äh…warum ICH? SIE sagt mir doch ab. Habe mich geweigert und ihr geschrieben, dass das sich das negativ auf mich auswirken könne, wenn ich da zuoft storniere. Was zum Teil auch stimmt, aber mir kam das sehr dubios vor. Außerdem war nicht sicher ob ICH dann die Servicegebühr nicht trotzdem zahlen muss. Sie meinte natürlich NEIN, andere Gäste hätten soeben auch problemlos, kostenfrei stornieren können. Früher hätt ich das auf den Schlag geglaubt! Heute bin ich vorsichtiger: Sagen kann man viel. Ja sie müsse dann 50 USD zahlen und blaaa….ja nicht mein Problem. Sie willigte dann doch ein und tatsächlich: ICH bekam dann als kleine Enschädigung von der Plattform einen 20,- Gutschein. Tja gut dass ich auf mein Gefühl hörte und bei meinem NEIN blieb. Ach wer weiß wozu das gut war. Ich fand dann auch was neues…

– gesehen: Den Film:  Die Künstlerin und die Anorexie. Ein Dokumentarfilm über die Künstlerin Lene Marie die mit ihren eindrücklichen Fotos berühmt wurde. Ich sag nur: Extrem heftig!!!
Sie leidet seit 20 Jahren an Magersucht und das in einer extremen Form. Eine Besucherin ihrer Ausstellung meinte: „Dass man so überhaupt noch leben kann?“ Sie ist wahrlich nur noch Haut und Knochen, ihr Kiefer stark verformt weil sie nur noch Flüssignahrung zu sich nimmt, kam nie in die Pubertät, weil es im 10. Lebensjahr anfing, dass sie immer weniger aß. Keine Brüste, keine Periode. Sie sagt von sich selbst, sie wollte nie erwachsen werden. Jetzt hat sie einen ausgezehrten Kinderkörper mit einer hohen zerbrechlichen Stimme. Als sie ihren ausgemergelten Körper auch noch in einem kaputten Haus fotografiert, entstanden da so krasse Bilder, dass sie schon wieder gut sind. Mir wars zuviel. Dieses Elend, diesen Scherz und diese Traurigkeit so deutlich zu sehen…nach 33 Minuten Film saß ich schluchzend auf der Couch und nach weiteren 10 Minuten habe ich den Film gestoppt. Unbeschreiblich. Am nächsten Tag sah ich die restlichen Minuten, indem es dann um einen Suizidversuch ging und dass sie später an Herzversagen starb. Mit Anfang 30.
Magersucht ist die einzig psychische Erkrankung die ich nicht verstehe. Wie man dem Essen so ausweichen kann, so entsagen… ich weiß für die fühlt sich das nicht nach entsagen an. Ja, ich kann es nicht nachvollziehen. Was mich dieser Film aber gelehrt hat, dass Magersucht ein Symptom ist für ganz andere Schwierigkeiten. Sie will ja nicht so schlimm aussehen, sie hat Lust auf das Leben und kann trotzdem nicht essen.
Wahnsinn.

-Manchmal weiß ich nicht ob die Zeit als ich mich so gar nicht selbst spürte nicht besser war. Ich kann mit dieser Hilflosigkeit und Ohnmacht, dass manche Bedürfnisse ungestillt bleiben, sehr schlecht umgehen. Verdrängung funktioniert nicht mehr wirklich, nachdem ich jahrelang alles, aber auch wirklich alles aus den Tiefen meiner Seele hervorgekramt habe.
Heute: freier Tag. Bewußt eine Arbeit abgesagt. Nachdem mir schon morgends schon langweilig war und ich deswegen in den entfernteren Supermarkt lief, damit ich Zeit vertrödeln kann, dachte ich so: ach hättest ja doch arbeiten gehen können. Dann spürte ich genauer hin. Ne es ist nicht Langeweile, es ist mal wieder die Einsamkeit. Kotzkotz. Und das: ich bin es nicht wert, dass man mich anruft, einlädt, schreibt… lassen meine Ängste explodieren. Alles wird durchdacht damit auch ja nichts schief gehen kann, alle Eventualitäten berücksichtigt. Extreme Unsicherheit sobald ich meine Wohnung verlasse. Schrecklich.
Meine Cousine meinte warum ihre Mutter sich nicht mehr bei mir melde liegt am schlechten Zeitmanagement und dass sie viel arbeitet. Aha. Ich sage: nö. Für eine Whatsapp-Nachricht müßte in 3 Monaten doch mal Zeit sein und wenns nur eine: „Sorry, muss grad viel arbeiten, schönen Tag noch!“ ist. Nein die Zeichen stehen anders, nämlich genau die, die ich von meiner Mutter (also ihrer Schwester) kenne: Ignorieren, nicht beachten, Besuch unter fadenscheinigen Ausreden absagen,  Geburtstag vergessen, nur Probleme von sich seitenweise schreiben und wenn ich einmal ein wenig betüdelt werden will, weil mir grad alles um die Ohren fliegt (damals der Wasserschaden) kommt nur ein lapidares: schaffst du schon und als Geschenke die Sachen die sie nicht mehr braucht/haben will: Die Handtasche erinnert mich zu sehr an Opa, ich bekam ne neue Bettwäsche und hab alte aussortiert usw…
Abhaken. Scheiß Familie.
Ich weiß nicht wohin mit all dem Schmerz und der Einsamkeit. Wie überlebt man das?