Einmal Zufriedenheit bitte!

Interessant, wie man sich selber das Leben schwer machen kann: gestern so: irgendein Unwohlfühlbrei in mir. Keine Ahnung warum. Alles doof und kacke irgendwie. Zu langweilig, zu einsam, zu leer. Dann in mir ein Stimmchen: aber so wie jetzt wolltest du doch immer leben?!? Hm ja. Ich schieb den Gedanken weg. Er ploppt aber immer wieder auf. Ich fange an mir Fragen zu stellen: würdest Du jetzt lieber arbeiten? Nö. Hättest Du jetzt gern Besuch? Nö. Wärst du gerne in einem überfüllten Flüchtlingslager? Nö…da dämmerte mir schon: Jetzt ist alles gut! Ich hab meine Ruhe. Ich kann frei entscheiden was ich mache. Und in mir breitet sich eine Zufriedenheit aus. Ein Lächeln. Eine Wärme.

Ich habe danach so gut wie schon lange nicht mehr geschlafen.

Auch jetzt: herrliches herumtümpeln: ein wenig kreatives werkeln, Wasserhähne entkalken, leckeres essen machen, lesen….der Frieden bleibt. Alles st gut. Jetzt!

Wochenrückblick 10. Juli 2020

– so halb: is ja nicht so, dass jetzt alles super und easy ist, wegen dem Elontril. Mitnichten. Die Frage warum ich lebe und was das hier überhaupt soll quält mich weiterhin. Aber ich habe die Energie was zu machen und nicht total in diesen Gedanken zu versumpfen. Und auch wenn ich auf vieles keine Lust habe, mach ich es halt, damit der Tag rumgeht. Allerdings zwinge ich mich nicht zu Dingen, die definitiv über meine Grenze gehen würden (also ich versuchs zumindest). Vielleicht gibt es auch nicht den EINEN GROßEN Sinn im Leben, sondern viele Jetzte und beim heutigen Tag zu bleiben.

Und noch einen Nachteil hat das Medikament: Irgendwann kommt eben doch der große Hammer und der Körper holt sich die Erholung. Das war dann am Dienstag: Total ko, fast den ganzen Tag geschlafen. Konnte das auch gut akzeptieren. Das zeigt auch, dass die Tabletten nur die Symptome unterdrücken und nicht die Ursache beheben. Ich hab einfach in meinem Leben schon zuviel Substanz verbraucht.

– viel geträumt: leider nix schönes, übelste Alpträume zum Thema Mobbing in der Schule…wuah…und sehr viel von meiner alten Arbeit im Kindergarten, wo ich auch nur noch das kalte gruseln bekomme, wenn ich daran denke!

– gelacht: eine Bekannte fragte mich: „Du bist schwanger,gell ?“ Nö, nur vollgefressen :-)))

– genervt: diese Zyklusstörungen nerven, mal 5 Wochen, jetzt mal wieder 2 Wochen. Hab aber auch keine Lust zum Doc zu gehen. Da weiß ich schon wie das abläuft: Haben Sie derzeit viel Streß? Ich: (gedanklich, naja wie man es nimmt….) sage aber: nö eigentlich wie immer. Doc: Naja das kann schonmal vorkommen…evtl. Angebot die Pille zu nehmen, weil da natürlich der Zyklus künstlich angepasst wird. Aber warum sollte ich mir die Hormonkeule geben?

– gesehen: den Film: Der Boden unter den Füßen. Recht düsterer Film mit schwerer Thematik, aber eher still und ruhig und mit super schauspielerischer Leistung!

– wieder gelesen: Bis hierher und nicht weiter von Rolf Sellin. Gutes Buch zum Thema Grenzen.

– geradelt: auf der langen Radltour zum großen See kam ich an vielen Wildblumenwiesen vorbei. So schön! Kurzerhand paar Gräser und Blumen eingepackt und daheim die Samen rausgeholt und zusammen mit einer gekauften Blütenmischung angesät. Mal sehen obs was wird. Die ersten kleinen grünen Stängelchen sprießen schon!

– gut getan: den Gartenstuhl von D. endlich weggeräumt. Vorher das was er auf die Unterseite schrieb noch überpinselt und zum Verkauf eingestellt, sollte das nicht funktionieren verschenke ich ihn. Hauptsache weg. Eine weitere Last weg. Endgültiger Abschied.

– nicht einkaufen. Ich hatte ja sowas von keine Lust (dafür leider viele Ängste) zum einkaufen. Auch bei der Tafel war ich seit 2 Wochen nicht mehr. So hab ich mal meine Vorräte aufgefuttert. Wieder erstaunt festgestellt: wie wenig man eigentlich braucht.

– getroffen: mit R. Wir „kennen“ uns seit 1,5 Jahren aber nur virtuell. Das erste Treffen scheiterte von meiner Seite und nun erneuter Anlauf. Mir war schon klar, dass er nicht der Typ zum verlieben ist, aber dass ich dann lieber mit der Bahn wieder heimfuhr war deutlich. So ein nerviges Gscheidhaferl. So ein aufgeplusterter Besserwisser und Angeber. MUAAHHH! Der hat keinen schwarzen Humor, der ist nur zynisch. Wenigstens hab ich leckeres Eis mit Erdbeeren genossen. Daheim die Anspannung erstmal weggeduscht. Früher wär ich mit dem noch essen gegangen und mich heimfahren lassen und mitgelacht und Stunden später völlig erschöpft ins Bett gefallen. Jeah! Fortschritt! Der hat aber nichtmal geschnallt, dass ich nur schweigend auf den Weiher starrte und mich so schnell als möglich wieder verdrückt habe. Er meinte im nachhinein, wir hätten uns doch gut verstanden! *lach und auch jetzt bombt er mich mit Nachrichten zu, obwohl ich ihm schon sagte, dass ich sein Dauergequatsche suboptimal empfand (daraufhin meinte er, dass doch einer die Frauen verstehen solle, ahja immer schön auf andere ablenken). Ich glaub der checkt nur extrem klare, krasse Grenzen wie Kontaktabbruch.

– endlich neuer passender Bürostuhl, der nun auch hoffentlich länger hält. Was war das nun ein Geschisse, warte auch noch auf die Gutschrift des kaputten Stuhls, bin gespannt.

– heute noch: Mal wieder Eis für daheim gekauft, da freu ich mich drauf, mit Obst und frischer Sahne, ansonsten warten auf das Gewitter und lesen, quizzen, rumdümpeln…

Licht! Da ist Licht!

Bringt dir das Leben nicht genug Dopamin? Dann futter es! Das Medikament Elontril hilft mir immer wieder mal wieder den Schwung ins Leben zu bringen. Täglich oder gar dauerhaft es zu nehmen ist ungut, ich metabolisier alles so dermaßen langsam, dass ich 3 Tage danach noch ziemlich wach bin. Was ja auch mal gut ist. Und so ist es halt ein weiteres Bedarfsmedikament weil es bei mir eben am 2. Tag schon wirkt. Mein Psychiater schüttelt nur den Kopf (leicht verwundert) warum das bei mir so ist. Ich glaube dass das bei vielen so ist, weil schwere Nebenwirkungen sind ja nichts anderes als: ZUVIEL! Ich kenne halt meinen Körper sehr gut und habe es einfach ausprobiert, wie es ist in ganz schweren Zeiten 3x die Woche eine halbe Tablette zu nehmen und es dann wieder zu lassen. Tut mir gut! Also, darum solls doch gehen. Und nicht was in Lehrbüchern steht!

Ich fühle mich wieder lebendiger und traue mir wieder was zu! Heute endlich die große Radlrunde zum weiter entfernten See (insgesamt 35km) geschafft und auf dem Hinweg in der Bäckerei gefrühstückt! Ich, samt Sozialphobie war ja schon Ewigkeiten nicht mehr alleine öffentlich essen (mit jemand zusammen gehts leichter). Ich fühle mich wieder normaler. Mir fallen wieder Dinge ein die ich machen könnte, ich fühle mich wieder stärker. Was so ein klein wenig Gehinrchemie doch ausmacht.

Ich habe das nie so ganz verstanden, wenn es hieß: Die Psychopharmaka können den Kreislauf durchbrechen, so dass du entweder erst therapiefähig wirst oder dich wieder auf die Spur bringen damit du dann weiter machen kannst. So wie man ein Auto anschiebt oder ne fremde Batterie dranklemmt. Dadurch dass ich heute wieder unterwegs war, fühle ich mich natürlich auch wieder besser!

Es ist wieder Licht zu sehen und es sind nicht die Scheinwerfer des Zuges!

Wochenrückblick 4.Juli 2020

– endlich: irgendeine Politikerin sagte (im Zusammenhang der Mißbrauchsvorfälle in Münster) dass man die Wortwahl ändern müsse. Dass man nicht Mißbrauch sagt, weil es heißen würde, dass es auch einen „gesunden-normalen“ Gebrauch der Kinder gäbe! Das fordern schon seit Jahren Kinderschutzbände und Frauenhilfsstellen!
– gelesen: Morgens Schürze, abends Strapse. Ein herrlich böses, polarisierendes, ironisches und somit ein sehr lustiges, feministisches Buch. Untertitel: Was Männer an Frauen mögen und warum uns das egal sein kann. Da auf Seite 142 stutzig geworden weil ich las: Irrtum: Der Respekt des Mannes wächst mit der ihm entgegengebrachten Leistung. Genau das Gegenteil ist der Fall: Je „selbstloser“ sie ihn versorgt, ihn entlastet und verwöhnt, desto rapider gleitet sie in seinen Augen auf das Niveau einer unbezahlten Hausangestellten ab. Ein Verhalten das tief im Wesen des Menschen verankert ist: Jede Kreatur die sich freiwillig klein und unterwürfig gibt, provoziert Aggressionen. Wer sich vor dir in den Staub wirft, den missbrauchst du nur allzugern als Fußabtreter, um selbst keinen Dreck abzubekommen.
Das erklärt einiges. Je mehr ich mich in meiner Familie um Anerkennung bemühte (in meinem Erwachsenenalter), desto schäbiger verhielten sie sich mir gegenüber. Je mehr sich jemand anbiedert, desto höher steigt die Abwehrhaltung. Das „interessante“ ist: als Kind sagte mir mein Vater mehrmals, dass ich doch zurück schlagen solle (wenn mich mal wiedder ein Junge drangsalierte), wehrte ich mich aber gegen seine Ansprüche bekam ich knallharten Liebesentzug. Erst viel zu spät erkannte ich, dass ich auch mal Respekt verdient hätte und das ich keine Lust mehr hatte soviel Energie und Geld in meine Eltern zu stecken. Also verschickte ich auch mal 0815-Geschenke, nix persönliches, einfach irgendwas, so wie mein Vater. Meine Mutter bekam auch mal dreckiges, benutztes Zeug „geschenkt“, so wie sie mir das auch antat. Es tat SO GUT! Befreiend! Ich muss wieder mehr an der Einstellung „hey ich habe auch Respekt verdient!“ arbeiten. Das ist nämlich meine Verantwortung, wenn wieder jemand versucht mich schäbig zu behandeln.
– festgestellt: dass ich im selben Alter wie mein Vater arbeitsunfähig wurde! Mit 32. Nur dass das bei ihm nicht offiziell dokumentiert wurde und er schon gar keine EU-Rente bekam. Er war dann halt der Hausmann. Nur dass er nichts im Haushalt machte und um uns Kinder kümmerte er sich auch nur, wenn er gerade Lust hatte und mal nicht an seinem Hobby rumbastelte. Das rechne ich meiner Mutter hoch an, dass sie die Stärke besaß trotz Haushalt und 2 Kleinkindern und finanzieller Einbußen eine 2-jährige Weiterbildung zu machen. Sie musste dafür täglich über insgesamt 3 Stunden täglich Hinfahrt und Rückweg in Kauf nehmen.
– gelernt: das ich pluviophil bin. Also den Regen liebe! https://ihrweg.com/leben/10-zeichen-dafur-dass-du-das-bist-was-man-unter-pluviophil-versteht/
aber auch nur in Zeiten der Depression, die letzten zwei Sommer konnte ich die Hitze mit allem drum und dran auch genießen und Spaß dran haben.

-gefunden: „Wenn das Leben dir Zitronen gibt, dann mach keine Limonade draus. Schmeiß die Zitronon zurück! Wehr dich! Ich will deine blöden Zitronen nicht! Was soll ich damit? Verlang nach dem Geschäftsführer! Das Leben soll es bereuen Cave Johnson Zitronen gegeben zu haben! Was glauben Sie, wen Sie vor sich haben? Ich jage Ihnen das Haus in die Luft! Mit den Zitronen! Meine Techniker sollen Zitronen-Granaten erfinden – und damit jage ich Ihr Haus in die Luft!“ Soooo…. eben!

– zack: Denkste dir nix böses, haste ne Watschn. Sinnbildlich. Es kam so, dass ich der Thera DOCH mal ne Mail schrieb. Weil derzeit eben doch alles a bisserl „schwierig“ ist. So und ich hab die wenigen Mails die ich ihr bisher schrieb (seit gut 9 Jahre geh ich zu ihr, aber teilweise mit langen Pausen und seit Jahren auch nur 1x im Monat) auch alle im Ordner aufgehoben. Och dachte ich so unbedarft, lieste mal was so bei den letzten Thema war. Ich mein, ich schrieb ihr ja nie nur, um mal eben frohe Ostern zu wünschen, sondern wenn es brannte! Wie konnte ich so ungeschützt die Mails lesen? Nunja. Egal. Da las ich dann mal wieder eine Ungeheuerlichkeit meiner Mutter (weswegen ich auch die Thera kontaktierte, weil das SO ungeheuerlich war und ich bin von meiner Mutter echt übles gewohnt!). Meine Mutter hatte damals einfach mal ihre Telefonnummer ändern lassen, ohne mir die neue mitzuteilen. Wir hatten damals sporadischen Kontakt. Darauf angesprochen kam sie ins stammeln und ich Depp glaubte ihr mal wieder. Einen halben Tag später dämmerte es mir aber: Ich war es wieder mal nicht wert. Nicht wert für die Info, nicht wert für saubere neue Geschenke, nichts nada niente. Aber mir immer vorsülzen wie lieb sie mich hatte, ich ihr absolutes Wunschkind blaaaa…Suffgelaber halt. PUH, BOAH. So ne scheiße kannste dir nicht ausdenken.

– Einsamkeit: in all den Jahren in der Se*arbeit hatte ich keinen einzigen dieser üblen Depressionsschübe. Ich hatte genug Kontakt. Ich fühlte mich eingebunden in die Gemeinschaft. Mein Ego war gesättigt. Ich war unterwegs, ich hatte zu tun. Und ich konnte völlig selbstbestimmt handeln: Mit wem treffe ich mich, was mache ich mit dem..ect. Das sind die Auslöser: Unterforderung (aber auch Überforderung) also Stress im weitesten Sinne, Einsamkeit, die auch Stress macht und Fremdbestimmung/Grenzverletzungen.

– neuer Plan: wenn ich so gar kein Ziel/Projekt habe, mit dem ich mich beschäftigen kann, oder irgendwas was mich halt grad interessiert…dann wirds ganz schnell, ganz bäääh. Neue Idee: Meinen Balkon mal umstellen/neu machen. Allerdings geht das erst nächstes Jahr, für dieses fehlt dafür definitiv das Geld (außer das Universum hat andere Pläne mit mir 😉 ). Aber ich hätt gern so ne Art Couch, jetzt hab ich ja so nen Hochlehner mit hochstellbarem Fußteil. Der zweite steht immer zusammengeklappt in der Ecke, weil wenn ich Besuch habe, bleiben wir meist in der Wohnung, weil da keiner mithört. Und der Hippie-Deko-Stuhl von D. muss mal definitiv weg. Zu scherzliche Erinnerung. Aber jetzt kann ich das Teil auch loslassen.

– tut gut: Konzentration! Ich komm sooft in Stress weil ich mich verzettel, weil soviele Sachen hier rumliegen (in meinen Augen, für andere is das schon leer), all die Möglichkeiten die es gibt usw. Reizüberflutung ist echt mein zweiter Vorname!

WARUM?

Die große Frage: Warum geht es mir derzeit wieder schlecht? Das ist das einzige auf das ich mich derzeit konzentrieren KANN und mit dem ich mich beschäftigen WILL. Das ist auch logisch: weil wenn ich weiß warum es mir schlecht geht, hätte ich vielleicht auch die Lösung gefunden, wie ich da wieder rauskomme.

Was habe ich schon Stunden ach Tage recherchiert und gegrübelt! Wenn ich nur mehr Magnesium nehme, weniger Gluten esse, endlich eine gescheite Beziehung/Job/Wohnung habe, das und jenes mache…

Das gibt mir das Gefühl von Eigenmacht und Handlungsfähigkeit zurück und das finde ich sehr sehr wichtig, wenn es mir so arg schlecht geht. Denn genau das haben alle schlechten Phasen bei mir gemeinsam: Einen massiven Angriff auf mein Selbstwertgefühl durch das erleben einer Hilflosigkeit, einem ausgeliefert sein. Gepaart mit Einsamkeit. Wobei, wenn ich da so arg getriggert bin auch kein Mensch an mich rankommt. Früher schaffte es meine Therapeutin ein paarmal, was mir sehr gut tat. Jetzt finde ich hat sie ziemlich nachgelassen, vielleicht ist SIE auch einfach therapiemüde. Jedenfalls war ich schon enttäuscht, als sie auf meine Mail (wenn ich mich schonmal traue ihr in Not zu schreiben) eher lapidar reagierte, dass das sehr komplex sei und wir das beim nächsten Mal besprechen sollen. Einzig ein Lob hängte sie noch dran: dass es gut sei, dass ich das schon so reflektiert habe. Ja danke auch und ich fühl mich jetzt wie der Ochs vorm Berg.

Ausgeliefert und hilflos sein macht Angst. Da bin ich ja eh schnell dabei mit dem Angst haben. Dadurch sinkt mein Selbstwertgefühl enorm und ich traue mich nicht mehr vor die Tür. Der Teufelskreis beginnt. Denn wenn ich nicht raus gehe, kann ich mich nicht wieder aufbauen oder das Gefühl kompensieren.

Selbstbestimmung/Autonomie ist so wichtig wie die Luft zum atmen für mich. Deswegen ist auch Berufstätigkeit extrem schwierig für mich.

Es gibt 3 Arten wie man auf ausgeliefert sein reagieren kann: Flucht (weglaufen, viel schlafen, aber auch Süchte oder sich in Filme/Büchern ect wegmachen), Angriff (Aggression was nicht unbedingt Gewalt bedeutet, sondern einfach für sich einstehen, sich wehren, verhandeln…) oder eben Erstarrung: Depression.

Sich nicht aus der Situation befreien können, dann entsteht Trauma. Daher ist eine erneute (gefühlte) Hilflosigkeit ein sehr starker Trigger. Deswegen wirkten die Coronamaßnahmen so extrem auf mich, auch wenn ich es erst nicht wahr haben wollte. Es war Fremdbestimmung pur: Du darfst sovieles auf einmal nicht. Dazu die Angst (auf meine normale Angst noch oben drauf!): wenn ich was falsch mache werde ich angegriffen! Dadurch dass ich sovieles nicht machen durfte, was mich normalerweise stabilisiert, wurde es eng für mich. Jetzt dürfte ich vieles davon wieder, hänge aber in der Erstarrung und im „mich wegmachen“ fest.

Was also tun? Achtsam mit mir umgehen: mich nicht zu Dingen zwingen, die mich grad stressen und nicht zu hart mit mir umgehen. Positiv ausgedrückt: Liebevoll mit mir umgehen (das Gehirn soll ja angeblich das Wort nicht oft überlesen). Achtsame Anteilearbeit – gestresste/ängstliche Anteile trösten und die souveräne Erwachsene aktivieren. Dinge tun, die mich stärken z.B. kreatives werkeln. Und auch leicht medikamentös gegen die Angst vorgehen. Wieder sanft in die Handlungsfähigkeit kommen, mein Selbstwertgefühl stärken und gutes zureden.

Und alles tun damit ich mich sicher fühle (z.B. die richtigen Klamotten, Türe zusperren, Menschen aus dem Weg gehen)

Das sollte machbar sein….

Das heimatlose Ich

„Einzig ein Regentag schafft ein wenig Erleichterung, er nimmt das Bedrückende der Helligkeit, die der Kranke wie einen auf sich gerichteten Scheinwerfer empfindet, der ihn in seiner ganzen Lebensuntüchtigkeit erfasst und preisgibt.
Frühling und Sommer sind die dunklen Jahreszeiten für den Depressiven, weil sich sein Zustand, seine Stimmung nicht aufhellt. (im Gegensatz zu den Millionen Menschen um einen herum-Anm. von mir)
Die Diskrepanz zwischen eigenem Anspruch und tatsächlichem Nachlassen seines Lebensmotors ist fast nicht zu ertragen.“

Aus dem Buch: Das heimatlose Ich.

Deswegen war mein früherer Nickname Regenfrau. Da fühlte ich mich schon immer wohler.

Da genieße ich den verregneten Tag heute gleich doppelt und dreifach. Weil auch keine Anforderungen anstehen (weder von mir selber, noch von anderen, juchee).

Habe lange geschlafen. Und es war mir egal. Statt einem richtigen Mittagessen gibt es Donauwelle und Kaffe. Einfach weil ich Lust drauf habe. Da merke ich wie zwanghaft ich oft im Alltag agiere: Was bis halb 9 geschlafen! Halber Tag vergeudet! Raus! Und dann auch noch nicht mal richtiges Essen und als Nachspeise Kuchen! Also das ist ja unerhört!

Geht mir heute alles am Arsch vorbei!

Erkenntnisse des Tages

Depression ist, wenn du schöne Sachen machst, aber nicht die schönen Gefühle dazu hast.

Oder: wenn du Phönix bist und nicht aus der Asche kommst, aus der du egentlich emporfliegen solltest.

Meine Strategie heute: Trotzdem was schönes machen, auch wenn ich eine scheiß Laune habe. Weil daheim hocken und drauf warten, dass die passenden Gefühle dazu kommen, war mir zu langweilig. War gar nicht mal so übel. Weil ich meine Gefühle nicht mehr wegdrückte (Sonne! Radl! Du MUSST jetzt gut drauf sein!) sondern: grübelgrübelgrübel-Mundwinkel nach unten. Ich fuhr sogar weiter als sonst. Klar ich verschwendete meine Energie nicht mehr auf Gefühlsunterdrückung (de-pression = niederdrücken!).

Diese Erkenntnisse sind mir alle nicht neu. Aber irgendwie doch, denn ich erkenn das bei jedem Depressionsschub „neu“. Dann vergess ich es wieder.

Und sonst so? Männer, die sozialen Analphabeten. Ein Ausbund an Mitgefühl hab ich mal wieder erlebt, da hockste dich aufn Hosenboden….

Auf die Umschreibung meiner derzeit desolaten emotionalen Lage kam als Antwort:

es ist halt nicht jeder Tag gleich oder? Einmal gehts einem besser, manchmal ist man k.o. Es hilft jetzt auch nix, da ne Doktorarbeit draus zu machen. Was macht man da am besten? Vielleicht einfach möglichst unbeschwert nach vorne blicken, sich n Ziel setzen und sich freuen, daß es einen gibt würd ich mal naiv behaupten?!“

*augenroll* typisch Kerl: statt trösten, lieber ne Lösung suchen bieten. Das ist gehirntechnisch so. Sogar bewiesen. Nervt trotzdem.

Früher hab ich da das manipulieren angefangen oder das streiten. Damit der andere mir das gibt was ich von ihm haben will: Verständnis, Trost (bei den heutigen Überlegungen fiel mir da auch ein: Geb ich mir denn selber derzeit Verständnis und Trost? NEIN! Aha.).

Das mach ich jetzt nicht mehr, weil der es eh nicht checkt. Herzloser Sackträger der!

Ne ich ahme jetzt mal sein Verhalten nach. Und wenn ER dann meckert, hab ich wenigstens was zu lachen. Er hat nämlich in derselben Mail gemosert und geschimpft das seine derzeitige Arbeitssituation eher „ungünstig“ ist, um es mal schön zu umschreiben. Ich werde also was in der Richtung antworten:

Tja selber Schuld, wenn Du es angenommen hast (er ist selbstständig. Aber das klingt schon sehr aggressiv), ja komm, wird ja auch saumäßig gut bezahlt und du bist da ja nur noch einen Tag (insgesamt eh nur drei! Alter Jammerlappen der…) ect…“

oder ganz blöd, seines übernehmen, aber das wär mir fast zu plump: „Is halt nicht jeder Arbeitgeber gleich, ne? Manchmal erwischt man es besser, mal schlechter. Muss man ja nicht ewig drüber lamentieren. Am besten macht man das Beste draus, schaut sich nach ner neuen, besseren Stelle um und freut sich einfach, dass man überhaupt noch arbeiten kann und darf!“ Obwohl so übel klingt das auch nicht. Auf jeden Fall macht das wesentlich mehr Spaß, als versuchen den anderen zu ändern!

Und das wichtigste: meine Verantwortung übernehmen! Nicht dahin gehen, wo man gefühlt abgewatscht wird. Und wie oben schon geschrieben: Mir das AUCH geben, was ich von anderen will: Trost, Verständnis, Mitgefühl.

Wenn eh schon alles mies ist….

Is klar, wenn eh schon alles schwierig und zäh ist, kommt gerne noch was dazu was NICHT hilfreich ist: Heute also: In der Arbeit war die Bewohnerin da. STRESS! Gut sie ist sehr nett und ging mir so gut es ging ausm Weg, aber trotzdem.

Und dann noch Tage bekommen. Bombastisch.

Wie würde meine Thera jetzt sagen: „JA das war schwierig, aber sie haben es geschafft.“

Gnaaaaa… manchmal möcht ich ihr den Hals umdrehen!

Achso und es fing auch noch das regnen an und mein Radl stand draußen, so dass meine Sattelauflage schön durchnäst war. Konnte ich zum Glück abmontieren, weil mit nassem Arsch dann auch noch einkaufen gehen wäre, nunja…hätte ich meine Gesichtsmaske hintenrum benutzen müsssen 🙂

Jetzt nur noch Dusche, dann Bett.

Mir fiel (wie auch schon des öfteren, aber wieder mal zu spät) ein: dass wenn ich so arg müde und erschöpft bin, noch mehr Ruhe und hinlegen dann manchmal kontraproduktiv ist. Also pimpe ich mich mal wieder ein wenig mit ärztlich verschriebenen Wachmachern. Halbe Tablette pro Tag reicht ja eh und das auch nur wenige Tage weil ich sonst GAR nicht mehr schlafe.

Die Mitte finden.

Mal schauen…

Heute

Es ist so einfach sich abzuschalten und zu funktionieren. Für andere Leute Dinge machen, aber nicht für mich. Für andere da sein, aber nicht für mir. Nicht fühlen, nur funktionieren. Müssen nicht dürfen. Anpassen bis zur Selbstaufgabe. Immer wieder und ich dann wundern warum man sich so schlecht fühlt. Egal. Weg drücken, weiter schauen: wem könnt ich helfen, wo könnt ich was arbeiten, was muss „man“ tun.

Kein ICH. Kein Selbst. Kein innen.

Buch rausgekramt: vom sich-fremd-sein zum in-sich-wohnen.

Müde, so unendlich müde. Und es leid sein.

Depressivität ist nicht nur Traurigkeit. Nicht nur Niedergeschlagenheit. Depression ist Erschöpfung pur. Und trotzdem steh ich wieder auf, mache und tue.

Wie lange noch?

Wie oft noch?

Mich wieder finden, bei mir ankommen. Oberste Priorität!