Wochenrückblick

– vorsichtig: Mit einer Freundin gequatscht. Ihr von meinem Neffen erzählt: wir haben Kontakt! Dabei immer verunsicherter geworden. Immer irritierter. Weil mir so klar war, dass er mir nur Wände schickt. Er vergisst unser Telefonat. Ich frage nach seiner Adresse: Er fragt mißtrauisch zurück:warum? Na weil ich dir Post schicken will. Er blockt wieder, bei ihm kämen keine Pakete an. Hä? Wir kommen auf das Thema „sich treffen“ nur so im allgemeinen, noch gar nicht mal das wir zwei uns mal treffen. Er sofort: weißt du dass das mit dem Zug 8 Stunden dauert?

Mauert er generell so? Oder explizit bei mir, weil ich ihn im Stich ließ? Was hat ihm meine Schwester also seine Mutter über mich erzählt?

Ich glaub ihm nicht, dass er 2 Jahre lang meine Nachricht nicht gelesen hat. Schicke ich ihm ne Whatsapp dauert es keine 5 Minuten bis ich Antwort erhalte.

Mein altes Muster ist solchen Abweisungen mit noch mehr Anstrengung zu begegnen, noch mehr Kontakt, ein noch schöneres Geschenk schicken..usw. Der andere muss mich doch lieben, ich brauche seine Anerkennung, nur ihn mag ich usw egal we scheiße ich behandelt wurde, ich war loyal.

Mein Neffe zeigt das klassische Muster: komm her, geh weg.

Ich weiß nicht ob ich die Kraft habe. Er ist sehr verletzt, das ist klar. Springt meine Coabhängigkeit wieder an? Nein, dazu bin ich zu achtsam, zu irritiert, zu kraftlos.

-Süß: Diese Idee https://www.langweiledich.net/diese-zuckerwatte-wolke-regnet-in-kaffeetassen/ Regen ist mir in so krassen depressiven Phasen ja am liebsten 🙂

– geärgert: bekomme den Schrieb, dass mein Schwerbehindertenausweis EVENTUELL aberkannt wird. Was ist das denn für eine sadistische Nummer? Hat die Behörde grad nix anderes zu tun, als so doofe, verunsichernde Briefe rauszuschicken? Entweder es kommt der endgültige Bescheid (gegen den man auch Widerspruch einlegen kann) oder erst mal nix. Aber das? Begründung: Meine „soziale Anpassungsstörung“ sei wesentlich besser geworden. WHAT? Ich weiß nicht, ob die den aktuellen Klinikbericht da schon hatten. Ich hoffe nicht. Mir hilft der Schwerbehindertenstatus im teuren München sehr. Statt 5,30 zahle ich im Hallenbad nur 3,50 und schwimmen ist mir wichtig und tut gut. Genauso wie Kunstausstellungen, Museen ect. Wo es meist 1-2 Euro günstiger ist. Ich bin gespannt wie das ausgeht.

– gelacht: Kommentar von meiner Cousine (angesichts dessen wie sich meine Erzeugerin benimmt):“ Na da ist Hopfen und Malz verloren!“ Sehr passend für eine Alkoholikerin

– gelesen: Sand, von Wolfgang Herrndorf. Bin nicht so der Fan von Romanen, aber der war richtig richtig gut. Vielschichtig, unerwartet, spannend.

– gefreut: auf Kino und danach afghanisch Essen. Hatten aber beide Magen und Kopf und bäh Laune. Sehr schade.

– auch gefreut: M. Rettet meine Laune derzeit bei der Tafel immer! Können viel lachen und rummosern. Hab viel glutenfreies frisches Brot bekommen, Waschmittel, Butter, sehr frischen Salat aus der Nachbarschaft und noch so einiges.

– gewundert: aufm Friedhof angesprochen worden, ob ich Bio-Thymian will? Äh…nein?

– genervt: wenn schon alles den Bach runtergeht, wirste auch noch von den Zeugen Jehovas begrüßt. Am Arsch!

– gelacht: Bei dem Film: Unter Nachbarn. Charly Hübner als Psycho. Super!!

– genervt: lange helle sonnige Abende sind die Hölle.

– nervös: mit dem Mann mit dem ich grad viel schreibe und etwas flirte, will sich treffen. Das wo ich derzeit bei jeglichem realen Kontakt Angst habe und mich nur verkriechen will. Shit.

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Gefangen im Kreis

Noch vor wenigen Wochen, voll im Aktionismus, jetzt mach ich was, ich pack was an! Am Wochenende immer zusammengebrochen, nur schlafend.

Der Aktionismus der aufblüht…lieber alles mögliche tun, hektisch, betriebsam um dem schwarzen Loch zu entgehen. Mit Händen und Füßen mich wehrend. Nicht sehend wollen, nicht wahrhaben wollend. Alles wegdrücken. Nur funktinieren. Das ist immer noch besser, als dieses Nichts. Diese Leere. Dieses schwarze.

Die Zeit vergeht im Flug, leicht manisch agiere ich, habe Termine, bin unterwegs, voll unter Adrenalin, immer auf Zack.

Ich denke nicht an das Schwarze und wenn, dann bin ich mir sicher ES endlich hinter mir gelassen zu haben.

ES schleicht sich an. Ich werde lustloser. Alles wird sinnloser. Ich bin aber noch auf der Autobahn, ich handle und mache.

Aber immer weniger, immer zäher. Ich klammere mich an Menschen, selbst an die die mir nicht gut tun und mit denen ich absolut nichts gemeinsam habe oder an die, die mich nur benutzen, egal, nur nicht einsam sein. Ich mache Dinge die ich nicht will, egal, hauptsache was zu tun. Nur ja nicht fallen. Nicht fallen. Das Loch droht, es ist schon sehr nahe.

Ich lächle, ja sicher gehts mir gut, keiner soll es wissen. Nicht schon wieder. Bitte. Das Schwarze zieht und zerrt weiter an mir, ich esse viel Süßes, das macht es etwas weniger dunkel, ich schließe die Augen, ich will es nicht sehen, ES hängt aber hinter meinen Augenlidern. Schnell die Augen wieder auf, viel sehen, viele belanglose Filme, Serien, Reportagen, nur nicht wieder die Augen zu. Damit vergeht auch die Zeit.

ES ist jetzt voll da. Die Zeit zieht sich furchtbar zäh. Alles schwarz. Alles ohne Geschmack. Der Alltag langweilt mich unsagbar. Wieder Gemüse schneiden, wieder alles wegräumen, wieder Wäsche aufhängen, wieder derselbe Supermarkt. Ahhh Mittag ich kann wieder ins Bett. Alles ist schlaff. Ich habe keine Kraft mehr. Für nichts.

Ich verzweifel. Nicht schon wieder. Wie oft denn noch? Ich sage trotzdem das es mir gut geht weil ich meine Umgebung nicht nerven und langweilen will.

Wie kam ich früher aus diesen Löchern raus? Ich weiß es nicht mehr. Oft waren es rabiate Aktionen. Für die fehlt mir der Mut. Wieder Scherben aufsammeln will ich nicht mehr.

Ein Mann. Ein Mann könnte helfen. Nein sagt mein zweites Ich. Denke mal an Stefan und Michael. Die waren da, aber du hinter der schwarzen Wand. Da gingen sie wieder. Depression ist scheiße, da hilft auch keine Liebe. Ja stimmt.

Ein Auf und Ab. Wie oft noch? Die Strohhalme an die ich mich immer wieder klammern konnte, gehen mir aus. Kurz halfen sie, doch dann: umgeknickt.

Ein neues Projekt muss her. Irgendwas was mich begeistert. Etwas wovor ich keine Angst habe. Was ich mir jetzt zutraue. Und das wo ich mich kaum mehr aus dem Haus traue. Wo ich wieder aufblühe und handle und mache und tue und…

damit wieder ein wenig gute Zeit vergeht…bis ES das nächste Mal kommt…das Schwarze und die Leere.

Deine Würde entscheidet!

Untertitel: Finde den inneren Kompass für ein gutes Leben

Autoren: Gabriele Frick-Baer und ihr Mann Udo Bear (die zwei kenn ich schon von dem kleinen Büchlein: Vom Sich-fremd-Sein zum In-sich-Wohnen. Sie schreiben sehr gut verständlich und herzlich. Man fühlt sich angenommen.)

Es geht um Würde. Diesem Wort das man kaum mehr im Alltag hört. Es ist überall von Selbstliebe die Rede! Tue dir was gutes! Achte dich! Aber so ganz ist es damit nicht getroffen was mit Würde gemeint ist. Der Selbstwert, welchen Wert gebe ich mir, spielt auch mit rein.

Sich und seine Gefühle und Bedürfnisse achten, würdigen, respektieren. Gelingt leichter, wenn die eigenen Gefühle und Bedürfnisse auch früher von anderen schon gewürdigt wurden und auch werden.

Überall wo Ärger aufkommt, fühlt man sich respektlos behandelt. Das Würde-Ich rebelliert! Das Würde-Ich kann verschüttet werden durch zuviele schlecht Erfahrungen. Erfahrungen in denen man verletzt, gedemütigt, ausgelacht, nicht Ernst genommen wurde.

Das Würde-ich muss man stärken: sich abgrenzen, sich wehren, für sich einstehen. Da muss man sich fragen. Was ist unter meiner Würde? Was empfinde ich als würdelos?

Rebellische Figuren in Literatur, Film, aber auch im wirklichen Leben haben mir immer imponiert: Sie verteidigen mit Zähnen und Klauen ihre Würde!

Im asiatischen Raum heißt es: das Gesicht verlieren. Würde hat auch mit Scham zu tun. Beschämt werden. Vor Scham hält man sich beide Hände vors Gesicht. Man will es nicht verlieren.

Würde hat mit sich aufrichten zu tun. Aufrichtig sein, sich und anderen Gegenüber. Ich habe auch meinen Stolz, sagt jemand und hebt seinen Kopf noch ein Stückchen höher.

Die Würde ist unantastbar, heißt es im Grundgesetz. Hat ein Zelt voller Flüchtlinge ohne jegliche Privatsphäre was mit Würde zu tun? Oder ein 1-Euro-Job? Oder eine Rentnerin die Kinder groß zog, die Eltern pflegte und arbeiten ging und trotzdem nicht von ihrer Rente leben kann. Ist das würdevoll?

Kleine Randbemerkung: Eine Kabarettistin meinte letztens: Die Würde des Mannes ist unten tastbar. Nunja. Ich sag da mal jetzt nix dazu.

Herr ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach. Kotz. Ach die hoheitsvollen Würdenträger. Is klar.

Als ehemalige Se+arbeiterin weiß ich, dass man spätestens da seine Würde abgibt, wenn man denkt: ach komm, is doch viel Geld.

Als Haushaltshilfe reagiere ich extrem empfindsam wenn mir jemand bei dem ich arbeiten soll nicht respektvoll gegenübertritt und meine Arbeit nicht würdigt. Da bin ich schneller weg als er Reinigungsmittel sagen kann. Diese herablassende Haltung, von oben nach unten schauen kann ich nicht mehr ertragen.

Sich Respekt verschaffen. Ich habe das nie gelernt. Ich musste klein und brav und lieb sein. Mal auf den Tisch hauen, Türe knallend die Person und den Raum verlassen, selber zahlen, selber entscheiden, ein Geschenk zurück geben, nicht hinterher laufen, dem anderen seine Würde mal angreifen, standhaft bleiben, zeigen: mit mir nicht!

Eigensinnig sein heißt nichts anderes als einen Sinn fürs Eigene zu haben. Auch das durfte ich nicht haben: etwas eigenens, denn dann ist man einfacher zu manipulieren, zu unterdrücken. Ich war sehr eigensinnig. Bockig hieß das bei uns und man bestrafte mich mit Ausgrenzung, Nichtbeachtung, Liebesentzug.

Traumatisierungen (egal ob psychisch oder physisch) durch nahe Bezugspersonen zerstören den Selbstwert, das Würde-Ich, das Gefühl, dass man Respekt und Achtung verdient.

Ich war leider sehr lange sehr loyal gegenüber Personen die mich niederträchtig behandelt haben. Was mich zum Teil gesunden ließ und lässt ist, mir solche Situationen ins Bewußtsein zu rufen und in Gedanken NEU/ANDERS zu handeln. Damit ich in Zukunft schneller anders handel und mich nicht mehr so verletzen lasse, mich aber auch selbst nicht mehr verletze. Ja auch Rache hat was damit zu tun, seine Würde zu erhalten!

In dem Buch geht es sehr viel um Würdeverletzungen, es hat mich oft sehr aufgewühlt und angetriggert. Aber auch klar gemacht, dass das Würdegefühl ein wichtiger Kompass in meinem Leben sein muss, den ich weiter ausbauen möchte, ja fast muss!

Sonntagsfetzen

Es ist kurz vor 8h, ich sitz schon aufm Radl, weil ich das mache, was ich im Sommer bei Sonnenschein aber Depristimmung oft mache: ich fahr ne Runde Radl, lieg mal kurz mal länger mal gar nicht noch am See und fahr dann wieder heim. Dann hält mein innereres, sehr penetrantes „aber du musst raus es ist schönes Wetter und Wochenende-Monster“ die Klappe und ich kann mich um 11h wieder ins Bett oder aufn Balkon pflanzen lassen. Hat sich über die Jahre bewährt.

Ich sitze also am See, Apfel ist verspeist, Buch gelesen, die Jogger und Gassigeher mehren sich…Zeit aufzubrechen. Da werd ich glatt von einem recht hübschen Mann mit Hund angesprochen. Und ich? Bin knarzig. Und abweisend. OH NO! Wenn ich mich selbst nicht leiden kann und jemand anderes ist dann ehrlich und aufrichtig nett zu mir…das ist die Hölle. Weil ich es nicht annehmen kann, aber so sehr möchte und ach scheiße. Ich hoffe ich begegne ihm nochmal.

Vor allem da das Thema HUND gestern so aktuell war. Klar ist es jetzt nicht vernünftig und machbar mir einen Hund zuzulegen. Aber wenn man mal so ein paar Wochen lang der Überzeugung ist in einem Jahr nicht mehr zu leben, kommt die Frage auf: was will ich noch unbedingt erleben? Und auf Platz 1 steht bei mir noch ganz unbedingt: eigener Hund! Und zwar ein Pointer-Mix-Mädl. Warum? Ich hatte mal in Pflege eine reinrassige Pointer-Hündin und war schwer verliebt. Aber die sind auch sehr groß, find ich zwar schön, aber ich glaube dass ich da bezügl. Bewegung und Futtermengen nicht so mitkomme. Deswegen ein Mischling etwas kleiner. Und ein Mädl? Klar Frauenpower! Muss auch kein Welpe sein. Davon zu träumen rettet mich grad ein wenig und die Seiten von zu vermittelnde Hunden anzuschauen beruhigt.

Viele unterschiedliche Gefühle bezügl. Meiner Erzeugerin schwirren noch so in mir rum. Ich will das nicht sehen und fühlen. Schaue es mir aber nun doch Stück für Stück an, damit sie sich auflösen können. Nicht einfach, aber ein wenig erleichternd.

Vorfreude: ich hoffe dass es heute abend hier gewittert. Ich mag das ja. Morgen dann wieder Regen. Irgendwie gut, andererseits…naja egal. Hab eh übelstes PMS da wird die Bude geputzt.

Wochenrückblick

– große Überraschung: In Lindau direkt neben meinem Hotel fand eine tolle Hunderwasser-Ausstellung statt. Ich liebe die Bilder. Und einen kleinen Film über sein Leben gabs auch noch dazu. Super! Ich hatte zu meiner Urlaubslektüre vond aheim sogar ein Hundertwasser-Lesezeichen dabei 🙂

– genossen: natürlich eine Schiffsrundfahrt auf dem Bodensee. Dabei einen Käptns Kaffee genossen (mit Baileys, ich liebe die Mischung!) Ich hatte genau die 2 Tage mit Sonnenschein erwischt!

– oh neeee: beim Einchecken: die Rezeptionistin gibt mir (ungebetene) Tipps wo man gut essen gehen kann. Vor allem da (dickes Kreuz) wird man an große Tischen zu anderen gesetzt, damit man nicht alleine essen muss. HAHA genau das richtige für mich. Was soll das mitleidige Gewusel. Ok es war eh schon mein heikelster Punkt bei dem Ausflug, aber muss mich die doofe Nuss auch noch da drauf ansprechen? Hatte ich n Schild um Hals?

– Familie: moah langsam reichts mir wieder mit der Sippschaft. Ich merk einfach wie mich der Kontakt zu meiner Mutter und ihr Verhalten wieder total runtergerissen hat. Man ej. Ich will das nicht und je mehr ich mich dagegen wehre, desto vehementer krallt sich diese Scheiße wieder fest. Innere Kindarbeit ist angesagt. Aber sowas von.

So kurz mal wieder irritiert überlegt, warum sie immer wieder laut betont wie sehr sie mich liebt und das ich doch ihr Wunschind sei, wenn sie mich dann immer total scheiße behandelt/hat. Mir fiel noch eine weitere Theorie ein: dass ich eben nicht sooo erwünscht war wie sie immer laut betonte. Dafür gibt es ja verschiedene Gründe: vielleicht wurde mein Vater mal gewalttätig, vielleicht wuchs ihr da schon alles übern Kopf, vielleicht wollte sie kein 2.Kind mehr usw. Aber so richtig Anklang findet das in mir nicht. Eher meine 1.Theorie: sie BRAUCHTE mich. Ich sollte ihr Liebe geben. Ihr leeres Ich füllen. Ihr helfen. Sie retten. NIE sah sie mich als eigenständige Person, sondern als etwas das sie benutzen konnte.

Meine Tante fragte mich ob ich die fertig gestellten Foto-Alben von Opa (Vater meiner Mutter) sehen wolle. Er hatte so eine kleine Ahnengalerie erstellt. Ja wollte ich. Auch wenn ich wußte, dass es mich aufwühlt. Da sah ich das erste Mal Kleinkindfotos meiner Mutter! Wir sahen uns als Kinder total ähnlich! Was löste das in meiner Mutter aus? Verstärkte das ihren Selbsthass? Und wie sehr waren meine Urgroßeltern (die ich nie kennenlernte) in den Krieg/mit den Nazis verwickelt? Auf einigen Fotos sah man eindeutige Hilterbärtchen und es gab eine Original-Urkunde vom Reichskanzler und Führer. Viel ging mir durch den Kopf. Einiges fragte ich meine Tante, anderes wird man nie mehr erfahren.

Und wieder dieses Außenseitergefühl. Das ist meine Familie? Ich spüre da nichts. Keinerlei Zugehörigkeitsgefühl. Keine Gemeinschaft. Von Wärme und Liebe ganz zu schweigen. Bilder von Familienfesten…einerseits bin ich froh,d ass ich diese ganze Verlogenheit nicht mehr mitmachen muss, andererseits fehlt mir das Herdengefühl. Das Getragen-sein, die Fürsorglichkeit anderer ganz massiv. Tja Familie…kannste dir nicht aussuchen.

– älter: wieder einen Geburstag geschafft. Der letzte 30iger. Nächstes Jahr kommt die 4. Auch wenn die akuten Suizidplanungen aus meinem Kopf sind, den Wunsch 100 zu werden gibts weiterhin nicht. Gegen tödliche Krankheit, Unfall oder einer Atombombe hätte ich nichts einzuwenden.

Obwohl ich viel Post bekam, erreichte es mich nicht wirklich. Es freute mich alles nicht. Weiterhin sehr ätzend.

– bestellt: hatte Lust auf indisches Essen. Neuen Lieferdienst ausprobiert. Das war so bäääh, paar Gewürze in ne Kokosmilch verrühren kann ich auch. Am nächsten Tag selber indisch gekocht. SOVIEL leckerer. HA!

– großer Schreck: ich war müde, ich war hungrig und dann wurde ich überrumpelt. Dachte die Frau ist jetzt mit meinem Geld weg. So schnell meinte sie, sie müsse den Schein wechseln und weg war sie. Aber nach 10 Minuten kam sie tatsächlich wieder zurück. Ich hätte ja nichts beweisen können oder so. PUH!

– gekündigt: große Leichtigkeit nachdem ich der „Aufräumfrau“ gekündigt habe, das ganze innerliche verstrickt sein und zuviel an sie und das Ganze denken war sofort weg! Mit E. Drüber gesprochen, den ich ja da mit reinzog. Er weiß nun das er gut auf sich aufpassen muss und sich nicht so einnehmen lassen muss. Er ganz locker: Schwieriger PC ja, schhwieriger Mensch nein. Kurz und knapp er hilft der Frau gern, aber nur am PC, nicht bei den persönlichen Problemen. Genau. Ich war ja auch als Haushaltshilfe vorgesehen und mutierte zur Sozialberatung/Betreuuerin/Therapeutin.

Die drei Musketiere

Ich war jetzt 2 Tage in Lindau am Bodensee. Alleine, ohne dort jemanden zu kennen, mit Bahn und im Hotel. Da letztens schon ein einfacher Besuch im bekannten Schwimmbad schon schwierig war, hatte ich natürlich gehadert ob das so gut wäre. Aber manchmal hilft so ein Cut. So was gänzlich anderes zu machen. Vor allem nicht in der bekannten Umgebung.

Es ging. Ich war 2 Tage viel unterwegs und die Nacht war megabeschissen, dank Papierwände des 3-Sterne-Hotels. Selbst Ohrstöpsel brachten nix.

Jedenfalls wurde mir auf dieser kleinen Reise etwas noch bewußter. Wie diese Gefühle ein Recht auf „Da sein“ haben. Der unternehmungslustige Teil wollte ganz ganz dringend mal wieder wegfahren! Was Neues erleben! Raus kommen. Der ängstliche Teil war da, hielt sich aber gut in Grenzen. Der depressive Teil schlufte ganz hinten wie ein Pubertier lustlos wie beim letzten Familienurlaub mit und gab so Kommentare wie:“ ja Sonne, und? Kunstausstellung, man du wirst so richtig altbacken, guck mal alle wirklich alle kommen als Pärchen, man das is so peinlich, müüüde müüüdee…“Diese Trantüte überdeckte das ganze schon sehr. Aber der unternehmungslustige Teil wollte das einfach machen. Punkt.

Ergo: Ich habs geschafft, mit vielen „ich muss das jetzt so und so machen, weil ich sonst zuviel Panik habe, aber das ist okay und ich schäme mich deswegen nicht, kriegt ja eh keiner mit!“

Teilweise konnte ich es auch echt genießen! z.B. Sonnenuntergang vom Zimmer aus sichtbar!

Und teilweise war mir einfach nur sauschlecht.

Der unternehmungslustige Teil ist zufrieden auch wenn er etwas mosert: mit Spaß wär das alles noch toller gewesen. Ja mei, ich kann auch nicht zaubern.

Der ängstliche Teil wurde viel kleiner (nicht nur wegen 1 Tavor am Montag und einer halben am Dienstag). Sondern einfach: hej ich hab mich getraut und ich habs geschafft!

Und der depressive Teil guckt leicht erfreut: „darf ich dann morgen im Bett liegen, oder einfach nur daheim bleiben  und keinen sehen und nix machen müssen?“

JAAA das darfst du sehr gern!

Mit dieser Sichtweise setze ich mich weniger unter Druck: das jetzt schaffen zu müssen MIT super Laune PLUS Megaerfolg! Und packe überhaupt auch wieder erst was an und versinke nicht total.

Innere Kompromisse schließen. Innere Gespräche führen. Rücksicht nehmen. Dem anderen mal was gönnen und ihm zuliebe was mitmachen, aber auch deutliche Grenzen setzen, wenn was zuviel wird. Wie in einer guten Familie. Also nicht in meiner, sonst müßte ich sowas nicht erst mühsam mit Ende 30 lernen.

Kleine Helferlein

Mich plagten jetzt seit einigen Monaten ständige Gedanken an Suizid. Mich quälte es zu denken: dass ich spätestens im Herbst aus diesem Leben gehen werde. Oft dachte ich: ach xy brauchste ja nicht mehr, nächstes Jahr gibt es dich nicht mehr. Oder: ach um das Problem brauchste dich auch nicht mehr kümmern. Ich dachte viel daran, wie ich es machen würde. Schrieb in Gedanken den Abschiedsbrief. Überlegte ob ich ein Testament schreiben wolle und solle. Ich fragte mich, warum man nicht selbstbestimmt den Tod wählen darf. Warum das so verpönt ist und unter allen Umständen vermieden werden solle. Im letzten Bericht steht: Patientin ist nicht suizidal! Ach wenn die wüßten. Aber genau das sollten die ja nicht, weil auf Psychiatrie hab ich erst recht keinen Bock.

Genauso wenig wie auf diesen Zustand, der keine Lebensqualität mehr hat.

Es war schrecklich. Dies alles zu denken war furchtbar. Der Zustand sowieso, aber auch, weil ich mir mal gesagt habe: wenn ich mich umbringe, haben die Tätet (hauptsächlich meine Familie) gewonnen. Also eigentlich wollte ich ja schon leben. Ein Doublebind. Oder auf deutsch: Eine Zwickmühle.

Tiefste Hoffnungslosigkeit gemischt mit Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit, körperliche Schwäche…grausam.

Der Winter war sehr lang. Sehr dunkel. Sehr grau. Klar schlägt das aufs Gemüt denke ich lapidar. Aber so ne lächerliche Winterdepression habe ich nicht. Bei mir liegt der Grund dafür tiefer. Schwerwiegende Kindheitstraumata. Ich dachte aber trotzdem so ein wenig drüber nach und recherchierte: bei zweien von drei meiner sehr ernst gemeinten Suizidversuchen war das einmal im November nach einem sehr regnerischen Sommer und einmal im Frühjahr nach einem sehr strengen Winter. Doch das Vitamin D? Ein Versuch ist es wert. Das Zeug ist sehr billig. Ich nahm die ersten Tage sehr hohe Dosen. Schnell auffüllen. Dazu Calcium-EAP (wird am besten aufgenommen) und Magnesiumöl über die Haut.

Vielleicht ist es Placebo, aber die ganzen Suizidgedanken sind weg! Komplett. Ich will weiterhin keine 100 Jahre alt werden, aber das quälende absolut nicht mehr leben zu wollen ist deutlich verblasst. Ich lache bei einer Fernsehshow wieder mit und mir gefallen wieder einige Lieder im Radio so dass ich sogar ein wenig mitwippe. Ich bin unendlich erleichtert! Ich werde Vitamin D jetzt immer nehmen.

Das Calcium hatte auch einen „netten“ Nebeneffekt. Ich wurde absolut tiefenentspannt. So dass ich gefühlt nur 8 Atemzüge in der Minute nahm, wo ich ja sonst eher in der chronischen Hyperventilation stecke. Ich meinte keinerlei Körperspannung mehr zu haben und das wo ich sonst immer höchst angespannt war. Ich schlief locker 10 Stunden und wachte morgends absolut erholt auf. So richtig nach tiefem Schlaf. Uiuiui. Und jetzt nahm ich eh nur 2 Tabletten pro Tag und nicht wie angegeben insgesamt 6 pro Tag (das wäre dann meine Vollnarkose). Dann fiel mir ein, dass auch das angstlösende Medikament die Calciumkanäle der Nervenzelle blockiert, so dass genügend Calcium drin bleibt, ebenso wird bei der akuten Hyperventilation also mit richtigen Verkrampfungen auch Calcium intravenös gespritzt. Ich mache jetzt erstmal Einnahmepause und werde dann mit einer oder halben Tablette tägl. Wieder anfangen. Leider ist nur der Körper entspannt, die sozialphobischen Gedanken weniger (kommt aber vielleicht/hoffentlich noch) . Aber immerhin, das ist Urlaub für meinen gestressten Körper der sooft und lange in der Hochspannung stecken bleibt.