Wochenrückblick

gelesen: 1. Einsamkeit ist ein Zeichen dafür, dass du dringend dich selbst brauchst.
2. Suche nicht nach Heilung zu Füßen derer die dich zerbrochen haben. Beides von Rupi Kaur.
Mir angesehen: Ergotherapie im Frauentherapiezentrum. Ich dachte wenn mir ein voller Minijob noch soviel Streß und Angst macht, warum dann nicht einen kleinen Schritt dazwischen legen. Aber ich spürte schnell: Nein da gehe ich nicht hin. Ich bin seit über 12 Jahren in der Therapieszene unterwegs, hab echt viel durch und wie schon geschrieben jetzt ist schon länger Ruhe. Ein stabiles Leben. Ich mache das was ich machen will, Haushalt sauber, Ernährung gesund, Arbeit, Freunde, Finanzen im Griff, Rente noch bis 2019 bewilligt. Ich bin da wo ich sein wollte. Ich hab genug von Gruppe und von Therapeuten. Eigentlich hätte ich eine Strichliste mitehmen sollen und innerlich abhaken was die Dame so sagt: „geschützter Raum, wieder ins handeln kommen, stabilisieren, Leichtigkeit lernen, nicht übers Trauma reden, sich abgrenezn lernen..ect“..gähn….

gemacht: auf eine Zeitreise gegangen. Wieder mal gehört: Techno der 90er, oh wie toll, da bekann ich langsam in Clubs zu gehen….

und dabei wieder gefunden, alter Hit: https://www.youtube.com/watch?v=axijMq4heUo

gebacken: leckere glutenfreie Semmeln
aufgeräumt: meinen PC-Kabelsalat
gemacht: 1, Radlrunde dieses Jahr gedreht (es lag noch Schnee und mein Radl ist völlig ausgeflippt weil es das erste Mal Schnee sah *G*), boah hat mir das gefehlt, bin gleich ein neuer Mensch
geschaut: Kommissarin Heller, ich liebe diese schnodderige Frau und sehne jede neue Folge nur so herbei.Sie tut einfach das wonach ihr ist: nicht freundlich sein, auf Konventionen scheißen, keine Heuchelei. Meine innere Frau Heller muss da noch bissl mehr aufwachen 🙂
spontan gemacht: von M. Die Einladung zum Tee angenommen und da saß ich dann bei einer syrischen Flüchtlingskinder, die in einem Haus wohnen von dem sie nur das Erdgeschoß (2 Zimmer, Küche, Bad für 7 Leute) benutzen dürfen. Er meinte die Treppe nach oben sei zu steil für die Kinder, als ich die Verbotsschilder von einer offiziellen Stelle (hängen da ausgedruckt) las, dachte ich eher, dass das Haus kurz vorm Zusammensturz ist und die da deswegen nicht hoch dürfen.

entschieden: werde das Medikament Lyrika ausschleichen. So eine Alles-egal-Haltung ist ja mal ganz nett. Keine Ängste mehr zu haben:Gigantisch! Aber irgendwie wird mir die Antriebslosigkeit und Lustlosigkeit doch zuviel. Darf ich zusammen fassen: Nehm ich kein Lyrika habe ich sehr viele Ängste/hohe Anspannung, dafür Lust was zu machen (traue es mich halt nicht) bin gut gelaunt. Nehme ich Lyrika, will ich nichts machen (würde mich aber trauen wenn…) werde arschig bis aggressiv und lustlos, träge. Zwickmühle. Entscheide dich zwischen Pest und Cholera! Geile Scheiße.

hellgefühlt: Ich hatte letztens Lust mich auf den Boden zu setzen, mit Rücken an die Heizung. Mach ich nie. Aber da hatte ich das Bedürfnis. Abends ging die Heizung nicht mehr und ich fror fast einen Tag lang. Also ob ich es geahnt hätte und die Wärme nochmal so richtig aufsaugen wollte.

gemacht: Morgenspaziergang. Früher machte ich das gerne: gleich nach dem Aufwachen, schnell was anziehen und raus an die Luft, habe ums Eck zum Glück einen größeren Platz an dem man in Ruhe flanieren kann.

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Es gibt kein falsches Leben

Ich habe sehr lange gehadert, dass ich kein richtiges Leben führe. So ohne Vollzeitjob, keine Kinder, keinen Ehemann noch nichtmal eine Beziehung, selbst Zimmerpflanzen gehen bei mir ein. Ich habe weder eine Immobilie gebaut noch gekauft, ich habe kein Auto, kein Motorrad, kein Schiff und kein Pferd. Gar kein Haustier. Früher, ohne Internetflat, wurde ich argwöhnisch beäugt: wie du hast keinen Fernseher??? Als ob ich ohne Strom und Wasser in einer zusammengeschusterten Waldhütte hausen würde.

Ich gebe keine Partys und gehe auf keine.

Ich habe mich viel geschämt. Viel abgewertet und schuldig gefühlt. Dass ich das nicht schaffe. Bin wohl zu dumm, zu faul, zu krank dafür.

Ich habe das Wochenende mit einer früheren Freundin telefoniert. Wir lagen schon zusammen auf dem Wickeltisch. Natürlich fragt man: Was macht Flori? Und der Peter? Deine Eltern? Natürlich geht es denen alle gut. Sie bauen Häuser, ganze Bauernhöfe, haben Kinder 2,3,4, natürlich Jobs oder eigene Geschäfte. Keiner ist krank oder gehe gar in Therapie. Wir kommen vom Land da geht man nicht in Therapie, da sauft man sich zu, wenn es sein muss jedes Wochenende oder jeden Abend. Gesellschaftlich akzeptiert. Nur das zählt! Erst fast zum Schluß erfahre ich dann doch noch, dass ihr Mann derzeit arbeitsSUCHEND ist. Aha. Ein winzig kleiner Riß in der Fassade.

Ich habe es aufgegeben nach diesem Leben so streben, weil es nicht zu mir passt. Die Giraffe kann auch nicht so gut wie ein Pinguin schwimmen.

Und dann lese ich in dem ganz wunderbaren, liebenswerten Büchlein: Mein hungriges Herz, von Ben. Und Ben erzählt:“ Ich bin normal. In meinem Leben gibt es keinen Sex, wie es bei manchen keine Literatur oder keine Musik gibt. Diese Leute leben auch wie wir. Sie schätzen andere Dinge, kennen andere Freuden. Ihnen fehlt nichts.“ Alter Schwede, da musste ich erst mal das Buch zur Seite legen. Genau das ist es! In manchen Leben gibt es keinen Sport, kein Hallenbad, keine Massage, kein Tatoo, kein Flohmarkt, kein Kino, kein Fußball, keine eigenen Kinder, keine Heirat, keine Schulden, keine Kerzen, kein Fleisch, kein Rätselheft, keine Malstifte, keinen Schmuck,keine Salzlampe….und wer sagt dass das richtig oder falsch ist?

Es gibt von Adorno den bekannten Ausspruch: es gibt kein richtiges Leben im falschen

http://philomag.de/adorno-und-das-falsche-leben/

Ich hatte einen interessanten Termin, mehr dazu morgenn. Und danach hatte ich eine Frage im Kopf: Was wenn mein Leben so wie es ist GUT ist? Für mich richtig. Wie gesagt, seit sehr vielen Jahren laboriere ich an mir herum. Verändere, mache, tue, hier eine Therapie, da ein Selbsthilfebuch, dort eine Selbsthilfegruppe. Was aber wenn ich zufrieden bin, so es derzeit ist? Ja auch mit psychischer Krankheit und Erwerbsunfähigkeitsrente? Ich spüre das erste Mal Frieden. Frieden mit mir und meinem Leben. Alles ist gut. Kein Krieg mehr im Außen und Innen. Keine großen Dramen. Dafür Regelmäßigkeit, Sport, Finanzen im Griff, kein Mißbrauch, keine Gewalt.

Was, wenn ales gut so ist, wie es ist….

Der Weg des Künstler (Teil 1)

Ich lese (und bearbeite) gerade das Buch „Der Weg des Künstlers“ von Frau Cameron. Das vor paar Jahren ziemlich bekannt war. Auch ich hörte davon, eine Bekannte berichtete davon und als ich hörte: Morgenseiten schreiben, wars bei mir aus. Ich hatte den totalen Widerstand dagegen. Jetzt kam mir das Buch wieder mal in die Hände. Naja wie auch immer, dachte ich: Lesen kannste es ja mal, schaut dir ja keiner zu ob du ja alles richtig machst. Und an Silvester damit beginnen klingt doch optimal.

Vor diesen Morgenseiten habe ich mich gedrückt. Der Anfang war so schwer. Also habe ich ein wenig geschummelt und sie das erste mal am späten Vormittag geschrieben. Der Anfang war geschafft. Es fiel mir leicht frei zu schreiben, damit hatte ich schon etwas Übung, diese 3 Seiten halfen mir einen Rahmen zu sehen und einzuhalten. Aber das mit dem morgends war schwierig. Ich muss langsam wach werden. (Und nicht das Auto mit einem Kaltstart auf die Autobahn hetzen). Ich liebe dieses Trancegefühl nach dem aufwachen und ich möchte es so lange wie möglich in den Tag hinein retten, denn wenn mein Denkapparat erst mal auf Hochtouren läuft bin ich meist unentspannt. Und selbst wenn man nicht bewußt schreiben soll, der Kopf muss doch ein wenig mitarbeiten. Das bekam mir so früh gar nicht.

Aber ich hielt mich dran. Eine Woche, aber  ich war danach so kaputt das ich nach dem Frühstück mich nochmal hinlegen musste. Das glaube ich, ist nicht Sinn der Sache und seitdem schreibe ich nun abends, schon im Bett kurz vorm einschlafen. Weil ich nun weiß wie sich das anfühlt „ohne Verstand und Kritik bzw. Auswahl“ zu schreiben, kann ich das nun abends auch locker machen.

Es ist interessant. Ich habe das Gefühl ich finde bei meinen Problemen schneller Lösungen. Bei anderen schließe ich Frieden.

Zum Künstlertreff: Hatte ich Abscheu weil ich dachte: och nö bitte nicht mit anderen Künstlern treffen! Aber als ich las um was es ging, blühte mein Herz auf weil ich das schon kenne. Nur hatte ich noch keinen Namen daffür. Aber immer wenn ich alleine Ausflüge zu neuen Orten machte, mich in eine inspirierende Umgebung begab, mir Kunst ansah hatte ich immer so ein angenehmes Gefühl. Das meine Seele stark nährte! Den passenden Namen fand ich noch nicht, Künstlerzeit fiel mir noch ein, aber ich werde was schönes noch finden.

Die weiteren Übungen finde ich auch interessant und spannend. Ich kenne solche Aufgaben schon von früher, aber ich glaube jetzt kann ich das erste Mal so richtig ehrlich mit mir selbst sein und nicht das machen/schreiben was andere von mir erwarten. Oder wollen.

Ich liebe Kunst, habe selbst schon viel gemalt, gebastelt, fotografiert, geschrieben…aber auch in den unterschiedlichsten Lebenslagen immer kreativ Lösungen gefunden.

Gestern meinte eine Freundin „Du bist halt eine Lebenskünstlerin!“ Das hat mich gefreut, weil es anerkennend und nicht abschätzig gesagt wurde

 

Post-weih-ester Depression

Ich hab kein Problem mit dem Dezember, ich mag die Weihnachtszeit (meistens). Über Weihnachten selbst fahre ich meist an einen Ort den ich noch nicht kenne, da bin ich abgelenkt (meistens). Natürlich fällt es einem da erst recht auf, dass man ohne Partner, ohne Familie ohne Kinder dasteht. Aber es nimmt einem die Schwere wenn man eine neue Umgebung erkundet.

Silvester verläuft unterschiedlich. Mit Freunden oder schlafend.

Egal wie toll also das alles verlief, im Januar kommt die Keule. Bam zieht sie mir eins drüber. Gehalten hat sie die Depression. Ich kenne alle unterschiedlichen Schweregrade dieser Krankheit. Immerhin begleitet sie mich nun schon über 20 Jahre.

Nun also ist Januar und heute am 22. muss ich mir eingestehen: Es ist wieder soweit. Und: ich akzeptiere, dass es mal wieder soweit ist. das ich das nun relativ schnell erkennen und annehmen kann ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit.

Davor dachte ich einfach, ich bin falsch, ich müßte halt „nur“ mal eben einfach normal sein!

Bei mir ist es eine Dopamin-Mangel-Depression (weswegen es mir mit all den Serotoninaufnahmehemmern immer äußerst übel ging). Dopamin das ist der Kick wenn du verliebt bist, wenn du die fettige süße Torte isst, wenn du einkaufst (nein keine Lebensmittel), wenn du Alkohol trinkst, wenn du auf dem Konzert deiner Lieblingsband so richtig abgehst, morgends der erste Zug der Zigarette…

und das ist der Grund für Drogensucht. Darum hab ich zum Glück immer einen großen Bogen gemacht, aber ich hatte und habe Schulden, habe lange geraucht, brauche meinen gewissen Zucker-und Kaffepegel und suchte mir oft genug viele Kicks: Umzüge, neue Jobs, rasant Auto fahren, Bad Boys, viel Nervenkitzel, Dinge ausprobieren, mit dem Rucksack nach Spanien, Haare auf 8mm abrasieren, sich mit der Polizei anlegen…

Alles normale fand ich langweilig (es hat sich schon gebessert), spätestens nach 2 Jahren musste ich die Stelle wechseln, im selben Abschnitt auch die Wohnung (besonderer Kick, beides gleichzeit wechseln!), feste Beziehung? *gäähn*…

Ich muss mich also um einen ausgeglichenen Dopaminhaushalt bemühen, lieber kleinere ungefährlichere Kicks, als die großen selbstzerstörerischen. Manchmal klappt das, manchmal weniger und dann wirds gefährlich.

Ich kümmere mich um mich…

Wochenrückblick

sehr gefreut: Mein Verstärker schaltete bei bestimmten Tönen (knallen, wenn es laut wurde) selbstständig auf MUTE. Bei dem Ding lief vor nem halben Jahr die Garantie ab, ist klar, ne. Also erstmal geschaut was es noch sein könnte. Ich testete die Lautsprecher einzeln und siehe da: nur beim rechten wurde alles stumm. Also Lautsprecher umgedreht: aha da hing ein Anschlußkabel so halb raus. War ich beim Sylvesterputz wohl etwas stürmisch. Kabel reingedreht: Alles super!

– entspannt: früher wenn der Heizungs/Wasser-Ableser kam, fühlte sich das für mich nach Staatsbesuch an. Ich war sehr angespannt. Tat nichts außer zu warten bis es klingelte. Ja nicht verpassen. Alles aufräumen, sauber machen, hoffentlich klappt alles. 1000 Gedanken. Fast alles drehte sich 2 Tage um diesen Ableser. Dann noch ein fremder Mann in meiner Bude war immer das i-tüpfelchen. Und heute? Ich hätte ihn fast vergessen. Aß zu Mittag, las in der Jogginghose (unmöglich!)auf der Couch und wartete einfach bis es klingelte. Nach 2 Minuten war der Ableser wieder draußen, ich setzte mich wieder hin zum lesen. Welch Entspannung….

– gemacht: Ein wenig Sommerfeeling muss sein, bei Näße, Kälte und Sturm: Erst ins Solarium, danach mit Sonnencreme einschmieren (geht ja um den Duft), Wohnung gut einheizen und dann mit einer Limo in der Hand die frischen bunten Blumen auf dem Tisch bewundern.

– Dienstag lief alles schief, was so schief laufen kann: Verschlafen, verlaufen, 2 U-Bahnen und 1 S-Bahn um wenige Sekunden verpasstm alles war irgendwie queer, aber das erstaunliche: es machte mir wenig aus. Solche Tage gibt’s, ja mei, wie oft läuft alles super. Merkt man das?

gedacht: die Wolken rasten nur so vorbei, hoffentlich werden die nicht geblitzt! Das Auto fuhr rauschend nüchtern an mir vorbei.

probiert: ich dachte mir so: langsam komm ich in ein Alter wo man sich wieder jüngere Liebhaber zu legen könnte. Also machte ich mich auf die Suche. Der erste sah eindeutig zuviele Pornos und dachte wohl wenn er nur mal sein Höschen lüpfte falle ich kreischend über ihn her. Sorry aber da brauch ich mehr Stimuli. Außerdem war er mir zu derb und maso drauf. Nein ich schlucke nicht und brauche auch nicht gewürgt werden. Nun denn. 2. Versuch. Klang sehr freundlich, normal, bodenständig, hatten dieselben Vorstellungen eines erotischen Abends, hmmm 15 Jahre Altersunterschied, wir telefonierten, er ein wenig schüchtern, irgendwie kamen mir Bilder in den Kopf von stümperhafter Massage, nicht wissen wohin mit Arm und Bein, 3 Minuten Dauer, irgendwie komisch und stelzig das Ganze, beim Schreiben hatte ich noch Lust jetzt hab ich halt Laune….ich sagte ab.

Da flirte ich lieber weiter mit unserem Paketboten, der so charmant und freundlich ist, selbst wenn ich im übelsten Hausfrauenlook daher komme.

gehört: ich mag die Mädls so:

https://www.youtube.com/watch?v=czkHmjrFCnM

– ausgesuchte Prämie:

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– gelesen: Zum zweiten Mal schon, es geht ums gehen, ums wandern,  um Minimalismus, um Poesie. herrlich!

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Selbstoptimierungswahn

Oft erspüre ich unbewußt Trends und Entwicklungen. Ich kurvte schon auf Rollerblades rum, da wurde ich noch blöd angegafft weil die noch keiner sah. Ich war schon gepierct und tätowiert, bevor der große Hype darum ausbrach.

Vor Jahren fing ich an Selbsthilfebücher zu lesen, als die noch in den staubigen Ecken in Buchhandlungen ihr Dasein fristeten. Ich optimierte mich erstmal psychisch. Also dachte ich. Ich ging in Selbsthilfegruppen, las Unmengen an Büchern, versuchte mich zu ändern, machte viele Therapien. Kein Wunder. Zuhause wurde mir vermittelt: Du bist nicht richtig. Ich war nicht schlecht und nicht gut (letzteres durfte ich ja auf gar keinen Fall werden, sonst fühlte sich meine Umgebung in ihrem schwachen Selbstwert anggriffen.) Nicht richtig zu sein ist diffus. Es lässt sehr viel Raum offen, was das sein soll, aber noch wichtiger: WIE man sein soll. Richtiger halt.

Also machte ich mich auf den Weg. Um endlich richtig zu werden. Damit man mich liebt. Und mag. Und toll findet. Gekostet hat das ganze viel Kraft. Viel Geld und noch mehr Nerven. Denn: Viel kam dabei nicht rum. Ich wurde einfach nicht anders. Und das war ja nicht richtig. Also schlimm.

Ich wurde ein kleiner Moralapostel. Ich wußte genau wie man sich richtig verhält: Müll trennen, immer freundlich sein, sich gesund ernähren, nicht so auf dem Sofa lümmeln, Gymnastik mache, genug trinken, aber bloß nicht zuviel Alkohol, die Straßenverkehrsregeln befolgen, ehrlich sein, seine Wohnung sauber halten, nicht rauchen, keine Schrottsendungen sehen, andere nicht verurteilen, sie nicht belehren.

Die Fehler der anderen Menschen sah ich übergenau. Wie durch eine Lupe! In einer Klinik in der ich mal war, gab es unfassbare viele Regeln, aber natürlich gab es Ausrutscher, Fehler, Regelbrüche, dann hieß es: „naja es menschelt halt auch.“ Wie… menschelt? Ich war schwer irritiert. Das kann doch nicht so schwer sein, sich an Regeln zu halten! Menscheln…igitt, das klingt nach Kuschelpartys. Es hat nicht zu menscheln! Sei perfekt! Gut, dann ist man auch kein Mensch mehr, aber was solls. Darum geht es ja auch nicht.

Meine Fehler zu verdecken, immer adrett frisiert, in ordentlicher Kleidung und höflich sein war das Leben sehr anstrengend. Aber immerhin fühlte ich mich richtig. Also mein innerer Knigge zumindest. Die andere Seite fühlte sich komisch.

Durch eine kleine Übung (davon mehr demnächst) komme ich näher zu mir selbst. Ich schaue mich schonungslos an und stelle fest: Eigentlich bin ich mit mir und meinem Leben zufrieden. Eigentlich ist ein Wort das total unnütz ist, also: Ich bin mit mir und meinem Leben zufrieden!

Waaaas? Das darf man doch nicht sagen, das ist doch verpönt! Man muss seine Wehwechen und Zipperlein aufzählen und dass man so im Streß ist! Fällt das Wort Stress nicht, ist man kein richtiger Mensch! Du musst mehr arbeiten. Du musst…du musst….du musst.

Ich entspanne. Ich atme auf. Ich arbeite, aber nur soviel wie ich es schaffe und es mir gut tut (unerhört!). Ich lese viel, weil ich das mag. Ich mache etwas Sport weil es mir gefällt und mir bestens bekommt. Ich schreibe ein wenig weil es mir Spaß macht. Aber ich fläze jetzt auch mehr auf meinem Sofa. Es ist zerwühlt. Ich hocke nicht mehr stocksteif darauf. Die Küche ist auch mal unaufgeräumt. Mein Bett ist nun viel weicher, ich hatte einen harten unnachgiebigen Lattenrost, eine harte Matratze und ein hartes Nackenkissen. Jetzt kuschel und federe ich mich in meiner erneuerten Liegestatt und wache sehr viel erholter auf! Ich gebe innerlich Menschen die mich nerven oder die ich blöd finde kreative Schimpfnamen, ich seufze und rede mit mir selbst (wenn ich allein bin) ich tanze auch mal ins Bad und fluche mehr. Ich sage öfter nein und das mit gutem Gewissen.

Ich mache das was mir Spaß macht. Weil ich es kann.

Ich war schon immer richtig so wie ich bin. Meine Umgebung, allen voran meine Eltern konnten damit aber nicht umgehen, weil ich sie zum Teil gespiegelt habe und zum Teil das Gegenteil war wie sie. Aber das ist heute nicht mehr mein Problem.

Ich bin wie ich bin. Unperfekt. Und menschlich. Und das ist gut so.

Sollen doch die anderen weiter zum Coaching gehen und täglich lesen: Wie du in 5 Schritten noch effektiver wirst!

Achja und nicht vergessen den Tracker einzuschalten!

https://www.zdf.de/wissen/scobel/scobel-der-ego-kult-100.html

Dann lass es doch!

Ja, das weiß ich auch.

Das ich es lassen könnte. Was? Ach mich histaminarm ernähren. Ja heutzutage ist es IN Nahrungsunverträglichkeiten zu haben. Ich hab es schwarz auf weiß. Dass ich es hab. Diese HIT. Ist kein Hit. Haha.

Darf ich vorstellen, ich habe die chronische Form. Das heißt ich kann sehr wohl mal eine Pizza verdrücken, aber dann keinen Rotwein und keine Mosse Chocolate hinterher.

Das ist zwar einerseits schön, andererseits halt auch schwierig. Denn es scheint, dass bei der Ernährung mein Kurzzeitgedächtnis aussetzt. Beim Einkaufen denke ich mir: och die Erdbeeren gehen. Ausnahmsweise. Vorm Kühlregal habe ich das schon wieder vergessen und denke: ach das Tiramisu geht ja. Ausnahmsweise. Und so geht es weiter, bis mein ganzer Einkauf als Ausnahme besteht. Leider keine gute Gleichung.

Meine HIT-Symptome äußern sich in absoluter Schläfrigkeit. So wie nach einer Narkose. Müde ohne Ende. Es hilft nur Schlaf. Der zum Glück das Histamin abbaut.

Derweil zieht mein Leben an mir vorbei.

Denn: ernähre ich mich histaminarm bin ich frisch und munter und kraftvoll.

Trotzdem kann ich es nicht lassen. Ist aber auch so lecker. Und eine subtile Selbstzerstörung. Andere saufen und rauchen, ich esse so, das es mir nicht gut geht. Es ist wie beim Süchtigen, vom Kopf her weiß ich das und dann überfällt mich dieser unwiderstehliche Drang es doch zu tun. Grade so mit Fleiß. Danach kommt die Scham. Weil es mir schlecht geht. Dann brauchste aber auch nicht zu jammern! Die Wut und die Selbstabwertung kommen noch obendrauf. Als Trost könnte ich doch ein Stück Schokolade essen…ein Teufelskreis.

Mit Abwertung und Selbsthass komme ich so nicht weiter. Also probiere ich es mit Liebe. Ja ich weiß es und kann im Moment noch nicht anders. Nicht besser. Ich gebe mir große Mühe gut für mich zu sorgen, noch klappt es nicht immer. Aber immer öfter.

Nicht aufgeben in Resignation, sondern Kapitulaion. In Liebe.

Ist das noch krank? Oder schon

Das Dilemma bei mir ist: Ich habe dank vielem Mobbing, Alkoholikerfamilie ect. eine soziale Angststörung entwickelt. Für mich ist das übrigends keine Krankheit sondern eine ganz normale Folge dieser Umstände. Aber nunja.

Das ist das eine.

Das andere ist, dass ich sehr introvertiert bin. Man hat aber immer nur das krankhafte gesehen. Und behandelt. Ich sagte mir aber unbewußt: dann bist du komplett falsch. Habe also alles in einen Topf geworfen. Da ich selbst viel recherchiere und lese zu Themen die mich interessieren, kam ich selbst auf das Thema Introversion. Als ich Bücher dazu las musste ich viel weinen. Vor Erleichterung. Vor dem endlich erkannt werden. Keiner der zig Therapeuten, Ärtzte und sonstigem Pflegepersonal brachte mich drauf.

Inzwischen habe ich das für mich auseinander gedröselt. Einladung von einer mir fast unbekannten aber sehr sympathischen Frau zum Kaffe trinken, macht mir keine Panik mehr (wie früher). Muss sie aber aus diversen Gründen das Treffen leider verschieben (wie heute) so spüre ich leichte Erleichterung weil ich derzeit einfach lieber zuhause alleine bin. Und mich damit pudelwohl fühle. Wichtigster Unterscheidungspunkt!

Bekomme ich aber Beklemmung, Schweißausbrüche, zittern im Zusammenhang mit anderen Menschen, dann ist es sozialphobisch. Das Interessante: Habe ich zuwenig Zeit mit mir alleine verbracht, bin ich zuviel unterwegs und zuviel unter Menschen rutsche ich schneller in sozialphobische Phasen. Lebe ich introvertierten-gerecht geht auch das Zusammensein mit anderen viel besser.

Seit Dezember habe ich also wieder eine sehr starke Intro-phase. Ich lese viel, mache mir dazu noch mehr Gedanken, habe verschieden Rätsel aufm Handy die ich gerne spiele, stricke, koche, mache Sport, gehe spazieren und höre dabei Radio oder einen ausgewählten Podcast, schreibe Mails mit Freunden (lieber schreiben als telefonieren), mache meinen Haushalt und Körperpflege. Und bin glücklich dabei! Sehr zufrieden, mit mir selbst.

Das Leben im inneren tut mir gut.

Wochenrückblick

  • endlich getraut: Infotermin bei der Ergotherapie ausgemacht. Mal sehen ob das was ist für mich.
  • gefragt:1. warum gibt es kein Licht im Gefrierschrank? und 2. gibt es glutenfreie Haschkekse?
  • gestaunt: User Hausmeister ist sehr engagiert. Sehr penibel. Und gewissenhaft. So sehr, dass er nun das Jugendamt informiert hat wegen der Familie unter mir. Fand ich beeindruckend.
  • gekocht: Kürbis-Orange-Chutney. Leider wieder etwas zu süß geraten. Naja. Spaß hat es gemacht. Und ist ein nettes Mitbringsel.
  •  gelernt: Dass es auf den Kanaren so eine hohe Arbeitslosenzahl und soviel Armut gibt.
  • Musste mal wieder sein: Karten legen. Der Kopf will weiter nach Arbeit suchen, die Seele sagt: laß es, kümmer dich um dich selbst, hast doch genug zu tun, außerdem ist Januar, Ruhezeit. Schonzeit. Und wenn ich in so einem Zwiespalt bin , leg ich gern die Karten von Luisa Francia aus dem Buch STEINREICH, Zusammenfasssung.

    Du bist mit der ursprünglichen schöpferischen Kraft konfrontiert (das merke ich, alles rationale hat grad wenig Platz) Du hast Power Stroh zu Gold oder auch Dreck zu Gold zu machen. Suche dir einen Ausgleich, etwas das dich aufbaut und tröstet. Im Augenblick geht es darum deine Substanz zu pflegen (auf jeden Fall!!) Für dich sollte es gerade im Mittelpunkt stehen, dich selbst aufzubauen (ja sag das mal meinem inneren Antreiber und was weiß ich wer da noch so krakeelt!). Es ist die Kraft des Kindes (ich sag ja das rationale ist grad nicht angesagt) über das Heilgste zu lachen. Die Dümmste, Unbeholfenste, Lustigste begegnet der wahren Macht und ist nicht zu ehrfürchtig um ihre Wünsche zu äußern.

     

  • gefunden: Mon Cheri. Eine original verpackte Plastikschachtel lag da auf dem Wertstoffhof bei den Dingen die noch gut sind. Da mochte wohl einer sein Weihnachtsmitbringsel nicht.

     

  • gehört: Was neues von meiner Lieblings-Kabarretistin Martina Schwarzman: Ich bin so mittel. Das passt insofern grad zu mir, weil ich letztes Jahr meinem Ego und meiner Hochnäsigkeit und meiner Überheblichkeit begegnet bin und feststellen durfte: Ich bin auch nur mittel. Wie die meisten Menschen.

     

  • gekauft: Suchte schon lange einen neuen Kettenanhänger. Nun fand ich ihn. Einen schön eingefassten Mondstein. Mond passt super, weil LaLuna eben davor schon eine Mondsichel als Anhänger trug.

     

  • gegönnt: nach Wochen mal wieder eine Thaimassage, da es einen Mittagsrabatt gab ließ ich Kopf, Schulter, Nacken und Rücken ordentlich durch kneten. Wonderful!

     

  • gelacht: Bei Ladys Night best of XXL

     

  • gewundert: Da wurde die Installation My Bed (ein ungemachtes, versifftes Bett mit allerlei Kram und Müll daneben) für satte 2,8 Mio Euro versteigert. Herr Shipton empfindet das Werk als einzigartig und zutiefst bewegend. Das sag ich jetzt auch jeden Morgen zu meinem Schlafzimmer.

    Da finde ich das als wahre Kunst:

    https://www.langweiledich.net/bilderparade-cdlxxx/3/#CDLXXX_59

  • geschmeckt: Chai Latte. I Love It!

That’s life!

Du wirst geboren.

Anfangs bist Du in der Krabbelgruppe der kleinste. Und jüngste. Du hast nichts zu sagen. Du wirst größer und älter und darfst mehr. Dann bist Du der Älteste und alle schauen Dich staunend und freudig an: oh jetzt darfst Du bald in den Kindergarten!

Im Kindergarten angekommen stellst Du fest, dass Du wieder der jüngste bist. Und kleinste. Du hast nichts zu sagen. Du wirst größer und älter und darfst mehr. Dann bist Du der Älteste und alle schauen Dich staunend und freudig an: oh jetzt darfst Du bald in die Schule!

In der Schule angekommen. Oh weh, dasselbe Spiel: Du bist der kleinste und jüngste und jetzt auch noch dümmste. Du wirst von den Älteren verprügelt und ausgelacht. Es dauert Jahre bis auch Du größer und klüger bist und man dich respektvoll anschaut, weil Du ja schon in der 4. Klasse bist.

Du kommst auf eine weiterführende Schule. Und fängst, gottverdammmich, wieder mal von ganz unten an. Du wirst aber uiwieschön, auch älter und größer und vermöbelst höhnisch die Jüngeren.

Bis Du eine Lehre anfängst und wieder ganz demütig, von unten anfängst. Es lacht dich keiner mehr staunend und freudig an, sondern muffig wird dir ins Ohr geraunt: „Lehrjahre sind keine Herrenjahre!“

Die Anfänge werden seltener, bei manchen bleiben sie ganz aus. Du wirst alt und grau. Du musst nirgends mehr bei ganz unten anfangen. Höchstens als Neuer im Altenheim.

Dann stirbst Du. Und fängst wieder ganz unten an.

Dessen bin ich mir sicher. Nichts ist zu Ende. Alles ist ein kommen und gehen, ein sterben und ein wieder werden.

Rapunzel´s Turm

(K)PTBS für Anfänger, Fortgeschrittene und Angehörige

TRAUMALEBEN

Leben mit Entwicklungstrauma / komplexer PTBS & Traumafolgestörungen

Al-Anon Blog

Deutschsprachige Beiträge und Informationen zu Al-Anon

minchen‘s blog 

über psychisch kranke Eltern

galgenzork

chronisch

Hanni hat Heimweh

Auf der Suche nach Ruhe und Sicherheit, aber leider nur stark im Auffinden von Chaos und Gespenstern.

Sick Girl

Depression

Herzensgrenze

Überleben als Introvertierte mit dem Wrong-Planet-Syndrom

Hochsensibel und Multipassioniert

Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer. Antoine de Saint-Exupéry

Eine Art Tagebuch

Amat victoria curam