Warum der Ausstieg so schwierig ist Teil 3

Was nicht zu unterschätzen ist, ist der Adrenalinkick. Zumindest am Anfang. Ich habe immer „escort-ähnlich“ gearbeitet, sprich ich habe mir die Männer ausgesucht, also wann ich was wo mit wem mache. Größtmögliche Selbstbestimmung.

Wenn man mich sieht, schätzen mich die meisten als ruhige, zuverlässige, ganz brave Frau ein. Das bin ich natürlich auch, aber nicht immer. Ich habe es schon immer gebraucht da auszubrechen. Zu provozieren. Zu rebelllieren. Mal Tatoos, mal Piercings, mal verrückt gekleidet auf einem illegalen Rave getanzt, riskant Auto gefahren, zuviel getrunken und gekauft, abgehaut, Haare abrasiert. Bloß nicht bürgerlich und spießig. Immer wieder diese Kicks. Diese Adrenalinkicks. Wie schon geschrieben: davon kann man süchtig werden.

Man macht sich hübsch, man trinkt einen Sekt, man wird begehrt, die Männer finden einen toll, sie zahlen viel für einen, man macht etwas Außergewöhnliches, auch was Neues, was Lustiges (man erlebt da unglaubliche Sachen!), man kommt in schöne Hotels, zu teurem Essen, das Ego blüht auf! Das will man nicht missen.

Dieses Doppelleben das anfangs so faszinierend war, war zum Schluß nur noch belastend. Man kann der Nachbarin, Freundin, Bekannten nicht erzählen wohin man jetzt wirklich geht. Man muss viel lügen. Bei anderen und bei sich selbst. Man verdrängt (das hat man ja von klein auf gelernt) das manches nicht toll ist was man macht, dass da was nicht gut riecht und nicht gut aussieht, dass man das jetzt eigentlich doch nicht wirklich machen möchte und schon gar keinen Spaß hat, aber so tun muss als ob.

Und langsam bekommt die Fassade Risse. Man merkt danach, dass man sich scheiße fühlt. Man spürt immer öfter, dass man das und jenes nicht machen möchte. Das es keinen Spaß mehr macht.

Man denkt ans aufhören. Dann beschließt man aufzuhören. Um nach wenigen Tagen doch wieder Mails schreibt und mit einem Kunden ein Treffen ausmacht. Oder ein Stammkunde meldet sich wieder. Ok, nur noch einmal, sagt man sich. Und belügt sich schon wieder selbst.

Wenn man aufhören will wird einem immer klarer, warum man angefangen hat: es tauchen alte unangenehme Gefühle auf: Einsamkeit, Langeweile, keine Bewunderung mehr, keine Adrenalinkicks, weniger Geld…man wird regelrecht rückfällig….der nächste Mann ist ja nicht weit weg….

2 Kommentare zu „Warum der Ausstieg so schwierig ist Teil 3“

  1. Wahrscheinlich auch wie eine Sucht? Ähnlich wie Alkohol, Drogen, Zigaretten? Aber ich finde es schon gut, wenn du die Sachen beim Namen nennst und Dir gedanken dazu machst! 🙂
    Viel Erfolg, Energie und Kraft!

    Like

  2. Danke Dir,
    es ist wohl schon eine Art Sucht, da ich ja schon öfters aufhören wollte, aber immer weider „rückfällig“ wurde. Auch kann ich im Nachhinein sagen, dass ich viele Gefühle dadurch weggemacht habe, was ja auch ein Kennzeichen der Sucht ist.

    Like

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Rapunzel´s Turm

(K)PTBS für Anfänger, Fortgeschrittene und Angehörige

TRAUMALEBEN

Leben mit Entwicklungstrauma / komplexer PTBS & Traumafolgestörungen

Al-Anon Blog

Deutschsprachige Beiträge und Informationen zu Al-Anon

minchen‘s blog 

über psychisch kranke Eltern

galgenzork

chronisch

Hanni hat Heimweh

Auf der Suche nach Ruhe und Sicherheit, aber leider nur stark im Auffinden von Chaos und Gespenstern.

Sick Girl

Depression

Herzensgrenze

Überleben als Introvertierte mit dem Wrong-Planet-Syndrom

Hochsensibel und Multipassioniert

Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer. Antoine de Saint-Exupéry

Eine Art Tagebuch

Amat victoria curam

%d Bloggern gefällt das: