Zwickmühle

Ich möchte gern ein Mensch sein, der sich auf andere Menschen freut. Der sich denkt: aha da ist ein anderer Mensch, ich würde gerne wissen, was der so denkt und fühlt und macht. Und ihn dann mit offenen, wachen Augen anschauen.

Ich kenne in Bezug auf Menschen nur Mißtrauen und Angst. Das macht die ganze Sache verdammt einsam. Und schaue die Menschen mit zugekniffenen Augen an.

Ich habe mal einer Bekannten versucht zu erklären, warum mir ihre Einladung zum Kaffe so einen Streß macht. Mir gelang es nicht, weil ich es selbst nicht verstand. Also habe ich einer Leidensgenossin geschrieben, ob sie wüßte warum. Und wie sie das wußte:

„Ja klar, es ist immer die Angst nicht zu merken, wenn der andere mich manipuliert oder dass mir nichts schlagfertiges einfällt, wenn der andere einen verletzenden Spruch sagt, oder dass ich meine Grenze nicht spüre, oder schlimmer sie spüre aber nicht ernst nehme oder sie ernst nehme und dem anderen zeige und der daraufhin erst recht drüber latscht. Und dabei grinst. Es ist die Angst wieder irgendwie in irgendeiner Form gedemütigt zu werden.“

Ich las und nickte nur. Stimmt. So ging es mir auch. Für mich war das nie entspanntes Kaffe trinken, sondern alle Antennen in Alarmstellung bringen. Zudem war das in einer sehr schwierigen Zeit damals für mich, da war mein Nervenkostüm dermaßen ramponiert, dass ich keine feinmotorischen Handlungen in Anwesenheit anderer Menschen tun konnte. Also nix mit Kaffe trinken. Höchstens mit Strohhalm.

Es ist auch (leider) kein Wunder, das ich so reagiere. 9 Monate schwamm ich in Mutters Bauch mit dem Gefühl: ich bin nicht willkommen. Weil es hieß: das wird ein Junge! Mutter wollte aber eine Tochter. Also wollte ich auch nicht auf die Welt kommen und so wurde es etwas rabiat und der Arzt riß mir im Eifer des Gefechts ein Stück vom Ohr ab.

Das waren meine ersten Erfahrungen mit dieser Welt. Und Mobbing wurde zeit meines Lebens zum Alltag. Wer hat da noch Bock auf Menschen?

Heute also eine Einladung zum Grillen. Die mich sogar freute. Und irgendwie würde ich schon gern hingehen, andererseits bin ich so müde, schlapp und weinerlich…da ist es keine gute Idee mich mit (u.a.) halbfremden Menschen auseinander zu setzen…weil das Kopfkino, siehe oben, noch schneller und derber abläuft.

Also bleib ich zuhause und bejammere mich selbst und meine Einsamkeit.

Wochenrückblick

– man merkt, dass man auch älter wird, wenn man eine seltene Frisur sieht und sich denkt: ah die trug ich auch mal…vor…äh…22 Jahren!!!

– man merkt, wenn man etwas durch den Wind ist, wenn man die Rezensionen eines Buches (das man selbst für gut befand und schauen möchte, wie das andere fanden) liest und eine dabei ist, die genau das ausdrückt was man selber auch denkt und fühlt. Bis man checkt, dass man die ja selber geschrieben hat. Vor 3 Jahren.

gesehen: mal wieder einen „Tatort“ zu dem einen sehr guten, wie ich finde: Alles was sie sagen.

gekauft: ein Buch. Hab ja hier nur gefühlte 200 ungelesene Bücher rumliegen.  Aber der Titel: Die leise Kunst des Lebens, ließ meinen Geldbeutel zücken und sagenhafte 1,-Euro zahlen. Es geht um die Muße. Ein ausgestorbenes Wort. Heute heißt das Flow. Aber das trifft es nicht ganz….

Klappentext: Muße ist mehr als Nichtstun, wie Schweigen mehr ist als Nichtreden. Zuhören kann Antwort sein. In der Muße kann eine vergessene Kunst wiederentdeckt werden: das colloquium cum anima sua, das Zwiegespräch mit der eigenen Seele. Das ist unerschöpflich. Man lernt auf sich selbst zu achten. Muße macht nicht sprachlos sondern kompetent. Sie ist nicht Leere, sondern Sammlung. Muße ist das Gegenteil von Langeweile. Die Neigung die Zeit totzuschlagen, ist eine Folge des Mangels an Muße.

Dem stimme ich absolut zu und sage: Laßt uns einen Gang runterschalten, in den Müßiggang!

gehört: „na also wenn DU nicht auf deinen Körper hörst….“ das WER DANN? blieb unausgesprochen. Ja die gute Frau hat ja recht. Aber es ist echt schwer in so jungen Jahren so unendlich müde und kraftlos zu sein. DAS zu akzeptieren gleicht mir einer Kaiserskunst.

Vorfreude: ich fröne am Wochenende, dem langen Wochenende, den Müßiggang. Ohne schlechtem Gewissen. Ich lebe in den Tag hinein und schaue Löcher in die Luft. Lese, koche, wenn mir danach ist mache ich etwas Sport. Jetzt aber erst mal Erdbeeren mit Sahne und Schokoeis. Danach ein Mittagsschläfchen.

Manchmal brauch ich nicht mehr zum Glück.

Etappenziel, die nächste

Auch Stammkunde Nr 2. heute das letzte Mal getroffen. Auch er wußte vorher, dass es das letzte Mal sein wird. Er ist mir ein wenig ans Herz gewachsen. 3 Jahre habe ich ihm geholfen seinen Fetisch auszuleben. Einen sehr lustigen Fetisch. Ich hatte wirklich viel Spaß mit ihm. Er war mir so sympathisch, dass ich Treffen in meiner Wohnung erlaubte. Außer heute. Zum krönenden Abschluß gab es eine besondere Location.

Er ist mir sehr dankbar, er kann sich und seine Eigenart und seinen Körper jetzt viel besser annehmen. Na wenn dass mal nicht ein ausgesprochen schönes „Berufsziel“ ist. Mich freut und ehrt das sehr.

Zum Dank lud er mich noch zum Essen ein. Wir sprachen viel über uns, unsere Vergangenheit unser Sosein. Danke J. für Dein Vertrauen!

Aber auch jetzt, wieder zuhause, das beschissene Gefühl: Leere, Traurigkeit. Fad einfach. Müde. Kaputt. Wie das letzte Mal…es geht vorbei. Ich weiß es. Aber jetzt vergrab ich mich einfach im Bett.

Vom Fahrradfahren und Frauenarzt

Heute also nun der schon drei mal verschobene Termin bei der neuen Frauenärztin.  Komisch warum mich das jetzt so stresst. Tat es früher ja auch nicht. Na gut, man verändert sich ja auch. Früher war ich immer bei männlichen Ärzten, aber auch das änderte sich und so suchte ich mir vor Jahren eine Ärztin. Die war blöd und grob und nicht verständnisvoll. Das sah ich mir drei mal an und suchte mir dann eine Neue. Die war ähnlich doof. Also auf zur neuen Suche. Bei der jetztigen konnte ich den ersten Termin eher heulend und ohne Untersuchung wahrnehmen. Quasi der (unfreiwillige) Test wie sie mit etwas schwierigen Patienten umgeht. Sie ging gut mit mir um und so war nun eben volles Programm angesagt.

Da schönes Wetter ist, dachte ich ich radel die 5km zur Praxis. Gedacht, getan. Die Anspannung durch körperliche Betätigung abbauen hat sich als gutes Ding erwiesen. Ich bedanke mich immer mit einem Handwink wenn mich ein Autofahrer vorbeilässt oder mir netterweise nicht die Vorfahrt nimmt. Friedensangebot zwischen Auto und Radl. Innerlich bedanke ich mich auch bei allen Fahrern die mich mit genügend Abstand überholen. Ich glaub an sowas wie Energien und so…Allen anderen die das nicht tun, wünsche ich Pilze. Nicht an den Hals. Sondern in den Intimbereich.

Nur damit das klar ist, ich habe die nicht. Bei mir gibts die höchstens mal im Kühlschrank. Und das auch nur im Herbst.

Auf der Heimfahrt überlegte ich wie Frauenärzte eigentlich ihre Stühle aussuchen. Mit Probe liegen? Und gibt es auch männliche Ärzte die sich da selber rauflegen, so am Feierabend und erstmal (sich) „entspannen“? Oder schwule Frauenärzte die es da drauf wild mit ihrem Partner treiben (weil praktisch)…

Man ej, manchmal ist das schon so eine Qual mit dem vielen nachdenken….

Wochenrückblick

schooooon wieder Freitag…..?!?!

ehrlich: ich bin im Grunde sehr ehrlich. Mir sieht man auch jede Gefühlslage sofort im Gesicht an. Habe mich mal mit Mikromimik beschäftigt, seither noch mehr Stress in sozialen Situationen. Ich kann jetzt auch nicht dem doofen Zahnarzt im Brief (ja er bekommt meine Absage schriftlich!) mit „sehr geehrter“ anschreiben, da dreht sich mir die Magen um. Den ehre ich nicht. Auch hab ich eher belämmert drein geguckt, als ich zu P. fuhr und wir einen typischen Mädelsabend machen wollten und ihre Mutter mit aufm Sofa saß. *hmpf* irgendwann kam sie selber drauf und fragte ob sie störe. „Nein Frau R. ich möchte ihrer Tochter nur von meinem letzten Sklaventreffen erzählen, da könnnen Sie ruhig mithören!“ Irgendwann ging sie dann doch. Immerhin.

hellfühlen: manchmal hab ich so Gedanken…wie letztens beim radeln. Ich musste ein Stück auf der Straße fahren (ich hasse das sehr) und prompt fuhr der ein oder andere Autofahrer mit seinem gut gepolsterten Geländewagen mit 3mm Abstand an mir vorbei. Ich wiederum überlegte mir so, dass wenn mich einer hopps nehmen würde, ich bitte schön mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Baum knallen möge, dass es nur noch so einen feinen Knacks in meinem Genick geben möge (habe ich mal was von verdeckter Depression erzählt? Neeeeiiin…). Schnell, kurz, schmerzlos. Ich fuhr also die Straße weiter und nach 400m kam die Ampel, ich bog leicht nach rechts ab und da lag sie: Eine große rote Katze (wohl eher Kater) mit unnatürlich verdrehtem Kopf, trockenem Blut an einem Auge. Tot. Solche Vorahnungen habe ich immer wieder. Und finde sie sehr erstaunlich. Könnte ja mal als Medium oder so arbeiten *g*.

Alptraum: Sehr real und intensiv geträumt, dass mir jemand sagt, mein Vater sei gestorben. Bei einem Autounfall. Kurz darauf heulend aufgewacht. Shit. Danach natürlich immer mal wieder überlegt: Doch wieder Kontakt aufnehmen, weil jünger wird er auch nicht usw…relativ schnell zu dem Ergebnis gekommen: Nein, ich lasse nicht mehr auf mir rumtrampeln und mich manipulieren, nur weil mein Vater es nicht ertragen kann wenn jemand (selbst bei der eigenen Tochter!) Naja gerade bei der…) anders denkt, fühlt, handelt als er und dann dementsprechend von subtil bis brachial seinen Unmut kund tut. Mein Selbstwertgefühl ist mir inzwischen wichtiger, als dieser Narzisst.

Nächste Nacht ein ähnlicher Tram. Ach menno. Die Kunst ist es ja, wenn man mißbrauchende, süchtige, vernachlässigende Eltern hatte, nicht verbittert und harsch zu werden, sondern so weit es geht….warmherzig zu bleiben. Ich übe mich darin immer wieder. Nicht weil ich so gern nett zu den anderen bin, sondern weil es mich selber heilt!

gelüstet: ich finde die Kombi Energydrink plus Butterbreze genial, das salzig-süße…perfekt! Nur schmecken die glutenfreien Brezen nicht und sind zudem knochentrocken. Also gibt es ausnahmsweise normale Brezen. Nun bei einem Bäcker eine Kinderbreze gefunden: Perfekt! Kleine Mengen vertrage ich ja recht gut. Hin und wieder….

– wenn alles scheiße ist, könnte es auch vom Darm kommen. Dass es eine (nicht unerhebliche) Verbindung zwischen Kopf und Darm gibt, kommt immer mehr ins Bewußtsein. Dass viele psychische Erkrankungen auch vom Gedärm kommen wird immer weiter erforscht. Ich kann das an mir immer sehr gut auch erkennen: Esse ich zuviel Zucker (vor 50 Jahren vertilgten de Deutschen rund 1kg Zucker im Jahr, heute sind es 60kg!!!) werd ich schlecht gelaunt, esse ich zuviel Gluten, ebenso, esse ich zuviel (ACHTUNG!) Salat ebenso. Milch und Obst am Vormittag und ich kann stante pede wieder ins Bett fallen. Komatös. Warum? Alles schwer verdaulich. Ich hab vermutlich eh einen geschwächten Darm, der mit solcher Nahrung scher zu Rande kommt. Auch mit großen Mengen Essen generell tut er sich schwer. Ja von Rohkost kann man depressiv werden. Ich habe jetzt auf meinen Körper gehört und 2 Wochen lang sehr wenig gegessen weil ich kaum ein Hungergefühl hatte. Jetzt hat sich wohl alles im Bauch etwas erholt und ich habe wieder richtig Hunger und Appetit! Lecker!

Glück: Die S-Bahn fiel mal wieder komplett aus. Eine Menschentraube wartete auf den SEV (nein nicht SUV). Der Schienenersatzverkehr ist kein Bus, sondern ssind viele kleine Großraumtaxen, die man erstmal erwischen muss. Ich fand sehr flott eins UND bekam den Masterplatz, vorne mit viel Platz, neben dem Fahrer. Gemütlich.

besser: der abgespeckte Terminkalender tut mir sehr gut. Bin wieder besser gelaunter und fitter. Kann auch ein wenig das schöne Wetter genießen und der Freiraum schont meine Nerven.

Etappenziel

Gestern Stammkunde Nr.1 das letzte mal getroffen. Der „Ausstieg“ formiert sich mehr und mehr. Ich habe ihm auch gesagt, dass jetzt damit Schluß ist. Die Frage nach dem Warum offen gelassen.

Er war einer der harmlosen: Mitte 50, schüchtern, devot, möchte einfach einer schönen Frau dienen: Füße und Rücken massieren, eine Watschn kassieren, als Sitzgelegenheit dienen, kochen, ihn putzen lassen, bedienen, ich konnt seelenruhig einen Film nebenbei schauen oder Scrabbel am Handy spielen. Alles in seinem Haus: hübsch und gepflegt, wenn auch etwas einfallslos eingerichtet. Danach hat er mich brav heimgefahren.

Da überkam mich dann doch sowas wie eine Leere. Und da war noch was…Trauer? So ist das halt bei manchen Abschieden, einerseits ist man froh, andererseits kommt doch sowas wie Wehmut auf.

Machs gut kleiner Dicker. Spaß hats allemal gemacht!

So ein Vormittag im Wald

Ich muss mir derzeit dringend Tankstellen suchen. Wo ich aufladen kann. Dinge die mir gut tun, aber mich vor allem entspannen. Und so war heute radeln angesagt. Ziel: großer Wald. Sehr großer Wald. Wunderschön…

Vom gestrigen Regen dampfte er im Morgenlicht, die Regentropfen an den Ästen glitzerten wie Weihnachtsbeleuchtung, die Wiese sah nach Märchenlandschaft aus und die mossbewachsenen Baumstümpfe nach verwunschenen Gnomen. Den Duft nach frischer nasser Erde, blühenden Knopsen, Harz und was weiß ich nach was Wald alles riecht, zog ich tief hinab bis zum Bauchnabel. Teils schob ich mein Rad und ging ganz langsam. Hörte nur dem knirschen der Reifen und meiner Schritte zu, sah die erste Mininacktschnecke, die sich aufgrund ihrer Farbe kaum von dem Pferdemist über den sie kroch, farblich abhebte, hörte viele Vögel zwitschern und Hummeln brummen. Auf einer Bank die Sonne genossen und einen Schokoriegel. Kein Auto, kein Lärm, kein Mensch (doch 2 Nordic-walker, furchtbar grimmig schauend, furchtbar)…

Allein aus diesem Grund schon will ich nie mehr Vollzeit arbeiten müssen. Damit ich Dienstags früh, einfach mal so in den Wald fahren kann.

Pure Natur. Wunderbar. Ich hab den Wald so vermisst.

Komm her, aber nicht zu nah!

Ich denke mal wieder darüber nach, warum das mit mir und den Mitmenschen nicht so recht funktionieren mag.

Natürlich bin ich gerne alleine und brauche das auch häufig um mich wieder aufzuladen, aber manchmal ist es mir zuviel alleine sein. Es haben mir bisher sehr wenige Leute gesagt, warum sie eher nicht soviel Kontakt mit mir möchten, oder generell was sie an mir doof finden. Ich hätte da gar nichts dagegen, wenn man mir mal sagt wie sie mich so wahrnehmen, auch wenn es unangenehm für mich wäre.

Irgendeine Schattenseite von mir, habe ich wohl nicht entdeckt…eine Mitarbeiterin von der Tafel signalisierte mir mal wie ich rüber komme: Erst sehr grantig schauend (was bei mir leider schnell arrogant wirkt) und wenn ich an der Reihe bin sehr freundlich. Das irritiert und kommt wohl falsch an. Es ist da folgendes was passiert: Tafel ist anstrengend, viele Leute (oft auch schlechte Gerüche), viele Geräusche und ich muss mich auf das konzentrieren was es gibt, was ich haben will. Wenn dann von haus aus schon schlechte Laune, Ängste oder Besorgnis dazu kommt, oder dass mich einer der Leute nervt (ich sag nur abgrenzen üben!) bin ich schnell in einer Reizüberflutung, was mich so grantig schauen lässt. Komme ich an die Reihe freue ich mich natürlich und begrüße auch jeden Verkäufer mit einem Hallo, weil die meisten auch sehr nett sind und das ehrenamtlich machen, da ist ein wenig Höflichkeit ja nicht verkehrt…

Das ich generell eher abweisend wirke ist wohl mit ein Grund. Als introvertierte brauche ich Zeit zum nachdenken, was der andere gesagt hat und was ich sagen möchte, ich werde in sozialen Situationen schnell unruhig bis fahrig. Augenkontakt ist mir eher unangenehm, auch wenn ich ihn gut halten kann. Mein Handy ist meist auf lautlos weil mich das piepsen nervt, ich rufe aber schnell zurück. Als Gastgeber in meiner Wohnung bin ich eher schlecht, weil noch nervöser. Und ich musste leider schon viele Anfragen ablehnen, weil ich oft zu erschöpft bin.

Aber ich signalisiere den Leuten durchaus, das ich Interesse habe, frage ob sie zu der Veranstaltung mitgehen, denke an Geburtstage, frage wie es ihnen geht, biete Hilfe an.

Aber es stimmt schon, mit 80% der Leuten kann ich nichts anfangen. Zu hohl (ach schon wieder arrogant) zu oberflächlich, zu extrovertiert und daher zu anstrengend. Das blöde ist, die Leute die ich mag, behandel ich oft sehr schäbig. Das ist mir erst letztens aufgefallen, bei einem sehr krassen Beispiel.

Bin ich etwa so wie meine Mutter, die mir immer süßlich zuflüsterte wie sehr sie mich liebt und ich ihr Wunschkind sei und mich gleichzeitig als 7-monate altes Baby so lange schrien ließ bis ich mit doppelten Leistenbruch ins Krankenhaus musste? Mir nachts in der neuen Wohnung die dicke Decke wegnahm, weil sie fror, freundlich lächelnd ihrem Exmann zum Vatertag eine selbst gemachte Torte vor die Nase stellte und mit keinem Wort meinen Geburtstag (geschweige denn Torte) nannte, die an meinem 18.Geburtstag lieber ihrem neuen Freund die Haare wusch (warum kann ein 40-jähriger Mann das nicht selbst  und warum musste es ausgerechnet in unserer WG-Badewanne sein?) anstatt mit uns zu grillen, die mich in alten Klamotten, die eh schon im Schrank hingen zur Firmung schickte, während meine Schwester ein maßgeschneidertes Dirndl (im Partnerlook mit meiner Mutter) und danach eine Kurzreise an den Bodensee geschenkt bekam, die den Typen der mich 2 Jahre lang in der Schule fast täglich übelst körperlich angriff, in den höchsten Tönen lobte und ihm in seiner Ausbildungsstelle (selbe Arbeitsstelle wie meine Mutter) half, die ohne zu fragen Geld von meinem Sparkonto nahm und es nie zurück gab, die mich als 9-jährige zum Frauenarzt schickte und anstatt mir zu erklären was da passiert, Hand hält ect. sich schön brav neben den Arzt bei der Untersuchung stellte, die mir bei einer Zahn-Op (als 12-jährige, nur unter Lokalbetäubung) so fest in den Fuß zwickte, weil SIE das nicht mitansehen konnte, während ich fast kollabierte, die hingebungsvoll alte Leute fütterte, wickelte, wusch und kämmte, während wir Kinder nicht eine Umarmung bekamen (die nicht sexuell gefärbt war) und mir dann vorjammmert, dass ICH ja ihr Sorgenkind sei, als ob ich hier die verrückte sei….

Wer so eine Mutter hat, braucht keine Freunde, äh Feinde.

Ich fand mal den Buchtitel: „Du kannst mich ruhig Frau Hitler nennen“ und mir stockte der Atem. Wie treffend! Ich brauchte lange um den narzisstischen Missbrauch und die emotionale Vernachlässigung, heißt die psychische Gewalt meiner Mutter zu erkennen. 1. fällt es sehr schwer das bei der eigenen Mutter zu erkennen (man will es nicht wahrhaben) und 2. waren für mich bis dahin die Frauen die Guten.

Schade, dass ich erst nach 27 jahren sagte: Tschüß, lass mich in Ruhe! Und nicht schon viel eher….und manchmal, manchmal wenn die Wut zu groß darüber wird, dann stelle ich mir einfach vor wie ich zu ihrer Beerdigung gehe (als langjährige Alkoholikerin dürfte das nicht mehr allzulange dauern) und einfach nur klatsche…

Umgang

Mit einer chronischen Krankheit zu leben muss man lernen. Ich bin immer noch dabei. Am schwierigsten ist für mich mir selbst nicht die Schuld dafür zu geben: hättest halt weniger gemacht! Hättest dies und das mehr und das und jenes nicht…bullshit. Wer weiß ob die jetzige Phase nicht trotzdem ausgebrochen wäre.

Lange, sehr lange dachte ich es liegt an den äußeren Umständen: Der falsche Job, die falsche Arbeitsstelle, die falsche Wohnung, kein Partner/ein Partner, zuviel Kontakt mit Familie/kein Kontakt mit Familie, zuviel Zucker, zuviel Histamin…irgendwas ist ja immer. Das alles spielt mit Sicherheit eine Rolle, aber ich vermute sie sind eher der Auslöser, als der handfeste Grund meiner Erkrankung.

Ich schäme mich dafür, dass es mir nicht gut geht, dass ich nicht leistungsfähig bin. Ich bin wütend, dass ich nicht das Leben führen kann, das ich gerne möchte. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht gut auf mich aufgepasst habe. Zu akzeptieren, dass wieder ein Schub da ist, ist der schwierigste, aber auch der beste Schritt. Ich bin ja nicht faul, ich tue gern etwas, sofern mir nicht die bleiernde Schwere in den Knochen und im Mundwinkel hängt.

Es aus einer anderen Perspektive sehen: Wie ein Rheumatiker der auch Schübe hat. Im Jetzt bleiben: was geht? Alles in Ruhe machen. Mit sehr vielen Pausen. Das positive sehen: ich lebe in einem Staat in dem ich bei Krankheit Geld bekomme, eine saubere, schöne  Wohnung für mich alleine habe, Strom, Wasser, der Kühlschrank ist voll…nicht überfordern.Vormittags wird der Müll weggebracht, nachmittags kann ich staubsaugen. Froh sein um e-mail, weil reden gerade zu sehr anstrengt.

Bei den chronisch müden (CFS) wird das Pacing angewandt: Schauen was geht, wenn nicht dann nicht. Also sich sehr gut spüren und dabei bleiben, damit man NICHT in die Überforderung rutscht aus der man sehr langsam und mühsam erst wieder rauskommt. Ein kleiner Überblick hier:

http://www.cfs-aktuell.de/index-Dateien/Goudsmit.pdf

Wochenrückblick

Die Wochen ziehen nur so dahin…scheinbar an mir vorbei…

getrunken: ich trink wenig Limo, aber mal wieder eine Kirschcola mitgenommen *lecker*

Sommer ist scheiße, da gab es mal ein witziges Lied dazu, find es leider nicht mehr…ich jedenfalls halte Ausschau nach jedem Wölkchen und jedem Tröpfchen Regen…hab leider schlechte Karten…

zweierlei: Zwei Seelen streiten ach in meinen Brüsten: Einerseits will ich gar nicht alt werden (meine Oma wurde letzten 96 Jahre alt und ihr Mann 89!!OMG) andererseits tue ich alles für ein gesundes Leben…schräg.

reizend: mich würde ja das Buch Psychopathinnen schon reizen, weiß aber, dass es mich massiv triggern würde. Also reizt es mich noch mehr. Kaputtes Hirn.

gesehen: den Film Körper & Seele, ja etwas strange, aber ich mag ja so neurotische, sozial eher inkompetente Figuren (sehr authentisch gespielt!), außerdem ist er sehr ruhig, noch ein Pluspunkt und ich fand da drin ein neues Lieblingslied: https://youtu.be/HU2ts1IUByA

wissend: ich weiß schon warum ich nie eigene Kinder wollte. Bei mir überleben ja nichtmal Zimmerpflanzen!

gelesen: auf einem meiner Lieblingsblogs (salamandra.de von Luisa Francia), dass sie, also Frau Francia, nicht integrierbar sei. Da fühlte ich sofort mit. Bin ich auch nicht. Denke mit gruseln an meine früheren Arbeitsstellen zurück mit über 100 Menschen, und ich wollte einfach nur meine Ruhe….aber auch sonst, irgendwelche Vereine usw. sind nix für mich.

gefragt: wieso braucht man einen Schrittzähler? Ich hab nur einen.

gedacht: ich ess auch gern vegan…er 🙂

festgestellt: bei manchen Wohnungen bekommt der Satz „da kann man ja vom Boden essen“ eine andere Bedeutung. Da wird man nämlich wirklich satt, was da so alles rumliegt.

gelacht: mal wieder hier gelesen: http://www.chatvongesternnacht.de/de

aufm Schlauch stehend: D. schreibt dass er sich noch nen Caffee togo holt. Ich denk mir so, was dass dennschon wieder für ein neumodischer Scheiß ist und googel mal. Bis ich feststelle, er hat einfach ein Leerzeichen vergessen. Kopf—>Tisch

– heute wieder Arbeit abgesagt. Immer wenn ich zuviel tue, ob körperlich oder geistig wird mir schwummerig, fühle mich fiebrig (bin es aber nicht) und zittrig. Die wenige Kraft die ich habe investiere ich wieder in meinen Haushalt.

genossen: 1.Eis in diesem Jahr! Schoko-bwronie mit frischem Obst und viel Sahne. Bestens!

geplant: Montag wollte ich mal wieder zu einem Poetry Slam, gibt in München-Schwabing eine schöne Bühe dafür. Ein Freund wollte mit, den ich auch schon ewig nicht mehr sah. Wieder abgesagt. Zu ko. Kotzt mich an.

gekauft: neue Polster für meine Balkonliege. Herrlich weich!

aufgebaut: meinen neuen zusätzlichen Schreibtisch für Mal/Kunstsachen. Gefällt mir sehr. Mal sehen wann ich ihn einweihe.

erschrocken: kurz nach dem einschlafen geht der Rauchmelder los. Heilige Scheiße! Erstmal die schmale steile Treppe runtergestolpert (so ne Maisonette-Wohnung ist schon geil, hat aber definitiv auch Nachteile…) und glotzte dann hoch zur 3-Meter hohen Decke wo das piepsende Teil hängt. Ich hab so bös geguckt, dass er ausging 🙂 Fehlalarm, Adrenalinrausch, wütend wieder ins Bett. Wahrscheinlich spazierte eine Spinne vorbei und furzte ordentlich. Was weiß ich…

BÄM auf einmal sind die Bäume wieder grün. Wenn ich ganz still bin, hör ich sie vor Freude juchzen, dass sie endlich nicht mehr so nackisch rumstehen. DESWEGEN sind im Herbst die Blätter rot, vor Scham!

 

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Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer. Antoine de Saint-Exupéry

Eine Art Tagebuch

Amat victoria curam