Ich mag Menschen. Nicht.

Wenn jemand sagt, er mag Menschen, oder er arbeitet gern mit Menschen, überkommt mich immer so ein Gemisch aus Verwirrung (wie kann man nur???) und Grausen (in Erinnerung an all das was Menschen mir antaten).

Die Nachbarskinder damals mochte ich, im Kindergarten war ich so gestresst dass ich wieder in die Hosen machte. Konnte ich bei Oma im Flur die Flusen aus den Ecken pulen war ich glücklich. Kindergeburstage, Fasching und Co endeten jedesmal im Heulanfall vor lauter Streß.

Eines meiner Lieblingsbücher ist *Unter dem Tagmond* es stand lange im Reagl und ich hab den dicken Schwarten mindestens 4x gelesen. Eine Frau, kratzbürstig, rustikal und derb zieht sich nach Neuseeland in einen alten Leuchtturm zurück. Keine Nachbarn. Sie säuft, liest, spielt Gitarre und irgendwann kommt ihr ein Kind in die Quere. Und deren Vater. Ein toller Roman, stellenweise auch unerträglich weil es auch körperliche Gewalt gibt. Wie oft hab ich mir so einen Leuchtturm gewünscht. Blick aufs Meer. Keine Nachbarn. Ruhe. Ich hab mir sogar mal einen schönen gezeichnet und in der Klinik bekam ich zum Abschluß einen in Miniatur geschenkt :-)))

Ich mag Menschen nicht. Ja ich habe da hohe Ansprüche. Sie sind mir zu laut, zu ruhig, zu oberflächlich, zu dumm, zu überheblich, zu asozial, zu machtorientiert, zu falsch….

Ich bin speziell. Und es passen nur andere spezielle Menschen zu mir. D. war so einer. Wir hatten dieselben Gedanken. Wir waren gleich schräg drauf. Gleich verletzt. Gleich neugierig und interessiert an der Welt, an Büchern, an Reisen, an Geist…bei ihm konnte ich entspannen, mich aufladen, lachen, die Zeit vergessen. Keinerlei Anspannung. Ihn mochte ich gern anfassen. Stundenlang quatschen und ne Sektflasche leeren. Wahrscheinlich weil wir uns zu ähnlich waren, krachte es jedesmal. Heftig. Immer wieder rauften wir uns zusammen. Jetzt nicht mehr. Er meint, es sei zuviel passiert. Ich denke sofort, dass ich es vergeigt habe. Dass ich Schuld bin. Mich zerreißt es fast innerlich. Nein. Er hatte schon auch dazu beigetragen dass nun Funkstille herrscht. Ich denke gern an die gemeinsamen intensiven Zeiten zurück. Loslassen kann ich dich immer noch nicht.

D. dich mag ich. Sehr.

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