Nochmal innere Kinder

Wer kennt nicht das berühmte Lied von Peter Maffay „ich wolte nie erwachsen sein…“ Irgendwann in den 80-er Jahren kam es auf: Das Therapiemodell des inneren Kindes. Dieses sollte hervor geholt, bemuttert, versorgt werden. Das ist auch wichtig und in Ordnung, ich merke das selber immer wieder an mir. ABER etwas sehr wichtiges wurde dabei ziemlich übersehen: Kinder brauchen auch Grenzen! Auch das ist Liebe! Aber wo wir heutzutage hinsehen, wie sehen nur innere Kinder außer Rand und Band: An jeder Ecke kann man was kaufen, meistens rund um die Uhr und ist kein Geld da: egal kauf jetzt zahle später! Ich glaube die wenigsten Menschen wissen noch, dass man auch überlebt, wenn man mal 4 Stunden nichts isst! Aber: Innere Kinder die nicht warten können/wollen. 40/50-jährige fahren mit Longbord und diesen Scooter (Kinderroller) zur Arbeit, 60-jährige wollen ewig jung aussehen und drehen mit Bungee-Jumping ect. nochmal so richtig auf.

In meiner näheren Umgebung habe ich zwei Musterbeispiele: Eine Frau weit über 30 trägt immer noch zerfetzte Jeans, bunte Haare, Base-Cap und hat zu 90% die rotzige Laune eines Teenagers. Der andere ein Mann, weit über 60 blödelt immer herum. Ernstahfte Unterhaltung? Unmöglich. Schwer alkoholkrank (Sucht hat meistens was mit inneren Anteilen zu tun) und spielsüchtig! Hat auch eine zeit in Las Vegas gelebt. Ein Traum für innere Kinder! Viele bunte Lichter, alles glitzert, spielen rund um die Uhr, ein Paradies!

Da gibt es wenig erwachsenes. Sie sind mit ihren inneren Kindern identifiziert. Natürlich sollen wir auch Spaß haben und mal kindisch sein dürfen, es geht halt ums Maß.

Ich zum Beispiel falle bei Ärzten oft in eine hilflose, wehleidige Rolle. Ein jüngere Anteil übernimmt die Regie. Bleibe ich bewußt in der Erwachsenen, in meinem Selbst, kann ich mit mir reden: „ja das ist jetzt doof und unangenehm, ich bin aber da und wir zwei schaffen das. Ich sorge so gut es geht für dich…“ Das macht viel aus!

Wenn ein Problemkind übernimmt, gibts Schwierigkeiten. Der Chef weist uns sachlich auf einen Fehler hin und wir reagieren total wütend und verlassen heulend den Raum. Übergewicht, Prokastination (Aufschieberitis), Schulden, Süchte, Partnerprobleme usw…

Ein wahrer Segen ist mir das Buch: ERWACHSEN – Vier Schritte zu einer starken Persönlichkeit von Ashley Davis Prend. Sie erklärt sehr gut, was es mit schwierigen, identifizierten Kindanteilen aussieht und wie man da wieder rauskommt UND auch, dass diese Teile heilen und sich weiterentwickeln. Das tut sooo gut!

Gestern hielt ich schriftliche Zwiesprache mit einem Teil der extreme Verantwortung für andere übernimmt. Das war erschreckend, wie sehr er meint, das machen zu müssen, weil sonst die ganze Familie auseinander bricht und sein Überleben nicht mehr gesichert ist. PUH. Da braucht es kontinuierliche Zuwendung, einfach DA-sein. Verstehen. Natürlich geht es da um alte Geschichten. Ich spürte zuoft, dass Mama und Papa viel von mir brauchen. Das ich ihnen helfen muss. Jetzt einfach zu dem Teil sagen: „aber das musst du nicht mehr, die sind alt genug!“ hilft nicht, das Kind sieht sich wieder nicht wahrgenommen bzw. eher übergangen. Also vermittelte ich ihm, dass Mama und Papa auch Schutzengel haben, die für sie sorgen und ob es ok ist, jetzt immer wieder kleine Pakete mit Verantwortung zu denen zu schicken. Das ging. Und das werde ich auch noch oft machen…

Nachbeelterung…für mich die beste Traumaheilung.

2 Kommentare zu „Nochmal innere Kinder“

  1. Hi Luise, auf Dauer kann das nicht gesund sein…mir öffnete das Buch *Wenn Frauen zu sehr lieben* bezüglich anderen zu sehr helfen wollen/Verantwortung übernehmen usw. die Augen. Hole es immer wieder hervor, weil es bei mir ein eingefahrenes Muster ist: Die Bedürfnisse der anderen stehen an erster Stelle…war eigentlich nur eine „natürliche“ Konsequenz, dass ich u.a. in der Sexarbeit landete.
    Schönen Abend Dir 😉

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