Die Arbeit, die Rente und ich

7 Jahres-Zyklus. Alle 7 Jahre erneuert sich der Mensch körperlich und geistig, sagt man. Das verflixte 7.Jahr.

Am 1.April 2012 (und ich hielt das echt für einen Aprilscherz!) bekam ich das erste Mal Rente. Vor 7 Jahren. Was hab ich in dieser Zeit gehadert. Mich gewehrt. Nicht wahrhaben wollen. Mich geschämt. Aber ich MUSS doch auch arbeiten! Das kann doch nicht sein! Langsam…ganz langsam nach noch besserem mich kennenlernen und Versuchen wieder mehr ins Berufsleben einzusteigen wird mir immer mehr klar: Ich KANN es nicht. Selbst wenn ich will. Es geht nicht.

Ich kann es langsam besser akzeptieren. Meinen BERUF-Lesezeichenordner am PC rigoros ausmisten. Da sind völlig utopische Dinge abgespeichert.

Ich habe keine Kraft mehr. Die reicht gerade noch für meinen Alltag. Etwas Sport. Lesen. Meinen Haushalt. Etwas Sozialkontakt. Ich merke, sowie etwas nicht funktioniert (heute morgen die PC-Tastatur) bin ich schnell im Panikmodus. Manchmal kann ich nur ganz schnell einkaufen und muss dann ganz schnell wieder heim. Wie soll ich da an einer Arbeitsstelle z.B. 4 Stunden bleiben, evtl. mit Kollegen (Kunden gehen eh nicht) UND noch was leisten?

Ich bin zu beschädigt. Es hat seinen Grund warum ich eine volle Erwerbsunfähigkeitsrente bekomme. Mehrere Gutachter haben das zu Anfang und dann in den 4 Verlängerungen mir bescheinigt. Derzeit läuft wieder eine Verlängerung.

Ebenso wird derzeit der Schwerbehindertenausweis erneut überprüft.

Ich habe mich fast mein ganzes Leben lang um andere gekümmert. Ich kann es nicht mehr. Ich will es auch nicht mehr. Ich habe bis zur völligen Selbstaufgabe für andere Verantwortung übernommen. Jetzt überleben nicht mal mehr Zimmerpflanzen bei mir.

Ich akzeptiere wieder ein Stück mehr, dass es ist, wie es ist.

Ich habe derzeit 2 lose Arbeitsstellen (die buchen mich nur so zwischen 2-4x im Jahr). Da gehe ich gerne hin, das behalte ich mir.

Meine Lieblingsstelle ist derzeit auf „Pause“. Hoffe dass das bald wieder auf GO! Steht. Somit schaue ich dass ich vielleicht noch 1 regelmäßige Stelle finde. Wöchentlich oder alle 2 Wochen. Und nur wenn es absolut passt: Ich Respekt von den Bewohnern spüre, ich die Energie, Gerüche ect. der Wohnung mag, ich alleine arbeiten kann, es in der Nähe ist und gut bezahlt. Diese 5 Sachen MÜSSEN passen. Oft genug hab ich mich die letzten 2 Jahre selber beschummelt mit: ach komm wird ja gut bezahlt. Seelenheil und Würde ist aber unbezahlbar. Und in erster Linie geht es mir ja nicht ums Geld. Meine Grundbedürfnisse sind gut abgedeckt. Ich kann es mir nicht leisten mich wieder zu übergehen!

(Zum Thema Würde schreib ich demnächst noch mehr)

Das habe ich gestern noch zum Thema Sinn und Identität der Arbeit gefunden:

https://www.zeit.de/karriere/beruf/2011-06/interview-sinnsuche-karriere

und das hier:

http://blog.lieblingsmensch.me/arbeiten-ist-bei-mir-selbst-sein/

Ich hatte gestern ab dem Zeitpunkt, als mir die Frau all das Schreckliche was sie erlebt hat und derzeit erlebt wie einen Kübel übergeschwappt hatte, bis zu dem Zeitpunkt als ich genau den 1.Schritt wieder in meine Wohnung tat, diesen fiesen Druck auf einem Ohr. Wie Watte. Wie wenn man sich selber hört oder Wasser im Ohrkanal hat. Totaler Streß! 4 Stunden lang!

Ich spüre einfach nur pure Erleichterung, das sich da NIE mehr hingehen werde. Tief aufatme.

Heute morgen fiel mir ein: ohje ich hab da E. Mit reingezogen, weil der sich um ihren PC kümmern könnte. Ach dachte ich mir dann: 1. kann er sich selber abgrenzen und 2. der hat mir letztes als „SPAß!“ völlig unpassende Jobangebote gemailt. Boah war ich da sauer. So ein Arsch! Das ist jetzt also eine kleine Retourkutsche von mir! Und Leute, das ist was völlig neues bei mir so ein Denken! Andere auch mal hart anzufassen, barsch Grenzen setzen, kleine Streiche spielen oder zu denken: das zahl ich dir heim! Ich war immer übervorsichtig mit anderen! Keinen wollte ich verletzen, so wie ich oft verletzt wurde. Keinen wollte ich auslachen oder beschämen. Oder einfach mal unachtsam sein und was blödes unpassendes sagen! Ich war viel zu weich. Und das merken andere….

So wie Luisa mir gestern im Kommentar schrieb: Ich muss nichts mehr tun, was mir schadet. Diese Freiheit habe ich jetzt. Ich muss kein schlechtes Gewissen haben, dass ich es mir gutgehen lassen darf und gut für mich sorge.

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