Können Freier Freunde werden?

Als Sexarbeiterin hatte ich ja sehr viele Kontakte zu Männern. Und manche findet man interessant, in manche könnte man sich auch glatt verlieben, mit manchen teilt man denselben Humor. Mit manchen Männern ergibt sich eben mehr als eine sexuelle Dienstleistung. Und bei mir gab 3 Männer die mir mehr bedeuteten und es zum Teil noch tun.

D. und M. lernte ich fast zeitgleich kennen. Mit M. traf ich mich bald außerhalb des bezahlten Treffens. Ich konnte mich gut mit ihm unterhalten, wir gingen essen, er half mir beim Sofa-aufbau, trafen uns auf dem Weihnachtsmarkt, wir gingen abends zu einer Transvestitenveranstaltung, wir fuhren paar Tage weg. Ich weiß gar nicht genau was ich an ihm mochte. Vielleicht das er so ein grundsolides Leben hatte und trotzdem nicht eingebildet war. Er strahlte Sicherheit aus, auch durch seine 1,98m Körpergröße. Ich dachte das sich eine Freundschaft entwickeln würde. Er aber gab schonmal spöttisch so Kommentare ab wie: „Naja also WIE wir uns kennenlernten….!“ es war ihm irgendwie peinlich. Er meldete sich auch nie, nur immer ich. Fragte ob wir uns treffen wollten und schlug vor was wir machen könnten. Nur meine Initiative. Als ich mich nicht mehr meldete ging das ganze auseinander. Ich hatte oft das Gefühl, das er sich irgendwie für mich Sozialfall schämte, er als Banker mit noblen Firmenwagen stand halt ganz anders da. Ich ließ die Sache sein.

J. ist auch Banker. Aber kein arroganter Schnösel. Im Gegenteil, ein sehr humorvoller, warmherziger Mann. Das erste Mal traute er sich seinen harmlosen Fetisch öffentlich auszuleben. Also nicht nur Kopfkino, sondern real. Dazu brauchte er eine Frau. Ich spielte also eine softe Domina, während er sich in seinen speziellen Klamotten erfreute. Kaum Körperkontakt, ich angezogen natürlich. Ich fand sein Vertrauen bewundernswert. Man spürte wie er Angst hatte. Und auch immer weiter seine Grenzen erweiterte. Mir tat es gut, mal so eine bestimmende Rolle einzunehmen, zu fordern, zu befehlen, zu bestrafen. Wir harmonierten gut und wir hatten beide Spaß. Auch konnte ich kreativ mir neue Spiele einfallen lassen, es erweiterte desfinitiv meinen Horizont. Er war immer sehr vornehm und respektvoll, schrieb auch schonmal Dankesbriefe und ließ Pralinen da. Als ich ihm schrieb, das ich aufhören würde, gab es noch ein letztes Treffen in einer besonderen Location, danach lud er mich noch zum Essen ein und wir umarmten uns. Nach wenigen Monaten schrieb er mir eine Nachricht „privat“ und ich meldete mich gerne zurück. Ich mag den Kerl sehr. Freundschaftlich. Seitdem trafen wir uns öfter. Zum radeln, zum Kino, auf ein Bier, schicken uns lustige Whatsapp-nachrichten hin und her. Wir haben uns geöffnet und auch unsere Schattenseiten gezeigt. Wir verstehen uns sehr gut, lachen viel, aber quatschen auch über das was uns beschäftigt und Sorgen bereitet. Ich fühle mich in seiner Gegenwart sehr wohl und ihm geht es andersrum genauso. Ich liebe und brauche so unsexuelle Kontakte zu Männern sehr. Das kumpelhafte, das unspektakuläre, einfach quatschen, lachen, was trinken. Ich hoffe, dass sich diese anbahnende Freundschaft festigt.

Und dann war da noch D. Der hat mich Nerven gekostet. Als wir uns trafen war er der typische verlorene, einsame Wolf. Den muss ich retten! Ich verfiel in totale Coabhängigkeit. Dazu kam, das er viel repräsentierte was ich in meiner Kindheit/Jugend verlor. Unter anderem das Leben auf dem Lande. Es verschmolz alles mögliche, die Freude das alles wieder zu haben, die Zuneigung zu D., die Hoffnung auf alles mögliche! Die Treffen mit D. waren genauso unkompliziert wie mit J. Sich treffen, über Gott und die Welt reden, lachen, die Zeit verstrich wie im Fluge. Nur das ich mit D. auch Körpernähe genoss. Aber keinen Sex. Und genau das gab immer wieder Streß. Was wird das mit uns? Beziehung? Offene Beziehung? Freundschaft? Dazu seine Eifersucht (er projizierte sehr viel von seiner Exfrau auf mich). Wir redeten und stritten. Immer aneinander vorbei. Ich vermisste ihn. Ich verfluchte ihn. Ein Hin und Her, ein Auf und Ab. Sehr lange. Sehr kräftezehrend. Ihn retten konnte ich natürlich nicht, aber mich musste ich dringend wieder mal retten. Ich übernahm soviel Verantwortung für ihn, das ich mich selber schon wieder vergaß und fleißig mit anderen Männern traf. Total strange. Jetzt ist endlich Ruhe. Ich habe es eingesehen, dass das nichts bringt. Auch wenn ich ihn und unsere gemeinsamen Abende immer noch vermisse. Wir hätten uns irgendwann zerfleischt. Wir würden uns weiter immer wieder im Kreis drehen. Ich lasse ihn los.

Manche Stammkunden meldeten sich danach immer wieder mal. Zum Geburtstag, zu Weihnachten, fragten ob ich nicht doch noch was mache usw. alles ignoriert.

Aus lauter Einsamkeit hab ich viel zuviele Treffen wahrgenommen, die ich eigentlich nicht wollte. Manchesmal dachte ich wirklich, dass einer der Männer an mir als Person ehrliches Interesse hätte. Auf viele Lobhudeleien fiel ich rein. Viele Enttäuschungen machten das dann zunichte. Sie zahlten, ich lieferte dass was sie wollen. Es war ein Geschäft. Nicht mehr. Aber was tut man nicht alles für ein wenig Aufmerksamkeit. Für ein wenig Zuwendung…

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