Einer meiner schlechten Tage

Mein Umfeld kann meine manchmal krassen Schwankungen der Energie schlecht nachvollziehen. In letzter Zeit hab ich viel gearbeitet, war viel unterwegs und gut gelaunt. Das bekam auch meine Nachbarin mit mit der ich mich öfters treffe.

Es verstehen die wenigsten, dass es dann plötzlich Tage gibt, wo ich nichts von all dem mehr machen kann. Ich konnte es ja selber lange nicht akzeptieren.

Ich hatte sie um Hilfe gebeten, da ich eine Lampe abholen wollte (von einem privaten Verkauf). Der Ort ist nur 14km entfernt und mit den Öffentlichen wäre ich einfach über 40 Minuten unterwegs gewesen. Sie hat ein Auto und ich habe ihr in letzter Zeit viel geholfen. Sie sagte mir auch zu, doch dann kam einer meiner sehr schlechten Tage: Sehr schwindlig, schwummerig, bei der kleinsten Aufregung sofort fiebrig und schwitzend, total schlapp, schläfrig und in diesem Zustand eigentlich zu keiner äußerlichen Interaktion fähig, weil ich das Gefühl habe mich im Fall des Falles erst recht nicht wehren zu können und Gespräche ect. Streß für mich sind, den ich da dann erst recht nicht packe und sehr zittrig werde. Hilflosigkeit und Schutzlosigkeit triggern einfach.

Ausgemacht war 19h. Der Typ von der Lampe sei da erst zuhause. Ok.

Nachbarin um 14h: Kannst du den Typ fragen ob auch schon 15h ginge?

Ich: ne geht nicht, der Typ muss lange arbeiten.

(davon abgesehen hasse ich so spontane Aktionen total!)

Nachbarin: Achso weil ich bin jetzt schon mit Arbeit fertig. Wir könnten ja ins Freibad gehen, das ist da gleich in der Nähe?

(Mir ist einfach nur nach Ruhe, ich will so lang als möglich im dunklen liegen bleiben und jetzt spontan alles übern Haufen werfen streßt mich extrem und überhaupt, aber ihr das alles zu erklären ist sinnlos, ich benutze eine Notlüge, warum ich nicht mitkann).

Nachbarin: achso, naja ich fahr jetzt, kannst du dann mit Bahn zu X fahren, ich hol dich dann da ab.

(ich bin einfach nur genervt, ich KANN heute nicht mit Öffis fahren, ich will einfach den ausgemachten Termin so lassen wie er ist. AUS! Ich sage ihr dass das heute leider nicht geht. Sie wird es nicht verstehen, ich war jetzt immer mit Öffis unterwegs,das war kein Problem…aber egal.)

Ich: warte dann unten beim Durchgang.

Nachbarin: ne ich ruf dich an, wer weß wie der Verkehr ist.

18.30h: das Telefon klingelt. Nachbarin: Bin schon da.

Gut das ich schon fertig war. Meine Nerven sind nun völlig verbraucht, ich schleppe mich nur noch ins Auto.

Die Sonne, die Hitze, das Geplapper der Nachbarin, das laufende Radio, Fahrt in den 4.Stock in einem Minilift geben mir den absoluten Rest. Ich habe das Gefühl kurz vor einer Ohnmacht zu stehen. Zum Glück fragt die Nachbarin nicht ob wir noch was trinken gehen. Sie muss weiter, noch was machen. Was sie aber fragt: „Warst du heute arbeiten?“ ich lache bitter auf und meine nur: „ich hab es heute nicht mal zum Briefkasten geschafft!“

Keine Antwort.

2 Kommentare zu „Einer meiner schlechten Tage“

  1. Ich kenn sowas auch ganz gut.
    Tage, an denen ich Bäume ausreißen und mein komplettes Leben über den Haufen werfen und umkrempeln könnte.
    Und dann häng ich wieder hier rum und mag nicht mal auf den Balkon zum Rauchen.

    Ich denke, Menschen sind meist sehr unflexibel im Denken und verlangen berechenbares Sein vom Gegenüber. Die wollen sich nicht ständig *einlassen* und sich minutiös auf andere Umstände einstellen.
    Zumindest nicht bei ANDEREN.
    Sie selbst hingegen wollen gefälligst oft, dass ANDERE natürlich klar kommen damit, dass sie ständig alles anders wollen; und wieder anders; und nochmal anders.

    Bzw. ist es eh meist so, dass man am Anderen ja nur DAS sieht, kritisiert und Kacke findet, das man IN SICH SELBST so unbewußt hat, dass man garnicht merkt, dass man selbst genauso ist.
    Vielleicht ist das das Problem deiner Nachbarin – dass sie in dir sich selbst finden könnte – wenn sie es denn kapieren könnte.
    Letztlich bist Du, wie Du bist. Und ich freu mich jedes Mal, wenn du dich selbst damit ein bißchen (mehr) lieb haben kannst und immer noch ein bißchen besser sehen und verstehen lernst.
    Alles Liebe dir ❤

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    1. Vielen lieben Dank fürs „mitfreuen“ 🙂
      Stimmt es war ein Fortschritt, das ich nicht wieder dachte: „och ich kann das wieder mal nicht, jetzt falle ich der auch noch zur Last.“
      Ja mei sie musste 28km Umweg fahren, das war das 1.Mal das ich um Hilfe bat in gut 2 Jahren die wir nun näher in Kontakt sind.
      Und die Nachbarin ist sehr dominant, grundsätzlich treffen wir uns nur wenn SIE es will und alles muss so ablaufen wie SIE es will. Tja und da ging es nun 1x nicht nach ihrer Nase :-)))) sie hatte keine Kontrolle (dieses Sicherheitsbedürfnis kenn ich ja auch von mir).

      Also das ständige kritisieren ist auch oft nicht nur das was Du geschrieben hast, sondern auch das sich höher über andere stellen, den anderen abwerten. Da hab ich auch grad mächtig zu kämpfen.

      Schönen Tag Dir!! LG

      Gefällt 1 Person

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