Stumme Schreie

Gerade sah ich mir den Film Stumme Schreie an. Ein Spielfilm über eine junge Rechtsmedizinerin (in der Assistenzzeit) die mit den Folgen von körperlicher Kindesmißhandlung konfrontiert wird. Leider nicht nur einmal. Der Verstand sagte mir: tu das nicht, das triggert nur und schon gar nicht abends vor dem schlafengehen, ein anderer Teil wollte den aber unbedingt jetzt sehen.

Und es hat was positives in mir bewirkt. Zum einen fand ich die Ärzte und die Landeskriminalpolizistin sehr sympathische Charaktere. Auch wie der Oberarzt immer alles erklärte, sachlich aber auch menschlich. Und dann die junge Ärztin wie liebevoll sie mit den Kindern umging, wo sie selber noch ganz zart und kindlich wirkte.

Klar gab es auch krasse Stellen, aber darauf will ich jetzt nicht eingehen.

Und irgendwie wurde mir so währenddessen klar, dass derzeit viele alte Wunden wieder nicht direkt aufbrechen, aber daoch viel Zeit und Raum einnehmen. Ich ging heute morgen um 7h im Nebel eine ganze Stunden spazieren und wühlte in den alten Wunden. Was mir alles angetan wurde usw. Und ich wundere mich, das mein Selbstwert wieder gen null geht und ich bei jedem Menschen der mir begegnet extrem angespannt bin. Auch das kann Selbstverletzung sein, sich ständig mit dem alten Scheiß auseinanderzusetzen, das nix bringt. Ich habe das oft genug getan, jetzt ist Schluß! Weder kann ich es rückgängig machen, noch darauf hoffen, das meine Eltern Wiedergutmachung leisten. Ich wüßte auch gar nicht wie die aussehen sollte. Es ist vorbei. Ich bin erwachsen. In alten Wunden wühlen bringt gar nix, im Gegenteil es schadet mir. Denn dadurch fehlt mir die Kraft, das Vertrauen in mich und das Gefühl das ich wertvoll bin und Gutes und Schönes verdiene. Ohne all dem lebe ich mein Leben nicht voll. Und das finde ich sehr schade. Denn so gebe ich den Tätern weiterhin Macht über mich. Das muss aufhören.

Ich glaube ich werde demnächst mal öfter die Tresorübung (Imaginationsübung Luise Reddemann) machen und da ganz viel Scheiß reinpacken. Ich möchte nämlich aktiv leben, voller Buntheit und Schönheit!

Das Problem ist, in diese Schleife „Familiengeschichte-alte Wunden“ komme ich immer wieder wenn ich mich mit Tante/Cousine treffe. Und ich kann nicht sagen: ich will davon nichts hören, denn irgendwie ist da immer noch Interesse oder Hoffnung, dass irgendwann mal was Gutes kommt, von meinen Eltern. Ich will trotzdem einen kleinen Anteil daran haben, wie es ihnen geht.

Ich bewundere Menschen die das abschalten können und sagen: ich will davon nichts mehr hören. Ich wünschte ich könnte das auch.

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