Wenn man sich entscheidet…

Nächstes Jahr im Mai werde ich 40 Jahre alt. Und ich merke, das ist schon ein besonderes Alter, auch für mich. 30 war kein Ding. 40 schon. Es geht nicht nur um die Angst älter zu werden. Sondern um Abschied und loslassen. Dass das auch mit einem vollen Minijob bei mir nichts wird und ich auch keine feste Partnerschaft mehr anstrebe. Letzteres erleichtert mich, das Thema endlich zu lassen. Auch wenn ich mit Sicherheit noch einige „Runden“ da drehe, aber ich steige immer schneller aus dem Karrussel aus. Ich bin einfach zu sehr verhaftet in Coabhängigkeit und mir schädliche Männer anzulachen. Dazu hatte ich noch nie wirklich ein Bedürfnis nach viel Nähe und Sex. Ich habe früher schonmal ein wenig über Asexualität gelesen, aber es gibt auch die Aromantik. Als ich die über 40 Punkte „wie Du Aromantik erkennst“ las (hier: https://wearethemisfits.jimdo.com/2015/12/01/du-bist-aromantisch-wenn/) hab ich viel gelacht und genickt. (ich find den ganzen Blog sehr erfrischend. Ich hab mich da größtenteils wiedergefunden. Gut, jetzt mit dem Typ vom See, kam da schon ein wenig schmachten und Sehnsüchte auf, aber das ist bei mir immer nur von kurzer Dauer. Das was wir unter romantischer Liebe verstehen, ist in den meisten Fällen kindliche Bedürftigkeit. Nicht schlimm, aber man sollte den Unterschied kennen.

Ich weiß noch als ich damals mit einer Schulfreundin ins Kino ging, es lief: Ttanic. Am Ende knuffte sie mich in die Seite: „Du bist blöd, du hast nicht mal geweint.“ Stimmt, ich fands lächerlich.

Als ich mit einer Freundin drüber sprach, meinte sie: „uh 40 war schlimm bei mir, löste eine 2-jährige Krise aus, weil mir bewußt wurde: das mit den Kindern wird nix mehr.“ Das ist über 20 jahre her, heute sieht man das anders, aber eigene Kinder war für mich auch nie ein Thema. Es war mir immer klar: Niemals.

Als ich mit 17 vor meinem psychopathischen Freund aus der gemeinsamen Wohnung flüchtete, war mir auch da schnell klar: Nie wieder mit einem Mann zusammen ziehen. Es ist in dem Bereich eigentlich viel Klarheit, trotzdem is da manchesmal so ein „man müsste doch“, das wird aber immer weniger. Ich bin heilfroh nicht mehr abhängig von einem Mann zu sein, egal in welcher Hinsicht.

Natürlich spielen in meiner Geschichte, vielfältige Traumatas durch Bezugspersonen die sehr früh anfingen und sich über Jahre hinzogen, eine große Rolle. Aber da ich ja auch eher ein introvertierter Charakter bin, spielt das die andere Rolle für mein glückliches Single-dasein.

Keine Frage, ich mag Männer. Wenn die seelische Wellenlänge stimmt. Man sich kumpelhaft begegnet und eine gute gemeinsame Zeit verbringt. Das kann ich mit Männern besser, als mit Frauen.

Letztens sah ich eine Doku: Wenn Menschen Puppen lieben. Also ich hab ja in der Se*arbeit viel kurioses und wunderliches erlebt und kennengelernt, aber selbst ich dachte mir da: oha, ganz schön crazy. Nicht so sehr, dass sie Puppen lieben, sondern wie sehr sie in deren Alltag integriert sind. Die eine hatte ein ganzes Zimmer voller Babys und zog diese regelmäßig frisch um, filmte das ganze und ging sogar mit den Babys draußen spazieren und auf eine Messe. Der andere Darsteller liebt Silikonpuppen in Echtgröße und klar geht er mit denen auch ins Bett. Er sprach von sich, das wenn man zuviel Mist erlebt hat, irgendwann einfach das Vertrauen in die Menschen weg ist. Er hat sich jetzt damit arrangiert sich mit seinen 7 Puppen eine Wohnung zu teilen. Er badet und schminkt sie, gibt ihnen natülich Namen, küsst sie, kleidet sie ein. Das er früher Frauen nur im Rotlichtmilieu traf und er beanstandet das seine Silikonfrauen ja nix im Haushalt tun, nunja. Aber mir imponierte wie er sich so öffentlich zeigte, mit sich im reinen war und sagte: Ja das ist so.

Eine sehr klare Haltung! Respekt!

Für mich tut sich eine neue Freiheit auf. Statt mich ständig zu verbiegen und anzupassen, um endlich einen Mann zu haben (nur damit das Umfeld zufrieden ist, weil Beziehung = man ist normal) kann ich tun, was mir gefällt. Kein zweifeln und rumtherapieren mehr was an mir nicht stimmt. Ob Klamotten, Schminke oder die Deko im Schlafzimmer ist ganz allein meine Sache. Kein lächeln mehr, wo ich eigentlich was doof finde, kein bauchpinseln mehr von widerlichen Typen, kein flirten wenn ich nicht in Flirtlaune bin.

Und ganz ehrlich: Inzwischen hasse ich Komplimente über mein Äußeres! Ich kann es nicht mehr hören (außer es kommt von einer heterosexuellen Frau).

Klingt arrogant, ist aber so.

4 Kommentare zu „Wenn man sich entscheidet…“

  1. Ich hab nächstes Jahr die 50 und auch ein komisches Gefühl irgendwie.
    Und ja, die 40 hat irgendwie was… das ist so eine Stufe im Leben, die größer scheint, als andere.

    Das mit den Komplimenten kenn ich.
    Irgendwie dreht sich immer der Magen um und man wartet auf das, was der andere nun WILL.
    Weil Männer immer etwas wollen, wenn sie rumschmachten.
    Und glauben kann man´s eh nicht mehr – also nicht so und nicht das.
    Und eigentlich ist es auch völlig piepe.
    Es reicht mir, wenn ich mich SELBST mag – egal, wie ich aussehe.
    Meist zumindest.
    Aber dauerhaft alleine Leben würde mir wohl auch Angst machen.
    Wobei ich auch Angst habe, wenn ich verheiratet bin und mich manchmal irgendwie festgebunden fühle.
    Liebe Grüße 🙂

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    1. die Komplimente..meid as is halt nur eine sehr einfache masche die Gunst von jemand zu bekommen…da fall ich nicht mehr drauf ein, da muss sich mann schon mehr einfallen lassen *grins*
      Ja Selbstliebe ganz wichtig…unbedingt!!
      Ich hab halt mehr Angst vor Nähe, als vorm alleine sein…und wenn ich gut mit mir verbunden bin fühl ich mich auch nicht einsam 😉
      Liebe Grüße 😉

      Gefällt 1 Person

  2. Ich find das ja selbst doof, aber ich sag’s trotzdem mal „sag niemals nie“ 😛
    Ich kann dich aber vollens verstehen. Grad was Beziehungen angeht. Ich hab damit auch abgeschlossen, weil es netto einfacher ist für mich single zu sein, als eine Beziehung anzufangen. Und die Freiheiten etc. das ist schon viel Wert. Gleichzeitig fehlt mir aber auch was, das muss ich schon sagen. Deswegen neige ich zwar auch oft zu sagen, ich werde niemals mehr eine Beziehung anfangen. Aber ich räume dem ganzen noch ein Restchance ein ^^ Man weiß nie. Vielleicht auch erst mit 50 oder 60, aber vielleicht klappt es dann doch plötzlich noch mit einer Frau, wo ich mich total wohl fühlen kann in der Beziehung.

    Übrigens, Menschen die irgendwie ein Zimmer voller Puppen haben sind für mich auch ziemlich scary muss ich sagen. 😀

    Alles gute Dir, genieße die Ende 30er 🙂 Bei mir dauert es noch bisschen, arg lang ist aber auch nicht mehr hin 🙂
    Im Freundes- und Bekanntenkreis ist der Satz „40 ist das neue 30“ eigentlich gesetzt und ich muss sagen, ich habe ehrlich gesagt mehr Angst vor der 50 😛

    LG

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    1. hmmm hab jetzt mal bissl drüber nachgedacht habe, ob ich mich nicht klar genug ausgedrückt habe oder ob Du was falsch verstanden hast.
      Das ich nie wieder mit einem Mann zusammen ziehen werde, ist für mich klar, das wird so sein, mit Sicherheit.
      Das ich nie wieder mit einem Mann zusammen komme, das meinte ich nicht. Das kann schon sein…irgendwann mal, vielleicht. Ich meinte das ich die Energie aus der ganzen Sache rausnehme. Und auch das Minderwertigkeitsgefühl, das ich ohne Beziehung irgendwie komisch, schlecht oder sonstiges bin, nun weglasse. DAS ergibt neue Freiheit. Die ich sehr genieße.

      Also an die 50 denk ich noch gar nicht, das is mir noch völlig wurscht 🙂
      Ich weiß aber noch als meine Tante 40 wurde, hatte sie auch arg dran zu knabbern und ich gab mir Mühe sie da aufzuheitern…mal sehn wie es mir da so ergeht 🙂

      Hab schon gelesen, das bei Dir derzeit eher Schleudergang angesagt ist, wünsch Dir viel Kraft und gutes da wieder rausfinden!
      *Lebkuchen geb* 🙂

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