Das heimatlose Ich

„Einzig ein Regentag schafft ein wenig Erleichterung, er nimmt das Bedrückende der Helligkeit, die der Kranke wie einen auf sich gerichteten Scheinwerfer empfindet, der ihn in seiner ganzen Lebensuntüchtigkeit erfasst und preisgibt.
Frühling und Sommer sind die dunklen Jahreszeiten für den Depressiven, weil sich sein Zustand, seine Stimmung nicht aufhellt. (im Gegensatz zu den Millionen Menschen um einen herum-Anm. von mir)
Die Diskrepanz zwischen eigenem Anspruch und tatsächlichem Nachlassen seines Lebensmotors ist fast nicht zu ertragen.“

Aus dem Buch: Das heimatlose Ich.

Deswegen war mein früherer Nickname Regenfrau. Da fühlte ich mich schon immer wohler.

Da genieße ich den verregneten Tag heute gleich doppelt und dreifach. Weil auch keine Anforderungen anstehen (weder von mir selber, noch von anderen, juchee).

Habe lange geschlafen. Und es war mir egal. Statt einem richtigen Mittagessen gibt es Donauwelle und Kaffe. Einfach weil ich Lust drauf habe. Da merke ich wie zwanghaft ich oft im Alltag agiere: Was bis halb 9 geschlafen! Halber Tag vergeudet! Raus! Und dann auch noch nicht mal richtiges Essen und als Nachspeise Kuchen! Also das ist ja unerhört!

Geht mir heute alles am Arsch vorbei!

Erkenntnisse des Tages

Depression ist, wenn du schöne Sachen machst, aber nicht die schönen Gefühle dazu hast.

Oder: wenn du Phönix bist und nicht aus der Asche kommst, aus der du egentlich emporfliegen solltest.

Meine Strategie heute: Trotzdem was schönes machen, auch wenn ich eine scheiß Laune habe. Weil daheim hocken und drauf warten, dass die passenden Gefühle dazu kommen, war mir zu langweilig. War gar nicht mal so übel. Weil ich meine Gefühle nicht mehr wegdrückte (Sonne! Radl! Du MUSST jetzt gut drauf sein!) sondern: grübelgrübelgrübel-Mundwinkel nach unten. Ich fuhr sogar weiter als sonst. Klar ich verschwendete meine Energie nicht mehr auf Gefühlsunterdrückung (de-pression = niederdrücken!).

Diese Erkenntnisse sind mir alle nicht neu. Aber irgendwie doch, denn ich erkenn das bei jedem Depressionsschub „neu“. Dann vergess ich es wieder.

Und sonst so? Männer, die sozialen Analphabeten. Ein Ausbund an Mitgefühl hab ich mal wieder erlebt, da hockste dich aufn Hosenboden….

Auf die Umschreibung meiner derzeit desolaten emotionalen Lage kam als Antwort:

es ist halt nicht jeder Tag gleich oder? Einmal gehts einem besser, manchmal ist man k.o. Es hilft jetzt auch nix, da ne Doktorarbeit draus zu machen. Was macht man da am besten? Vielleicht einfach möglichst unbeschwert nach vorne blicken, sich n Ziel setzen und sich freuen, daß es einen gibt würd ich mal naiv behaupten?!“

*augenroll* typisch Kerl: statt trösten, lieber ne Lösung suchen bieten. Das ist gehirntechnisch so. Sogar bewiesen. Nervt trotzdem.

Früher hab ich da das manipulieren angefangen oder das streiten. Damit der andere mir das gibt was ich von ihm haben will: Verständnis, Trost (bei den heutigen Überlegungen fiel mir da auch ein: Geb ich mir denn selber derzeit Verständnis und Trost? NEIN! Aha.).

Das mach ich jetzt nicht mehr, weil der es eh nicht checkt. Herzloser Sackträger der!

Ne ich ahme jetzt mal sein Verhalten nach. Und wenn ER dann meckert, hab ich wenigstens was zu lachen. Er hat nämlich in derselben Mail gemosert und geschimpft das seine derzeitige Arbeitssituation eher „ungünstig“ ist, um es mal schön zu umschreiben. Ich werde also was in der Richtung antworten:

Tja selber Schuld, wenn Du es angenommen hast (er ist selbstständig. Aber das klingt schon sehr aggressiv), ja komm, wird ja auch saumäßig gut bezahlt und du bist da ja nur noch einen Tag (insgesamt eh nur drei! Alter Jammerlappen der…) ect…“

oder ganz blöd, seines übernehmen, aber das wär mir fast zu plump: „Is halt nicht jeder Arbeitgeber gleich, ne? Manchmal erwischt man es besser, mal schlechter. Muss man ja nicht ewig drüber lamentieren. Am besten macht man das Beste draus, schaut sich nach ner neuen, besseren Stelle um und freut sich einfach, dass man überhaupt noch arbeiten kann und darf!“ Obwohl so übel klingt das auch nicht. Auf jeden Fall macht das wesentlich mehr Spaß, als versuchen den anderen zu ändern!

Und das wichtigste: meine Verantwortung übernehmen! Nicht dahin gehen, wo man gefühlt abgewatscht wird. Und wie oben schon geschrieben: Mir das AUCH geben, was ich von anderen will: Trost, Verständnis, Mitgefühl.

Wenn eh schon alles mies ist….

Is klar, wenn eh schon alles schwierig und zäh ist, kommt gerne noch was dazu was NICHT hilfreich ist: Heute also: In der Arbeit war die Bewohnerin da. STRESS! Gut sie ist sehr nett und ging mir so gut es ging ausm Weg, aber trotzdem.

Und dann noch Tage bekommen. Bombastisch.

Wie würde meine Thera jetzt sagen: „JA das war schwierig, aber sie haben es geschafft.“

Gnaaaaa… manchmal möcht ich ihr den Hals umdrehen!

Achso und es fing auch noch das regnen an und mein Radl stand draußen, so dass meine Sattelauflage schön durchnäst war. Konnte ich zum Glück abmontieren, weil mit nassem Arsch dann auch noch einkaufen gehen wäre, nunja…hätte ich meine Gesichtsmaske hintenrum benutzen müsssen 🙂

Jetzt nur noch Dusche, dann Bett.

Mir fiel (wie auch schon des öfteren, aber wieder mal zu spät) ein: dass wenn ich so arg müde und erschöpft bin, noch mehr Ruhe und hinlegen dann manchmal kontraproduktiv ist. Also pimpe ich mich mal wieder ein wenig mit ärztlich verschriebenen Wachmachern. Halbe Tablette pro Tag reicht ja eh und das auch nur wenige Tage weil ich sonst GAR nicht mehr schlafe.

Die Mitte finden.

Mal schauen…

Heute

Es ist so einfach sich abzuschalten und zu funktionieren. Für andere Leute Dinge machen, aber nicht für mich. Für andere da sein, aber nicht für mir. Nicht fühlen, nur funktionieren. Müssen nicht dürfen. Anpassen bis zur Selbstaufgabe. Immer wieder und ich dann wundern warum man sich so schlecht fühlt. Egal. Weg drücken, weiter schauen: wem könnt ich helfen, wo könnt ich was arbeiten, was muss „man“ tun.

Kein ICH. Kein Selbst. Kein innen.

Buch rausgekramt: vom sich-fremd-sein zum in-sich-wohnen.

Müde, so unendlich müde. Und es leid sein.

Depressivität ist nicht nur Traurigkeit. Nicht nur Niedergeschlagenheit. Depression ist Erschöpfung pur. Und trotzdem steh ich wieder auf, mache und tue.

Wie lange noch?

Wie oft noch?

Mich wieder finden, bei mir ankommen. Oberste Priorität!

Es ist mal wieder soweit

Es ist einfach unglaublich.

Ich und die Histaminintoleranz (HI). Ob das in diesem Leben nochmal klappt?

Jetzt weiß ich schon warum es mir oft so bescheiden geht (klar nicht an allem ist die HI schuld, aber es hat bei mir eben doch auch psychische Auswirkungen, da bei mir hauptsächlich das zentrale Nervensystem betroffen ist).

Ich weiß sogar was ich tun müßte, damit es mir gut geht.

Und tue es nicht.

Denn hej, wo kommen wir denn hin, wenn es jedem gut geht.

Stattdessen kaufe ich mir Unmengen an Nahrungsergänzungsmittel, die oftmals extrem unverträglich sind. Letztens wieder ne Dose. Da steht sogar drauf: Natürlich fermentiert! Fermentation ist bei Histaminintoleranz so toll wie der Käsekuchen beim Lactoseintoleranten! Konnte das Ding zum Glück zurückgeben und warte nun auf mein Geld.

Ich könnte mir für das viele Geld das ich dafür ausgebe, VERTRÄGLICHE Sachen kaufen, wie z.B. gutes frisches Biofleisch oder DNCG oder Dao-enzym.

Das ist aber zu einfach.

Denn anscheinend habe ich es gerne kompliziert und anscheinend leide ich gerne.

Püüh.

Dafür habe ich heute ein Akutmittel entdeckt, wenn es mir histamintechnisch mal wieder bescheiden (*) geht: Saltadol. Eine Elektrolytmischung die auch lecker schmeckt. Viel Wasser trinken ist da eh wichtig, aber eben nicht nur Leitungswasser, weil das durchn Körper rauscht wie nix, es soll aber auch in die Zellen und da das Histamin auswaschen (sag ich jetzt mal salopp). Dann wenigstens Wasser mit selbstgemachter Sole (son Schuß dazugeben), damit der Körper auch was damit anfangen kann (siehe Kochsalzlösung, die genaue Mischung brauchts aber nicht, Prise Salz reicht schon)

(*) bescheiden heißt: Zu Anfangs erst sehr unruhig, aufgekratzt bis leichte Panik, später das Gegenteil: total erschöpft, absolut ko wie 3 Nächte nicht geschlafen, bleischwer der ganze Körper, das Gehirn vernebelt – viel kompliziertes denken ist da nicht, brennende Augen.

Jetzt hatte ich aber mein Histaminfass derart vollgestopft, dass noch Atemnot bzw. Atemstörung dazu kam und zwar folgende: Das Gehirn „vergisst“ zu atmen, tagsüber nervig, weil man da immer wieder bewußt tief atmen muss, aber nachts fatal: man hört auf zu atmen, der Teil im Gehirn der sagt: „Lunge! atme du faule Sau!“ pennt einfach, irgendwann registriert der restliche Körper: Oh shit hier fehlt Sauerstoff! SAUERSTOFF! PANIK! Der Puls fängt das rasen an, das Herz klopft kräftig, man schwitzt, alles ist in Aufruhr, an Tiefschlaf, an Erholung ist nicht zu denken, man wird nur soweit wach (meist bekommt man nix mit) bis man wieder atmet, der Körper beruhigt sich wieder um in wenigen/einigen/vielen Minuten wieder zu merken: „SCHON WIEDER KEIN SAUERSTOFF! HIMMELARSCHUNDZWIRN WELCHER DEPP PENNT DENN DA HEUTE?“ man schreckt wieder auf usw. die gaaaaanz Nacht geht das so. Morgends fühlt man sich mehr tot als lebendig.

Kein Wunder, man betrieb Hochleistungssport (nein nicht deeeeen!).

Ich hab das schwarz auf weiß: 2014 wurde das mal mithilfe eines Geräts zuhause getestet:

Ich habe 5,5 Std. geschlafen.

Und pro Stunde ca. 7,8 Apnoen (also Atemaussetzer, ab 5 /pro Stunde nennt man das Schlafapnoe).

UND dazu kamen pro Stunde 8,4 Hypnoen (als Hypopnoe bezeichnet man eine Verringerung der Atmungstiefe um 50% über einen Zeitraum von wenigstens 10 Sekunden).

Macht pro Stunde 16,2x zu schlechte und teilweise gar keine Atmung!

Macht alle 3,75 Minuten: LUUUFT!!!

Dabei dauerte die längste Sauerstoffentsättigung 3 Minuten und 10 Sekunden!

Ich hab keine obstruktive Schlafapnoe (also durch Übergewicht, schiefe Nase, zu enge Nasennebenhöhlen, rauchen ect. ausgelöste Apnoe), sondern die zentrale, die vom Gehirn wie schon erwähnt, ausgeht. DAS wird kaum erforscht, weil es angeblich so selten ist.

Glaub ich nicht. Alle die nachts verschwitzt aufwachen, chronisch erschöpft sind, Depressionen/Angststörungen haben usw. sollten sich das Testgerät mal beim Doc holen.

Der Zusammenhang Histamin – Atemstörung wird zwar in der Literatur erwähnt, aber ich glaube dem wird noch nicht genug Beachtung geschenkt!

Thera heute

Ich wollte eigentlich heute mit meiner Therapeutin schauen, warum ich derzeit so blockiert bin. Warum ich wieder in so einem Loch hänge. Sie hat mich aber gleich zu anfangs irritiert, indem sie mir eine Frage stellte. Das macht sie normalerweise nicht, sondern lässt mich anfangen. Und somit sprang mein Muster: „ich muss gefallen, ich muss tun was die jetzt will, ich muss mich fügen“ an (was mir erst Stunden später klar wurde.)

Ich war nicht mehr bei mir und so konnte ich auch nicht mehr klar sagen, dass ihr Vorschlag derzeit überhaupt nicht zu mir passt und das ich ganz stark spüre, dass ich das nicht will: nämlich wieder in eine Art therapeutisches Setting, am besten noch Gruppentherapie. Wie auch immer geartet, ob Ergothera oder Soz.psy. Dienst oder Frauenzentrum…und ich merke so: NEIN!

Ihr Anliegen war es, dass ich a) wieder mehr unter Leute komme und b) wieder mehr feste Termine generell bekomme. Beides ja nicht verkehrt. Beides würde ich auch alleine schaffen, wenn diese extreme Erschöpfung und Müdigkeit nicht wäre. Wär ich schon längst mit Radl unterwegs oder zu Fuß neue Wanderwege laufen usw.

Therapeutin meinte, dass die Erschöpfung auch daher kommen könnte, dass der Teil der gerne mehr unterwegs, aktiv und sportlich ist und neues kennenlernt derzeit nicht so zum Zuge kommt und das macht ja auch Frust.

Jo was war als erstes da? Henne oder Ei?

Dann kamen wir auf morgen: da habe ich nichts zu tun, außer zuhause zu bleiben, weil im Laufe des Tages ein Paket abgeholt wird. Und was spüre ich? Erleichterung! Kein Druck! Besserung! Gute Laune! Genau wie in den ersten 4 Wochen des Corona-Lockdown! Nur kamen wir da beide nicht so recht drauf (ging auch schon zum Ende der Stunde hin) dass daher die Erschöpfung kommt, weil ich im Alltag SOVIEL ANGST UND DRUCK unterdrücken/bewältigen muss.

Thera meinte, dass ich nur eine Aufgabe (zuhause warten) bräuchte die mich nicht überfordert. Auch klar, das ist aber im Moment eigentlich nur: zuhause sein, schlafen, essen, sowie ich schon den Balkon betrete ist es aus mit Entspannung. Von arbeiten oder einkaufen will ich gar nicht reden.

Jetzt so im nachhinein wurd mir klar, die Erschöpfung kommt daher, dass es ordentlich im Getriebe knirscht: Der aktive Teil will hinaus, was machen, neues erleben, der ängstliche Teil schreit WAAHHH spinnst du, bleib bloß daheim! Keiner kommt vorwärts. Beide sind gleich stark und nun enttäuscht und frustiert. Krompomisse schließen waren noch nie meins, aber mir scheints, da muss ich eine Lösung finden (innere Teile-Arbeit).

Mein altes Dilemma. Man ej. Ich kenne nur Angstpatienten die sich mehr oder weniger damit arrangieren nur zuhause zu sein, kaum einer hat dieses/mein Dilemma. Sollte es doch welche geben, dürfen sich diejenigen gerne melden 😉

Natürlich spielt mein schlechter Schlaf auch eine Rolle, da bin ich logischerweise ängstlicher, dünnhäutiger, gestresster.

Warum helfen mir die Angstmedikamente nicht bzw. nur sehr kurz?

Extrem genervte und frustrierte Grüße

Einmal Lebensinhalt bitte!

Ich bin einen hohen Adrenalinpegel gewöhnt.

Ab meinem 12. Lebensjahr war Trubel angesagt. Damals Scheidung, neuer Stiefvater, mit dem zusammengezogen, neue Schule – dort Extremmobbing, neuer Ort, keine Freunde, kein Vater. Mutter Alkoholikerin, neuer Stiefvater natürlich auch, Vater kann dank fetter Angststörung seit 15 Jahren nicht mehr arbeiten und hat manipulative Techniken drauf, so dass man macht was er will. Man selbst als Person zählt nicht.

Mit 16 nach München zum damaligen Freund gezogen. Dem totalen Psychopathen. Der hatte leichtes Spiel mit mir, ich war ja schon gut vorgeschädigt.

Knapp ein Jahr später heimliche Flucht aus der Wohnung. Das war unfassbar krass. Danach Personenschutz durch einen Bekannten, der eben die richtige Ausbildung/Ausrüstung dafür hatte. Warum? Ein Psychopath lässt nicht so schnell los. Monatelanges Stalking.

Mit 18: Einzug in WG, wieder mehr Leichtigkeit, mit Partys undso. Ausbildung abgeschlossen, Führerschein gemacht. Erste richtige Beziehung samt Heiratsantrag (von ihm, ich schwieg). Läuft.

Ab 19: Erste eigene Wohnung, Alleine! Ein Traum! Keiner redet mir mehr rein, keiner bestimmt über mich. Guter Arbeitsplatz bei der Stadt München. Beziehung geht in die Brüche. Dann komme ich ins trudeln. Kein Überblick über Finanzen, Schulden, vermisse T (große Liebe), wechsle Arbeitsstelle innerhalb des Arbeitgebers. Lerne B.kKennen, total kaputter Typ, Drogen und so. Das Ende vom Lied: wir wollen uns gemeinsam das Leben nehmen. Fahren nach Italien usw. alles geht schief, ich will sofort nach Hause, dort beim Doc wird B. In die Psychatrie eingeliefert, ich fahre zu meinem Vater (auch denkbar ungünstig, aber damals war er noch mein Held).

Ab 21: Hocke das erste Mal beim Psychiater, Diagnose: ordentliche Depression. Ab da wechselte ich Wohnungen, Jobs und Männer wild durch. Ich dachte ich muss im außen endlich nur das richtige finden, damit es mir besser geht. Wirds nicht.

Supergau mit 26: Die Wohnung wird mir wegen Mietschulden geräumt. Ich mache „das Beste“ draus und tingle mit einem fast fremden Mann halb durch Europa. Er hat ein gutes Herz. Ein feiner Kerl.Tolle Zeit.

Wieder in Deutschland kratze ich noch einmal mein Programm Funktioniere! zusammen, suche mir einen Job und mit dem Verdienstnachweis finde ich auch endlich wieder eine eigene Wohnung. Möchte endlich mein Leben hinkriegen, mich gut fühlen und schuldenfrei werden. Gehe in eine psychosomatische Klinik. Arbeite ab da meine Vergangenheit auf.

Komme aus der Abspaltung heraus, lese viele Bücher über Selbstwertgefühl, Depression, Lebenshilfe allgemein.

Gehe in Selbsthilfegruppen für erwachsene Kinder von Alkoholikern, immer wieder sehr aufwühlend. Lerne dort zwei Frauen kennen, die auch stark uner Ängsten und Depressionen leiden, die eine bringt mich auf das Thema Narzissmus. Und ich erkenne, dass mein Vater nicht so heilig ist, für den ich ihn immer hielt.

In mir bricht vieles zusammen. Im außen macht das Arbeitsamt Stress. Ich bin immer wieder sehr aufgewühlt und „getriggert“, damals wußte ich aber nix von Trauma.

Ich funktioniere noch einmal, weil man ja arbeiten muss und finde eine Stelle als Fahrerin für behinderte Kinder. Leider ist die Chefin (Subunternehmerin) eine saublöde Kuh und zahlt nicht. Ich verweigere daraufhin meine Arbeit. Und werde gekündigt. Die Oberchefin ist aber sehr zufrieden mit mir und stellt mir direkt bei sich ein: Ich fahre an Schultagen 400 km täglich. Die Hälfte davon mit bis zu 5 Kids hinten drin, wovon einer regelmäßig völlig ausrastet, sich abschnallt usw. Nach einem Jahr (mit 29) erleide ich einen Nervenzusammenbruch zuhause. Kann nicht mehr schlafen und essen, hatte auf der Autobahn akustische Halluzinationen und das Gefühl ohnmächtig zu werden, wog bei 183cm Körpergröße nur noch 58kg.

Nun ging nix mehr mit funktionieren. Nach 1,5 Jahren wurde mir die EU-Rente bewilligt. Einige Zeit später kam ich in eine Trauma-Tagesklinik, da ich aufgrund der vielen Ängste kaum mehr außer Haus kam. Ich geriet an eine sehr kompetente Trauma-Therapeutin, die das erste Mal: Komplexe PTBS aussprach. Ich setzte mich damit auseinander, verstand mich mehr und mehr. Nur das Muster: funktioniere! scheint noch des öfteren durch.

Ich lese noch mehr über psychische Gewalt und narzisstischen Mißbrauch. Mir gehen ganze Kronleuchter auf. Also: Kein Täterkontakt.

Mit der Klinik im Hintergrund schaffte ich es auch endlich zu meinem Vater den Kontakt abzubrechen. Zu meiner Mutter hatte ich schon einige Jahre davor nichts mehr zu tun, ebensowenig mit meiner Schwester die eiskalte, sadistische Tendenzen hatte und mich immer wieder zurück warfen.

Mit 32 schaffte ich das rauchen aufzuhören, wieder mit dem Sport anzufangen und mich endlich um mich selbst zu kümmern.

Ruhe kehrte ein…und genau die ertrug ich nicht und machte mich auf die Suche nach einem Mann. Leider stand ich immer noch auf die mit demselben toxischen Verhalten wie meine Familie sie hatte und „durfte“ nochmal ein paar Erinnerungen daran auffrischen. Blöderweise landete ich auf einer Datingseite auf der Männer Geld boten. Und aus lauter Abenteuerlust, Einsamkeit und Langeweile traf ich mich also gegen Geld. Sexarbeit also, so sah ich das natürlich nicht, ich machte ja alles freiwillig. haha

Es ging im seltensten Fall um den klassischen Sex, sondern um „Spielereien“ drum herum. Oder eben Fetische. Mein Ego war riesig. Ich fühlte mich endlich als wer. Und ich war gefordert: Die Männer aussuchen, Mails schreiben, schauen ob das passt, Termine ausmachen, treffen, schauspielern, lügen (auch privat, wenn ich unterwegs jemand traf und der mich fragte wo ich hingehe…?), Körperpflege usw. Ich war in der altbekannten Adrenalinspirale wieder drin. Nicht fühlen – funktionieren. Natürlich ging das nicht gut. Der Ausstieg mühsam, weil die Einsamkeit und die Langeweile schon warteten.

2019 kam der Bescheid, die EU-Rente wird dauerhaft bis zur Altersrente bewilligt.

Es gibt keine Action mehr. Weder in der Wohnungssache, noch im Job, noch mit irgendwelchen Männern oder schrägen „Hobbys“. Rauchfrei, fast schuldenfrei…was kommt noch?

Ich kann Strafgefangene verstehen die mit der Freiheit nicht zurecht kommen und wieder was tun wofür sie wieder eingesperrt werden: Das kennen sie.

Ich muss diese Ruhe nun selber füllen, mit gesunden, weniger schädlichen Dingen.

Das Problem: Mein Körper braucht viel Ruhe, da merke ich einfach das ausgelaugt sein. Mein Kopf aber, der ist frisch und will was tun, was erleben, hinaus ins Leben, du bist noch jung! Und so knirscht das Getriebe…

Vor wenigen Tagen traf ich zufällig L. im Supermarkt. Sie half mir damals in der Angst-Selbsthilfegruppe sehr und ich mochte sie immer. Vor wenigen Jahren starb ihr Mann recht unerwartet an Krebs, daraufhin kümmerte sie sich viel um ihre Enkelskinder, die damals noch sehr klein waren. Sie war immer im Streß, immer was zu tun, nur ja keine Ruhe und den Schmerz fühlen….jetzt sagte sie mir, dass ihr Sohn auch Krebs hätte. Ähnlich aggressiv wie beim Vater. Schon überall Metastasen. Er ist nur wenige Jahre älter als ich. Und ganz ehrlich, beim Heim gehen dachte ich schon: Es trifft echt immer die falschen…

Klare Kommunikation

Letztens mit meiner Cousine telefoniert und natürlich wollte ich wissen, was es so neues von ihrer 2-jährigen Tochter gibt. Meine Cousine und eiine Freundin von ihr bekamen fast zeitgleich ein Kind. Und so treffen sich natülich die viere nun oft. Ihre Freundin bekam einen Sohn und schau an schau an, er sucht öfters die körperliche Nähe zu seiner Freundin als ihr lieb ist. Und sie weiß und fühlt das ganz genau! Mit 2 Jahren!!!! Und sie zeigt das auch deutlich wenn sie mal keine Lust auf umarmen hat! YES!

Meine Cousine sagte dann zu mir: „wir unterstützen sie darin natürlich und helfen ihr wenn nötig sich abzugrenzen!“ JA! JA! JA!

Nur so lernen sie, dass sie das dürfen und das es ok ist, das auch zu FÜHLEN! Wer das von klein auf mitkriegt, der sagt dann in der Schule schon zum übergriffigen Honk: „Ej du Vollpfosten, lass das!“ Oder deeskalierender ausgedrückt: „Ich WILL das nicht!“

Nur so gibt es starke Frauen die für sich einstehen und sich schützen.

Das andere ist ein Beispiel aus dem Chat: D. Ist ein netter Kerl, wohnt in Österreich, Familienvater, Hausbesitzer, sportlich, höflich. Wir plaudern über alles mögliche und abundzu hat er wohl Lust auf flirten und schreibt dann auch mal frivoles oder zweideutiges. Im Rahmen und nicht übergriffig. Ich ging bisher darauf nie ein, weil er für mich eher auf der Kumpelschiene läuft und ich finde absolut gar nichts an ihm irgendwie erotisch. Also fragte er mal nach, ob ich da nichtmal drauf Lust hätte, mehr zweideutig zu schreiben. Ich verneinte. Das fand er ok, er wollte nur mal nachfragen, ob er vielleicht zu subtil schreibt.

Interessant. Wenn mein Gegenüber auf das angesprochene nicht reagiert, denke ich schneller daran, dass er wohl keine Lust darauf hat. Andere denken, dass man den anderen vielleicht nicht verstanden hat. Und macht mit demselben Verhalten immer weiter.

Also auch hier: Klare Ansage: ich will das nicht.

Wochenrückblick 19. Juni 2020

– schlaftechnisch: war diese Woche richtig übel. Das ist doppelt gemein, da ich ja letzte Woche erfahren habe wie ich mich fühle, wenn ich EINE einzige Nacht mal richtig tief schlafe. Zum Glück war das Wetter eh meist regnerisch. Trotzdem. Werde Schlafmedikation erhöhen (das ich da noch nicht eher drauf gekommen bin, diese extrem langen hellen Tage um diese Jahreszeit machen mir IMMER zu schaffen!)

gelesen: Frauen und Literatur von Virginia Woolf. Dabei auf eine Philosophin und Autorin gestossen die mir sehr sympathisch war. Margaret Cavendish lebte von 1623 -1673, sehr still, sehr scheu, aber machte sich über alles sehr viele Gedanke (typisch introvertiert würde ich sagen). Hatte ihre eigene Sicht auf die Dinge und galt als ekzentrisch und verrückt, vor allem Männer nannten sie verrückt, eingebildet und lächerlich. Aber das ist ja nix neues, dass Männer das sagen, wenn sie keine unterwürfige, sie vergötternde Frau vor sich haben. Frau Cavendish fand aber einen Mann, der sie genau so mochte wie sie eben war: Der Herzog von Newcastle und so wurde sie Herzogin (das ist der Stoff aus dem Schmachtromane sind!). Sie veröffentliche ihre Publikationen nicht anonym, wie das damals viele Frauen machten, sondern unter ihrem richtigen Namen. Sie schneiderte auch ihre eigenen Kleider die gerne mal etwas skurril wirkten, aber was scherte sie das schon.

Da es ihr auch die Elfen angetan hatten, schrieb sie auch darüber. Das hier gefiel mir besonders:

Der Königin Palast, darin sie wohnt,

ist ganz auf Schneckenmuscheln aufgebaut,

Vorhänge eines Regenbogens zart,

sind wunderfein, wenn man den Raum betritt;

die Zimmer sind gemacht aus Bernstein klar,

sie geben süßen Duft, wenn Feuer nah,

ihr Bett aus Kirschkern gänzlich ist geschnitzt,

mit Flügeln eines Schmetterlings umhängt,

ihr Bettzeug zarte Taubenaugenhaut,

wo Veilchenknospe ihr als Kissen dient.

Mehr dazu hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Margaret_Cavendish

– genossen: Hatte M. zum Brunch eingeladen. Sie brachte mir einen Blumenstrauß aus ihrem Garten mit, der mich so sehr erfreut hat und dann noch ne ganze Tüte voller glutenfreier Leckereien. Die ist verrückt die Frau! 😉

– wieder gemerkt: je entspannter ich bin, desto bayrischer denke/rede ich. Und das mag ich sehr. Vor allem wenn mein Gegenüber auch „bayert“.

– entdeckt: ein Interview mit der Carolin Kebekus und die Moderatorin hat sie auf ihren Kettenanhänger angesprochen, das war nämlich ein Herz und darüber eine Vulvaform. Sehr schön. Habe dann ein wenig recherchiert und es gibt viel Dinge mit Vulven, nicht nur Schmuck, sondern auch Broschen, Tassen, Mundschutz, Räucherstäbchenhalter, natürlich gemalte oder gedruckte Bilder, Schlüsselanhänger…gefiel mir alles sehr. Werde da glaub ich auch mal kreativ und freue mich schon auf Begegnungen ala: „was ist das denn?“ Ich: „eine Vulva!“ Verstörte, irritierte Blicke….Schwänze sieht man überall, da regt sich keiner darüber auf… wer auch schauen mag: https://www.etsy.com/de/search?q=Vagina&ref=pagination&page=1

– außerdem noch: eine kleine Reportage über die weibliche Lust und unterschiedliche Formen der Vulva: https://www.zdf.de/dokumentation/3sat-wissenschaftdoku/vulva-und-vagina-neue-einblicke-in-die-weibliche-lust-100.html

– wieder mal im Chat: Ich schimpfe hier öfters über komische und seltsame Chatbekanntschaften, aber es gibt auch die andere Seite mit lustigen, sehr inspirierenden Unterhaltungen. Möchte das nur mal gesagt haben 🙂

Aber es war auch mal wieder einer der „komischen“ dabei. Spielte immer wieder auf Zweideutigkeiten erotischen Inhalts an. Ich ging nicht drauf ein und blieb bei den Allgemeinthemen. Irgendwann wurde mir das zu bunt. Ich schrieb, dass ich jetzt off gehe. Er so: genießt deinen Balkon im Bikini? Dann würd ich vorbei kommen. (Wohlgemerkt eine Feststellung, keine Frage oder so).

Ich: Träum weiter.

Er: war das jetzt nett gemeint?

Ich: nein

Er: sei mal nicht so empfindlich (wie ich diesen Satz hasse!)

Ich: wann und warum ich empfindlich bin, lass mal meine Sache sein

Er: baggerte irgendwie weiter, weiß den genauen Text nicht mehr

Ich: Spinnst wohl.

Dann wurde ER nämlich empfindlich: „Also beleidigen lasse ich mich nicht, dann sollten wir das mit der Unthaltung wohl besser lassen.“ (Verantwortung schön zum anderen schieben, dass der sich schlecht fühlt und man jetzt alleine da hockt. Was bei mir zum Glück nicht mehr funktioniert)

Ich schrieb nichts mehr, sondern schmiss ihn konsequent von der „Freundesliste“. 😉

– gesehen: Polizeiruf 110 Rostock. Ich mag ja die Rostocker Folgen sehr gerne. Bukow und König einfach legendär! Dieses Mal voll der packende Psychothriller, damit hab ich ja normal so meine Probleme, hab selber schon zuviel in der Richtung live erlebt, aber dieses Mal gings, konnte das gut trennen ala Fiktion-Realität. Gefiel mir super!

– auch gesehen: ich bin kein Opfer mehr (auf Vimeo kostenpflichtig), hier erzählen Opfer die sexualisierte Gewalt erlebt haben und wie sie damit umgegangen sind bzw. noch umgehen. Wo ich stutzte war, als eine sagte: „ich sehe mich nicht mehr als Opfer, sondern als Überlebende!“ Da merke ich, soweit bin ich noch nicht, leider viel zu oft identifiziere ich mich noch mit der Opferrolle.

– anders: andererseits komme ich aus dieser Rolle auch oft genug heraus. Ich habe mich Dienstagmittag (wie fast jeden Tag) hingelegt, war nach einem Telefonat mit meiner Cousine ziemlich ausgelaugt. Und da wir kurz das Thema hatten, dass ich in meinem Elternhaus so gut wie nie bestärkt wurde in dem was ich tat oder wollte, fiel mir nach dem Telefonat auch M. ein, der Psychopath mit dem ich über 1 Jahr zusammen wohnte und der mich psychisch extrem manipulierte und Macht ausübte. Er bestimmte alles, ich durfte alleine nichts machen. In Gedanken kreierte ich das alles um und zwar spielte ich durch, wie ich mich gewehrt hätte. Ich hatte das schon öfters mit anderen Situationen durchgespielt, z.B. wie ich mich gegen mobbende Mitschüler wehrte oder mich rächte (sehr befreiend!) auch meinem Vater zeigte ich konsequent imaginär Grenzen auf, aber in Zusammenhang mit M. noch nie. Wurde Zeit. Tat gut! Und stärkt!

Ich habe dann 1 Stunde sehr tief geschlummert. Denn das Gehirn weiß nicht, ob ich mir etwas nur vorstelle oder es live erlebe (deswegen sollte man immer ein wenig achtsam damit sein, was man liest oder im TV sieht ect.).

– aufgefallen: ich hatte die letzten Wochen öfters das Bedürfnis meine Mutter anzurufen oder sie ala „Überraschung!“ einfach zu besuchen. Ich habe allerdings beim damaligen Kontaktabbruch mir selber einen Vertrag ge- und unterschrieben, dass bevor ich Kontakt aufnehme, ich mir vorher durchlese, warum ich den Kontakt abbrach.

Ich werde dieses Papier erweitern mit der Frage: Ist bald Weihnachten oder mein Geburtstag? Das sind nämlich anscheinend zwei Termine wo ich gerne mal „rückfällig“ werden könnte und diese Termine können sich über +/- 2 Monate erstrecken!

– genervt: weiter Zyklusstörungen. Jetzt hab ich aber nix genommen, was evtl. den Zyklus verschieben könnte. Mal wieder überfällig. Ich hasse dieses warten….da lieber zu früh als zu spät. Entweder ist der innere Streß doch höher als gedacht oder eben doch Vorboten der Wechseljahre, oder ganz was anderes.

– Aussicht: Ruhe bis Montag (da hab ich wieder einen Termin) bis dahin viel schlafen (leider eher dösen), einfach Ruhe, bei mir sein, keinen Druck machen irgendwas tun zu müssen, gut für mich sorgen….

– Foto der Woche:

MVIMG_20200608_114625

Rapunzel´s Turm

(K)PTBS für Anfänger, Fortgeschrittene und Angehörige

TRAUMALEBEN

Leben mit Entwicklungstrauma / komplexer PTBS & Traumafolgestörungen

Al-Anon Blog

Deutschsprachige Beiträge und Informationen zu Al-Anon

minchen‘s blog 

über psychisch kranke Eltern

galgenzork

chronisch

Hanni hat Heimweh

Auf der Suche nach Ruhe und Sicherheit, aber leider nur stark im Auffinden von Chaos und Gespenstern.

Sick Girl

Depression

Herzensgrenze

Überleben als Introvertierte mit dem Wrong-Planet-Syndrom

Hochsensibel und Multipassioniert

Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer. Antoine de Saint-Exupéry

Eine Art Tagebuch

Amat victoria curam