Arbeit

Das Wochenende musste ich an beiden Tagen arbeiten (jetzt reichts aber auch echt wieder) und der Chef gab Info durch, dass 10 Leute um 11 Uhr kommen, um ihre Sachen abzustellen. Hab ich schon gesagt, dass ich Menschenkontakt in der Arbeit hasse? Es stresst mich, es bringt mich ausm Tritt und außerdem, was wenn das (wie meistens in dieser FEWO) 10 feierwütige Männer sind? Sorry aber da krieg ichs mit der Angst zu tun. Vor 2 Jahren als ich dort arbeitete war das schonmal der Fall, aber diese Jungs waren sehr respektvoll und freundlich und zogen auch gleich wieder weiter. Nun weiß ich aber, dass ich in dieser Zeit (während die Zimmer anschauen, jeder noch aufs Klo geht, frisches Shirt anzieht usw.)im Hauptraum/Küche bleibe weil das am nächsten vom Ausgang ist. Schrecklich, dass Frau so überhaupt denken muss. Kein Mann verschwendet irgendeinen Gedanken daran, dass es jetzt gefährlich werden könne, wenn er in einen anderen Raum geht/was bestimmtes anzieht/eine dunkle Straße runtergeht/ sein Getränk mal unbeaufsichtig bleibt/ in einen vollen Bus steigt.
Aber es kam schlimmer: Als ich um 10h meinen Dienst antrat, waren die VORHERIGEN Gäste noch da: 16 junge Männer, die 3 Tage durchgesoffen hatten und keinerlei Anstalten machten zu gehen. Na super. Ich werkelte erstmal weiter hinten und versuchte meiner Panik Herr zu werden. Hilft nix, ich muss die jetzt rauswerfen. Super für jemanden mit Sozialphobie und genügend Erfahrung in Sachen Männergewalt. Also ging ich in dem Hauptraum und statt in die Menge zu brüllen, schnappte ich mir den erstbesten und sagte ganz freundlich dass sie nun langsam aber doch sicher gehen müssten. Er brüllte daraufhin in die Menge: „Sie sagt, wir sollen uns verpissen!“ Ahja. In der Menge: Großer Macker, aber wenn einer allein an mir vorbei huschte war derjenige fast unterwürfig. Den einen bat ich sogar mir den schweren Wäschewagen rüber zu schieben. Tat er auch brav und als ich mich umdrehte stand da noch der letzte Nackedei vor mir und war auf einmal gar nicht mehr cool. Diese Ferienwohnung ist echt IMMER für Überaschngen gut.

Ok. Unmengen an Müll, noch mehr Bier, ein kaputtes Bett, ein kaputter Stuhl und 16 Betten abziehen.
Die Gäste die dann um 11 kamen, blieben auch. Von wegen: stellen nur ihre Sachen hin. Ich hatte dann das „Vergnügen“ mit 6 Weibern, die nebenbei schon alles dekorierten und rumwuselten, da irgendwie weiter zu arbeiten. Sie meinten, der Chef hätte gesagt, das wär ok (weil ja um 13h das Überraschungshallo für die zukünftige Braut hier stattfindet, und da wollt ich nicht mitm Wischmop dazwischen wuseln, also hab ich kurzerhand das gröbste geacht und bin dann gegangen).
Da hatte ich zwar weniger Panik, weil es nette Frauen waren, aber ich kam total durcheinander. An mir ist echt ein astreiner Beamtenstatus flöten gegangen. Flexibel? Ich bins nicht. Alles muss nach Schema F laufen und immer hundertprrozentig gut sein. Meine Routine die ich endlich intus hatte, verabschiedete sich rauschend und ich konnte nicht so sauber arbeiten wie ich das von mir verlange. Das konnte ich aber auf dem Heimweg sausen lassen: Wenn er OK gibt, dann is das so. Wenns nicht 100% sauber nun ist: Ja nu nicht mein Problem. Ich hab keinen Job zu verlieren und wenns ne schlechte Bewertung gibt: Is das nicht meine Bewertung, sondern für die Unterkunft/Inhaber.
Im Gegenteil ich kann stolz sein, dass ich in 3 Std.: 16 Betten ab und 10 Betten neu bezogen habe, den Wäschewagen ins Lager einsortiert habe, Küche geputzt, Spülmaschine aus/eingeräumt, 3 volle Mülltüten ein gesammelt, Bierfalschen umsortiert, 2 große Badezimmer (ok nur grob) geputzt, gelüftet, mit Gästen unterhalten…und das für keinen rauschenden Stundenlohn. Wenigstens hab ich die Pfandflaschen noch weggebracht, waren auch 15,- plus nochmal 5,- an Geld was so rumflog, 2 Bier und 2 Tüten Chips, 1 Glas Senf und Schokolade, alles natürlich original verpackt, alles andere fliegt in Müll.

Und das macht für mich das Thema Arbeit so schwierig: Die anderen Menschen und wenn irgendwas nicht so läuft wie es laufen soll oder was fehlt oder so, ich komme sofort in die Panik, bin konfus, zittere, mache völlig kopflos und ohne Ordnung irgendwie weiter, was mir dann doppelte/dreifache Wege meist beschert und natürlich immer Huckepack: ich kann nix, ich mache alles ganz schlecht, ich müsste 10x besser sein.
JETZT nach fast 10 Jahren Erwerbsunfähigkeitsrente spüre ich das alles immer mehr. Kapiere ich, wie ich mich jahrelang geschunden und gezwungen habe: Angst unterdrücken und funktionieren und sich dann wundern, warum man auf einmal nicht mehr funktioniert und nur noch weint oder sich nicht mehr ausm Haus traut oder mit 3 Promille im Auto sitzt un sich die Pulsadern aufschneiden will. Von daher war es gut, dass ich nach dem 1.Rentenbescheid weiter stundenweise abeiten ging: Um das heraus zu finden…
Na auch generell tut das stundenweise arbeiten gut: ich bleib ein wenig mehr in der Spur, fühle mich ein Ticken normaler, komme raus, vertreibe mir die Zeit, verdiene ein paar Taler dazu und habe manchmal auch nette Menschenbegegnungen. Aber nächstes Wochenende hab ich endlich auch mal wieder frei, darauf freue ich mich auch.

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