Wochenrückblick 21. Mai 2022


– Dinge die man nicht mehr hören kann/will: „ach Sie sind ja noch jung!“ Das kam so: ich schlenderte nach einem sehr anstrengenden Termin noch übern Friedhof, über einen sehr schönen. Ich wollte die Atmosphäre noch ein wenig länger genießen und setzte mich auf eine Parkbank. 5 Sek später hatte ich Gesellschaft einer 80-jähringen Dame. OH NO! Echt jetzt? Erst war sie still, dann redeten wir doch etwas. Das war auch angenehm, aber nur so die ersten 10 Minuten. Irgendwann kamen wir aufs Auto und Autofahren und das ich das nicht mehr kann und mag, weil „zuviel“, dann kam das Totschlagargument: „Sie sind doch noch jung!“
Da kann ich nur noch perplex schweigen. Nur weil man jung ist, kann…muss man..sollte man….? Is das rassistisch? Ich hätte zu ihr ja auch sagen können: „Na in ihrem Alter noch Auto fahren????“ Nein, weil das übergriffig ist!
Außerdem wie lange soll ich denn noch jung sein, jetzt bin ich 42 und hör den Spruch seit 20 Jahren!!!!
Ich habs mir verkniffen zu sagen, dass ich seit 10 Jahren in Rente bin, ich wollte nur, dass die Alte verschwindet und mich in Ruhe lässt! So!

– merkwürdig: noch eine Begebenheit mit einer älteren Damen: Sie radelte vor mir, sehr langsam und mitten aufm Weg. Ich dachte mir, ich bleib hinter ihr, wel ich in 200m eh rechts abbiegen muss und wenn ich nun klingel hauts die vor Schreck runter. Aber es wurde mir dann doch zu blöd und so fragte ich ganz höflich und freundlich, ob sie rechts oder links fahre? Springt die vom Radl runter, schaut sich hektisch um und brüllt mich an: „Bin ich wieder mitten in der Straße gefahren, ha??? DANKE!!!“ Ich war wieder perplex, weil das aggressive nicht zu der Frage/Inhalt passte, aber sie sah auch freundlich drein, also lachte ich nur mit einem JA! zurück, winkte, fuhr weiter, bog rechts ab, schüttelte den Kopf. Nunja.

– gefeiert: Geburtstag: Bestes Geschenk der Nachbarn, die links neben mir fuhren mit großem Gepäck in Urlaub, also ist mindestens 3 Wochen Ruhe, wenn nicht noch länger, weil sie ja 2 Jahre nicht in ihre Heimat nach Vietnam fliegen konnten. Ich hoffe es so sehr. Die Ruhe, himmlisch, kein Türen knallen, kein Geplapper, kein rumpeln. Der rechte Nachbar ist tagsüber auch gut 10 Stunden nicht da und den hör ich eh kaum. Fühl mich gleich viel sicherer in meiner Wohnung!

– gelesen und geschaut, weil es ein Comicbuch ist: Quiet Girl, Geschichten einer Introvertierten. Hab ich mir selber zum Geburtstag geschenkt und es ist einfach wundervoll. So warmherzig und genau getroffen. Dazu diese feinen schwarz-weiß-Zeichnungen mit subtilem Humor ist mein neues Lieblingsbuch. Wenn ihr also eine stille Person kennt, die immer etwas abseits steht, etwas scheu und wortkarg ist und die am liebsten daheim ist und liest (oder andere Dinge alleine gern macht), schenkt ihr/ihm das Buch. Absoluter Selbstwert-boost.
Ich kam dann so ins tagträumen (auch was ich schon lang nicht mehr machte, dabei tut es so gut, entspannt wunderbar, kostet nix und ist fast überall machbar) wie es gewesen wäre, wenn man meine Introversion anerkannt hätte und mich so gelassen hätte wie ich es eben bin, statt mich dauernd anders haben wollen: warum bist du so still? warum sagst du nichts? warum schaust du so traurig? warum hast du hier und jetzt in diesem überfüllten, lauten, stickigen Birezelt keinen Spaß? Warum musst du soviel schlafen? Lach doch mal! Sei mal spontan! Wenn es nur einen Menschen in meinem Umfeld gegeben hätte, der mir gezeigt hätte, dass es ok ist ein stilleres Leben zu führen, das es auch Menschen braucht die erst denken und dann reden, die viel beobachten, die viel nachdenken, die sanft sind, das wäre die halbe Miete gewesen. Ich hätte da aufgetankt wo ich wirklich Energie bekomme, dann hätt ich auch  ein oder andere Widrigkeit im Leben besser gepackt. Ich hätte vielleicht in einer Gärtnerei gearbeitet und ehrenamtlich ein wenig im Tierheim ausgeholfen, ich hätte meine Energie nicht mit Selbstzweifel verbraucht und nicht soviel Zeit damit verschwendet mich selber umzuerziehen und mich anders haben wollend. Ich wäre glücklich lesend, spazierend und fotografierend gelesen, mit ganz wenigen Menschen, die mir wirklich am Herzen liegen, um mich herum…

– gehört: Ohrwurm der Woche: https://youtu.be/DHdVYy5B6JM starke Frauenstimme, interessanter Inhalt, in dem es um die Frustration der Palästiner geht: was ändert sich, alles bleibt gleich, alles wiederholt sich, nur ich hab mich letztes Jahr geändert.

– Vorfreude: auf das 9,-Ticket, auch wenn es mir vermutlich viel Druck macht „es doch auch ganz oft und viel zu nutzen“, aber es nutzt mir ja so schon, ich zahle 25,-/Monat weniger und ich kann viel weiter fahren als mit meiner Monatskarte. Von daher werd ich wohl kaum zu meinem „Haussee“ fahren zum schwimmen, den ich echt nicht mehr sehen kann und ich mich immer unwohler da fühle, weil da viele schräge Gestalten rumlaufen, auch schon vormittags, letztes Jahr wurde am frühen Abend ein Mädchen dort vergewaltigt. Und München hat ja wirklich eine groß Auswahl an Seen und Freibädern.

– Sommer: Depression/Angststörung und Sommer passt eher suboptimal zusammen. Trotzdem hab ich die Wärme auch etwas genossen und fuhr an einen See der weiter weg ist, lag als einzigste auf der Wiese *jeah* und schaffte es sogar zu schwimmen. Ja es war kalt, aber tat auch gut. Am Tag darauf machte ich das gleich nochmal und *zack* zuiel. Zuweit zum radeln, zu warm, zuviele Leute, schwamm zwar wieder, fiel aber daheim sofort komatös ins Bett. So und jetzt hätte ich bitte gern mal wieder 2 Tage neblige-kühle Novembertage an denen es um 17 Uhr dunkel wird.

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