Sonntagstipps

– Trainiere nicht nur Deine Bauchmuskeln, sondern erst recht dein Bauchgefühl! Viele Gewaltopfer erzählen, dass sie zuvor schon ein komisches Gefühl hatten. Lieber einmal zuoft weggehen, was abbrechen ect. wenn die innere Sirene angeht, stimmt dieses Gefühl meistens!

– „Bevor du dir selbst eine Depression diagnostizierst, stelle sicher, dass du nicht von Arschlöchern umgeben bist.“ Es ist mir scheißegal wer das angelich gesagt hat. Der Satz ist SOOO wahr. 3 Wochen keinen Kontakt zu J.: ich blüh auf, fühle mich leicht und gut gelaunt, mache wieder Dinge die mir Spaß machen, spüre mich selbst wieder. Dann wieder nur kurzen Onine-Kontakt, mit Planung eines Ausfluges: Schwupp, meine Laune sinkt in den Keller, ich habe wieder mehr Angst, ich fühle mich schlecht und abgetrennt von mir und meinen Gefühlen un Bedürfnissen. Wieder kein Kontakt: es geht mir blendend!
Alles klar. Ein Energieräuber wie er im Buche steht. Verständlich warum da kein Antidepressiva hilft und Therapieplanung ist auch wieder gestrichen, ich brauche sie schlicht nicht mehr.
Ich habe das schonmal so krass gespürt, nämlich als ich den letzten Kontakt (nämlich den zu meinem Vater)zu meiner Ursprungsfamilie kappte. Zu meiner Mutter und Schwester hatte ich schon länger keinen Kont mehr und von meinem Vater distanzierte ich mich auch mehr und mehr, bis hin zu Telefonnummer- und Emailänderung. Und dann: Ein so intensives aufatmen, dass ich fast problemlos das rauchen aufhören konnte! Lebenslust und Energie durchströmten mich und ich hatte endlich die Kraft meine Lebensprojekte umzusetzen, mich auf mich zu konzentrieren und man weiß ja: Energie folgt der Aufmerksamkeit!
Also: checke regelmäßig die Menschen in deinem Umfeld.

-Wenn du gut mit dir selbst in Kontakt bist, wirst du dich (fast) nie mehr einsam fühlen! Es ist eine der besten Investitionen in dein Leben, dich um diesen Kontakt sehr gut zu kümmern. Dann gelingen meistens auch die anderen Kontakte besser.

– Wenn du merkst dass ein Mensch in deiner nahen Umgebung Alkohol, Medikamente, Drogen ect. mißbraucht, mißbraucht er sehr wahrscheinlich auch Menschen (egal in welcher Hinsicht: finanziell, emotional, sexuell…) also lauf! Da das oft nicht geht, pass sehr gut auf dich auf, halte größtmöglichen abstand zu dieserPerson. Sie hinterlassen meistens nur verbrannte Erde und ihr ganzes Umfeld ist verletzt, wie nach einem Granateneinschlag. Die Splitter streuen weit!

Und zur Stärkung nun noch zwei Affirmationen:
Unumkehrbar stehe ich fest dazu, das ich mein eigenes Ding machen darf!
Mit aller Kraft wird es mir klar wie Kloßbrühe, dass NEIN! ein vollständiger Satz ist.

In diesem Sinne: Euch allen einen kraftvollen, lebendigen, lustvollen, liebevollen und fürsorglichen Sonntag 🙂

Der Kick

Wenn ich das Thema erwischt habe, um das es gerade in meinem Leben geht (vor allem eben wenn es mir schlecht geht) wird mir leichter ums Herz und manchmal gibts so ein wohliges kribbeln im Bauch. Auch wenn das Thema schmerzhaft und schwierig ist. Aber wenn ich es mal zu fassen kriege, kann ich was tun, besser als im trüben zu fischen. Orientierungslos, schwammig, unklar ist immer doof.
Heute so beim Spaziergang hatte ich noch eine Erkenntnis. Was ist denn so reizvoll an emotional unerreichbaren Menschen? Es ist der Kick, wenn sie einem mal emotionale Nähe schenken! Wie wenn man eine Diät macht, hungert und dann ein Stückchen Schokolade. Mmmhhh, woah, wow, super! Die Endorphine sprudeln, das tut gut! So ist es auch mit einem süchtigen Menschen, wenn er mal wirklich zugewandt ist oder aufmerksam oder liebevoll.
Nunja, möchte man meinen, aber warum dann nicht zu einem Menschen gehen, der das öfters macht? Das ist langweilig, kein Drama, keine Anspannung, außerdem kenne ich das nicht, da bin ich von jeher gleich mißtrauisch…und zuviel Zuwendung ist ja auch nicht gut, das bin ich ja gar nicht wert. Tja…

Schwimmender Sonntag

Nach fast 5 Monaten war ich endlich heute wieder schwimmen, nachdem ja 2G weggefallen ist. Gefreut habe ich mich nicht. Die Freude starb irgendwann in den letzten Wochen. Weil ich öfters dachte, dass ich nun endlich wieder schwimmen kann, aber erst kam ewig der Impfstoff nicht, dann wurde dies und jenes wieder verlängert und geändert. Es war einfach zermürbend. Trotzdem bin ich heute losgefahren, weil ich wußte: es tut mir trotzdem gut und die Freude kommt auch wieder irgendwann. Aber ich wurde nochmal auf die Probe gestellt: Normal brauche ich 35 Mins in dieses Hallenbad (ich wechsel gerne durch) aber nun brauchte ich 1,5 Std. meine Nerven! Erst kam gar keine Bahn, dann war Baustelle, dann 20 Minuten Takt bei der anderen Bahn, die normal alle 5-10 mins fährt, dann noch umsteigen wegen Gleisarbeiten…irre. Aber dann war es soweit: ich zog die erste Bahn und ZACK verkrampfte sich schmerzhaft mein Nackenmuskel. Menno. Es wurde aber besser und ich hatte sogar eine Bahn für mich alleine, ganze 45 Minuten lang und als so langsam die kinderreichen Familien eintrudelten ging ich wieder und genoß einen leckeren Cappichino samt netter Begegnung mit dem Inhaber des angrenzenden Cafes. Ein Gastronom durch und durch. Super!
Interessant war ein junges Pärchen im Schwimmbecken, sie standen da rum und redeten, dazwischen heftige Küsse, dann weiterreden. Ich beobachtete sie ein wenig und wenn ich vorbei schwamm lauschte ich ein wenig. Als ich sie nur sah und noch nicht hörte dachte ich so: ah er ein Südländer Typ Schönling, sie sah ich nur von hinten, er eher kühl, sie total anhänglich. Als ich vorbei schwamm meinte er grad: Ja Vergebung ist das A und O. Ach dachte ich…lass mich raten, du hast Scheiße gebaut und säuselst nun deiner Freundin wieder die Ohren voll. Ich beobachtete weiter, er sah sie nie an, sondern redete immer mit Blick an ihr vorbei.
Wahrscheinlich hat er für jeden Wochentag ne andere Freundin. Egal. Ich beschäftigte mich dann wieder mit meinen Themen und finde es weiterhin erstaunlich wie ein Alkoholiker in meiner Nähe solche Auswirkungen auf mich hat. Das ist irre. Der Wahnsinn, leider im negativen Sinne. Der Fokus wandert wieder mehr zu mir zurück. Und das tut gut

Wochenrückblick 1.April 2022

Ein wunderschönes kleines Video: https://youtu.be/WLOU9PeuKvI
Ode an das Leben

– Ich stehe nicht mehr zur Verfügung. Es tut mir weiter gut wieder in der Literatur bezgl. Coabhängigkeit und Sucht zu lesen und auch online in einem Alkoholikerforum in dem natürlich auch Angehörige sind. Ich erkenn mich wieder in sovielem…Ist ja alles nix neues für mich, aber es braucht mal wieder eine Art Auffrischung, weil ich ziemlich in alten Mustern wieder hänge…

Ja dieses emotional am langen Arm verhungern lassen oder dass man sich wie die persönliche Assistentin fühlt (weil man auf alles schaut, organisiert, macht und tut) und wenn es dem Nichttrinker mal schlecht geht, weiß der Trinker nichts damit anzufangen, bügelt ab, verharmlost, rationalisiert alles. Weiter: das Selbstmitleid des Trinkers, aber auch die körperlichen Symptome des Trinkers: das zittern der Hände, das schwitzen (gut das hab ich auch schnell wenn ich unter starkem Streß stehe und was feinmotorisches machen muss, wo mir womöglich noch jemand zuschaut), aber auch die schleichende Verwahrlosung der Körperpflege, wenige soziale Kontakte, ständigen Begründungen fürs trinken „das hab ich mir jetzt verdient“ oder „da brauch ich erstmal was kühles“ und natürlich die Fahne. Vor paar Wochen begrüßte mich J. , er umarmte mich, wir trafen uns mittags und er hatte so ne richtige heftige alte Fahne, also kein frischer Biergeruch wenn man grad getrunken hat, oder auch wenn man mehr trank wenige Stunden später, ne so richtig verfault, muffig vom Vorabend. Da wollt ich schon fast so halb erheiternd sagen: „Boah wo warst du denn? Riechst ja we ne Schnapsleiche!“ Aber als brave Coabhängige „bloß nix gefährliches ansprechen, den anderen nicht beschämen oder in die Bredouille bringen“ schwieg ich.

Ich muss mich emotional wieder mehr lösen von den ganzen Verstrickungen. Bei mir bleiben und der Satz: Ich stehe nicht mehr zur Verfügung löst bei mir ein gutes Gefühl aus. Nämlich dass ich natürlich weiter da bin, aber gesund abgegrenzt, nicht mehr für Ausbeutung und Mißbrauch verfügbar, aber mit gesunder Zuneigung und Nähe-Distanz-Regulierung natürlich mit Wärme und ja manchmal auch Liebe. Und bin vor allem AUCH für MICH da! Ich stehe fest verwurzelt, aufrecht, stark da und wer was von mir braucht kann darum bitten und fragen, aber nicht mehr einfach hergehen und mir die Blätter und Blüten abreißen (um mal bei dem Bild zu bleiben). Wenn ich mich selbst gut versorgt habe und genug Nahrung, Licht und Wärme habe, damit ich gesund bleibe, dann gebe ich auch gerne was von meinem Überschuß ab.
Es gibt dazu die passende Herzmeditation in der man mit dem Körper z.B. eine Stop-Handbewegung macht, während die andere Hand auf dem Herz liegt und das abwechselnd macht und auch nacheinander in alle vier Himmelsrichtungen, dazu eine Musik die den passenden Takt vorgibt.
2 Tage kein Kontakt zu J. und ich merke wie ich immer mehr wieder bei mir und meinen Gefühlen ankomme. Ich habe Lust meine Lampe mal in einem anderen Licht scheinen zu lassen (was sie glücklicherweise kann und ich entscheide mich für ein sattes türkis…wow wunderschön. Später sehe ich mir einen Film an und lache mehrmals laut mit. Kam auch schon länger nicht mehr vor. Ich mache mal wieder eine andere Frisur als sonst und gehe mit schicken Stiefeletten einkaufen, in denen ich mich toll, schön und erwachsen fühle, außerdem trinke ich mal wieder eien Chai Latte den ich sehr mag, aber auch schon seit Monaten nicht mehr trank!  Kleinigkeiten, die mir aber zeigen, wie erstarrt ich war. Ich blühe wieder auf…langsam, aber immerhin!
Leichte Entzugserscheinungen gibt es auch: Zeiten, in denen ich alle 10 Minuten aufs Handy schaue, ob vielleicht doch ne Nachricht kam oder ob ich jenes Foto vielleicht posten soll um vielleicht eine Antwort zu bekommen und ich erwische mich mehrmals täglich dabei, wie ich mich gedanklich schon wieder mehr mit IHM und seinem Leben beschäftige statt mit mir und meinem Leben. Alles eine Frage der Übung.

– Streßreaktion: Heute nacht wachte ich mal wieder mit einer Panikattacke nachts auf, zum zweiten Mal innerhalb einer Woche. Ich wache nur so halb auf, merke aber dass es mir sehr schlecht geht, gefühlt bekomme ich keine Luft und mein Herz schlägt zwar nicht sonderlich schnell aber sehr stark, so als müßte es sich für jeden Schlag extrem anstrengen, es tut fast schon weh, dazu fühle ich mich schummerig und schlecht, habe auch leichte Orientierungsprobleme und noch eine vage Erinnerung an einen Alptraum (finde keine Tür, bin eingesperrt, gerate in eine gefährliche Situation sowas..), und ohne richtig wach zu werden schlafe ich auch schon wieder ein. Vielleicht sollte ich das nächste Mal doch das Licht anmachen, mich hinsetzen und das Fenster aufmachen, einfach um wieder richtig anzukommen, das zu verarbeiten und mich zu beruhigen, wobei ich mich gar nicht so nervös fühle, nur sehr schlecht.
In der früh war ich weiterhin zittrig und sehr angespannt, statt das auszuagieren (wieder 3 Std. hektisch laufen) habe ich Gefühle zugelassen: Niedergeschlagenheit und Trauer. Das darf jetzt sein, auch wenn ich mich gleich mit einer Freundin zum Essen treffe. Und wenn ich wenig essen mag, weil ich grad auch sehr traurig bin, dann ist das so. Nach dieser Erlaubnis dass ich so sein darf wie ich grad bin und das ja der Freundin auch sagen kann, nicht dass sie meint es liegt an ihr, verschwand die Anspannung fast sofort und ich wurde viel ruhiger.
Und ganz ehrlich bin ich mir nicht so sicher, ob die Panikattacken nicht vom Nasenspray kommen, klingt erstmal komisch, aber die letzte Attacke nachts bekam ich auch, nachdem ich abends das Spray nahm, weil ich so schlecht Luft bekam (Nase zu). Und vor einem Jahr im Hotel hatte ich das fast jede Nacht, ich dachte das lag halt an der extremen Streßsituation, aber auch da nahm ich viel Nasenspray weil da die Luftfeuchtigkeit extrem niedrig war. Werde das mal weiter beobachten. Vermutlich macht das „schlecht atmen können“ Sinn, weil ich dann weniger hyperventiliere oder so…Werde also das Spray wenn dann eher tagsüber nehmen und auch eher dann wenn ich Sport mache und die Luft brauche.

– abgemeldet: Endlich von der Erotikplattform (in der ich früher meine Kunden suchte) komplett mein Profil gelöscht. Vorher ging das irgendwie noch nicht. Bei mir, innerlich. Auch wenn ich mich schon sehr lange mit niemanden von dort mehr traf, blätterte ich oft doch noch durch die Anzeigen und mit manchen schrieb ich auch. Jetzt also ist alles weg. Denn um mich erneut dort anzumelden, müßte ich mir erst eine neue Mailadresse zulegen und das ist ein größerer Aufwand und für mich ideal um nicht aus der Laune heraus wieder rückfällig zu werden

Ich bin coabhängig!


Wenn ich mich verrückt fühle, ist irgendwas verrücktes in meinem Leben.
Passend dazu kam ich gestern beim „verrückten Eismacher“ einer Eisdiele vorbei.
Gestern löste sich nochmal ein großer Knoten. Gestern abend dämmerte es mir: ich stecke mal wieder voll in der Coabhängigkeit drin und statt wie sonst gegen 21h ins Bett zu fallen und fast sofort einzuschlafen, saß ich hellwach da und las in dem Buch: Unabhängig sein von Melody Beattie.

Wie schon vor einem 3/4 Jahr hat es was mit J. zu tun. J. hat eine gewisse „Bedien-mich-mentalität“, so lernten wir uns ja auch kennen: ich noch in der „Sexarbeit“ er der Kunde der seinen Fetisch ausleben wollte, so in Richtung Domina-devoter Typ, nur viel weicher. Und irgendwie ist er da hängen geblieben: ich werds schon machen, er kann sich zurücklehnen und sich gut fühlen.
Außerdem hat er was kindisches, unreifes und verantwortungsloses an sich und trinkt jeden Tag Alkohol.
Er meidet wirkliche Nähe. Wir schreiben uns zwar jeden Abend, aber sehr oberflächlich, auch die Treffen laufen fast immer nach dem gleichen Schema ab und emotionales ist fast nie Thema, außerdem geht die Initiaive ob/wann und wo meistens von mir aus.  Das werde ich ab sofort wieder lassen!

Wahrscheinlich hänge ich da schon wieder seit Monaten fest. Er saugt Energie und ich lasse es zu und weil ich nichts von ihm bekomme, ist mein Fokus voll auf ihn gerichtet damit ich ja nichts übersehe WENN mal was von ihm kommt. Außerdem behandel ich ihn übervorsichtig, sage nicht was ich manchmal wirklich denke und fühle (es könnte ihn ja verletzen, er könnte sich von mir abwenden!), sondern übernehme Verantwortung für seine Gefühle oder wenn er mal nicht weiter weiß (welches Gleis, welche Straße, was er im TV schauen soll, wie er richtig kocht usw). Ich hebe ihn auf einen Sockel, bin immer erreichbar, immer nett, immer zugewandt, immer interessant, in der Hofung, dass ich vielleicht auch mal emotional auftanken kann, was von IHM bekomme. Da ist aber nicht. NICHTS!
Das habe ich in meiner Familie so gelernt. Ich tat alles für ein wenig Aufmerksamkeit. Von Zuwendung, Liebe, ehrliches Interesse für meine Bedürfnisse, Gefühle, Gedanken und Unterstützung will ich gar nicht reden.

Das ganze mit J. bekam einen Riss, als es ihm diese Woche sehr schlecht ging, auch wegen Ärger in der Firma (was ich mir gut vorstellen kann, wenn er da auch keine Verantwortung übernimmt, werden seine Kollegen nicht sehr begeistert sein). Ich stand ihm bei und bot meine Hilfe an, außerdem wollte ich ihm eine Postkarte schicken die ich letztens fand, mit einem Motiv das sehr gut zu ihm passt und wo ich mir dachte, das gefällt hm bestimmt, das macht ihm eine kleine Freude. Als kleine Aufmunterung. Aber da merkte ich schon eine Sperre in mir ein: nein ich will das nicht tun. Ich hörte drauf und ließ es bleiben. Gut so!
J. half sich selber, er buchte kurzerhand einen Mniurlaub und fuhr weg und ich? Merkte eine Wut in mir. Hm? Was los? Neidisch?  weil ich nicht einfach mal so mein E-Bike, auf meinen neuen Audi schnallen kann (weil ich bedes nicht habe) und  in einem 4-Sterne-Hotel auf dem Land einchecke? NEIN, weil er sich um sich kümmerte, OHNE mich. Meine Sucht gebraucht zu werden verpuffte ins Leere. Ich fühlte mich vor den Kopf gestoßen, nutzlos, wertlos. Boah!

Wenige Tage später kam ich mal wieder an einen Tiefpunkt: voller Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, gequält von Suizidgedanken (weil mich braucht ja eh niemand usw.), die ich ja eigentlich gar nicht will und auch keine Erleichterung bringen. Nun wandte ich mich an ihn. Sprach offen an, wie beschissen es mir gehe. Es kamen 2 billige Sätze voller Phrasen via Whatsapp zurück. Als ich darauf antwortete, kam: nichts mehr. Waaahhh bloß nix mit Gefühlen! Und da dämmerte es mir.

Natürlich könnte ich jetzt schimpfen wie unreif er ist usw. nur das hilft mir nix. Denn das erste was man in 12-Schritten-Guppen erfährt: Du kannst den anderen nicht kontrollieren und nicht ändern! Schade auch, das wär nämlich einfacher jetzt ihm die ganze Schuld zu geben 🙂 Aber ich muss mich an die eigene Nase fassen!
Fakt ist: ICH bin zusehr verstrickt. Ich denke sooft an ihn und verliere meinen Fokus auf mein Leben und damit auch Energie. Denn diese folgt der Aufmerksamkeit! Kein Wunder, dass ich mich leer fühle und alles sinnlos erscheint.

Die Katzenbetreuung war natürlich DIE Coabhängigkeit schlechthin, danke Körper dass du dich so massiv gemeldet hast. Leider habe ich nicht richtig verstanden was genau los ist nur dass es „zuviel“ ist.
Auch bei  der Tafel gibt es derzeit einen Mann, auf den ich schon wieder „anspringe“ nicht im Sinne von verliebt sein, sondern von „für ihn sorgen“, mich zuständig fühlen, überlegen was ich ihm gutes tun könnte. Vor Jahren ist er aus dem nahen Osten geflüchtet, erst nach Kanada nun eben Deutschland, medikamentenüchtig (Opiate!) und Kiffer, wohnt in einer ehemaligen Arbunterkunft die mehr als schlimm ist (alt, abgenutzt, ect.) er selber ist auch verlottert mit uralter Kleidung, fährt oft mit der Bahn schwarz, wird oft erwischt steht kurz vor einer Gefängnisstrafe weil er das natürlich nicht bezahlen kann, evtl. auch spielsüchtig weil er erzählte dass es hier im Ort ja kein Wettspielcafe gibt. Angeblich hat er Frau und Kinder die irgendwo leben. Er erzählt auch oft von kruden wirren Geschichten halb auf englisch wo ich oft nichts verstehe außer dass es um irgendwelche Verschwörungstheorien in den sozialen Medien geht. Aber er hat eben auch was lustiges, heiteres und warmes und das ist genau die Mischung auf die ich anspringe. Vorsicht also, ganz große Vorsicht!

Als ich da so gestern über all das nachdachte, das Buch wieder rauskramte spürte ich wie Freude und Energie mich dufluteten! Ich war wieder im Jahre 2022 angekommen und sah (wortwörtlich!) nicht mehr durch die Augen eines Kindes, das versucht endlich irgendeinen warmen Blick oder eine liebevolle Geste von ihrer alkoholsüchtigen Mutter zu bekommen oder mal wirklich gefühlt und gesehen wird vom coabhängigen, narzzstischen Vater. Alle meine Bemühungen liefen ins Leere. Keiner der beiden war da. Und so suche ich mir heute noch Leute die genauso emotional nicht verfügbar sind und hoffe und versuche weiterhin diese Leute endlich dazu zu bringen für mich da zu sein.
Das durch die Augen des Kindes zu sehen, habe ich das erste mal so bewußt nun erlebt. Es ist schwer zu beschreiben, aber vor allem in ländlicher Umgebung (das Umfeld in dem ich aufwuchs) war es nun deutlich: Man sieht sich um, mit denselben Gefühlen von damals und sieht die Stimmung, das Licht, alles genauso wie damals, auch wenn es ein anderer Ort ist.  Kein Wunder, dass ich da so festhing und immer depressiver und lebensmüder wurde. Und Arbeit überhaupt nicht ging (übrigends auch ein Feld in dem ich stark coabhängig reagiere, was sich zeigt, dass ich oft noch 2 Tage nach dem Arbeitstag gedanklich nur dort verweile!).

Witzigerweise las ich letztens ein dünnes Büchlein das ich fand: Wenn Männer zuviel trinken. Es tat gut darin zu lesen, aber da dämmerte es mir immer noch nicht, wie sehr ich schon wieder in meiner Sucht stecke. Ich dachte das hätte ich hinter mir gelassen. Weit gefehlt

Rache ist süß

Gestern spätnachmittag, ich ging nochmal eine Runde spazieren, kam mir so der Gedanke, wie ich wieder Kontakt zu meinem Vater aufnehmen könnte, nach fast 10 Jahren Funkstille (ich habe den Kontakt abgebrochen) nur um den Spieß umzudrehen.


Ich mache all das, was er mir angetan hat. Ja nicht sehr kreativ in Sachen Rache, aber es tat gut mich diesen süßen Rachephantasien hinzugeben. Vom Opfer zum Täter werden mag nicht gut sein, aber was ist in dieser Welt schon gut, nein das klingt jetzt wieder zu pessimistisch und verdirbt mir die gute Laune, die das Gedankenspiel mir bringt.


Er ist ein einsamer alter Mann und wahrscheinlich würde er ziemlich schnell auf den Zug aufspringen, den ich ihm vorbei schicken würde. Der lieben Tochter, die ich spielen würde, die sich Sorgen um ihn macht, dass es doch schade wäre wenn wir so im Schweigen verweilen, wer weiß wieviel Zeit uns noch bleibt laberlaber-heuchelheuchel.


Ich würde ihm in Aussicht stellen ihn vielleicht auch mal wieder zu besuchen…je öfter er nachfragt wann das denn sei, desto mehr ließe ich ihn emotional am ausgestreckten Arm verhungern. So wie er es mit mir gemacht hat. Ich kenne all die Psychospielchen und wenn mir mal nichts mehr einfiele, müßte ich nur im Buch „Die Masken der Niedertracht“ nachlesen.
Ich würde ihm auch unpersönliche Sachen schenken, irgendein Geraffel aus meinem Keller was ich eh nicht mehr brauche. Und er natürlich auch nicht, aber das wäre mir wurscht.
So wie er es getan hat.
Ich würde ihn zuscheißen mit Links zu stundenlangen Technoplaylisten, so wie er mir einen USB-Stick schenkte mit 900 Lieder voller Rockmusik, wo er genau weiß das höre ich NIE.
Ich würde all das verhöhnen und verachten was ihm wichtig ist und was er mag. Aber natürlich nur wenn ich von anderen Leute erzählen würde, denen genau das auch wichtig ist.
Ich würde ihn als schwach, alt, gebrechlich nennen, während es mir immer gut ginge, ich würde ihn zuschwafeln voller Lügen, dass ich einen tollen Mann an meiner Seite hätte, wir viel unternehmen usw.
Er wäre der Schwache und ich würde ihm helfen. Jetzt wäre ich oben und er unten
Ich würde ihn in Sicherheit wiegen und auch gegen diese Scheißpolitik und all die Ausländer schimpfen, auch wenn das nicht meine Meinung ist, einfach um ihn ein wenig einzulullen, dass wir was gemeinsam hätten. WIR gegen den Rest der Welt!
Ich würde ihn anlügen, dass ich Geld bräuchte…für irgendwas muss dieser Vater ja zu nutze sein.
Ich würde alles nehmen was ich kriegen könnte, umsäuseln würde ich ihn, umhegen und sanft bitten und theatralisch aufseufzen bzw. mich eisig beleidigt zurückziehen, nur damit er merkt dass er ganz alleine ist.

Eotionale Erpressung, habe ich von dir höchstpersönlich gelernt.

Berechnend ist das? Jawoll. Ist es. Wer weiß, vielleicht schleime ich mich so sehr ein, dass ich die Alleinerbin von seinem Haus werde, in dem er mich nicht aufnahm, als ich in großer Not und obdachlos war.

Wann war er mal wirklich für mich da?
Wann hat er mich jemals wirklich gesehen mit meinen Gefühlen und Bedürfnissen?
Wann war ich mal nicht die Erweiterung seines Selbst, das sein Ego schmeicheln, seine Zeit vertreiben, seine Gefühle auffangen und seinen Rücken kraulen sollte?
Ich war seine Ersatzfrau, weil er zu feige für eine Partnerschaft auf Augenhöhe war.
Ich war seine Ersatzmama, weil seine schon lange tot ist.
Er hat mich benutzt
Er hat mich mißbraucht
Jetzt soll er mal spüren wie das ist.

Ich muss gestehen, mich diesen Gedanken hinzugeben fühlte sich kraftvoll an, so ein kribbeln im Bauch, so ein fester Blick, so eine Kraft und eine Faust in der Tasche. Dir blödes Arschloch zeig ichs.
Aber es wird bei diesen Gedanken bleiben. Ich habe das nicht nötig und es ist auch total sinnlos. Schlimmstenfalls verletze ich mich selbst dabei, weil ich ja nicht weiß wie sadistisch, hinterhältig und böse dieser Mann inzwischen ist. Dass wir keinen Kontakt mehr haben ist Strafe genug. Keiner mehr da, der sein Ego füttert und ihn bewundert und besucht.
Sich mit einem waschechten Narzissten anzulegen kann sehr übel ausgehen. Ich habe viele von denen kenngelernt. Ich halte lieber Abstand.

Aber das Gedankenspiel zeigt mir: darüber nachzudenken und es zu tun, da ist schon nochmal eine große Hemmschwelle dazwischen. Zum Glück. Ich glaube das nennt sich Gewissen. Oder Moral oder gesunder Menschenverstand oder wie auch immer.
Ich habe mich entschieden es nicht zu tun.
Meine Eltern haben sich anders entschieden. Sie taten es mir an (meine Mutter tat das mehr offen böse, während mein Vater mehr mit Zuckerbrot und Peitsche agierte, meine Mutter hat sich in den letzten 40 Jahren ihr Hirn weggesoffen, sie befindet sich kurz vorm Endstadium der Alkoholsucht, der brauche ich nichts mehr antun, die siecht eh nur noch vor sich hin, die lasse ich einfach in Ruhe).
Mir kann keiner mehr erzählen: sie wußten es nicht besser, sie haben ihr bestes getan. Nein, auch sie hätten mal aufhorchen können, nach innen lauschen und sich fragen: was tue ich hier eigentlich meinem Kind an? Wie gehen wir miteinander um?
Ich habe sehr viel Zeit damit verbracht meinen Eltern zu erklären wie man respektvoll miteinander umgeht und was mich stört. Schade, dass ich da soviel Energie verbrauchte, denn sie WOLLTEN es einfach nicht wissen bzw. wußtenes sehr wohl und taten es trotzdem.
Sie hatten ihre Gründe.

Wochenrückblick 4.Juni 2021

entdeckt: es gibt sogar ein Diabetesmuseum!

– geärgert: dass ich mir eine Tageskarte extra kaufte obwohl ich mir dann eine Monatskarte kaufte, hätte ich da mal früher dran gedacht. Naja…

– innere-Anteile-Arbeit: tut gut wieder mehr nach innen zu kommunizieren. Habe ich die letzten Monate sehr vernachlässigt, da musste ich funktionieren und habe mich (leider mal wieder) nach innen eher abgeschottet, wollte quasi sowenig wie möglich mit mir selbst zu tun haben. Kurz darauf hatte ich einen sehr schönen Traum, meine Mutter hatte mir zum Geburtstag ganz was tolles geschenkt, viele kleine Sachen, ganz liebevoll verziert und gebastelt und ich spürte im Traum wie gut das tat wenn es für mich getan wird, als wirkliches Geschenk und nicht weil somit die Mutter gut dasteht und Lob für sich bekommt. So war das immer in unserer Familie, es wurde nicht wirklich was für den anderen getan, um ihm wirklich zu helfen oder ihm wirklich eine Freude zu machen, sondern immer nur damit der andere gut dasteht und man dankbar sein muss undso…Habe den Traum und das Gefühl des „gesehen werdens“ so sehr aufgesaugt und genossen!

– genossen: Sonne! Wärme!

– gemacht: einen Ausflug: normalerweise mache ich an Sonntage oder Feiertagen keine größeren Ausflüge, weil mich die ach so (vermeintlich) glücklichen Familien/Paare traurig oder aggressiv oder beides nacheinander machen. Aber am Donnerstag (Fronleichnam in Bayern) musste ich raus und ich wußte auch wohin: In eine Kleinstadt südlich von München, da wollte ich schon lange mal (wieder) hin. Ganz früh bin ich schon los (um den Massen zu entkommen) um in der S-Bahn festzustellen: Die ist voll. Mist. Als aber wirklich ALLE an einem Bahnhof ausstiegen, andem auch ein Zug Richtung Berge hält war ich schon fast euphorisch: die ganze Bahn bis zur Endhalestelle für mich alleine 🙂
Es ging dann entlang der Loisach hoch in einen kleinen Bergwald. Sehr idyllisch, sehr ruhig. Oben am Kamm teilweise eine super Panoramasicht zu den schneebedeckten Bergen. Auf der anderen Seite wieder runter, an der Loisach wieder Richtung Altstadt. Da machte ich pause und überlegte was ich noch machen will, noch rüber zur Isar oder nach Hause oder wieder Richtung München und da irgendwo nochmal aussteigen? Ich machte erstmal Pause und entschied, ich geh mal Richtung Isar und sollte mir das zu weit, zu laut (an der Bundesstraße entlang) werden, kann ich immer noch umdrehen.


Ich ging unter einer Brücke durch wieder rauf zur Straße und stand vor einem kleinen Gebäude, das mich erstmal flashte. Diese Kleinstadt ist mir nicht unbekannt. Als Kind fuhr ich öfters (ich weiß nicht wie oft, glaube aber so 1-2x im Jahr) mit meiner Mutter zu einem Arzt. Wegen meinen Kopfschmerzen. Es war immer eine lange Fahrt und dann saßen wir lange im Wartezimmer (ich kann mich an jedes Detail erinnern),dann wurde ein EEG gemacht (sehr unheimlich für ein Kind, vor allem wenn die sehr mitfühlende Mutter einem sagt, dass die jetzt schauen, ob ich auch brav immer an sie denke), dann Gespräch. Als ich einmal las was das für ein Arzt ist: PSychiater und Neurologe weigerte ich mich da rein zu gehen. Ich! Zum Psychiater! Ich hatte keine Chance. Naja und danach gingen wir jedesmal in dieses Gebäude vor dem ich nun verdattert stand: „Frauenname“-Stüberl. So ne Boazn wo sich Berufsalkoholiker treffen und es Fertiggerichte aus der Mikrowelle gab. Einerseits mussten wir wohl auf den Bus zurück warten, der nur wenige Male täglich fuhr, andererseits, das wurde mir da so richtig klar, konnte meine Mutter ihren Alkohol nachtanken. Ob ihr niemals der Zusammenhang auffiel: ihre Sauferei und mein Besuch beim Psychodoc? Denn ich hatte nie Kopfschmerzen, ich merkte einfach, dass ich dadurch etwas Aufmerksamkeit bekam und es als Ausrede nutzen konnte vor Dingen, vor denen ich Angst hatte. Und da ich mit 5 Jahren einen schweren Fahrradunfall hatte, kaufte man mir das auch ab. So berechnend ist natürlich keine 6-jährige, dass mir das so bewußt war wie heute. Meine tolle Mutter sagte mir dann auch mal Jahre später, dass ich aufgrund des Unfalls ein Blutgerinnsel im Kopf hätte. So ein Unfug. Dazu hätte man ein bildgebendes Verfahren wie CT/MRT ect. gebraucht, das niemals gemacht wurde.
Als ich mich von dem Stüberl wieder löste (es war zum Glück eh geschlossen), ging ich die wenigen Schritte zu der ehemligen Arztpraxis. Da ist jetzt eine Anlaufstelle für Erziehungshilfen drin von einer caritativen Vereinigung. Auch passend. Hätte unserer Familie auch gut getan.

Ich fragte mich, wie es meiner Mutter wohl heute geht, sie hatte auch noch an dem Tag Geburtstag…
Den letzten Bericht von dieser Praxis habe ich mal in einer sehr verzweifelten Situation (eine Woche später Suizidversuch) vernichtet. Wahrscheinlich hoffte ich insgeheim: wenn der Bericht weg ist, sind auch die Probleme weg. Ich weiß nur noch bruchstückhaft was da drin stand.
Was mir bei dem Ausflug wieder gravierend auffiel: Dass es keinerlei emotionale Verbindung zu meiner Mutter gab: Da hatte ich sie mal einen halben Tag für mich alleine (keine Arbeit, keine anderen Männer, keine Schwester ect.) und trotzdem war sie so weit weg. Absolut unerreichbar! Wie unsichtbar. Wie eine fremde Frau die jetzt mit mir zum Arzt geht. So traurig.
Aber ich kenne die Stadt auch noch von zwei anderen Ausflügen als ich etwas älter war und ich ließ mich in dem Ort zweimal tätowieren. Und ich hatte sogar mal einen Exfreund der dort wohnte.
Nun, jetzt ging ich dann doch noch zur Isar hinunter und fand einen schönen Wald voller Trampelpfade, noch stiller als im Bergwald und kaum Menschen. Da dort nichts ausgeschildert war, musste ich mich auf meine Orientierung verlassen, was wunderbar funktionierte.
Dann fuhr ich zufrieden, etwas traurig und sehr erschöpft wieder nach hause

Werd erwachsen!

Sucht oder zwanghaftes Verhalten hat immer was mit Gefühlsvmeidung zu tun. Man will ein bestimmtes Gefühl nicht wahrhaben, nicht sehen und schon gar nicht fühlen!


Ich bin seit Wochen immer mal wieder wütend. Aber unterschwellig. Ich lass es nicht richtig zu, lieber esse ich Kuchen, Chips und mach ein Radler/Wein auf, höre laut Musik und gehe online shoppen. Das blöde: Das vertreibt die Wut nicht. Haha ganz neue Erkenntnis.
Heute habe ich mich bezüglich eines Mannes mal näher mit meinen Gehlen beschäftigt. Und weil ich schon dabei war, kam ich gleich zum nächsten Mann: J. da kam ich meiner Wut schon näher.
Er nervt mich. Er nervt mich so sehr. Mit seinem tollpatschigen Gehabe, seiner fehlenden Selbstachtung, und seinem fehlenden Mitgefühl. Und das krieg ich seit Wochen erst so richtig mit! Davor war unsere Freundschaft in sicheren Gewässern: Mal gemeinsam zum radeln, gemeinsam ins Kino, zum Essen. Alles recht oberflächlich und eben: sicher. Keine großen Gefühle oder besondere Nähe.


Das änderte sich, als ich ihn um Hilfe bat wegen dem Wasserschaden. Mir beim Umzug zu helfen. Nichts konnte er: weder sein Navi richtig programmieren (du weißt ja den Weg oder?) noch richtig Auto fahren (er wär fast in den Gegenverkehr gerast, hätte ich nicht laut aufgeschrien), noch bekam ich Mitgefühl (haha alle langweilen sich im Lockdown und du lässt es dir im Hotel gut gehen), noch anpacken (er nahm den leichtesten Gegenstand, meine Yogmatte und sah mich dann mit großen Augen an was er nun tun soll *erwüg!), in meiner Wohnung ist er der Trampel schlecht hin, macht Knicke in Teppich, schmeißt fast die Lampe vom Sockel und zerdeppert die Deko auf Balkon.
Um seine körperlichen Gebrechen kümmert er sich nicht, seit fast 2 Jahren müsste er sich dringend operieren lassen.
Er macht es sich bequem und sagt ständig von sich selbst: ich kann ja nichts, ich bin so doof, das konnte ich noch nie, ich Depp, ich Dödel, typisch ich mal wieder usw. DAS NERVT.
Wie ein kleines Kind. Null Verantwortung übernehmen und an der Flasche hängen. Jeden Tag trink er Alkohol.
Wie meine Mutter. Der musste ICH als Kind zeigen wie man den Busfahrplan liest, wie man eine Bewerbung schreibt, die sich auch immer blöder angestellt hat als sie war, keine eigene Meinung, keine Grenzen, auch sie habe ich verachtet, sie hat keinen Respekt eingefordert, sie hatte keine Würde. Sie hat auch keine Verantwortung für sich und für ihre Kinder übernommen, ich trug sie. Ich schaute dass alles halbwegs im Rahmen blieb, wurde immer stiller, damit nicht noch mehr Probleme da waren, war das superpflegeleichte Kind, dass sich um die Eltern kümmerte. Ich will das nicht mehr.

Wie J. Ich wiederhole meine Kindheitsgeschichte. Ich weiß nach jahrelangen Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alkoholikern, dass ich den anderen nicht ändern kann. Das wäre Kontrolle und Manipulation.
Ich muss was tun. Für mich! Ich kann mich selbst schon nicht mehr leiden und verfalle zunehmend selbst in allerlei Süchte. Ich habe schon wieder angefangen in der Literatur von AlAnon und EKA zu lesen.
Aber die Wut ist so heftig. Ich will jemanden verletzen, gemein sein, mich schädigen, Amok laufen…
Ich hoffe ich finde bald eine gesunde Lösung

Schweig!

Ich bin ja schon stolz darauf, dem Handwerker gesagt zu haben, dass seit er das letzte Mal da war, der Rollo so knallt und klemmt. Er meinte, ja das käme von der Scheibe (die er heute wechselte).

Später holte er mich (aus der Küche) und zeigte mir die verbogene Lamelle, die das scheppern und klemmen verursachte (ach jetz doch was anderes?). Er erklärte mir, dass das von dem Trichter, der ja nix tauge, der das in die Schiene einführt verbogen wurde und das sei schon länger so.

Ich so: „Nein das ist erst so, seit Sie sich voll gegen den Rollo gelehnt haben um ihn hochzuschieben, davor war ja nix.“

Er:“ ja vielleicht haben Sie das vorher nicht gemerkt.“

??? Echt jetzt? Ich mag von Rollos nicht viel verstehen, aber dass sein Gewaltakt da nicht gut war, dachte ich mir schon in dem Moment als er es tat. Ich kann logisch denken und sehen und kombinieren.

Aber ich komme aus einer Alkoholikerfamilie, da sagt man nicht dass die Mutter trinkt, man erwähnt den rosa Elefanten nicht, der da mitten im Wohnzimmer steht. Man schweigt und tut so als ob alles gut wäre.

Mühsam trainiere ich mir das ab. Zweifle, schaue skeptisch, schaue was mein Bauchgefühl dazu sagt.

Er beschwichtigte mich mit:“ Ich repariere Ihnen das.“

Ach nee, danke auch.

Zum Funktionstest durfte ich wieder ran. Und ich habs 2x getestet. Da zuckte der Herr Handwerker mal kurz neben mir. Und was seh ich? Er hat, genau wie sein Vorgänger, eine innere Abdeckung (die man später nicht mehr sieht) festgeKLEBT. Mit Band. Damals sagte er wortwörtlich: „Also wer als Handwerker schon mit Klebeband anfängt, kannste vergessen!“

Ich sehe das. Und schweige. Ein kurzer Satz hätte genügt: „Aber Sie haben das jetzt ja auch geklebt…warum?“

Aber ich komme ja auch aus einem Narzisstenhaushalt und da gibt es weitere Regeln: Stelle mich (also den Vater) niemals bloß! Zweifle noch nicht mal irgendwas an was ich tue oder sage! Kritisiere mich nie! (egal was für einen Scheiß ich fabriziere). Glaube nicht deinen Gefühlen (denn die hindern mich nur an meiner Machtausübung).

Ich schweige. Mein Mund ist festverschlossen. Es geht einfach nicht. Die Hürde ist zu hoch.

Kaum ist er bei der Tür draußen überfällt mich Wut. Nicht unbedingt wegen diesem Idioten. Sondern wegen mir.

Was ich auch noch lerne: Mich in solchen Situationen nicht selbst zu beschädigen (das kann vielfältige Formen haben).

Also noch ein Tag an dem ich üben darf gnädig mit mir zu sein.

Vor allem mich körperlich zu schonen. Ich bin so platt.

Es gibt diese Menschen…

bei denen ich trotz jahrelanger Therapie, vielen Selbsthilfegruppen (allen voran Angehörige/erwachsene Kinder von Alkoholikern) und noch mehr Selbstreflektion mithilfe ungezählten psychologischen Büchern, sofort in alte Verhaltensmuster falle. In meinem Falle in die Coabhängigkeit.

Zum Glück merke ich es inzwischen schon. Immer öfters auch rechtzeitig. Stoppen kann ich es noch immer nicht immer (aber damit mache ich mir vielleicht auch zuviel Druck).

Diese gewissen Menschen haben genauso gewisse Verhaltenweisen wie meine Eltern.

In letzter Zeit gab es da zwei Männer:

Da wäre H. Anfang 60 und Schwerstalkoholiker. Und ist hier stellvertretend meine Mutter. Selbes Alter, auch langhjährige Alkholikerin. Wir kennen uns von der Tafel und schakern und blödeln oft herum. Mir erscheint er oft wie ein Vorschulkind oder wahlweise ein Berufsjugendlicher. Nicht wirklich reif (das haben Süchtige so an sich). Trotzdem irgendwie ein lieber Kerl. Aber er hat mir schon viel versprochen und nichts, aber auch gar nichts davon wahr gemacht. Er schenkte mir nun seine Einkaufsgutscheine. Ich, als braves dressiertes Kind versuche weiterhin seine Aufmerksamkeit zu erhaschen (wenn ich nur alles mögliche für ihn tue, wird er mal seine Versprechen einlösen! Das hat schon bei meiner Mutter nicht funktioniert und wird bei keinem Alkoholiker funktionieren) überlege mir was ich ihm mitbringen könnte von dem Gutschein, obwohl er ausdrücklich und mehrfach gesagt hat, er brauche nichts! Ich überlege sogar ihn im Krankenhaus zu besuchen (viel Zeit und etwas Geld, letzteres ist derzeit eh sehr eng). Typische Coabhängigkeit: Viel zuviel Loyalität und viel zu viele gedankliche Verstrickung. Ich habe nun länger gebraucht um mich davon zu verabschieden. Habe ihm eine kleine Tüte gepackt und werde ihm sie geben, wenn er wieder zuhause ist. Mehr nicht! Mir selber diese Grenzen zu setzen ist wichtig, braucht aber viel Bewußtsein und aktives Nicht-tun, sozusagen.

Der andere ist der berühmte „Typ vom See“. Er, ein sehr charmanter, sehr gutaussehender schwarzhaariger Mann. Also wie mein Vater. Beide zeigen das selbe Verhalten: Unglaublich freundlich, großzügig und höflich, aber nur vordergründig. Sie kontrollieren sehr und spielen mit den Fäden das alles so abläuft wie sie es wollen. Hintergründig haben sie herzlich wenig Herz und schon gar keine Empathie. Zu ihrem eigenen Vorteil (und nur um den geht es!) schauspielern und manipulieren sie. Es zählt nur das Äußere, der schöne Schein, das gute Dastehen. Läuft etwas nicht nach ihrem Plan können sie blitzschnell gehässig, sadistisch und böse werden und haben sie dafür nur wenig Zeit weil z.B. auch gerade andere Freunde/Familienmitglieder da sind, genauso schnell wieder saufreundlich. Kommt nach der Honeymoonphase die ersten Abwertungen und Beschimpfungen kann man das nicht glauben, man meint man irrt sich. Schon wenige Tage später kann dieser ach so tolle Traummann einen kräftig ins Gesicht schlagen und an den Haaren ins Schlafzimmer zerren wo er sie dann vergewaltigt. Am nächsten Tag tut ihm alles unglaublich leid und das häßliche Märchen, das die nackte Wahrheit ist, nimmt seinen Lauf.

Es gibt von dieser Sorte „mieser Charakter“ Abstufungen. Die Vollzeitarschlöcher meide ich sofort. Ist aber jemand auch sehr aufmerksam verliebe ich mich Hals über Kopf und komme nur schwer wieder los.

Ich habe bei diesem „Typ vom See“ die ersten arschigen Anzeichen gemerkt und „lesen“ können und habe sofort meine Beine in die Hand genommen. Weg nur weg! Nichts anderes hilft da. Das weiß ich inzwischen aus sehr vielen leidvollen Erfahrungen.

Ich habe gesehen und selbst erlebt wie mein Vater mit Menschen und Tieren umgeht die ihn nerven, nicht passen oder verlassen wollen. Ich habe selber von so einem Arsch häusliche Gewalt erlebt und bin heimlich geflohen, damit ich das überlebe. Und das ist nicht übertrieben.

Das alles hält mich fast nicht davon ab, so einen Arsch wieder zu kontaktieren. Heute Nacht habe ich gleich zweimal von dem „Typ am See“ geträumt. Wobei ich den ersten Traum in den zweiten mit einflochte und somit am Morgen vollends verwirrt war, was nun Realität und was Sonstiges war. Aber am schlimmsten: ich war wieder voll in der emotionalen Schiene: Ich will zu ihm! Er ist so toll! Und warum haben ich all seine wundervollen Sprachnachrichten gelöscht? Am liebsten hätte ich die Blockade am Handy wieder aufgehoben.

Aber ich bin schlauer. Tue es nicht. Halt dich fern!

Das darüber schreiben und reflektieren half mir nun sehr. Nur für heute werde ich das Handy weit weg legen. Mir bewußt machen wieviel Schmerz ich schon durch habe und das von solchen Typen nichts gutes zu erwarten ist.

Nur für heute. Gute 24 Stunden.

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