Kleine Helferlein

Mich plagten jetzt seit einigen Monaten ständige Gedanken an Suizid. Mich quälte es zu denken: dass ich spätestens im Herbst aus diesem Leben gehen werde. Oft dachte ich: ach xy brauchste ja nicht mehr, nächstes Jahr gibt es dich nicht mehr. Oder: ach um das Problem brauchste dich auch nicht mehr kümmern. Ich dachte viel daran, wie ich es machen würde. Schrieb in Gedanken den Abschiedsbrief. Überlegte ob ich ein Testament schreiben wolle und solle. Ich fragte mich, warum man nicht selbstbestimmt den Tod wählen darf. Warum das so verpönt ist und unter allen Umständen vermieden werden solle. Im letzten Bericht steht: Patientin ist nicht suizidal! Ach wenn die wüßten. Aber genau das sollten die ja nicht, weil auf Psychiatrie hab ich erst recht keinen Bock.

Genauso wenig wie auf diesen Zustand, der keine Lebensqualität mehr hat.

Es war schrecklich. Dies alles zu denken war furchtbar. Der Zustand sowieso, aber auch, weil ich mir mal gesagt habe: wenn ich mich umbringe, haben die Tätet (hauptsächlich meine Familie) gewonnen. Also eigentlich wollte ich ja schon leben. Ein Doublebind. Oder auf deutsch: Eine Zwickmühle.

Tiefste Hoffnungslosigkeit gemischt mit Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit, körperliche Schwäche…grausam.

Der Winter war sehr lang. Sehr dunkel. Sehr grau. Klar schlägt das aufs Gemüt denke ich lapidar. Aber so ne lächerliche Winterdepression habe ich nicht. Bei mir liegt der Grund dafür tiefer. Schwerwiegende Kindheitstraumata. Ich dachte aber trotzdem so ein wenig drüber nach und recherchierte: bei zweien von drei meiner sehr ernst gemeinten Suizidversuchen war das einmal im November nach einem sehr regnerischen Sommer und einmal im Frühjahr nach einem sehr strengen Winter. Doch das Vitamin D? Ein Versuch ist es wert. Das Zeug ist sehr billig. Ich nahm die ersten Tage sehr hohe Dosen. Schnell auffüllen. Dazu Calcium-EAP (wird am besten aufgenommen) und Magnesiumöl über die Haut.

Vielleicht ist es Placebo, aber die ganzen Suizidgedanken sind weg! Komplett. Ich will weiterhin keine 100 Jahre alt werden, aber das quälende absolut nicht mehr leben zu wollen ist deutlich verblasst. Ich lache bei einer Fernsehshow wieder mit und mir gefallen wieder einige Lieder im Radio so dass ich sogar ein wenig mitwippe. Ich bin unendlich erleichtert! Ich werde Vitamin D jetzt immer nehmen.

Das Calcium hatte auch einen „netten“ Nebeneffekt. Ich wurde absolut tiefenentspannt. So dass ich gefühlt nur 8 Atemzüge in der Minute nahm, wo ich ja sonst eher in der chronischen Hyperventilation stecke. Ich meinte keinerlei Körperspannung mehr zu haben und das wo ich sonst immer höchst angespannt war. Ich schlief locker 10 Stunden und wachte morgends absolut erholt auf. So richtig nach tiefem Schlaf. Uiuiui. Und jetzt nahm ich eh nur 2 Tabletten pro Tag und nicht wie angegeben insgesamt 6 pro Tag (das wäre dann meine Vollnarkose). Dann fiel mir ein, dass auch das angstlösende Medikament die Calciumkanäle der Nervenzelle blockiert, so dass genügend Calcium drin bleibt, ebenso wird bei der akuten Hyperventilation also mit richtigen Verkrampfungen auch Calcium intravenös gespritzt. Ich mache jetzt erstmal Einnahmepause und werde dann mit einer oder halben Tablette tägl. Wieder anfangen. Leider ist nur der Körper entspannt, die sozialphobischen Gedanken weniger (kommt aber vielleicht/hoffentlich noch) . Aber immerhin, das ist Urlaub für meinen gestressten Körper der sooft und lange in der Hochspannung stecken bleibt.

Was ich eigentlich sagen wollte

Das wichtigste was ich gestern eigentlich schreiben wollte, hatte ich glatt vergessen. Dass die Angst bei mir als erstes kommt und dann erst die Depression. Habe ich Angst, grübel ich viel mehr (was hat der gesagt, was ich, warum hat der so reagiert und wieso ist die Nacht eigentlich dunkel, schaut der jetzt komisch, hab ich die richtigen Klamotten an, hab ich überhaupt was an?) das denken ermüdet. Mit viel Angst mache ich aber auch weniger. Ich hocke daheim, erlebe wenig positives, wenig aufbauendes, wenig Ablenkung. Ich bleibe also in meinem Gedankenkarrussel gefangen. Irgendwann komme ich zu dem Schluß dass eh alles doof und umsonst ist und ich eigentlich liegen bleiben könnte. Hallo Depression.

Das die Angst bei mir zuerst ist, erkennt man auch daran, dass ich eigentlich schon Bock habe, was zu machen, die Motivation und der Antrieb sind da! (also im Moment nicht, weil ich zu weit abgerutscht bin).

Habe ich keine Angst (oder nur die normale) bin ich gut gelaunt, mache was, suche mir neue Ziele und gehe auch drauf zu.

Die Angst ist bei mir ein sehr großes Problem.

Ich habe den krassen Unterschied zu Angst vs. keine Angst 4 Wochen lang mit dem Medikament Pregabalin (Lyrica) erlebt. Das Paradies! Ein ganz neues Leben tat sich mir auf! Leider dämpfte es nach einigen Wochen nicht nur die Angst sondern alle Gefühle. War auch mal eine interessante Erfahrung, aber auf Dauer auch doof. Auch hatte ich kurz vor dem aufwachen immer übelste Halluzinationen, so dass ich hochgeschreckt bin. Das Absetzen war ganz und gar nicht lustig, weil ich sehr sehr aggressiv wurde und das auch an den Leuten ausgelassen habe.

Die Angst, mein ständiger Begleiter…

Am Anfang…

war die Angst.

Gestern habe ich diesen Artikel gelesen:

https://butterblumenland.wordpress.com/2016/04/06/hohe-kompensationsfaehigkeit-fluch-oder-segen/

und war dann erstmal ziemlich platt. Weil ich das 1:1 auf meine Angststörung vor allem der sozialen Phobie übertragen kann. Es gibt Zeiten da „funktioniere“ ich wunderbar. Menschenkontakt? Kein Problem. Ich geh mit Freunden essen, hocke bei der Nachbarin zum ratschen, bin viel unterwegs, arbeite auch viel (teilweise ja unter Beobachtung was Sozialphobiker extrem stresst), fahre mit der Bahn…

Ich kann auch sehr gut kompensieren. Das verbraucht sehr viel Kraft.

Und dann gibt es die anderen Zeiten (wie derzeit). Jedes außer Haus gehen ist schwer. Selbst zum Briefkasten, könnt ja einem Nachbarn begegnen, hasse es zu telefonieren, kurze Wartezeiten an der Kasse machen mich extrem hibbelig bis rasend, ständig unter Hochspannung, ständig dieses diffuse Bedrohungsgefühl, ich atme nur oberflächlich und auch nur ganz weit oben, Bauchatmung? Ich hab nen Bauch? Pure Erleichterung durchströmt mich als mir ein Arbeitstermin abgesagt wird. Alles ist zuviel, ich bin sehr erschöpft.

Einerseits bin ich froh, dass ich manchmal so agieren kann, als ob nichts wäre. Weil ich dann einfach mehr raus komme, was erlebe (auch positives was ja für den Selbstwert auch nicht unerheblich ist!), habe Spaß am Leben usw….aber ich muss mir das im Bewußtsein halten, dass es auch sehr viel kostet, das Ganze einen hohen Preis hat.

Manchmal geht mir diese Kompensation so in Fleisch und Blut über, dass ich sogar meine Therapeutin anstrahle und meine, dass das alles ab sofort kein Problem mehr ist. Und sie mir glaubt.

Derzeit also kein überspielen und kein wegdrücken und kein nicht wahrhaben wollen. Sondern Angst, Anspannung, Hoffnungslosigkeit, keine Konzentration, Müdigkeit…soviel….

Also wieder kleine Schritte. Viele Pausen. Sehr viel zuhause sein. Ich versuche mich nicht dafür zu verurteilen

verrückt oder genial

Mich hat damals der Film Melinda und Melinda sehr beschäftigt. Darin wird eine Frau gezeigt wie sie ihr Leben lebt und das alles recht heiter auffasst. Dazwischen wird wieder dieselbe Frau gezeigt nun jedoch von der tragischen Seite. Liegt es wirklich nur im Auge des Betrachters. Liegt es im eigenen Ermessen wie etwas IST. Können wir die Seiten wechseln?

Heute passt dieser Tag sehr gut zu diesem Film. Ich hatte heute Morgen den engültigen Entlassungsbrief aus der Klinik bekommen. Wenn ich es nicht schon wüßte, wäre es nun eindeutig: ein Fall für den Psychiater! Stark ängstlich, unsicher, mißtrauisch, emotional instabil, weinerlich, berentet, weitere ambulante Therapie dringend angeraten…

Dann quatsch ich mit einer Bekannten. Ich hatte grad gute Laune und war fit, ich erzählte ihr so von meinen neuen Ideen und hoffe, dass es neue Projekte in meinem Leben werden, außerdem von den neuen Jobs und dem abservierten Kerl letztens undso. Sie staunt: „was du alles machst! Du bist echt legendär!“

Äh. Ja.

Genie und Wahnsinn

liegen nah beieinander.

Alleine verreisen

Gerade war ich 5 km spazieren, im Regen, nachdem ich 2 Nächste kaum schlafen konnte und mir einfiel: äh vielleicht hast jetzt auch mal echt genug gepennt und brauchst Bewegung? Und dem war so. Der Kopf ist wieder frei und ich hab mir so meine Gedanken gemacht:

Nachdem ich gestern meine Bahnfahrkarten kaufte (dank Gutscheinen ect. günstig und mit Sitzplatzreservierung und 1. Klasse *freu*) dachte ich ein wenig über das Reisen nach.

Früher bin ich nur mit Freund/Freundin verreist, ganz früher auch mit Familie wobei sich das arg in Grenzen hielt. Nachdem ich mich 2012 von der Familie sehr distanzierte, stand die Frage im Raum: Wie Weihnachten verbringen? Mir war schnell klar: Wegfahren! Aber allleine? Mit einer Angststörung ist der normale Alltag schon aufregend genug, erst recht wenn sowas besonderes wie eine Reise dazu kommt. Also fing ich ganz klein an: Mietete mir eine Ferienwohnung, da konnte ich mich selbst versorgen. Und es war innerhalb von Oberbayern. Nur nicht überfordern. Es war toll! Ich fühlte mich sehr stark, das ich das schaffte! Es machte Spaß! Immerhin genieße ich es sehr, wenn ich Neues sehe und erlebe. So machte ich das immer weiter, mein Radius erweiterte sich stetig aber langsam. Nicht nur zu Weihnachten war ich unterwegs. In einem Herbst traute ich mich nach Hamburg. Später auch an Ost-und Nordsee. Tolle Sache! Aber immer Selbstversorgung. Alleine ins Kino gehen, kein Problem, alleine essen gehen dagegen sehr…

Jetzt im Herbst war ich ja für 1 Nacht in Straubing, im Hotel. Und es tat soooo gut. Endlich nicht einkaufen/kochen/aufräumen müssen.

Wie soll mein zukünftiges reisen aussehen? Denn das einfach so verreisen, alleine in der Ferienwohnung wird mir langsam zu fad. Die Idee das mit Haus/Tiersitting zu verbinden bietet schonmal Abwechslung, aber bringt wieder Verantwortung und Arbeit mitsich, was dazu führt, dass ich mehr in die Coabhängigkeit wieder rutsche…

Gestern abend kam mir die Idee, dass ja meine Krankenkasse auch was anbietet: Präventionsreisen. Kurzurlaub in Hotel mit verschiedenen Anwendungen (ala Kur) mit Zuschuß bis zu 160,-Euro.  Ich schaute mir die Angebote an, da gefiel mir schon z.B. 3 Übernachtungen im Bayrischen Wald mit Therme, Massagen ect. für 219 Euro (Zuschuß schon abgezogen). Das wär doch was fürs nächste Jahr! Und das Problem mit dem Speisesaal/Restaurant? Auch da gibt es Möglichkeiten: Halbpension nehmen, mir erlauben eine ruhige Ecke zu suchen, mich mit Handy, Zeitung ect. abzulenken, 1/2 Tavor/starke Baldrian nehmen, oder wenn gar nix mehr geht, geht immer noch die Leberkässemmel vom Metzger ohne das als Vollversagen zu bewerten.

Könnte spannend und schön werden…aber auch eine Herausforderung.

PS: ich hatte auch schonmal eine Auslandsreise gebucht, aber das stornierte ich wieder, war wohl doch noch nen Schritt zuviel, da so alleine…

Körperreaktionen

Es ist ja nicht so, dass ich mich nur daheim verschließe. Im Gegenteil ich treffe mich sogar mit fremden Leuten. Heute traf ich das erste Mal eine Bekannte mit der ich seit paar Jahren schreibe. Wir lernten uns über eine Anzeige kennen, in der es um chronische Krankheit/neue Leute kennenlernen ging. Da sie derzeit im Krankhaus liegt, dachte ich ich besuche sie da mal. So weit so gut. Mit der Ubahn gab es aber Probleme, ich musste ein wenig anders fahren, ich verspätete mich um 10 Minuten. Eigentlich kein Ding, ich kenne mich mit den Münchner Verkehrsmitteln sehr gut aus UND ich kann auch einen Streckenfahrplan lesen. Ich schrieb ihr ne SMS, dass ich mich verspäte. Eigentlich kein Problem. Innerlich lief ich aber heiß. Denn zu alledem musste ich ja auch noch in einem Großstadt-Krankenhaus ihr Zimmer finden. Es war Streß pur. Da hilft kein gutes zureden, dass ich das ja könne und sehr selbstständig bin und das schon finde. Irgendwie falle ich da in ein Kindalter. Indem ich für meine Eltern mitschauen musste. Oder allein Bahn fahren musste und überhaupt wenig Unterstützung, Fürsorge bekam usw. Ich hab das damals als 12 (?) jährige schon geschafft. Warum also nicht heute mit 38 Jahren auch?

Mein Unterbewußtsein läuft Amok. Ich bin hektisch, meine Gedanken rasen, ich bin total gereizt und ungeduldig. Wie sowas auflösen? Mit einer Gesprächstherapie komm ich da nicht weiter. Da müsste was anderes her, was anders ansetzt.

Ich war also bei der Bekannten, es war recht nett. Nur dass ich angespannt wie ein Flitzebogen war. Ich verabschiedete mich nach kanpp einer Stunde und fuhr weiter zu A. der in seinem Trödelladen zu *coffe-to-bleib-da* geladen hatte. Worüber ich mich sehr freute und auch gerne hin wollte. Es waren immer so (teils wechselnd) 4-6 Leute da, man plauderte, man sah sich im Laden um oder kraulte die Hunde. Trank Kaffe, Sekt oder Tee und knabberte Süßes oder Salziges. ECHT NETT. Nur dass ich wieder etxtrem verunsichert war, und wieder hochgradig angespannt. Schade. Das kostet mich soviel Lebensenergie.

Im Kopf denke ich mir gar nicht: oh was werden das wohl für Leute sein, hoffentlich tut mir keiner was…aber mein Körper schreit! Gefaaahr! Gefaaahr!! Alle Kräfte mobilisieren, alles auf Kampf oder Flucht! Adrenalin her! Aaaahhhh.!!! Vor vielen Jahren wunderte ich mich warum ich doch bei was eigentlichem Schönen (einer Kaffeeeinladung einer Bekannten) so voller Panik nur noch absagen konnte. Eine liebe Freundin, selber Angstpatientin meinte dann: Lieber einmal zuviel Panik schieben…(meint der Körper, das Unterbewußtsein)…lieber schonmal vorneweg in Habachtstellung gehen…lieber absagen, das ist sicherer…

Heute habe ich nicht abgesagt, ich bin zu beiden Verabredungen gegangen, inkl. Bahnstörungen habe ich das gut gemeistert. Sage ich jetzt mal so. Fühlen kann ich das nicht. Im Gegenteil ich mach mich runter: was stellste dich denn da immer so an? War doch schön. Und der absolute geht-gar-nicht-Satz:“War doch gar nicht so schlimm!!!“

Doch, es war schlimm. Mich macht das traurig.  Es bleibt ein Kampf. Alles. Das ganze Leben. Die einfachsten Dinge.

Soziale Phobie vs. Berufstätigkeit

Ich stecke immer wieder in der alten Zwickmühle fest: Ich möchte gerne mehr (machen), kann aber nicht, weil mich massivste Ängste daran hindern.

Es gibt ein sehr gutes Medikament, dass gegen die generalisierte Angststörung gerne verschrieben wird: Lyrica (Pregabalin). 4 Wochen lebte ich im Paradies. Da merkte ich erstmal mit WIEVIEL Anspannung und Ängsten ich so im normalen Alltag unterwegs bin! Krass. Leider schlug es dann um in Apathie. Da hab ich lieber Stimmungsschwankungen als diese Gleichgültigkeit. Das Absetzen war nicht ohne. Es ging nur in Minischritten. Aber ich habe es geschafft.

Ständig voller Streßhormone zu sein, ist nicht gesund. Es schlaucht. Ich muss mich mittags fast täglich für ca. 1 Std. ins Bett legen. Nachts schlafe ich zwischen 8 und 10 Stunden.

Ich gehe einkaufen, telefoniere, treffe mich mit Leuten, fahre mit Bus und Bahn. Aber alles mit immenser Anspannung. Weil ich es erlebt habe, was mir sonst blüht: Mein Vater ging 15 Jahre kaum aus dem Haus und wenn er mit dem Auto fuhr dann blieb er auch in diesem sitzen. Verwandtschaftsbesuche, einkaufen, Elternsprechtag usw. ging alles nicht. Vermutlich habe ich da schon eine Veranlagung von ihm vererbt plus komplexe jahrelange Traumatisierungen durch nahe Bezugspersonen lassen so eine massive Angststörung nicht einfach durch Konfrontation verschwinden. Im Gegenteil. Dann wirds nur schlimmer.

Ich halte die Maske „draußen“ aufrecht. Ich plaudere scheinbar locker und elloquent mit den Leuten. Aber vermutlich sende ich zweierlei Signale aus: einerseits locker aber die Anspannung ist ja auch spür-sichbar. Das verwirrt den anderen. Er weiß nicht auf was er „hören“ soll. Hält Abstand.

Ich war nie länger als 1,5 Jahre bei einer Arbeitsstelle. Dann musste ich wechseln. Für mich war das immer der Zeitpunkt, wo mir alles zu nah war. Jetzt kennt man mich. Jetzt verzeiht man mir keine Anfängerfehler mehr. Ich bin nicht mehr stark genug die Maske aufrecht zu erhalten. Zu zeigen wie ich wirklich bin, wäre wie der Gang ins Tigergehege. Gefühlt. Also abhauen. Ist sicherer. Meist folgte dann auch erstmal eine Krankschreibung, weil ich so am Ende und kraftlos war. Depression ist auch ein Schutz, vor weiterer Überforderung!

Sozialtherapeutische Arbeitsstätten kommen mir immer wieder in den Sinn. Ich schau mir die im Netz an. Einige finde ich sympathisch, auch das Aufgabenfeld würde mich interessieren. ABER da bin ich noch mehr unter Beobachtung. Da ist von vornherein klar, dass ich Probleme habe und dass dann andere wieder weidlich ausnutzen können. Ich fühle mich in den sogenannten „geschützten“ Stellen total ungeschützt.

Ich gehe immer wieder hinaus, in die Höhle des Löwen, weil ich im Grunde ein lebenslustiger Typ bin, der gerne was unternimmt, die Welt kennenlernt, was Neues erlebt. Das will ich mir erhalten. Auch wenn ich nur noch mit Medikamenten schlafen und mich entleeren kann. Auch wenn ich mich 2x am Tag umziehen muss, weil alles durchgeschwitzt ist, auch wenn ich mich täglich neu überwinden muss….

Tolle Bilder zu dem Thema „psychische Krankheit“ hab ich heut gefunden:

https://www.instagram.com/explore/tags/wieessichanf%C3%BChlt/

 

 

Alkoholkinder

In der Serie *Menschen hautnah* gibt es nun eine Folge über Alkoholkinder. Kinder und Erwachsene die das FAS ( fetalen Alkoholsyndrom) haben. Aufgrund meiner eigenen Geschichte war ich sehr interessiert daran mir das anzusehen. Ich habe zwar dieses Syndrom zum Glück nicht, aber genug andere Auswirkungen auf mein Leben aufgrund einer Mutter die seit ihrer Jugend alkoholsüchtig ist. Lange war ich bei den *Erwachsenen Kindern von Alkoholikern* einer Nebengruppe der Anonymen Alkoholikern die mithilfe des 12-Schritte-Programms trocken werden und bleiben wollen.

Ich finde diese Frau im Film sehr mutig, sich so offen mit ihrer Geschichte zu zeigen. Aufgehorcht hatte ich als sie meinte:

Man kann nur versuchen, damit klar zu kommen und seine Ziele nicht mehr so hoch zu stecken um dann nicht wieder so tief zu fallen, weil man seine eigenen Ziele/Ansprüche nicht erreichen kann…

Mein Thema. Da ackert und tut man und doch scheint ein normales Leben nicht möglich zu sein. Soviele Einschränkungen. Ängste, Trigger, erneute Verletzungen, zuviel Rückzug, starkes Kontrollbedürfnis, starke Schwankungen in Energie und Stimmung und überhaupt.

Soll ich jetzt also stolz drauf sein, dass ich wenigstens meinen Haushalt super in Schuß halte, fast täglich frisch koche (kaum Fertigprodukte), meine Termine einhalte, meine Schulden größtenteils abbezhalt habe, keine neuen Mahnungen eintrudeln, auch Körperpflege kein Fremdwort für mich ist, ich das rauchen aufgegeben habe und das saufen nicht angefangen? Dass ich mich nach einer Zwangsräumung der Wohnung wieder gut berappelt habe? Keine Vorstrafen noch niemals Punkte in Flensburg hatte? Keinen gesetzlichen Betreuer brauche? Auch keinen Fahrdienst? Für mich ist das alles selbstverständlich…aber vielleicht sollte ich das doch ein wenig mehr würdigen…ich weiß es nicht, ich weiß aber, dass ich mehr will, als das rumkämpfen mit Traumafolgestörungen, in dem es nur ums „irgendwie überleben“geht.

Und wenn ich nochmal lese: Depressionen sind gut behandelbar…dann dann…weiß ich auch nicht. Natürlich sind Depressionen BEHANDELBAR. Davon lebt eine sehr große Industrie und das nicht mal schlecht. Behandelbar sind auch Aids und Krebs und Fußpilz. Aber auch mit GUTEM Erfolg? Darum gehts doch. Ich glaube alle beten dieses Mantra stetig herunter weil sie zu feige sind zu sagen: Wir haben keinen blassen Schimmer, wir wissen nicht woran es liegt und was man tun kann. Wir sind machtlos. Und hilflos.

Hmm…

Ich bin heilfroh, weniger unter Ängsten zu leiden. Vor allen den sozialen. Ich bin lockerer draußen unterwegs, ich *scheiß* mir weniger, sehe andere und mich eher auf Augenhöhe als total über-oder unterlegen. Ich sage was ich denke (öfter nicht immer, das wär jetzt auch wieder nervig) aber noch viel eher spüre ich was für mich richtig oder falsch ist, was ich will. Ich kann meine Umgebung eher ausblenden und nicht ständig im höchsten Alammodus unterwegs sein.

Das hat aber auch „Nachteile“. Weil die ganzen Streßhormone weniger sind kommt gefühlt das depressive durch. Auch wenn ich meine, dass das im Moment auch zu gut 50% von Magen-Darm-Geschichte kommt. Aber ich bin sehr schlapp, habe gefühlt keine Muskeln mehr, schlafe viel. Ok denke ich, draußen kübelts seit Stunden was gibt es besseres? Aber die Laune ist halt auch so mies drauf. Und was mich wundert, was ich nur von früher kenne: bei der kleinsten Belastung: Muskelkater. Mir tut von der Physio gestern mein ganzer Oberkörper sauweh.

Vielleicht hätte es mir gut getan mich heute doch mit einem Bekannten zu treffen, anstatt abzusagen. Hätte,hätte Fleischwolf. Das Essen hätt ich eh nicht genießen können. Und ich will ihm im Moment auch nicht meine wahre Seelen/Lebenslage offenbaren.

Das andere ist, dass ich mich irgendwann eingeschossen habe, dass wenn es mir schlecht geht, ich nur das richtige nehmen müsse: Nahrungserzänzungsmittel, richtiges Essen, Medikamente.

Dass es in meinem Leben einfach grad sehr sehr wenig tolles gibt, was mich aufbaut, erfreut, mir was gibt usw. spielt vielleicht auch eine wichtige Rolle, als nur Magen-Darm. Die Kraft was in mein Leben zu holen, was toll ist und mich aufbaut usw. habe ich im Moment nicht. Ein Teufelskreis. Was tun…Liegen bleiben? Weiterschlafen?

Da dass auch meinen Kreislauf runterzieht habe ich mich für einen Film entschieden (Games Night, ganz nett….) und jetzt für ein eher unverträgliches, dafür tröstendes Essen aus meiner Kindheit: Grießbreit mit Zimt und Fruchtcocktail aus der Dose.

 

A.N.G.S.T

Wie gesagt bin ich ja seit einigen Monaten dabei bewußt zu merken, mit wieviel Angst ich so tagtäglich unterwegs bin. Und zwar im normalen Alltag und nicht wenn was spezielles wie ein Tagesklinikaufenthalt, ein Vorstellungsgespräch oder ein Zahnarztbesuch ansteht.

Ich weiß noch als ich in der psychosomatischen Klinik in Wolfsried war. Es war Vorstellungsrunde und der blonde Hüne neben mir meint: ich hab eine soziale Phobie (allein das reichte um mich sofort in ihn zu verlieben). Das kannten die wenigsten und fragten immer mal wieder nach. Und ICH gab die Antwort. Ohne den blassesten Schimmer, dass ICH das ja auch haben könnte. Wunderte mich allerdings, dass ich bei meinen meisten Wortmeldungen (vor allem in großer Runde ala Gruppentherapie) nur so von Weinkrämpfen geschüttelt wurde vor lauter Streß, oder mich 3x am Tag umziehen musste weil alles durchgeschwitzt….

Ich schaffe meinen Alltag, ich erscheine souverän, ich gehe hinaus, aber immer mit einer immensen Kraftanstrengung. Die ganze Angst zu unterdrücken, zu überspielen kostet wahnsinnig viel Kraft. Im Freibad nahm ich die kürzesten Wege vom Liegeplatz zum Wasser, ich kann abschalten und funktionieren, sowie aber 5 Leute neben mir lagen packte ich meine Sachen, am See liege ich in einsamen Nischen, nie auf der großen Liegewiese. Allein vorhin das Altpapier und Verpackungszeug zu dem ca. 80m entfernten  Wertstoffcontainern zu bringen: starke Nervosität, starkes Bedrohungsgefühl und der Wunsch: einfach nur heim oder zumindest unsichtbar werden.

Ich spüre oft tagsüber eine Art brainfog-Gehirnnebel, etwas Tunnelblick und als ob ich nicht richtig da bin…gegen späten nachmittag/abend löst sich das und ich werde sehr wach (für kurze Zeit) und es ist als wäre ein Licht im Kopf angegangen. Lange habe ich gesucht was das sein könnte, bei der Nebennierenschwäche wird das zwar beschrieben, aber irgendwas passte dann doch nicht. Meine neue Theorie fühlt sich (leider) etwas stimmiger an: der Tag macht mir viel Streß und gegen Abend muss ich nichts mehr leisten, der Tag ist rum, bald kann ich ins Bett, wo es eh am besten ist….

Dass der Neurologe letztens meinte, er wisse nicht was er mir medikamentös da geben könne, macht das ganze Dilemma noch schlimmer.

Natürlich musste ich mir die Sendung: Nur keine Panik ansehen:

Ich kann denen so sehr nachfühlen…

https://www.zdf.de/dokumentation/37-grad/37-grad-nur-keine-panik-100.html

Kirsten Armbruster

Naturwissenschaftlerin - Patriarchatskritikerin - Denkerin - Publizistin - Mutter

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Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer. Antoine de Saint-Exupéry

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Amat victoria curam