Wochenrückblick 14. August 2022

– Arbeit: mal wieder Großauftrag: Endreinigung einer 3-Zimmerwohnung, allerdings ohne Fenster putzen. War trotzdem viel, aber ich war fit und gut gelaunt, die Auftraggeberin eine sehr nette, höfliche Frau die auch sehr dankbar für meine Hilfe war und das auch gut honorierte. Sie fragte natürlich gleich ob ich bei ihr als Haushaltshilfe anfangen möchte. Ich habe abgelehnt, mit der Begründung das ich ungern in Haushalte gehe, das ist mir zu nah. Offen und ehrlich es MIR eingestehen, aber auch dem anderen das so sagen. Sie konnte das total verstehen und sagte OK! War interessant.
Der Einsatz tat gut, auch wenn ich danach natürlich ko war, aber das war ein angenehmes ko und innerlich war ich sehr zufrieden.

– Arbeit Teil 2: Zweimal in einer neuen Ferienwohnung gewesen. Gut zu erreichen, schöne Wohnung, auch die Kundin sehr nett und dankbar, aber sehr sehr weich, fast schon unterwürfig.. Und mir wurde bewußt wie ICH Tätergedanken bekam. Weil sie, kaum war sie weg, via Whatsapp schrieb, wenn ich länger brauche, würde sie mir das Geld sofort überweisen, hat sich auch tausendmal bedankt, sie machte sich selber klein! Der könnte ich glatt sagen ich hätte 4 Stunden gearbeitet, obwohl ich nach 2 Std. schon wieder ging. Oder: wenn die über was mosert, is mir das egal, DIE nehm ich nicht ernst. Dann gabs paar selbstgemalte Bilder in der Wohnung mit ihren Initialien: aha war wohl mal in ner Psycho-Klinik. Natürlich arbeitete ich ordentlich und war ehrlich, aber ich war viel entspannter, weil ich wie gesagt, vor der keine Angst oder irgendwie Respekt habe! Das ist interessant, wie sich das anfühlt, wenn der Gegenüber so „schwach“ ist, wie es ein leichtes wäre da jetzt „drauf zu hauen“. Das ist natürlich keine Einladung und keine Entschuldigung für übergriffies, mieses Verhalten, aber ich sehe auch, dass es immer zwei Parteien dafür braucht. Und ich sage nicht Verantwortung!
Es ist wie mit eine Wohnung, wenn ich die Fenster offen lasse und dann in den Urlaub fahre, lade ich quasi Einbrecher regelrecht ein. Ich trage meinen Teil dazu bei.
In der Psychoklinik in der ich war, wurde das Bild des Vorgartens genommen. Drumherum ist im besten Falle ein Zaun (Grenzen!) und eine geschlossene Türe. ICH entscheide ob ich mich mit anderen nur am Zaun unterhalte, oder an der geöffneten Tür  oder ihn in den Garten bitte oder gar in mein Haus. Das kann man klar sagen: komm doch rein oder auf vielen anderen Wegen kommunizieren: nicht rein bitten, Arme verschränken, viel lächeln, Kopf schräg halten oder bin ich geschwätzig/wortkarg usw, ich entscheide auch wie hoch der Zaun ist: nur kniehoch oder schulterhöhe…usw.
Ich muss auch immer wieder an meinen Grenzen arbeiten. Und da fällt mir noch ein Satz ein: Lieber gefürchtet als verachtet.
Das hab ich gleich geübt:

– sei nicht nett! Also zumindest nicht zu Menschen, die das nicht schätzen und nicht verdienen. Ich weiß, dass dieser eine Typ kifft, Medikamente mißbraucht und viel im Spiel/Wettbüro abhängt, also evt. noch spielsüchtig ist. Wir hatten was vereinbart und 2x kam er nicht. Aus die Maus. Ich wurde abweisend, ließ ihn stehen. Da kann er noch 100x sorry sagen. Ich geb nicht mehr viel auf Worte. Sondern mehr auf Taten/Verhalten. Soll er ruhig merken, dass ich sauer bin und das nicht mit mir machen lasse. Ja dann ist Konfrontation, ja dann ist schlechte Stimmung. Ich hab das früher nicht ausgehalten und wurde schnell wieder nett und auch unterwürfig! Nein, jetzt nicht mehr. Es muss mich nicht jeder toll finden oder lieb haben.

– Zyklus: Nachdem mir ja das Lyrica wieder den Zyklus zerschossen hat, und es auch von der Wirkung nicht mehr so gut war wie beim ersten Mal (bzw. ich hätte mehr aufdosieren müssen, aber das damalige absetzen mit extrem langsamen abdosieren war so krass, das will ich nicht nochmal). Nun hab ich wieder nen normalen Zyklus. Pünktlich und so wie ich es kenne (mit den Symptomen, Begleiterscheinungen und nicht ständig einem anderen Überraschungspaket, das kann ich echt nicht gebrauchen).

– wenn der Ex sich meldet: Ich hatte zwar seine Nr. aufm Handy blockiert, was er wahrscheinlich auch merkte, aber anscheinend nicht akzeptierte, denn da kam er einfach mal vorbei und klingelte. Und hatte mir vorher noch nen Zettel ins Briefkasten geworfen. War wahrscheinlich was ganz dringendes. Nach ein paar Tagen Überlegung und einige Nachrichten später fühlte ich: nein, ich will da nix mehr anfangen. Das war immer so chaotisch und der endgültige Abschied von ihm so schmerzhaft und schwierig, nein da geht nix mehr. Also schrieb ich ihm, das ich ja nen Grund hatte warum ich seine Nummer blockierte, weil ich diese Achterbahnfahrt nicht mehr will und auch zuviel kaputt gegangen sei und ich dabei bleibe und mich verabschiedete. Da kam relativ schnell nur ein HÄ? zurück. Ich schwieg. Soll er mal sein Hirn anstrengen. Nach 3 Stunden kam dann: Es sei ja meine Achterbahn gewesen und nicht seine und er wolle nur mal schauen wie es mir geht und mal bitte schön locker bleiben….
Oh Gott. Das war mit ein Grund warum ich den nicht mehr in meinem Leben haben will. Diese verquere, schräge Kommunikation. Klar er fühlte sich getroffen, zurückgewiesen. Ich schrieb ja nicht dass es seine Achterbahn war, ich gab ihm ja gar keine Schuld. Ich war damals auch kein Lamm. Egal welchen Achterbahn es sei, ich will sie einfach nicht mehr!!! Das spüre ich so deutlich, das drücke ich nicht mehr weg um lieb zu sein!! Das er nur mal schauen wolle wie es mir geht, das glaube ich nicht, irgendwas wollte er schon: Sex, Aufmerksamkeit, Putzhilfe ect. Ich solle mal locker bleiben? Ich war sowas von locker und nachdem ich seine Nachricht las, diese löschte und seine Nummer wieder blockierte wurde ich gleich NOCH VIEL lockerer. Ich atmete regelrecht auf: Nicht wieder dieser Streß mit dem!  Verantwortung für mich übernehmen. Klarheit. Entscheidung treffen. Tut so gut.

– gelesen: mach ich zur Zeit wieder sehr gerne: Lesen! Hatte ein Lesebuch von unterschiedlichen Schrifstellern: kleine Geschichten, Erzählungen ect gefunden. Es ging sehr viel um Cechov, dem bedeutenden russischen Schrifsteller. Ich las paar Sachen von ihm und dacht mir echt: mei wieder so ein Kerl der ganz furchtbar aufgeblasen wird. Er schreibt normale Geschichten. Nichts besonderes Fertig. Aber nein, da muss man wunderwas draus machen, wie toll und kreativ und überhaupt der war. *augenverdreh

– Schwerbehindertenausweis: der neue kam heute an. Unbefristet gültig. Wieder dieses seltsame Gefühl, einerseits natürlich erleichtert, weil wieder ein Ding weniger um das ich mich kümmern muss, andererseits der schale Geschmack…nunja.

– bei mir sein: macht echt Spaß! Wieder zu merken: oaahh Schokopudding hat ich ja schon ewig nicht mehr! Und Rouladen! Und abends aufm Balkon nen Hugo trinken und träumen und keine Anspannnung und keinen Streß spüren und kein ich müßte und sollte und darf mich NICHT entspannen, was zur Hölle machst du da schon wieder verbotenes, übrigends du hast dich schon lange nicht mehr geschämt und schuldig gefühlt…wär mal wieder dran oder..ODER???? Nein einfach ein: Mir gehts gut und das ist gut so. 🙂

– Was mein Leben reicher macht: Frische, selbstgemachte, kühle Bananenmilch mit einer Prise Zimt, dazu Mano Chao als Musik und das ganze in der Sonne aufm Balkon (am Boden sitzend weil mich da keiner sieht). Quasi Miniurlaub!

– Zitat der Woche (bei Twitter gelesen): „dass ich ein neues Lebensziel brauche und zwar: dass es mir gut geht. Anfänglich klang das total simpel und schräg und ich nahms nicht ernst. Aber mittlerweise ordne ich alles diesem Ziel unter. Denn wie mein Therapeut sagt: wenn es ihnen nicht gut geht, geht alles andere auch bergab.“
Mensch das muss einem doch gesagt werden…aber gut, wenn man nie Selbstfürssorge lernen durfte, sondern drauf gedrillt wurde sich ausschließlich um andere zu kümmern (und zwar als Kind um die Erwachsenen!!!) is das irgendwie auch nicht verwunderlich

– Affirmation des Tages: Ohne Frage beschleicht mich das Gefühl, dass ich soviele Stärken habe, sodass selbst Hulk neben mir schwach aussieht! :-))))

Wendepunkt


Es geht mir gut. Ich fühle mich wieder wohler. Ich bin wieder gut bei mir angekommen.
Dennoch immer wieder erschreckend, wie schnell ich mich im Kontakt verliere und ins alte Muster falle: ich kümmer mich um dich und du dann um mich. Dann passieren üble Verstrickungen, Projektionen, ob bewußt oder unbewußt, ich fühle mich schräg, ohne Selbstwert, falle in kindliche Anteile usw…Puh.
Dann brauche ich wieder viel Abstand-bis Kontaktabbruch und es geht wieder von vorne los. Mit manchen Menschen/Beziehungen heftiger, bei manchen schwächer ausgeprägt.

Ich habe wieder die Verantwortung für mich übernommen und überlasse die andere Verantwortung bei den anderen. Sind ja alles erwachsene Menschen (und auch kein pflegebedürftigen ect.).
Aufatmen. Lächeln. Die Kraft strömt wieder zu mir. Ich habe wieder Lust was zu machen.
Gestern war dann ein voller Tag. Das war auch in Ordnung so, ich habe mir die Termine ja selber gelegt. Ich nahm ein leichtes unterstützendes Medikament und war somit gelassener. In der früh ging es zu einer unbekannten Ferienwohnung samt Besitzerin. Das lief recht gut, Folgeauftrag für die Reinigung ist gegeben. Dann fuhr ich wieder heim um nachmittags nochmal los zufahren, diesmal in die Uni für eine Studie. Nach ewig langer Zeit endlich mal wieder vor Ort. Dort musste ich 40 Minuten lang bestimmte Bewegungen ausführen, natürlich unter Beobachtung (für Sozialphobiker echt schwierig). Die Sudienleiterin war sehr nett, es war anstrengend, aber da ich mich auf die Abfolge konzentrieren musste, blieb nicht soviel Raum für die Angst. Insgesamt war ich gestern 3,5 Std. in der Bahn unterwegs, plus die Jobs, plus Konversation mit fremden Menschen, plus die Hitze, aber alles funktionierte gut. Ich sorgte für mich: In der Bahn Musik in den Ohren damit ich abgelenkter bin, Pause im Park, in der Mittagspause ne Dusche, leichtes Medikament.
Ich habe wieder was geschafft. Ich habe was geleistet. Ich hatte einen guten Tag. Ich habe mein eigenes Geld verdient.
Und jetzt kann ich den freien Tag so richtig genießen. Mit Schlaf und gutem Essen 🙂

Gegönnt: Selbstwertgenerator! Ich hatte mich erst wieder an die 12-Schritte Literatur gewandt, aber ich kann damit absolut nichts mehr anfangen. Diese Lobhudelei überall: Seit ich bei AlAnon bin gehts mir supi…und wenn ich der höheren Macht vertraue die weiß was gut für mich ist (hä? Das ist das Gegenteil der Eigenverantwortung!) und unterschwellig immer dieses: sei demütig! Boah ne. Schrecklich.
Vor einigen Monaten sah ich schonmal den Selbstwertgenerator. 30 Euro. Puh viel Geld. JETZT fiel mir das wieder ein und dacht mir: Kaufste! Das ist ja die Krux, das was mir wirklich hilft und gut tut, da bin ich knauserig und was schädlich ist, geb ich locker viel Geld aus. Er kam auch gleich am nächsten Tag und ich bin begeistert! Jeden Tag kann man durch 3 Stapel sich einen neuen Satz zum Thema Selbstwert zusammenstellen. So entstehen insgesamt über 200.000 (!) positive Affirmationen. Er steht nun schräg gegenüber von meinem Esstisch. So dass ich immer wenn ich da sitze, den Satz lesen kann. Heute ergab sich dieser: Zweifelsfrei erkenne ich, dass meine Wünsche und Bedürfnisse wichtig sind.
Genau! 😉 In diesem Sinne, kümmere ich mich heute mal um meine Wünsche. Und Bedürfnisse.

Du machst das super!!!

Spricht mich der Hausmeister mit den Worten an: „Ah weil ich Dich grad treffe!“ Manchmal plaudern wir weil er mich was fragt, ob ich was mitbekommen hab oder wenn ich ihn auf was angesprochen hab (Tür klemmt, Licht geht nicht ect…) oder so, aber es ging weiter…“also ich wollt mal so fragen, ob Du vielleicht Lust hättest…und natürlich Zeit…“ in mir 1000 Fragezeichen was da jetzt wohl kommt. „ob du Urlaubsvertretung für mich machen willst, geht nur ums gießen, für 2 Wochen!“
Normal sagt meine Sozialphobie: ich mache hier ums Haus nix!! Ich erde gesehen, man kennt mich und ahhhhh nein!!!! Aber das ist nur vor einem Haus, neben der Straße, gegenüber nur die Lärmschutzwand, da kann mir keiner zusehen. Außer es kommt jemand aus dem Haus oder fährt mit dem Auto vorbei.
Ich hab zugesagt, es bereut, weil STRESS da kann soviel schief gehen und wenn ich mich doof anstelle und überhaupt: Der Hausmeister ist sooo pingelig und neurotisch, wenn ich das falsch  mache, dann bin ich sowas von unten durch. Und von dem 2-Meter-Mann will ich echt nicht angeschissen werden. Also: muss ich durch. Irgendwo irgendwas MUSS ich wieder anfangen.

Also: Übergabe gemacht, er hat mir alles gezeigt und erklärt und das Geld gegeben. Ich muss es nur 2x die Woche machen, weil das so ein gepflegeter Wildwuchs ist, keine anspruchsvollen Blumen. Die erste Woche hab ich nun geschafft! JUHU. Jeweils davor hab ich zwar kaum geschlafen und mit halber Panikattacke angefangen, aber wenn ich am wekeln war, gings eigentlich. Das ganze dauert so ne gute Stunde.
Heute früh also wieder raus, da kam ein Engel. Ich stand nämlich so unter Panik und extremer Anspannung, dass es ganz schlimm war. Die Dame sprach mich freundlich an und sie wollte was wissen und die war total lieb und wir kamen ins plaudern und ich wurde immer lockerer und dann konnte ich gut arbeiten. Puh. Trotzdem war ich danach immer noch so voller Adrenalin dass ich erstmal fast 2 Stunden gemütlich mit dem Rad gefahren bin und mir mantraartig gesagt habe: Das machst du super! Das machst du super. So jetzt muss ich nur noch nächste Woche schaffen und dann bin ich auf das Urteil des Hausmeisters gespannt. Aber bis dahin übe ich ganz dolle: Entspannung

Nicht gut gelaufen…

Manchmal hilft es mir ja, einfach mal weider was anzufangen. Nicht im Hamsterrad hängen zu bleiben und hoffen, dass es besser wird. Also habe ich eine 4-tägige  Katzenbetreuung übernommen. 2x am Tag die beiden Fellnasen besuchen. Es war kein weiter Weg, das war es nicht, aber immer den Termin im Kopf: heut abend muss ich da noch hin (und ca. 1,5 Sd. bevor ich losging saß ich schon nervös, Hände knetend und auf nichts mehr konzentrieren könnend auf meinem Sofa, erstarrt. Und kaum morgends aufgewacht dasslbe: ich muss da gleich hin, sofort unter Druck, kein entspanntes frühstücken, selbst duschen tat ich erst danach…usw. Ich stand immer unter Spannung. Selbst wenn ich mir einen Wecker stellte, half es nicht. Ich konnte nicht entspannen. Und auch gedanklich konnte ich nicht abschalten (mein altes Dilemma), selbst zuhause dachte ich zu 90% an die Katzen, wie ein Zwang, das ist furchtbar und ich kann es nicht abstellen. Verantwotng für andere ist echt Gift für mich
Wieder Verantwortung tragen…wollte ich das nicht bleiben lassen? Ja wollte ich. Ich brauch halt immer erst 10 (eher 100) Runden, bis auch ich es kapiere. Das andere war: Das Türschloß klemmte immer. Das wußte ich aber nicht und geriet am ersten Tag total in Panik weil der Schlüssel leer durchdrehte und ich auch später immer die Angst hatte: ich komm da jetzt nicht rein. Wir haben später Schlüßel getauscht, dann gings besser. Trotzdem nervig und alles andere als entspannend. Fazit: einmal und nie wieder.


Da denkt man sich: da ist doch jetzt nix dabei: 2x am Tag hin, Futter geben, bissl spielen, bissl streicheln, lüften, Katzenklo sauber machen, fertig.
Nicht so bei mir, ich fühle eine extreme Verantwortung, es fühlt sich fast überlebenswichtig für mich an, als ob mein Leben davon abhinge und das war schon immer das Problem bei Jobs, weswegen ich nach kurzer Zeit immer zusammenklappte, und nein da helfen ein paar positive Affirmtionen oder das alles „einfach lockerer zu sehen“ nicht. Das ist tief, ganz tief eingebrannt. Ich kann das schwer beschreiben, aber das Ganze hatte  zur Folge, dass ich jede Nacht total schlecht schlief und tagsüber neben mir stand. Nach 5 Nächten ist man einfach durch: Ich zitterte und schwitzte extrem bei jedem kleinsten Streß/Druck/Lärm, die Muskelkraft lässt enorm nach, da wird selbst Haare föhnen zum Kraftakt, zum Schluß fuhr ich die 1,5km mit dem Rad, weil es unmöglich war das zu Fuß zu gehen. Und dieses fiese innerliche frieren vor lauter Schlafmangel, ätzend. Ich habe bei mir selbst wieder nur das allernötigste gemacht, an Körperpflege und an Haushalt. An andere Sachen wie das neue Schutzbleck am Fahrrad zu montieren oder lesen war gar nicht erst zu denken!


Es gab viele Jahre wo ich mich IMMER so fühlte, ständig geflutet von allen Streßhormonen, schrecklich. In solchen Momenten vestehe ich wieder, warum ich die EU-Rente bekommen. Wenigstens weiß ich was zu tun ist: Welt aussperren, keinesfalls irgendeinen neuen Termin für die nächsten 4 Tage, Medikamente zum schlafen nehmen, viel schlafen, nichts müssen, Kühlschrank füllen mit Sachen die schnell zubereitet sind oder Essen liefern lassen und mich selbst nicht nieder machen, dass ich die Betreuung angenommen und gemacht habe: es war immerhin ein Versuch. Zumal es ja gut hätte gehen können, mein Gesundheitszustand ist so schwankend, dass ich an einem Tag mich kaum vor die Tür traue und 2 Tage später nach München fahre (ca.20-30 mins mit der Bahn in die Innenstadt) und dort den halben Tag verbringe. Genauso wie mir früher der Pflegehund gut tat und manchmal stabilisiert es mich mehr zu arbeiten, derzeit geht halt wieder gar nix. Diese Wellen auszuhalten (warum geht das heute nicht??) und mich drauf einstellen (vielleicht schaffe ich es dann nächste Woche eine kleine Radltour zu machen) abwägen was vielleicht gehen könnte (statt großem Spaziergang nur ein kleiner oder kleine Sporteinheit zuhause was mich sozialphobisch ja weniger stresst) und „versuchen das Beste drauf zu machen“ (diese Phrase kozt mich auch schon langsam an) kostet auch viel Kraft.

Kurz vor Ende der Betreuungszeit, kam dann die Frage ob ich nicht doch noch 2 Tage länger machen könne, ich vermute, das hatte sie vorher schon drauf spekuliert, weil sie recht viel Futter rausgestellt hatte. Habe ich aber ohne schlechtem Gewissen (!HAAA! Fortschritt!) abgelehnt. Nicht mein Problem. Uff, Erleichterung als ich die Verantwortung und deren Wohnungsschlüssel los war. Seitdem komatöses rumliegen auf Couch und im Bett

Die Arbeit und die Zukunft

Heute war ich arbeiten und es war gut. Ich merke das immer wieder, dass mir alle 14 Tage 1 Arbeitstag am besten bekommt. So habe ich es vor dieser Stelle eigentlich auch immer gemacht, aber die Dame zog dann leider weiter weg. Und dann dachte ich mir, na gut dann probiere ich es in der neuen Stelle eben wöchentlich (weil die das so wünschten).
Für mich wurde es heute nochmal so richtig klar, dass ich wohl Ende März da aufhören werde.


Der für mich ja nun 3. Lockdown hat mich sehr viel Kraft gekostet. Seit November war wieder nichts möglich. Isolationshaft quasi. Sogar noch schärfer als die ersten beiden, weil ja beim ÖPNV auch noch 3G dazu kam.
Somit war einfach mal ne Fahrt nach München, um dort zu spazieren (was mir oft schon hilft nicht zu sehr zu versinken) sehr kompliziert, weil es hier im Dorf zu wenig freie Testtermine gibt. Schon gar keine spontanen!
Aber bis Ende März müßte auch ich geimpft sein oder/und auch einiges wieder gelockert sein.
Und dann will ich viele Ausflüge machen und das wichtigste: wieder 1x die Woche schwimmen.
Mein Ideenbuch ist seit Jahren voll mit Ausflugszielen, Wandertips und sonstigen. Wann will ich das endlich mal machen? Muss ja nicht alles sein, aber doch vieles.
Zumal es ja endlich hier auch ein sehr günstiges Sozialticket für den Nahverkehr gibt: Die Monatskarte kostet mich 36,-Euro, nur Mo-Fr zwischen 6-9h darf ich nicht fahren, ansonsten immer! Die normale Montaskarte kostet über 95,-!

Diese Aussicht lässt mich heute  mal wieder Antrieb und Vorfreude fühlen, was ich echt schon lange nicht mehr hatte.
Und endlich überhaupt mal wieder eine Zukunftsaussicht zu haben, lässt den Frühling in meinem Kopf explodieren

Angst? Ich doch nicht…

Ich habs nicht bereut erstmal den Hautarzttermin zu verschieben, prompt habe ich danach mal wieder richtig gut geschlafen und bin fast sowas wie erholt aufgewacht. Es erschreckt mich immer wieder wie subtil meine Angst ist und „eigentlich“ hab ich fast nur Körpersymptome und keine Gedanken dazu, also eben z.B. oh hoffentlich geht bei dem Biopsietermin alles gut, hoffentllich tuts danach nicht recht weh, hoffentlich ist das ein netter Arzt und nicht wieder so ein machtgeiler Volldepp, nein nur mein Körper schreit: ALARM! Und ich deute die Zeichen noch nicht mal richtig sondern wundere mich warum ich fast nur starr rumsitze und mich kaum bewegen will, völlig ko aufwache obwohl ich 10 Stunden im Bett war, Alpträume, Streß bei jedem Spaziergänger der mir entgegenkommt….es stimmt: Trauma hängt im Körper und muss auch da er/gelöst werden. Nur schade, dass all die Körpertherapien nicht von der Krankenkasse bezahlt werden.


Es ist offensichtlich dass ich immer nach starken Angstattacken depressiv werde und wenn ich diese Angst nicht lösen kann, depressiv bleibe. Mir fallen immer wieder solche vergangenen Vorfälle ein, eines wäre: Die Kosmetikausbildung. Daran erkennt man wie wenig ich bei mir war, als ich ernsthaft dachte ich könnte täglich mehrmals ganz nah an und mit einem Menschen so arbeiten. Ich wollte halt ein sichtbares Ergebnis meiner Arbeit haben, was mir vorher als Kinderpflegerin sehr fehlte, ich hatte auch ein gutes Händchen  fürs schminken, aber das war es auch schon. Stattdessen zitterte dieses Händchen immer mehr, als es an die praktischen Übungen in der Schule ging. Wimpern färben steht da an Platz 1, da sollte man wirklich ein ruhiges Händchen haben. Ich fand sogar einen Praktikumsplatz und als ich da bei einer Kundin die sich als Versuchskanichen zur Verfügung stellte das Wimpfern färben üben durfte, landete das Schutzpad auf ihrer Wange und nicht unterm Wimpfernkrank. Wie peinlich. Aber Angst? Ich hatte keine Angst. Ich konnte es nicht benennen. Irgendwann sagte ich meinem Arzt, dass ich in der Ausbildung Probleme hätte, so sehr zittere undso. Und er? Verschrieb mir astrein Betablocker! Ich war 24 Jahre alt, keinen Bluthochdruck oder sonstiges. Und sollte mein Leben lang Betablocker nehmen, wegen zittern? Super. Ich spürte nur immer Druck in mir, und Heimweh also Fluchtgedanken. Mit den restlichen Mitschülern konnte ich nix anfangen und irgendwie wurde alles immer schlimmer. Kurz vor der Halbjahresprüfung schmiß ich hin. Wieder war ich so müde, so schrecklich müde…aber klar 6 Monate täglich extreme Anspannung und Angst das muss ein Körper erstmal verkraften. Ich weiß noch den letzten Tag in der Schule: die Erleichterung, meinen Spind ausräumen und dann die Fahrt mit der Straßenbahn: endlich heim, nie wieder dahin müssen. Es war Ende Februar, einer der Tage wo es zwar kalt ist, aber wenn die Sonne direkt auf einen scheint wirds in den Winterklamotten schnell zu warm. Danach schlief ich viel, lebte zudem in einer sehr ätzenden WG mit noch 2 Männern. Und wieder hieß es einfach: Depression. Dass ich Angst und Panik während der Ausbildung hatte, konnte ich nicht sagen, weil ich es nicht bewußt fühlte. Das find ich so krass. Ich fühlte auch nicht, dass es widerlich war in der abgefuckten, schmierigen Wohnung, dann ging auch noch die Beziehung zuende, die irgendwie auch keine war, wir hatten nicht wirklich was miteinander zu reden und nach Sex stand mir wahrlich nicht der Sinn. Aber er war sehr hübsch und sanftmütig und so fast ohne großem Ego…
Aber es ist krass wie sehr man im Autopilot durchs Leben laufen kann, ohne sich zu spüren.

Genauso beim Job in der Tankstelle einer amerikanischen Firma: Hinter Sicherheitsglas, leicht erhöht sitzend, nur tanken und Waschanlage kassieren, kein Shop. Die Einarbeitung war easy ich war eine der schnellsten Mitarbeiterinnen, ich hatte Lust auf den Job (endlich keine soziale Verantwortung mehr tragen und überhaupt eher oberflächlichen Kontakt zu Menschen) doch am ersten Arbeitstag: Mir zitterten dermaßen die Hände, dass ich sie ganz verwundert dem Arbeitskollegen zeigte, ich wußte nicht was los war! Ich hatte keine Angst, auch bewußt keine große Nervosität weil ich mich sehr sicher und gut vorbereitet fühlte, auch die Kollegen samt Chefin waren allesamt super…warum ich dieses „running system“ verließ ist mir bis heute nicht klar.


Und somit dürfte es mich eigentlich nicht wundern, dass ich derzeit auch wieder so ko bin. Die ersten 4 Monate des Jahres Streß wegen dem Wasserschaden, von denen ich 2 Monate in einem Hotel auf kaum 20qm wohnen musste und als ich mich grad berappelt habe kam der Job in der Ferienwohnung wo ich auch einige Wochen viel Streß hatte, angesichts der sozialen Situation und des hohen Arbeitspensums.
So sieht das halt jetzt aus dass ich spätestens um 20.30 ins Bett fliege…gegen halb 5 aufwache aber noch etwas liegen bleibe und gegen halb 6/6 aufstehe um dann mittags nochmal meist eine Stunde zu liegen mit kurzem Schlaf. Das kann ich jetzt akzeptieren, aber auch nur weil Winter ist. Im Sommer hätte ich wieder diesen massiven Druck was tun zu müssen. Wieviel eigentlich noch???

Krankmeldung

Es ist mal wieder soweit, ich häng in der totalen Erschöpfung. Und wie immer: ich kann und mag es nicht akzeptieren. Ich bin so stur.
Ich schäme mich, dass ich nicht mehr leisten kann, aber noch viel mehr schäme ich mich, dass ich es trotzdem immer wieder probiere und jedes Mal gegen die Wand knalle und mein Körper süffisant lächelnd sagt: nope, ist nicht. Checkst Du’s eigentlich irgendwann mal?
Ich hab echt ein Problem damit Grenzen die mir gesetzt werden anzuerkennen.


Jedenfalls habe ich mich gestern krank gemeldet in der Arbeit (natürlich mit einem ultra schlechten Gewissen, als ob ich den bescheißen oder anlügen würde ). Heute in die Ferienwohnung zu gehen, in der ich weiß nicht wieviele Menschen ich weiß nicht wie lange gefeiert haben: unmöglich. Schon die kleinste Anstrengung oder der kleinste Streß lassen mich in altbekannte Symptome verfallen: Extreme Muskelschwäche, mir fallen im wahrsten Sinne des Wortes die Augen zu, ich kann kaum aufrecht stehen, Schweiß bricht mir aus, ich bebe innerlich, ich vertrage kaum Außenreize (ein Film und ich könnte heulen vor Reizüberflutung, Wärme/Kälte kann der Körper kaum ausgleichen, so dass ich mich ständig an/aus ziehe usw.) Am besten ist im halbdunkel liegen, ohne Musik ect. einfach dösen.
Gestern wagte ich einen kleinen Spaziergang: 150m zur S-Bahn, dann 2 Stationen fahren, 250m zur Bank-250m zurück zum Bahnhof, 2 Stationen fahren und 150m nachhause. Ich war so alle, dass ich 1,5 Std. dann tief und fest gepennt habe! Und da glaube ich dass ich heute 4-5 Std. harte körperliche Arbeit machen kann? *seufz.

Ich vergesse leider zu gerne, dass Streß und vor allem Angst massiv Histamin ausschütten. Dass ich nur sehr langsam abbaue. Jetzt ist das ein fieser Kreislauf: Unter Histamin bin ich schneller gestreßt und ängstlich, schütte nochmehr Histamin aus, kann dadurch schlecht schlafen, was blöd ist weil tiefer guter Schlaf Histamin abbaut, durch den schlechten Schlaf bin ich erschöpft und noch dünnhäutiger.
Dazu kommt dass ich in letzter Zeit mal wieder gar nicht histaminarm gelebt habe: Ein angstlösendes Mittel, dass mehr Serotonin und Dopamin „bringt“, das sind aber biogene Amine, heißt unverträglich bei Histamin. Dann der Streß in der Arbeit, oft ja schon tagelang davor, dann viel Gluten, Alkohol, Zucker, dunkle Schokolade (Vollmilch oder Noisette ect. vertrag ich besser). Kein Wunder dass mein Histaminfass überschwappt.
Therapie: Eigentlich extrem histaminarm leben für mindestens 3 Tage und weiter schlafen/ruhen und viel Wasser mit etwas Salz trinken und natürlich Streß vermeiden (auch den innerlichen und z.B. liebevollere Gedanken zu mir haben, wenn es mir so schlecht geht) Das blöde ist, wenn es mir schlecht geht sind Gluten, Zucker, Schokolade, selten auch Alkohol meine „Seelentröster“. Shit.

Hab ich schon gesagt, dass ich dem Chef nur für heute abgesagt habe und für morgen noch bescheid gebe?
Ich glaub ich lerne es nie…

Leben mit Angst


Das erstemal Angst hatte ich mit etwa 5 Jahren (auch wenn ich natürlich noch nicht wußte, dass man das Angst nennt). Ich hatte einen Fahrradunfall und lag mit gebrochener Schulter und Gehirnerschütterung im Krankenhaus. Alleine in einem großen Zimmer. Mutter mußte arbeiten, Vater konnte kaum ein Krankenhaus betreten. Also sah ich nachts mit Schrecken die riesigen Schatten an den Wänden, versteckte mich hinter der Tür wenn jemand herein kam und blieb stumm stehen als man mich zu einem Mädchen (dass da auch alleine lag und nicht aufstehen durfte) in ein Zimmer stellte. Irgendwann holte man mich wieder ab. Wir hätten zusammen spielen sollen.


Dann kam ich in den Kindergarten. Der Horror für mich. Viele fremde Kinder in einem kleinen Raum. Streß pur. Ich kannte niemanden und traute mich nicht bescheid zu sagen, wenn ich auf Toilette musste und nässte immer wieder ein. Das war natürlich sehr schambehaftet, wenn das andere mitbekamen. Ich sagte dann, ich hätte so geschwitzt. Als ich dann doch mal auf Toilette ging, kam mir ein Junge nach und glotzte über die Tür drüber. Was das ganze nicht besser machte.
Und so ging es das ganze Leben weiter. Die Grundschule war noch okay, weil ich mich auf den Lerninhalt konzentrieren konnte und gerne lernte. Freundschaften baute ich keine auf. Zuhause in der Nachbarschaft gab es viele Kinder mit denen ich auch viel spielte. Aber ob ich das gerne tat? Ich glaube eher nicht. Man tat es halt.
Ich konnte mich noch nie gegen Übergriffe wehren. Nachbarjungs die mich hänselten, schikanierten oder körperlich angriffen. Die fanden das alle immer lustig. Ich verstehe das bis heute nicht, wie man das lustig finden kann.


Dann kam der große Umbruch und danach in der Hauptschule wurde das Mobbing massiv und extrem, wieder half mir keiner und ich erduldete es. Die Angst steigerte sich natürlich dadurch auch mehr.
Irgendwann ging das Berufsleben los und ich wußte nicht was ich machen wollte. Was ICH wollte, fühlte, dachte spielte nie eine Rolle und auf einmal soll man das wissen…
Es folgte eine umtriebige Zeit, viele Umzüge, Jobs, Nebenjobs und dann hörte ich immer öfter von meinem Umfeld: Halte doch mal was durch! Ich war empört und wütend über diese Aussage, wußte abernicht warum.
Heute weiß ich es: Ich habe schon immer sehr viel ausgehalten, bis zur kompletten Selbstabspaltung. Nur sah man das nicht. Später habe ich mich selbst oft hart innerlich verurteilt, wenn ich wieder etwas aus Anst absagen musste: Jetzt halte doch mal was durch. Ich fühlte mich wie ein Versager.
Was soll ich denn noch alles durchhalten? An Schmerz, an Einsamkeit, an Angst, an Anspanung, an Ausgrenzung…?
Der nächste bescheuerte Satz war dann: Da wo die Angst ist, da gehts lang. Und dieser Satz kam aus Kreisen in denen durchhalten, einhalten strenger Verhaltensregeln und viel Härte gegen sich selbst an der Tagesordnung stand. Die Angst wird nicht weniger wenn man durch sie hindurch geht, meistens ist es so, dass man diese abspaltet, dissoziiert um das auszuhalten.


Erst in einer sehr guten Trauma-Tagesklinik wurde mir das erste Mal erlaubt meine Grenzen zu achten: es wird zuviel? Du darfst den Raum verlassen. Du darfst sogar das Haus verlassen, gib nur bitte bescheid, nicht das wir dich suchen. Mir wurde geglaubt, dass ich nicht faul oder zaghaft oder schwach bin oder mich vor Sachen drücke, sondern dass es wirklich nicht geht. Ich durfte hinspüren: will ich mich woanders hinsetzen oder erstmal nur beobachten und später mitmachen? Ich musste mich nicht mehr durch Sachen prügeln, die ich nicht machen wollte oder konnte. Welch Befreiung! Dort bekam ich auch endlic die richtige Diagnose: komplexe PTBS und 3 Jahre später wurde ich deswegen in EU-Rente geschickt.

Viel zu oft ist es in psychosomatischen Kliniken so, dass diese Leute meinen, was richtig für einen ist, da wird ein Therapieplan aufgestellt und der muss durchgezogen werden.
Nunja, aber die Angst blieb. Vor Menschen, vor Kritik, aber am meisten vor Autonomieverlust und vor Nähe. Denn die schlimmsten Verletzungen haben mir nahe Menschen zugefügt: Eltern, Schwester, Partner, Freunde, Mitschüler. Ich glaube es war zuviel.
Wenn ich, so wie derzeit wieder wie unter Strom stehe, wie wahnsinnig 3 Stunden durch den Wald laufe oder schon um 6 Uhr früh im Nieselregen durchs Dorf spaziere, ständig angespannt und unruhig bin, schlecht schlafe mit wilden Träumen, weiß ich heute, es ist wohl wieder was angetriggert. Und dann muss ich mich auf die Suche machen. Und meistens dann, das was ich fand, das oder denjenigen verlassen. Anders geht es nicht mehr. Ich habe alle Möglichkeiten und Therapien und Hilfsmittel durch, damit es doch irgendwie funktioniert. Aber es hilft nichts.
Ich muss mich umdrehen und gehen. Und trauern, weil meistens gab es ja auch was schönes an der Sache oder dem Menschen das ich nun auch verliere.
Ein einsames Leben

Arbeit

Normalerweise, ist es ja so, dass man zu Anfang eines neuen Jobs aufgeregt ist, weil alles neu ist  und „hoffentlich kann ich das auch“ und wie sind die Kollegen, der Chef usw. und sich dann nach und nach die Aufregung legt, wenn man nach und nach alles kennen lernt, man sich einarbeitet, man Routinen entwickelt undso.
Mein Hirn tickt (mal wieder) anders.
Zu Anfangs bin ich so unter Adrenalin das ich wunderbar funktioniere. Ich bin höflich, offen und freundlich und gehe mit großem Enthusiasmus an mein Werk, lerne schnell und verausgabe mich auch schonmal zu sehr.
So war nun der Anfang in dem Ferienwohnungen-job.
Jetzt weiß ich so in etwa was mich da erwarten kann, weil ich es schon erlebt habe: Besoffene männliche Gäste noch da, neue Gäste kommen zu früh, es ist viel zu tun, Zeitdruck, gerade bei dieser Stelle können viele neue Situationen entstehen, bei denen ich schnell entscheiden muss, wie ich damit umgehe. Ein extremer Streß für mich, weil ich erstmal gründlich drüber nachdenken müßte. Aber die Zeit habe ich nicht.
Und es ist leider NICHT so, dass ich sage: och ich habe aber alle, wirklich alle Situationen bisher hervorragend gemeistert! Ich kann das! Und ein größerer Fehler ist mir bisher auch nicht passiert, der Chef ist höchst zufrieden mit mir.
NEIN.
Und das ist der Punkt warum Angst- Konfrontationen nie funktioniert haben bisher. Ich weiß nicht warum mein Selbstvertrauen nicht mitwächst an den gemeisterten Herausforderungen. Das ist mir ein echtes Rätsel. Und höchst zermürbend und frustrierend!
Doch eigentlich weiß ich es schon:
Der Glaube an mich selbst wurde so zutiefst zerstört, dass ich IMMER, egal was passiert denke, dass meine Arbeit nicht gut genug ist, ich nicht schnell genug arbeite, ich bestimmt bald einen Fehler mache, nicht schnell genug entscheide, irgendwas übersehe usw…der blanke Horror.
Heute sah das so aus: Ich hatte Dienst. Und dass ich die letzten 100 Meter weiche Knie bekomme, mir schwindlig wird, weil ich kaum mehr atme und nur noch nach vorne starre, weil ich nicht weiß, was mich gleich in der Wohnung erwartet: Gäste noch da? In welchem Zustand? Gehen die gleich? Wie schaut die Wohnung aus? Wieviel ist zu tun? damit habe ich mich arrangiert. Das ist halt die Aufregung.
Nun nahm das aber eine andere Dimension an: Ich hatte 2 Nächte lang nur von dieser Arbeit geträumt und ihm Traum jemanden davon erzählt, dass ich nur noch davon träume (also volle Metaebene). 2 Nächste lang bin ich immer gegen 3, halb4 aufgewacht: nervös, angespannt, konnte schwer wieder einschlafen. Auch tagsüber: schlechte Laune, meine Gedanken kreisten immer häufiger auf den bevorstehenden Arbeitstag.
Das ist schlecht. Das ist eigentlich inzwischen ein Alarmzeichen, dass mich der Job SO sehr stresst, dass er mir mehr schadet als nützt.
Und bisher ging es dann immer so aus: Ich habe mich noch ein paar mal hingequält und wieder mal ausgehalten, um dann völlig erschöpft und depressiv mich auch von dieser Arbeit zu verabschieden, um mich erstmal wieder zu erholen (was sehr lange dauern kann) und wenn ich wieder fit bin, wird mir langweilig, ich möchte was arbeiten, mache mich auf die Suche, finde was und der Kreislauf geht von vorne los.
Schrecklich. Es scheint, als gäbe es keinen Ausweg.
Heute lief es gut. Keine Gäste, keine extremen Verwüstungen oder sonstiges. Während ich arbeite verfliegt dann auch die Angst und auf dem Heimweg kann ich schon ein wenig stolz sein, dass ich das heute geschafft habe.
Mal sehen wie es beim nächsten Arbeitstag aussieht

Arbeit Teil 2

Natürlich fragte mich der Exchef wieder, ob ich nicht DOCH wieder regelmäßig bei ihm arbeiten will. Er lässt nicht los 😉 ne freut mich natürlich, dass er mich so schätzt, sieht das ich gute Arbeit liefere und zuverlässig bin. Ich erkenne das langsam ja auch selber, nachdem mir die Nachbarin so erzähl hat, was SIE erlebt, wenn sie neues Reinigungspersonal sucht. Ich hab ja schon Pluspunkte dass ich a) pünktlich erscheine ODER rechtzeitig absage UND deutsch kann!
Nein, jede Woche ist mir zuviel, er dann: „Jedes 2.Wochenende?“ Ich nickte. Das wär okay.


Die Vorteile:
Relativ nah, ca. 30 Minuten einfacher Weg, obwohl mir das Wochenende arbeitstechnisch immer heilig war, hat sich das anscheinend geändert, es ist nicht mehr so schlimm, dann ist Montag und Dienstag mein Wochenende, der Chef ist super: freundlich, zuverlässig, immer erreichbar wenn ich irgendwas nicht weiß (das muss ich mir merken, weil die Panik VOR Arbeitsbeginn, wenn ich nicht weiß was mich gleich an Chaos erwartet, muss ich „in den Griff“ kriegen: Es ist nicht MEINE Verantwortung, es ist nicht mein Haus und ich glaub das übliche habe ich schon erlebt: Besoffene Gäste die noch nicht weg sind, kaputte Sachen, Konfetti überall ect.) schätzt und weiß dass es harte Arbeit ist und scheut sich auch nicht, mal selber anzupacken. Und es ist in einem eher vergammelten Stadtteil und ich schäme mich da weniger, wenn ich den Außenbereich putze und gesehen werde, mit 2 Riesentüten Pfandflaschen durch die Gegend latsche oder sonstiges.


Ich kenne inzwischen das Haus und hab mir einen Arbeitsablauf zurecht gelegt, den ich gut abbarbeiten kann und nicht jedesmal neu überlegen muss was ich wie mache, effizient arbeiten macht mir Spaß (Nerd *g*) und ja ich mag auch zupackende, körperliche Arbeit bei der man das Ergebnis sieht. Letztens las ich eine kurze Kolumne in der eine Kosmetikerin berichtet, wie gerne sie Pickel ausdrückt. Konnt ich gut verstehen, ich mag aufräumen und reinigen auch. Klar gibts Ekelsachen, aber die halten sich in Grenzen (was ich bisher so erlebt habe, will es ja nicht verschreien).
Es ist anonymer, zwar ist der Arbeitsbeginn wie schon erwähnt für mich sehr stressig, dafür lässt die Anspannnung nach wenn ich gesehen habe dass a) keiner mehr da ist und b) wie es ausschaut. Anders als in der festen Arbeitsstelle in einem Privathaushalt, da bin ich IMMER angespannt, weil ich in deren Privatsphäre bin. Für mich ein immenser Unterschied.
Es tut mir auch gut mehr Beschäftgung zu haben, die derzeitige Langeweile, Leere und Einsamkeit ist echt schwierig.
Und ich kann u.a. üben mir Zeit zu lassen. Ich bin auf Arbeit, nicht auf der Flucht! Und ich muss auch nicht immer alles 100% machen, das ist eine Location, die meistens von jungen feierwütigen Leuten gebucht wird, wenn da mal auf nem Regal Staub liegt oder nur das gröbste feuch durchgewischt ist, dann macht das nix (meinte auch Chef!) und auch was ich so von den anderen Kolleginnen mitbekommen habe, nimmts da manche nicht so genau. Da läuft seit Wochen der Geschirrspüler ohne Salz und Klarspüler, also bleibt das Geschirr dann dreckig, oder wenn Wäsche unsortiert ins Regal geräumt wird, anstatt Laken auf Laken und Handtücher auf Handtücher oder die Putzlappen nicht durchgewaschen werden usw. (wie gesagt, mein innerer Beamter jault da immer auf *g*).
Und was meiner Adrenalinsucht und dem Ego irgendwie entgegenkommt, die „besondere“ Location: Groß, mit Bar und bayrischer Einrichtung, eben was besonderes. Kein Mittelmaß, nicht normal.

Schwierig ist weiterhin der Gästekontakt (oft hab ich den auch nicht), da hoffe ich mir auch eine Routine/Maske/Floskeln erarbeiten zu können und auch hier nicht zuviel Verantwortung zu übernehmen: ich muss nicht den Entertainer spielen. Klar bin ich höflich und freundlich, aber es reicht, wenn ich nur das notwenige sage.
Und ich bin froh, dass dieses Jahr nochmal das Oktoberfest ausfällt, ich glaube zur Wiesnzeit will ich da nicht arbeiten, oder nur mit Sonderzuschalg oder zu zweit oder so.
Schwierig ist aber auch: Warum muss ich wieder sowas heftiges machen? 210 Quadratmester groß, als Partylocation, gehts auch maaaal normal? Wieder das dreckigste, schwierigste, triggerndste? Denn das Haus ist sehr verwinkelt plus Keller, wo die Sanitäranlagen sind. Alleine in so einem großen Haus. Unübersichtlich. Nicht so ganz kontrollierbar. Die Fenster kippe ich nur, ganz öffnen wäre viel zu gefährlich, da laufen immer komische Typen rum. Die lauernd gucken, Bierflasche in der Hand, mit sich selbst reden (üble Ecke). Die könnten da leicht ins Erdgeschoß einsteigen. Oft redet einer aber laut am Fenster und das hört sich an, als wäre er IN der Wohnung. Puh. Dazu wieder das alte Thema: Männer haben Spaß und ich mache deren Dreck weg. Manchmal reichts mir schon mit diesem „Männerduft“ aus Parfum, Rasierwasser, Alkohol, Hormonen und schlimmeren. Es bedient also ein altes Muster von mir: Das kann ich, das macht mir nichts aus, das ignoriere ich, da funktioniere ich. Alle anderen wollen da nicht arbeiten, weil: Wochenende und oft sehr viel Arbeit, Hinterlassenschaften einer Party halt. Aber ne ICH mach das, mir macht das doch überhaupt nichts aus! Haha.
Nicht umsonst bin ich danach voller Adrenalin, gehe weit zu Fuß statt den Bus zu nehmen, obwohl mir schon die Füße vom laufen weh tun,  kann zuhause kaum entspannen, schaue Filme ohne ihnen zu folgen, stopfe mich mit Essen und manchmal mit Alkohol voll, bin zittrig, angespannt, hibbelig, „eigentich“ völlig neben der Spur. Angetriggert. Aber mich triggert soviel an, ich kann dem nicht ausm Weg gehen, ich kann nur lernen damit zu leben…oder?

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