Agency-Verhalten

Letztens dachte ich so: wie heißt eigentlich die Krankheit, wenn man kaum bei sich selbst ist? Selbstentfremdung, Selbstverlassenheit, Dissoziation. Ich fand dann im Netz den Begriff „Agency“. Wenn man zuviel Mitgefühl hat, den Focus zu sich selbst, sehr schnell verliert. Wie kommt man aus diesem Agency-Verhalten wieder raus? Nicht durch nachdenken, da dreht man sich im Kreis, sondern über den Körper: Wenn ich daran (z.B. im Falle eines neuen Arbeitseinsatzes) denke und sich der Körper eng, schwer anfühlt dann ist es Agency. Fühlt man sich weit energiegeladen und fröhlicher gestimmt, ist es das echte Selbst. Bewußt seinen Körper wahrnehmen!
Ich hatte mit einem Mann geschrieben, der für seine Familie eine Bügelhilfe suchte. Och dachte ich, besser als putzen. Wir schrieben. Wir machten ein Probearbeiten aus. Ab dem Zeitpunkt wurde mein Tinnitus lauter, meine Laune sank, auf meinem Brustkorb saß wieder ein fetter Bär, ich wachte schon nervös auf. Ich hatte aber auch generell kein gutes Gefühl, weil er manipulierend war. Total begeistert von mir, mir fast den roten Teppich ausgelegt, damit ich auch ja komme und bleibe. Nach einer Nacht drüber schlafen sagte ich ab. Und dann kam, was ich schon vermutete: Mr. „ich wohn in ner Villa im nobelsten Stadtteil Münchens“ konnte das nicht akzeptieren. Er fragte nach dem genaueren Grund und lobte nun SEINE tolle Arbeitsstelle die sie mir anbieten würden. Ich ließ mich nicht einfangen, Dann wurde er noch komischer und schob mir die Schuld zu, weil sie ja alle anderen bagesagt hätten, ich hatte sie hingehalten, das ist nicht fair laberlaberlaber. Wahnsinn, wenn jemand so eine kleine Grenze schon nicht akzeptiert! Mr. ich-hab-Geld, bekommt wahrscheinlich sonst immer was er will. Bin ich froh das wieder rechtzeitig gespürt zu haben!


Nein ich bleibe bei den Endreinigungen, evtl. Ferienwohnungen wenn Bedarf ist und den Marktforschungen die nun nach Corona auch wieder mehr anlaufen. DAS fühlt sich gut und stimmig an.
Bewußtheit. Jeden Tag. Bei ganz kleinen Dingen. Immer wieder schauen: Wo bin ich gerade mit meinen Gedanken? Habe ich mich schon wieder innerlich abgestellt und fühle nicht mehr was ich jetzt wirklich machen möchte und denke wieder ständig an X und Y? Ich bin da echt wie paralysiert. Gestern war ich angespannt, der Kopf sagte: lesen. Ich spürte genauer hin: ne ich will irgendwas belangloses im TV schauen. Hab ich gemacht. War super!


Erschreckend wie schnell ich mich „vergesse“, abspalte, beim anderen bin. Tagesaufgabe: STOP! Schauen, was fühle ich gerade, was ist mein Bedürfnis, inneren Automat abstellen, der schnell handelt, aber ohne inneren Bezug.
Um mich kümmern. Ich will mich nicht um den Scheiß anderer kümmern. Ich hab mich immer gekümmert. Ich will nicht mehr. Ich will mich nur um mich kümmern. Weil ich merke wie meine Freude, Zuversicht, Gelassenheit, Energie und Wohlbefinden massiv steigt! Und dann kommt wieder die Zeit wo ich gerne wieder was für andere tue, weil ich die Kraft dazu habe!

Heutige Affirmation: Neuerdings passt es zu meinem Selbstbild, dass ich mich schätze und achte, so wie ich bin. Der Selbstwertgenerator macht echt Spaß!!!

Wendepunkt


Es geht mir gut. Ich fühle mich wieder wohler. Ich bin wieder gut bei mir angekommen.
Dennoch immer wieder erschreckend, wie schnell ich mich im Kontakt verliere und ins alte Muster falle: ich kümmer mich um dich und du dann um mich. Dann passieren üble Verstrickungen, Projektionen, ob bewußt oder unbewußt, ich fühle mich schräg, ohne Selbstwert, falle in kindliche Anteile usw…Puh.
Dann brauche ich wieder viel Abstand-bis Kontaktabbruch und es geht wieder von vorne los. Mit manchen Menschen/Beziehungen heftiger, bei manchen schwächer ausgeprägt.

Ich habe wieder die Verantwortung für mich übernommen und überlasse die andere Verantwortung bei den anderen. Sind ja alles erwachsene Menschen (und auch kein pflegebedürftigen ect.).
Aufatmen. Lächeln. Die Kraft strömt wieder zu mir. Ich habe wieder Lust was zu machen.
Gestern war dann ein voller Tag. Das war auch in Ordnung so, ich habe mir die Termine ja selber gelegt. Ich nahm ein leichtes unterstützendes Medikament und war somit gelassener. In der früh ging es zu einer unbekannten Ferienwohnung samt Besitzerin. Das lief recht gut, Folgeauftrag für die Reinigung ist gegeben. Dann fuhr ich wieder heim um nachmittags nochmal los zufahren, diesmal in die Uni für eine Studie. Nach ewig langer Zeit endlich mal wieder vor Ort. Dort musste ich 40 Minuten lang bestimmte Bewegungen ausführen, natürlich unter Beobachtung (für Sozialphobiker echt schwierig). Die Sudienleiterin war sehr nett, es war anstrengend, aber da ich mich auf die Abfolge konzentrieren musste, blieb nicht soviel Raum für die Angst. Insgesamt war ich gestern 3,5 Std. in der Bahn unterwegs, plus die Jobs, plus Konversation mit fremden Menschen, plus die Hitze, aber alles funktionierte gut. Ich sorgte für mich: In der Bahn Musik in den Ohren damit ich abgelenkter bin, Pause im Park, in der Mittagspause ne Dusche, leichtes Medikament.
Ich habe wieder was geschafft. Ich habe was geleistet. Ich hatte einen guten Tag. Ich habe mein eigenes Geld verdient.
Und jetzt kann ich den freien Tag so richtig genießen. Mit Schlaf und gutem Essen 🙂

Gegönnt: Selbstwertgenerator! Ich hatte mich erst wieder an die 12-Schritte Literatur gewandt, aber ich kann damit absolut nichts mehr anfangen. Diese Lobhudelei überall: Seit ich bei AlAnon bin gehts mir supi…und wenn ich der höheren Macht vertraue die weiß was gut für mich ist (hä? Das ist das Gegenteil der Eigenverantwortung!) und unterschwellig immer dieses: sei demütig! Boah ne. Schrecklich.
Vor einigen Monaten sah ich schonmal den Selbstwertgenerator. 30 Euro. Puh viel Geld. JETZT fiel mir das wieder ein und dacht mir: Kaufste! Das ist ja die Krux, das was mir wirklich hilft und gut tut, da bin ich knauserig und was schädlich ist, geb ich locker viel Geld aus. Er kam auch gleich am nächsten Tag und ich bin begeistert! Jeden Tag kann man durch 3 Stapel sich einen neuen Satz zum Thema Selbstwert zusammenstellen. So entstehen insgesamt über 200.000 (!) positive Affirmationen. Er steht nun schräg gegenüber von meinem Esstisch. So dass ich immer wenn ich da sitze, den Satz lesen kann. Heute ergab sich dieser: Zweifelsfrei erkenne ich, dass meine Wünsche und Bedürfnisse wichtig sind.
Genau! 😉 In diesem Sinne, kümmere ich mich heute mal um meine Wünsche. Und Bedürfnisse.

Wochenrückblick 30. Juli 2022

– fehlende Abgrenzung. Ich hasse, was mir mal wieder am Sonntag passierte: Ich will früh, ganz früh in den Wald, weil ich Bewegung brauche und keine Menschen, ich bin angespannt, überreizt, gereizt und überhaupt. Ich stehe um 6.10 Uhr am Sonntag am Bahnsteig. KEIN Mensch, entspannt und glücklich schaue ich in die knallorangene Sonne zwischen den Bäumen, da kommt ne Frau auf mich zu. Grüßt mich, fragt wie es mir geht. WHAT? Denke ich, wieder so ne Verrückte die labern will, genau die erwisch ich wieder…ich grummel ein „Morgen…“ und schaue weg. „kennst mich nicht mehr?“ fragt es zurück. Äh nö. Und ich kann mir Gesichter extrem gut merken und meist auch woher ich die kenne. Sie klärte mich auf, von der Tafel, sie war mal paar Wochen da. Ja da wußte ich es wieder. Das ist kein Jahr her. Und ich erkenn die nicht? Ich mach mir Sorgen um mich. Soweit so ok. Aber die fängt das labern an…ohh nööö. meine Hnadflächen werden sofort schwitzig. Ich will hier weg. Meine Ruhe und minimal aufgetauchte Entspannung ist WEG. Ich ärger mich. Die 10 Minuten bis die Bahn kommt, kommt mir vor wie eine ganze Stunde. Wieso gehe ich nicht einfach weiter? Weil ich mich einwickeln lasse. Ich mühe mich nicht zu begeister zu schauen und starre ins Gleisbett, gehe einen Schritt weg weil sie auch unfassbar nah bei mir steht und mich penetrant anstarrt als ob sie in mich hinein kriechen will…moah wie ich das hasse. Nur nicht unfreundlich sein, nur nicht als die komische gelten…WARUM??? Ich hab mit der nie direkt damals geredet, immer nur in größeren Runden, quasi indirekt. Die S-Bahn kommt, sie steigt ein und schaut mich fragend an nach dem Motto: wo willst du sitzen? Ich sage was von: Ich geh noch ein Stück vor, ciao. Und setze mich ereichtert einige Sitzreihen weiter weg. PUH. Immerhin ein Fortschritt. Früher hätte ich die gesamte Fahrt ausgehalten und mit der gequatscht.
Ich konnte dann die 10km Waldrunde einigermaßen genießen und sogar die installierte Hängematte und das Wald-xylophon (in dem Wald ist viel eingebaut worden: Lehrpfad, barfußpfad, Bänke usw…)
Tja das Universum schickt mir genug Übungsaufgaben.

– bei mir angekommen. WOW, was das ausmacht, wenn ich 1 Woche keinen Kontakt zum süchtigen Menschen habe! Der Fokus ging wieder zurück zu mir, zu meinem Leben, zu meinen Körper, zu meinen Bedürfnisse. Ich fühle mich wieder viel besser, spüre Freude, schlafe gut, bin nicht mehr so angespannt und nervös, kann wieder genießen! Ich machte einen Ausflüge in den Wald, konnte da sehr genießen und machte das weil ich es wollte und nicht nur vom Kopf her meinte, das machen zu müssen. Auch war ich mal wieder in einer Kunstaustellung, die toll war, weil es um das Thema Nebel ging und ich den sehr mag. Es war ein Mix aus Bildern, Fotos und Installationen u.a. wurde ein Raum in Nebel gehaucht und die Besucher verschwanden sozusagen. Leider war sehr viel los, sodass ich es nicht ganz so genießen konnte.
Aber es kamen gleich neue Verlockungen/Übungsaufgaben ins alte Muster zu fallen. Anscheinend rieb sich das Universum die Hände: ha mal sehen, wie ernst sie es meint: und schickte mir einen Exfreund, der ebenfalls recht dysfunktional, ventwortungslos und süchtig unterwegs ist und dann fragte mich die Frau mit den Katzen nochmal nach Betreuung. Zu beiden konnte ich sehr gut Abstand halten.
Aber trotzdem erschreckend wie schnell und lange ich in dem Fokus nach außen hängen bleibe: wie gehts dem anderen, was braucht er, was erwartet er von mir, wie soll ich mich verhalten und tue das auch noch im vorauseilenden Gehorsam ohne zu hinterfragen, ob das für mich stimmig ist! Nunja dieses Muster habe ich von klein auf gelernt, inhaliert und fest in meiner Persönlichkeit verankert. Meine Eltern waren/sind auch sehr unreif, süchtig und verantwortungslos und daher kümmerte ich mich um sehr viel, meist um die emotionale Belange.
Ich werde nie den Satz vergessen, den ich in der Klinik in einer Gruppentherapiestunde mal zu allen is Gesicht sagen sollte: „Ich sorge gut für mich und es ist mir egal was du davon hältst.“ Boah war das hart. Erst wollte ich mit dem Therapeuten diskutieren warum der Satz für mich nicht stimmt (lach) der bleib aber stur und so fing ich an, geschüttelt von Tränen und Panik. Es fühlte sich so schlimm an! Als ob neben mir ein Mensch verbrennen oder ertrinken würde und ich helfe nicht!!
Zum Schluß hin, konnte ich den Satz ruhiger sagen, ohne Tränen und körperlich aufrechter.
Üben „bei mir zu bleiben“. Üben, üben, üben. Das kann mir kein Psychopharmaka abnehmen.

– Lieblingslied: ich mag ja eher melodiösen Techno und fand per Zufall ein neues Lied: ach wie ich das liebe, wenn der Bass einsetzt:
https://youtu.be/VNJ9g07hl-s

– AUA: Seit 2 Wochen immer wieder mal Halsweh. Die letzten Tage sehr heftig, jedes schlucken tut extrem weh. Und immer mal wieder leichtes Kopfweh. Seltsam. Halsweh hab ich nie. Coronatest war negativ. Montagfrüh hab ich Arzttermin, bin echt gespannt. Und hoffe dass die Schmerztablette wirkt. Weil selbst die Lutschpastillen die äußerlich betäuben sollen null Wirkung haben

Wohenrückblick 23.Juli 2022

– Freude: wenn man sich zum zweiten Mal in der Woche eine Schokofrucht vom Volksfest gönnt und der junge (wahrscheinlich neue) Verkäufer nur 3,50€ statt 4,50€ verlangt 🙂

– Die Süchtigen und ich. Darüber könnte ich ein Buch schreiben. Es ist mal wieder soweit. Ich hocke in dem Loch namens Coabhängigkeit. Das ist so zermürbend. Da weiß ich schon alles darüber und tappe doch immer wieder hinein. Ich erkenne es oft immer noch zu spät. Aber ich komme schneller wieder davon raus, als früher. Immerhin.
Wir passen immer gut zusammen, der Süchtige und ich. Wie Schloß und Schlüßel. Man findet sich. Man findet sich anregend und spannend. Der eine übernimmt keine Verantwortung, der andere übernimmt sie. Der eine will sich dauernd bedienen lassen, ich bediene. Ich war vor 20 Jahren in einem örtlichen Chat. Man kannte sich untereinander, man traf sich öfters zum brunchen, zum sporteln, zum feiern. Eine bunte Mischung, vom arbeitslosen bis zum Chef, weiblich, männlich, alles. Ich glaub der Hälfte der Männer half ich: Mit seelischer Unterstützung, mit Sex, mit einem Bett zum ausruhen, als Unterhaltung für einen Abend, als Aufpasserin wenn sich einer mal wieder die Kante gab und ich seine Brille bewahrte oder ihn heim begleitete. Ich hielt Kontakt zum Anwalt, als einer der Typen im Knast saß, natürlich besuchte ich ihn auch dort und regelte seinen Scheiß.
Verantwortung? Übernehm ich gerne! Alles organisieren, schauen, machen tun? Ich kann das! Das wäre auch nicht das Problem. Das Problem ist, dass dieses geben zu einseitig ist. Es gibt ja vieles was ich nicht machen kann oder will, das könnte ja dann der andere machen. Aber da kommt dann: ach ne da bin ich zu naiv, zu schusselig, das kann ich nicht blaablaaa und weil es dann einfacher ist: mach ich es halt doch.
Dann geht es mir schlechter und schlechter. Ich verfalle in eine Depression, vegetiere vor mich hin, phantasiere Suizidpläne. Wundere mich, warum es mir so schlecht geht…hm?
Ich habe mich wieder mal selbst verloren. Die Verbindung zu meinen Bedürfnisse, Gefühlen und Wünschen. Ich fühle mich leer. Ausgesaugt. Ausgelaugt. WO ist meine Energietankstelle?
Ich fand letztens einen guten Satz über Süchtige:
„Bei Drogensüchtigen sagt man auch: Sie sind „stoned“, d.h. man könnte genausogut versuchen eine emotionale Beziehung zu einem Stein herzustellen.“
Absolut! Man ackert also für NIX. Man verhungert emotional, man fühlt sich nicht nur innerlich leer, man ist es auch. Solange bis man seinen Fokus wieder nach innen, zu sich richtet und sich und sein Leben wieder spürt und somit füllt.
Mir fehlen die Grenzen in Suchtbeziehungen. Es entsteht sofort (oder relativ schnell) eine ungesunde Symbiose. Ein ICH gibt es nicht mehr, eher nur noch ein ER  (manchmal auch eine SIE) oder WIR. Es gibt nur ein entweder ganz oder gar nicht. Verschmelzung oder gar keinen Kontakt. Vielleicht ist das auch normal, wahrscheinlich geht das in Suchtbeziehungen gar nicht anders.
Ich jedenfalls habe mal wieder die Schnauze voll davon, ertrinkende zu retten, die sich gar nicht retten lassen wollen, sondern ihr bequemes Leben weiterleben wollen, ohne Verantwortung für sich zu übernehmen.
Ich bin dann mal weg….

– lustig: Montagnachmittag bei brütender Hitze ins Kino zu gehen ist das beste was man als Sozialphobiker machen kann: Eine Bekannte und ich hatten das Kino für uns alleine 😉 haben das so genossen. Leider war der Film eher mau: Liebesdings. Naja wenigstens Elyas M’Barek mal wieder in Leinwandröße gesehen *Glotz-und-sabber

– Wohnungssuche: hatte ne Anzeige aufgegeben, in der ich eine neue Wohnung suche. Was da alles zurückkam…die meisten wollten diese Wohnung haben. Haha, die konnten wohl nicht deutsch oder was weiß ich, dann kamen die Liebesangebote: Bin der Jürgen und suche eine Frau, und nur ein mickriges Angebot kam und als ich zurückschrieb, das ich Interesse hätte, kam: nix mehr. Nunja, mal sehen was sich da noch so entwickelt.

-Melancholie fühlt sich an wie Heimweh, während man zuhause ist…

Ein schöner Traum

Ich finds ja immer geil, wenn ich im Traum neues, gesundes Verhalten an den Tag lege. Weil was ich den Tag schon habe, brauch ich ja in der Nacht nicht auch noch und überhaupt, wenn mein Unterbewußtsein schon weiß was zu tun ist, ist das Ziel nah!


Heute also: Ich bin mit einem Mann, den ich noch nicht lange kenne an einem Fluß. Er meint ob wir schwimmen und ich sage das mir das zu kalt ist (ohne mich zu schämen) ich gehe ein wenig herum und merke dass ich gerne schauen möchte was da so hinter den nächsten Häusern ist, ich drehe mich um und sehe, dass der Mann Gitarre spielt und singt (also auch er kann sich alleine beschäftigen und bei sich bleiben) ich mache Zeichen um ihm klar zu machen, dass ich mal ein wenig unterwegs bin und später wieder an den Platz zuu komme. (Ich klebe also nicht nur an ihm sonder kümmere mich auch um meine Bedürfnisse in seiner Gegenwart!) er nickt und meint da hinten ist es echt schön (kein Neid, kein schlecht machen, kein ausreden, er lässt mich machen, weil auch er nicht coabhängig ist). Ich stehe dann an einer Treppe, wieder am Fluß, der Wald und das breite Flußbett, aber auch das kleine Dorf gefällt mir, nur der Typ der neben mir schnulzige Liebesarien zu mir brüllt nervt mich, ich sage ihm er soll ich ihn Ruhe lassen, er geht, ich genieße die Stille. Da geht die Tür vom Bauernhaus nebenan auf und eine Frau steht da. Wir untrehalten uns kurz über den Typen, ich trete in ihre Stube ein. Ja meint sie, das sind die Bettler, die es ja auch in der S-Bahn gibt die neben deinen Sitz Taschentücher legen und einen Zettel auf dem steht das sietaubstumm sind oderwasauchimmer und hoffen dass mn Geld hinlegt. Ja sage ich manchmal sind die aber sehr penetrant, das grenzt schon an Belästigung. Die Frau nickt.
Ich trinke noch einen Schluck Milch und gehe wieder nach draußen. Ich genieße wieder am selben Platz die Aussicht, als ich sehe wie der Mann (der Gitarre spielende) zu mir kommt. Ich freue mich sehr ihn zu sehen und spüre eine tiefe Zuneigung zu ihm, obwohl er äußerlich überhaupt nicht mein Typ ist (aber Typen die äußerlich meinem Beuteschema entsprechen sind auch meistens die unnahbaren, mißbrauchenende, materialistischen, aber hübsche, scharmante Arschlöcher). Er hat ein Kind dabei (auch das kenne ich wohl erst seit kurzem) und das zeigt mir aufgeregt was sie gefunden haben: einen Rucksack mit Fotoausrüstung und glutenfreiem Brot (grins). Aber ich sehe auch 3 leere Bierflaschen und weiß, dass diese von dem Mann sind. Ich bin etwas betrübt.
Wir sitzen dann zu dritt so da und ich fange an zu erzählen und das Kind unterbricht mich und ich bitte es mich ausreden zu lassen (das Kind ist so im Vorschulalter und ich denke, da kann es ruhig lernen, mal zu warten), erst motzt es, dann nickt es aber, wir halten uns an den Händen.
Ich bin sehr erholt, tiefenentspannt wie schon lange nicht mehr und dementsprechend mit guter Laune aufgewacht! Ganz wunderbar!


Gestern musste ich tatsächlich einen Mann in die Schranken weisen, weil er in der Kassenschlange null Abstand hielt. Er berührte mich sogar kurz! Das hat nix mit Corona, sondern mit ANstand zu tun. Seine Antwort war nur ein kurzes: jawoll. Selbst die Kassiererin schüttelte den Kopf und sagte was, ich verstand sie aber nicht weil es so voll war

Grenzgeschichten

Cohängigkeit lässt sich einfach beschreiben mit: zuwenig (oder gar keine) Distanz. Zuviel verstricken mit den Gedanken, Gefühlen, Problemen, Situationen ect. der anderen. Deswegen kann Kontakt mit anderen Menschen so sehr erschöpfen, deswegen kann ein Großstadtbummel zur Reizüberflutung führen, deswegen wird man wütend auf Freunde und Familie.

Endlich weiß ich warum ich die letzten Monate soviele Kloträume hatte. Ich wußte zwar dass die immer was mit Grenzen zu tun haben, aber ich fand und fand nicht heraus, um welche Situation es derzeit gerade geht. Nun weiß ich es, zu sehr verstrickt mit J. Prompt träumte ich heute nacht wieder: Ich durchstreifte Räume und da waren auch Sanitärräume dabei, aber ich suchte kein Wc, wunderte mich aber, dass die Badewannen so frei und ungeschützt rumstanden und ich mir dachte, dass ich da nicht baden und entspannen könne, wenn da jederzeit einer vorbeilatschen kann.

Das andere Traum war dann noch treffender: Meine Wand zum Nachbarn bestand nur aus Brettern und 2 fehlten, so dass ein Loch da war. Ich lief dem Handwerker der dafür zuständig war übern Weg und bat ihn das zu richten. Er hatte aber keine Bretter dabei und fand eine andere Lösung: er versetzte alle Bretter ein Stück so, dass nach jedem Brett ein Spalt war, also sah mein Nachbar ja noch mehr von mir! Das ging gar nicht, ich fühlte mich noch ungeschützter als mit dem einen Loch und bat ihn das zu ändern, nämlich dass eine geschlossene Bretterwand da steht (für mich einstehen, was einfordern, jeah!!) er grummelte und füllte den Zettel mit dem Auftrag aus, dann Ende.

Die Realität sah damals tatsächlich fast so aus: Als ich einzog fehlte die Trennwand der Dachterrasse zum Nachbarn. Ich konnte also nie meine Balkontür offen lassen, wenn ich z.B. im Bad war. Aber auch sonst war es unangenehm, weil er sich oft ans Geländer lehnte und so tat als ob er rausschaut, stattdessen aber so halb zu mir rüberlinste und mich schonmal rief. Wir hatten uns auch angefreundet und einiges zusammen unternommn, aber ich bat ihn dann bitte wie alle anderen Menschen, einfach zu klingeln. Er murrte und meinte, dass sei doch übern Balkon einfacher. Wir kamen dann wegen was anderem in einen leichten Streit und daraufhin, erst nach 1,5 Jahren!!!! bat ich ihn, die Trennwand wieder einzubauen, die stand nämlich bei ihm. Daraufhin bekam ich Poston seinem Rechtsanwalt (!!). Total gestört. Es vergingen nochmal 2 oder 3 Monate wo er das Teil dann mitten in der Nacht wieder einbaute. Unser Kontakt war daraufhin beendet und es  gruselt mich heut noch wenn wir uns mal übern Weg laufen

Der Kick

Wenn ich das Thema erwischt habe, um das es gerade in meinem Leben geht (vor allem eben wenn es mir schlecht geht) wird mir leichter ums Herz und manchmal gibts so ein wohliges kribbeln im Bauch. Auch wenn das Thema schmerzhaft und schwierig ist. Aber wenn ich es mal zu fassen kriege, kann ich was tun, besser als im trüben zu fischen. Orientierungslos, schwammig, unklar ist immer doof.
Heute so beim Spaziergang hatte ich noch eine Erkenntnis. Was ist denn so reizvoll an emotional unerreichbaren Menschen? Es ist der Kick, wenn sie einem mal emotionale Nähe schenken! Wie wenn man eine Diät macht, hungert und dann ein Stückchen Schokolade. Mmmhhh, woah, wow, super! Die Endorphine sprudeln, das tut gut! So ist es auch mit einem süchtigen Menschen, wenn er mal wirklich zugewandt ist oder aufmerksam oder liebevoll.
Nunja, möchte man meinen, aber warum dann nicht zu einem Menschen gehen, der das öfters macht? Das ist langweilig, kein Drama, keine Anspannung, außerdem kenne ich das nicht, da bin ich von jeher gleich mißtrauisch…und zuviel Zuwendung ist ja auch nicht gut, das bin ich ja gar nicht wert. Tja…

Schwimmender Sonntag

Nach fast 5 Monaten war ich endlich heute wieder schwimmen, nachdem ja 2G weggefallen ist. Gefreut habe ich mich nicht. Die Freude starb irgendwann in den letzten Wochen. Weil ich öfters dachte, dass ich nun endlich wieder schwimmen kann, aber erst kam ewig der Impfstoff nicht, dann wurde dies und jenes wieder verlängert und geändert. Es war einfach zermürbend. Trotzdem bin ich heute losgefahren, weil ich wußte: es tut mir trotzdem gut und die Freude kommt auch wieder irgendwann. Aber ich wurde nochmal auf die Probe gestellt: Normal brauche ich 35 Mins in dieses Hallenbad (ich wechsel gerne durch) aber nun brauchte ich 1,5 Std. meine Nerven! Erst kam gar keine Bahn, dann war Baustelle, dann 20 Minuten Takt bei der anderen Bahn, die normal alle 5-10 mins fährt, dann noch umsteigen wegen Gleisarbeiten…irre. Aber dann war es soweit: ich zog die erste Bahn und ZACK verkrampfte sich schmerzhaft mein Nackenmuskel. Menno. Es wurde aber besser und ich hatte sogar eine Bahn für mich alleine, ganze 45 Minuten lang und als so langsam die kinderreichen Familien eintrudelten ging ich wieder und genoß einen leckeren Cappichino samt netter Begegnung mit dem Inhaber des angrenzenden Cafes. Ein Gastronom durch und durch. Super!
Interessant war ein junges Pärchen im Schwimmbecken, sie standen da rum und redeten, dazwischen heftige Küsse, dann weiterreden. Ich beobachtete sie ein wenig und wenn ich vorbei schwamm lauschte ich ein wenig. Als ich sie nur sah und noch nicht hörte dachte ich so: ah er ein Südländer Typ Schönling, sie sah ich nur von hinten, er eher kühl, sie total anhänglich. Als ich vorbei schwamm meinte er grad: Ja Vergebung ist das A und O. Ach dachte ich…lass mich raten, du hast Scheiße gebaut und säuselst nun deiner Freundin wieder die Ohren voll. Ich beobachtete weiter, er sah sie nie an, sondern redete immer mit Blick an ihr vorbei.
Wahrscheinlich hat er für jeden Wochentag ne andere Freundin. Egal. Ich beschäftigte mich dann wieder mit meinen Themen und finde es weiterhin erstaunlich wie ein Alkoholiker in meiner Nähe solche Auswirkungen auf mich hat. Das ist irre. Der Wahnsinn, leider im negativen Sinne. Der Fokus wandert wieder mehr zu mir zurück. Und das tut gut

Wochenrückblick 1.April 2022

Ein wunderschönes kleines Video: https://youtu.be/WLOU9PeuKvI
Ode an das Leben

– Ich stehe nicht mehr zur Verfügung. Es tut mir weiter gut wieder in der Literatur bezgl. Coabhängigkeit und Sucht zu lesen und auch online in einem Alkoholikerforum in dem natürlich auch Angehörige sind. Ich erkenn mich wieder in sovielem…Ist ja alles nix neues für mich, aber es braucht mal wieder eine Art Auffrischung, weil ich ziemlich in alten Mustern wieder hänge…

Ja dieses emotional am langen Arm verhungern lassen oder dass man sich wie die persönliche Assistentin fühlt (weil man auf alles schaut, organisiert, macht und tut) und wenn es dem Nichttrinker mal schlecht geht, weiß der Trinker nichts damit anzufangen, bügelt ab, verharmlost, rationalisiert alles. Weiter: das Selbstmitleid des Trinkers, aber auch die körperlichen Symptome des Trinkers: das zittern der Hände, das schwitzen (gut das hab ich auch schnell wenn ich unter starkem Streß stehe und was feinmotorisches machen muss, wo mir womöglich noch jemand zuschaut), aber auch die schleichende Verwahrlosung der Körperpflege, wenige soziale Kontakte, ständigen Begründungen fürs trinken „das hab ich mir jetzt verdient“ oder „da brauch ich erstmal was kühles“ und natürlich die Fahne. Vor paar Wochen begrüßte mich J. , er umarmte mich, wir trafen uns mittags und er hatte so ne richtige heftige alte Fahne, also kein frischer Biergeruch wenn man grad getrunken hat, oder auch wenn man mehr trank wenige Stunden später, ne so richtig verfault, muffig vom Vorabend. Da wollt ich schon fast so halb erheiternd sagen: „Boah wo warst du denn? Riechst ja we ne Schnapsleiche!“ Aber als brave Coabhängige „bloß nix gefährliches ansprechen, den anderen nicht beschämen oder in die Bredouille bringen“ schwieg ich.

Ich muss mich emotional wieder mehr lösen von den ganzen Verstrickungen. Bei mir bleiben und der Satz: Ich stehe nicht mehr zur Verfügung löst bei mir ein gutes Gefühl aus. Nämlich dass ich natürlich weiter da bin, aber gesund abgegrenzt, nicht mehr für Ausbeutung und Mißbrauch verfügbar, aber mit gesunder Zuneigung und Nähe-Distanz-Regulierung natürlich mit Wärme und ja manchmal auch Liebe. Und bin vor allem AUCH für MICH da! Ich stehe fest verwurzelt, aufrecht, stark da und wer was von mir braucht kann darum bitten und fragen, aber nicht mehr einfach hergehen und mir die Blätter und Blüten abreißen (um mal bei dem Bild zu bleiben). Wenn ich mich selbst gut versorgt habe und genug Nahrung, Licht und Wärme habe, damit ich gesund bleibe, dann gebe ich auch gerne was von meinem Überschuß ab.
Es gibt dazu die passende Herzmeditation in der man mit dem Körper z.B. eine Stop-Handbewegung macht, während die andere Hand auf dem Herz liegt und das abwechselnd macht und auch nacheinander in alle vier Himmelsrichtungen, dazu eine Musik die den passenden Takt vorgibt.
2 Tage kein Kontakt zu J. und ich merke wie ich immer mehr wieder bei mir und meinen Gefühlen ankomme. Ich habe Lust meine Lampe mal in einem anderen Licht scheinen zu lassen (was sie glücklicherweise kann und ich entscheide mich für ein sattes türkis…wow wunderschön. Später sehe ich mir einen Film an und lache mehrmals laut mit. Kam auch schon länger nicht mehr vor. Ich mache mal wieder eine andere Frisur als sonst und gehe mit schicken Stiefeletten einkaufen, in denen ich mich toll, schön und erwachsen fühle, außerdem trinke ich mal wieder eien Chai Latte den ich sehr mag, aber auch schon seit Monaten nicht mehr trank!  Kleinigkeiten, die mir aber zeigen, wie erstarrt ich war. Ich blühe wieder auf…langsam, aber immerhin!
Leichte Entzugserscheinungen gibt es auch: Zeiten, in denen ich alle 10 Minuten aufs Handy schaue, ob vielleicht doch ne Nachricht kam oder ob ich jenes Foto vielleicht posten soll um vielleicht eine Antwort zu bekommen und ich erwische mich mehrmals täglich dabei, wie ich mich gedanklich schon wieder mehr mit IHM und seinem Leben beschäftige statt mit mir und meinem Leben. Alles eine Frage der Übung.

– Streßreaktion: Heute nacht wachte ich mal wieder mit einer Panikattacke nachts auf, zum zweiten Mal innerhalb einer Woche. Ich wache nur so halb auf, merke aber dass es mir sehr schlecht geht, gefühlt bekomme ich keine Luft und mein Herz schlägt zwar nicht sonderlich schnell aber sehr stark, so als müßte es sich für jeden Schlag extrem anstrengen, es tut fast schon weh, dazu fühle ich mich schummerig und schlecht, habe auch leichte Orientierungsprobleme und noch eine vage Erinnerung an einen Alptraum (finde keine Tür, bin eingesperrt, gerate in eine gefährliche Situation sowas..), und ohne richtig wach zu werden schlafe ich auch schon wieder ein. Vielleicht sollte ich das nächste Mal doch das Licht anmachen, mich hinsetzen und das Fenster aufmachen, einfach um wieder richtig anzukommen, das zu verarbeiten und mich zu beruhigen, wobei ich mich gar nicht so nervös fühle, nur sehr schlecht.
In der früh war ich weiterhin zittrig und sehr angespannt, statt das auszuagieren (wieder 3 Std. hektisch laufen) habe ich Gefühle zugelassen: Niedergeschlagenheit und Trauer. Das darf jetzt sein, auch wenn ich mich gleich mit einer Freundin zum Essen treffe. Und wenn ich wenig essen mag, weil ich grad auch sehr traurig bin, dann ist das so. Nach dieser Erlaubnis dass ich so sein darf wie ich grad bin und das ja der Freundin auch sagen kann, nicht dass sie meint es liegt an ihr, verschwand die Anspannung fast sofort und ich wurde viel ruhiger.
Und ganz ehrlich bin ich mir nicht so sicher, ob die Panikattacken nicht vom Nasenspray kommen, klingt erstmal komisch, aber die letzte Attacke nachts bekam ich auch, nachdem ich abends das Spray nahm, weil ich so schlecht Luft bekam (Nase zu). Und vor einem Jahr im Hotel hatte ich das fast jede Nacht, ich dachte das lag halt an der extremen Streßsituation, aber auch da nahm ich viel Nasenspray weil da die Luftfeuchtigkeit extrem niedrig war. Werde das mal weiter beobachten. Vermutlich macht das „schlecht atmen können“ Sinn, weil ich dann weniger hyperventiliere oder so…Werde also das Spray wenn dann eher tagsüber nehmen und auch eher dann wenn ich Sport mache und die Luft brauche.

– abgemeldet: Endlich von der Erotikplattform (in der ich früher meine Kunden suchte) komplett mein Profil gelöscht. Vorher ging das irgendwie noch nicht. Bei mir, innerlich. Auch wenn ich mich schon sehr lange mit niemanden von dort mehr traf, blätterte ich oft doch noch durch die Anzeigen und mit manchen schrieb ich auch. Jetzt also ist alles weg. Denn um mich erneut dort anzumelden, müßte ich mir erst eine neue Mailadresse zulegen und das ist ein größerer Aufwand und für mich ideal um nicht aus der Laune heraus wieder rückfällig zu werden

Ich bin coabhängig!


Wenn ich mich verrückt fühle, ist irgendwas verrücktes in meinem Leben.
Passend dazu kam ich gestern beim „verrückten Eismacher“ einer Eisdiele vorbei.
Gestern löste sich nochmal ein großer Knoten. Gestern abend dämmerte es mir: ich stecke mal wieder voll in der Coabhängigkeit drin und statt wie sonst gegen 21h ins Bett zu fallen und fast sofort einzuschlafen, saß ich hellwach da und las in dem Buch: Unabhängig sein von Melody Beattie.

Wie schon vor einem 3/4 Jahr hat es was mit J. zu tun. J. hat eine gewisse „Bedien-mich-mentalität“, so lernten wir uns ja auch kennen: ich noch in der „Sexarbeit“ er der Kunde der seinen Fetisch ausleben wollte, so in Richtung Domina-devoter Typ, nur viel weicher. Und irgendwie ist er da hängen geblieben: ich werds schon machen, er kann sich zurücklehnen und sich gut fühlen.
Außerdem hat er was kindisches, unreifes und verantwortungsloses an sich und trinkt jeden Tag Alkohol.
Er meidet wirkliche Nähe. Wir schreiben uns zwar jeden Abend, aber sehr oberflächlich, auch die Treffen laufen fast immer nach dem gleichen Schema ab und emotionales ist fast nie Thema, außerdem geht die Initiaive ob/wann und wo meistens von mir aus.  Das werde ich ab sofort wieder lassen!

Wahrscheinlich hänge ich da schon wieder seit Monaten fest. Er saugt Energie und ich lasse es zu und weil ich nichts von ihm bekomme, ist mein Fokus voll auf ihn gerichtet damit ich ja nichts übersehe WENN mal was von ihm kommt. Außerdem behandel ich ihn übervorsichtig, sage nicht was ich manchmal wirklich denke und fühle (es könnte ihn ja verletzen, er könnte sich von mir abwenden!), sondern übernehme Verantwortung für seine Gefühle oder wenn er mal nicht weiter weiß (welches Gleis, welche Straße, was er im TV schauen soll, wie er richtig kocht usw). Ich hebe ihn auf einen Sockel, bin immer erreichbar, immer nett, immer zugewandt, immer interessant, in der Hofung, dass ich vielleicht auch mal emotional auftanken kann, was von IHM bekomme. Da ist aber nicht. NICHTS!
Das habe ich in meiner Familie so gelernt. Ich tat alles für ein wenig Aufmerksamkeit. Von Zuwendung, Liebe, ehrliches Interesse für meine Bedürfnisse, Gefühle, Gedanken und Unterstützung will ich gar nicht reden.

Das ganze mit J. bekam einen Riss, als es ihm diese Woche sehr schlecht ging, auch wegen Ärger in der Firma (was ich mir gut vorstellen kann, wenn er da auch keine Verantwortung übernimmt, werden seine Kollegen nicht sehr begeistert sein). Ich stand ihm bei und bot meine Hilfe an, außerdem wollte ich ihm eine Postkarte schicken die ich letztens fand, mit einem Motiv das sehr gut zu ihm passt und wo ich mir dachte, das gefällt hm bestimmt, das macht ihm eine kleine Freude. Als kleine Aufmunterung. Aber da merkte ich schon eine Sperre in mir ein: nein ich will das nicht tun. Ich hörte drauf und ließ es bleiben. Gut so!
J. half sich selber, er buchte kurzerhand einen Mniurlaub und fuhr weg und ich? Merkte eine Wut in mir. Hm? Was los? Neidisch?  weil ich nicht einfach mal so mein E-Bike, auf meinen neuen Audi schnallen kann (weil ich bedes nicht habe) und  in einem 4-Sterne-Hotel auf dem Land einchecke? NEIN, weil er sich um sich kümmerte, OHNE mich. Meine Sucht gebraucht zu werden verpuffte ins Leere. Ich fühlte mich vor den Kopf gestoßen, nutzlos, wertlos. Boah!

Wenige Tage später kam ich mal wieder an einen Tiefpunkt: voller Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, gequält von Suizidgedanken (weil mich braucht ja eh niemand usw.), die ich ja eigentlich gar nicht will und auch keine Erleichterung bringen. Nun wandte ich mich an ihn. Sprach offen an, wie beschissen es mir gehe. Es kamen 2 billige Sätze voller Phrasen via Whatsapp zurück. Als ich darauf antwortete, kam: nichts mehr. Waaahhh bloß nix mit Gefühlen! Und da dämmerte es mir.

Natürlich könnte ich jetzt schimpfen wie unreif er ist usw. nur das hilft mir nix. Denn das erste was man in 12-Schritten-Guppen erfährt: Du kannst den anderen nicht kontrollieren und nicht ändern! Schade auch, das wär nämlich einfacher jetzt ihm die ganze Schuld zu geben 🙂 Aber ich muss mich an die eigene Nase fassen!
Fakt ist: ICH bin zusehr verstrickt. Ich denke sooft an ihn und verliere meinen Fokus auf mein Leben und damit auch Energie. Denn diese folgt der Aufmerksamkeit! Kein Wunder, dass ich mich leer fühle und alles sinnlos erscheint.

Die Katzenbetreuung war natürlich DIE Coabhängigkeit schlechthin, danke Körper dass du dich so massiv gemeldet hast. Leider habe ich nicht richtig verstanden was genau los ist nur dass es „zuviel“ ist.
Auch bei  der Tafel gibt es derzeit einen Mann, auf den ich schon wieder „anspringe“ nicht im Sinne von verliebt sein, sondern von „für ihn sorgen“, mich zuständig fühlen, überlegen was ich ihm gutes tun könnte. Vor Jahren ist er aus dem nahen Osten geflüchtet, erst nach Kanada nun eben Deutschland, medikamentenüchtig (Opiate!) und Kiffer, wohnt in einer ehemaligen Arbunterkunft die mehr als schlimm ist (alt, abgenutzt, ect.) er selber ist auch verlottert mit uralter Kleidung, fährt oft mit der Bahn schwarz, wird oft erwischt steht kurz vor einer Gefängnisstrafe weil er das natürlich nicht bezahlen kann, evtl. auch spielsüchtig weil er erzählte dass es hier im Ort ja kein Wettspielcafe gibt. Angeblich hat er Frau und Kinder die irgendwo leben. Er erzählt auch oft von kruden wirren Geschichten halb auf englisch wo ich oft nichts verstehe außer dass es um irgendwelche Verschwörungstheorien in den sozialen Medien geht. Aber er hat eben auch was lustiges, heiteres und warmes und das ist genau die Mischung auf die ich anspringe. Vorsicht also, ganz große Vorsicht!

Als ich da so gestern über all das nachdachte, das Buch wieder rauskramte spürte ich wie Freude und Energie mich dufluteten! Ich war wieder im Jahre 2022 angekommen und sah (wortwörtlich!) nicht mehr durch die Augen eines Kindes, das versucht endlich irgendeinen warmen Blick oder eine liebevolle Geste von ihrer alkoholsüchtigen Mutter zu bekommen oder mal wirklich gefühlt und gesehen wird vom coabhängigen, narzzstischen Vater. Alle meine Bemühungen liefen ins Leere. Keiner der beiden war da. Und so suche ich mir heute noch Leute die genauso emotional nicht verfügbar sind und hoffe und versuche weiterhin diese Leute endlich dazu zu bringen für mich da zu sein.
Das durch die Augen des Kindes zu sehen, habe ich das erste mal so bewußt nun erlebt. Es ist schwer zu beschreiben, aber vor allem in ländlicher Umgebung (das Umfeld in dem ich aufwuchs) war es nun deutlich: Man sieht sich um, mit denselben Gefühlen von damals und sieht die Stimmung, das Licht, alles genauso wie damals, auch wenn es ein anderer Ort ist.  Kein Wunder, dass ich da so festhing und immer depressiver und lebensmüder wurde. Und Arbeit überhaupt nicht ging (übrigends auch ein Feld in dem ich stark coabhängig reagiere, was sich zeigt, dass ich oft noch 2 Tage nach dem Arbeitstag gedanklich nur dort verweile!).

Witzigerweise las ich letztens ein dünnes Büchlein das ich fand: Wenn Männer zuviel trinken. Es tat gut darin zu lesen, aber da dämmerte es mir immer noch nicht, wie sehr ich schon wieder in meiner Sucht stecke. Ich dachte das hätte ich hinter mir gelassen. Weit gefehlt

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