Nähe – Distanz

Mir wird langsam bewußt, dass mich chatten ähnlich stresst wie realer Kontakt zu Menschen. Nicht ganz so, aber doch ordentlich. Wenn ich zudem bedenke, dass ich meistens abends chatte, ist es nicht verwunderlich, wenn ich schlecht schlafe, angespannter werde, auch ängstlicher und generell unzufriedener.
Wenn ich mich dann noch erinnere, dass es lange Zeiten gab, in denen ich ich fast nur von Kaffe und Zigaretten ernährte, vornehmlich vorm Chat, wird mir ganz anders.
Ich war innerlich leer und bedürftig und suchte im Chat mein Glück. Aber da sind meistens auch leere, bedürftige Menschen wie ich immer wieder feststelle. Zum Beispiel der eine Mann. Wir können super plaudern, haben ähnlichen Humor, können rumalbern aber auch mal (einigermaßen) ernsthaft „reden“. Er ist IMMER online. Wenn ich dem schreibe habe ich zu 90% nach 5 Minuten eine Antwort. Egal ob er arbeitet, einen Film schaut oder die Wohnung putzt. Er zerstreut quasi seine Energie immer. Er sucht sein Glück im außen. Selbst 3 große Urlaube allein in diesem Jahr (davon eine Kreuzfahrt in die Karibik, wo jeder irgendwie berührt oder was auch immer wäre) erfüllten ihn nicht. Ich habe den Eindruck er ist von sich selbst abgekapselt. Von seinen wahren Bedürfnissen und Gefühlen. Kenn ich ja. Von mir. Aber ich werd immer bewußter und ich mag mich nicht mehr von Leuten benutzen lassen, die meinen sie können von mir Energie saugen um ihre eigene Leere zu füllen.

Deswegen werde ich bei täglichem Kontakt aggressiv. Übrigends egal bei welchem Menschen, den kann ich noch so sehr mögen, zuviel Nähe ist für mich Gift (es gibt von Miss Allie dazu einen schönen Song: Zu nah). Auch das wird mir erst jetzt so langsam bewußt. Und Ärger/Wut ist ein gutes Zeichen, da wird eine Grenze überlatscht, da passt was nicht, da heißt es: Hinschauen! Ich durfte in meiner Familie keinerlei Anzeichen von Unmut, Ärger oder Wut zeigen. Und so verinnerlicht, habe ich das früher sofort weggedrückt, wenn ich nur den Anflug solcher Gefühle habe. Das hat sich geändert. Ich nehme es wahr. Oft noch sehr spät, aber besser als nie. Ahhh da stimmt was nicht, da passt mir was nicht, was ist es? Kann ich es ändern? Früher habe ich mit dem Finger auf andere gezeigt:weil der so und so ist, dies und jenes macht, geht es mir schlecht, werd ich wütend, usw. Das ist Opferdenken.

Der Typ ausm Chat zwingt mich ja nicht täglich mit ihm zu schreiben. ICH habe die Entscheidung. Das Problem: Ich weiß, dass er es gerne hätte. Und da springt das coabhängige Verhalten an: Ich meine, mich so verhalten zu müssen, wie es IHM passt. Tue ich es nicht, kommt extreme innere Unruhe in mir auf und lieber schreib ich dann halt schnell zurück, als diese Unruhe auszuhalten oder bekämpfe sie anderweitig  mit naschen, kaufen, Alkohol ect.
Das werde ich mal als Übung für die nächsten Tage hernehmen. Es ist ja ein kindlicher Teil der diese Unruhe hat: wenn ich meinen Eltren nicht gefalle, niht tue was sie von mir wollen/erwarten, verlassen sie mich und ich werde elendig sterben oder mich noch gnädigerweise da wohnen lassen, aber mit Nichtbeachtung strafen, wie so einen nasskalten, dreckigen Lappen.
Heute werde ich für diesen Kindanteil da sein und ihm Sicherheit und Geborgenheit vermitteln

Eigene Entscheidungen

Täglich den Spruch des Tages von der CODA-Seite zu lesen, tut mir gut und hält mir meine alten Muster vor Augen, so dass ich besser auf mich aufpasse und nicht in die coabhängigen Verhaltensweisen rutsche. Oder schneller diese wieder lassen kann.

Der heutige lautet:

Nun, da ich von Co-Abhängigkeit genese, treffe ich Entscheidungen für mein Leben danach, was für mich richtig ist, nicht danach, was ich nach Meinung anderer tun sollte. Ich weiß, was meine Werte sind. Ich entscheide, wie ich meine Zeit verbringen möchte und lebe nach diesen Werten. Ich habe klar definierte Ziele. Ich bin erwachsen und in der Lage, für mich zu sorgen und meine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Durch meine bewussten Entscheidungen komme ich meinen Zielen und der Erfüllung meines Lebens näher.

Agency-Verhalten

Letztens dachte ich so: wie heißt eigentlich die Krankheit, wenn man kaum bei sich selbst ist? Selbstentfremdung, Selbstverlassenheit, Dissoziation. Ich fand dann im Netz den Begriff „Agency“. Wenn man zuviel Mitgefühl hat, den Focus zu sich selbst, sehr schnell verliert. Wie kommt man aus diesem Agency-Verhalten wieder raus? Nicht durch nachdenken, da dreht man sich im Kreis, sondern über den Körper: Wenn ich daran (z.B. im Falle eines neuen Arbeitseinsatzes) denke und sich der Körper eng, schwer anfühlt dann ist es Agency. Fühlt man sich weit energiegeladen und fröhlicher gestimmt, ist es das echte Selbst. Bewußt seinen Körper wahrnehmen!
Ich hatte mit einem Mann geschrieben, der für seine Familie eine Bügelhilfe suchte. Och dachte ich, besser als putzen. Wir schrieben. Wir machten ein Probearbeiten aus. Ab dem Zeitpunkt wurde mein Tinnitus lauter, meine Laune sank, auf meinem Brustkorb saß wieder ein fetter Bär, ich wachte schon nervös auf. Ich hatte aber auch generell kein gutes Gefühl, weil er manipulierend war. Total begeistert von mir, mir fast den roten Teppich ausgelegt, damit ich auch ja komme und bleibe. Nach einer Nacht drüber schlafen sagte ich ab. Und dann kam, was ich schon vermutete: Mr. „ich wohn in ner Villa im nobelsten Stadtteil Münchens“ konnte das nicht akzeptieren. Er fragte nach dem genaueren Grund und lobte nun SEINE tolle Arbeitsstelle die sie mir anbieten würden. Ich ließ mich nicht einfangen, Dann wurde er noch komischer und schob mir die Schuld zu, weil sie ja alle anderen bagesagt hätten, ich hatte sie hingehalten, das ist nicht fair laberlaberlaber. Wahnsinn, wenn jemand so eine kleine Grenze schon nicht akzeptiert! Mr. ich-hab-Geld, bekommt wahrscheinlich sonst immer was er will. Bin ich froh das wieder rechtzeitig gespürt zu haben!


Nein ich bleibe bei den Endreinigungen, evtl. Ferienwohnungen wenn Bedarf ist und den Marktforschungen die nun nach Corona auch wieder mehr anlaufen. DAS fühlt sich gut und stimmig an.
Bewußtheit. Jeden Tag. Bei ganz kleinen Dingen. Immer wieder schauen: Wo bin ich gerade mit meinen Gedanken? Habe ich mich schon wieder innerlich abgestellt und fühle nicht mehr was ich jetzt wirklich machen möchte und denke wieder ständig an X und Y? Ich bin da echt wie paralysiert. Gestern war ich angespannt, der Kopf sagte: lesen. Ich spürte genauer hin: ne ich will irgendwas belangloses im TV schauen. Hab ich gemacht. War super!


Erschreckend wie schnell ich mich „vergesse“, abspalte, beim anderen bin. Tagesaufgabe: STOP! Schauen, was fühle ich gerade, was ist mein Bedürfnis, inneren Automat abstellen, der schnell handelt, aber ohne inneren Bezug.
Um mich kümmern. Ich will mich nicht um den Scheiß anderer kümmern. Ich hab mich immer gekümmert. Ich will nicht mehr. Ich will mich nur um mich kümmern. Weil ich merke wie meine Freude, Zuversicht, Gelassenheit, Energie und Wohlbefinden massiv steigt! Und dann kommt wieder die Zeit wo ich gerne wieder was für andere tue, weil ich die Kraft dazu habe!

Heutige Affirmation: Neuerdings passt es zu meinem Selbstbild, dass ich mich schätze und achte, so wie ich bin. Der Selbstwertgenerator macht echt Spaß!!!

Wendepunkt


Es geht mir gut. Ich fühle mich wieder wohler. Ich bin wieder gut bei mir angekommen.
Dennoch immer wieder erschreckend, wie schnell ich mich im Kontakt verliere und ins alte Muster falle: ich kümmer mich um dich und du dann um mich. Dann passieren üble Verstrickungen, Projektionen, ob bewußt oder unbewußt, ich fühle mich schräg, ohne Selbstwert, falle in kindliche Anteile usw…Puh.
Dann brauche ich wieder viel Abstand-bis Kontaktabbruch und es geht wieder von vorne los. Mit manchen Menschen/Beziehungen heftiger, bei manchen schwächer ausgeprägt.

Ich habe wieder die Verantwortung für mich übernommen und überlasse die andere Verantwortung bei den anderen. Sind ja alles erwachsene Menschen (und auch kein pflegebedürftigen ect.).
Aufatmen. Lächeln. Die Kraft strömt wieder zu mir. Ich habe wieder Lust was zu machen.
Gestern war dann ein voller Tag. Das war auch in Ordnung so, ich habe mir die Termine ja selber gelegt. Ich nahm ein leichtes unterstützendes Medikament und war somit gelassener. In der früh ging es zu einer unbekannten Ferienwohnung samt Besitzerin. Das lief recht gut, Folgeauftrag für die Reinigung ist gegeben. Dann fuhr ich wieder heim um nachmittags nochmal los zufahren, diesmal in die Uni für eine Studie. Nach ewig langer Zeit endlich mal wieder vor Ort. Dort musste ich 40 Minuten lang bestimmte Bewegungen ausführen, natürlich unter Beobachtung (für Sozialphobiker echt schwierig). Die Sudienleiterin war sehr nett, es war anstrengend, aber da ich mich auf die Abfolge konzentrieren musste, blieb nicht soviel Raum für die Angst. Insgesamt war ich gestern 3,5 Std. in der Bahn unterwegs, plus die Jobs, plus Konversation mit fremden Menschen, plus die Hitze, aber alles funktionierte gut. Ich sorgte für mich: In der Bahn Musik in den Ohren damit ich abgelenkter bin, Pause im Park, in der Mittagspause ne Dusche, leichtes Medikament.
Ich habe wieder was geschafft. Ich habe was geleistet. Ich hatte einen guten Tag. Ich habe mein eigenes Geld verdient.
Und jetzt kann ich den freien Tag so richtig genießen. Mit Schlaf und gutem Essen 🙂

Gegönnt: Selbstwertgenerator! Ich hatte mich erst wieder an die 12-Schritte Literatur gewandt, aber ich kann damit absolut nichts mehr anfangen. Diese Lobhudelei überall: Seit ich bei AlAnon bin gehts mir supi…und wenn ich der höheren Macht vertraue die weiß was gut für mich ist (hä? Das ist das Gegenteil der Eigenverantwortung!) und unterschwellig immer dieses: sei demütig! Boah ne. Schrecklich.
Vor einigen Monaten sah ich schonmal den Selbstwertgenerator. 30 Euro. Puh viel Geld. JETZT fiel mir das wieder ein und dacht mir: Kaufste! Das ist ja die Krux, das was mir wirklich hilft und gut tut, da bin ich knauserig und was schädlich ist, geb ich locker viel Geld aus. Er kam auch gleich am nächsten Tag und ich bin begeistert! Jeden Tag kann man durch 3 Stapel sich einen neuen Satz zum Thema Selbstwert zusammenstellen. So entstehen insgesamt über 200.000 (!) positive Affirmationen. Er steht nun schräg gegenüber von meinem Esstisch. So dass ich immer wenn ich da sitze, den Satz lesen kann. Heute ergab sich dieser: Zweifelsfrei erkenne ich, dass meine Wünsche und Bedürfnisse wichtig sind.
Genau! 😉 In diesem Sinne, kümmere ich mich heute mal um meine Wünsche. Und Bedürfnisse.

Wochenrückblick 30. Juli 2022

– fehlende Abgrenzung. Ich hasse, was mir mal wieder am Sonntag passierte: Ich will früh, ganz früh in den Wald, weil ich Bewegung brauche und keine Menschen, ich bin angespannt, überreizt, gereizt und überhaupt. Ich stehe um 6.10 Uhr am Sonntag am Bahnsteig. KEIN Mensch, entspannt und glücklich schaue ich in die knallorangene Sonne zwischen den Bäumen, da kommt ne Frau auf mich zu. Grüßt mich, fragt wie es mir geht. WHAT? Denke ich, wieder so ne Verrückte die labern will, genau die erwisch ich wieder…ich grummel ein „Morgen…“ und schaue weg. „kennst mich nicht mehr?“ fragt es zurück. Äh nö. Und ich kann mir Gesichter extrem gut merken und meist auch woher ich die kenne. Sie klärte mich auf, von der Tafel, sie war mal paar Wochen da. Ja da wußte ich es wieder. Das ist kein Jahr her. Und ich erkenn die nicht? Ich mach mir Sorgen um mich. Soweit so ok. Aber die fängt das labern an…ohh nööö. meine Hnadflächen werden sofort schwitzig. Ich will hier weg. Meine Ruhe und minimal aufgetauchte Entspannung ist WEG. Ich ärger mich. Die 10 Minuten bis die Bahn kommt, kommt mir vor wie eine ganze Stunde. Wieso gehe ich nicht einfach weiter? Weil ich mich einwickeln lasse. Ich mühe mich nicht zu begeister zu schauen und starre ins Gleisbett, gehe einen Schritt weg weil sie auch unfassbar nah bei mir steht und mich penetrant anstarrt als ob sie in mich hinein kriechen will…moah wie ich das hasse. Nur nicht unfreundlich sein, nur nicht als die komische gelten…WARUM??? Ich hab mit der nie direkt damals geredet, immer nur in größeren Runden, quasi indirekt. Die S-Bahn kommt, sie steigt ein und schaut mich fragend an nach dem Motto: wo willst du sitzen? Ich sage was von: Ich geh noch ein Stück vor, ciao. Und setze mich ereichtert einige Sitzreihen weiter weg. PUH. Immerhin ein Fortschritt. Früher hätte ich die gesamte Fahrt ausgehalten und mit der gequatscht.
Ich konnte dann die 10km Waldrunde einigermaßen genießen und sogar die installierte Hängematte und das Wald-xylophon (in dem Wald ist viel eingebaut worden: Lehrpfad, barfußpfad, Bänke usw…)
Tja das Universum schickt mir genug Übungsaufgaben.

– bei mir angekommen. WOW, was das ausmacht, wenn ich 1 Woche keinen Kontakt zum süchtigen Menschen habe! Der Fokus ging wieder zurück zu mir, zu meinem Leben, zu meinen Körper, zu meinen Bedürfnisse. Ich fühle mich wieder viel besser, spüre Freude, schlafe gut, bin nicht mehr so angespannt und nervös, kann wieder genießen! Ich machte einen Ausflüge in den Wald, konnte da sehr genießen und machte das weil ich es wollte und nicht nur vom Kopf her meinte, das machen zu müssen. Auch war ich mal wieder in einer Kunstaustellung, die toll war, weil es um das Thema Nebel ging und ich den sehr mag. Es war ein Mix aus Bildern, Fotos und Installationen u.a. wurde ein Raum in Nebel gehaucht und die Besucher verschwanden sozusagen. Leider war sehr viel los, sodass ich es nicht ganz so genießen konnte.
Aber es kamen gleich neue Verlockungen/Übungsaufgaben ins alte Muster zu fallen. Anscheinend rieb sich das Universum die Hände: ha mal sehen, wie ernst sie es meint: und schickte mir einen Exfreund, der ebenfalls recht dysfunktional, ventwortungslos und süchtig unterwegs ist und dann fragte mich die Frau mit den Katzen nochmal nach Betreuung. Zu beiden konnte ich sehr gut Abstand halten.
Aber trotzdem erschreckend wie schnell und lange ich in dem Fokus nach außen hängen bleibe: wie gehts dem anderen, was braucht er, was erwartet er von mir, wie soll ich mich verhalten und tue das auch noch im vorauseilenden Gehorsam ohne zu hinterfragen, ob das für mich stimmig ist! Nunja dieses Muster habe ich von klein auf gelernt, inhaliert und fest in meiner Persönlichkeit verankert. Meine Eltern waren/sind auch sehr unreif, süchtig und verantwortungslos und daher kümmerte ich mich um sehr viel, meist um die emotionale Belange.
Ich werde nie den Satz vergessen, den ich in der Klinik in einer Gruppentherapiestunde mal zu allen is Gesicht sagen sollte: „Ich sorge gut für mich und es ist mir egal was du davon hältst.“ Boah war das hart. Erst wollte ich mit dem Therapeuten diskutieren warum der Satz für mich nicht stimmt (lach) der bleib aber stur und so fing ich an, geschüttelt von Tränen und Panik. Es fühlte sich so schlimm an! Als ob neben mir ein Mensch verbrennen oder ertrinken würde und ich helfe nicht!!
Zum Schluß hin, konnte ich den Satz ruhiger sagen, ohne Tränen und körperlich aufrechter.
Üben „bei mir zu bleiben“. Üben, üben, üben. Das kann mir kein Psychopharmaka abnehmen.

– Lieblingslied: ich mag ja eher melodiösen Techno und fand per Zufall ein neues Lied: ach wie ich das liebe, wenn der Bass einsetzt:
https://youtu.be/VNJ9g07hl-s

– AUA: Seit 2 Wochen immer wieder mal Halsweh. Die letzten Tage sehr heftig, jedes schlucken tut extrem weh. Und immer mal wieder leichtes Kopfweh. Seltsam. Halsweh hab ich nie. Coronatest war negativ. Montagfrüh hab ich Arzttermin, bin echt gespannt. Und hoffe dass die Schmerztablette wirkt. Weil selbst die Lutschpastillen die äußerlich betäuben sollen null Wirkung haben

Wohenrückblick 23.Juli 2022

– Freude: wenn man sich zum zweiten Mal in der Woche eine Schokofrucht vom Volksfest gönnt und der junge (wahrscheinlich neue) Verkäufer nur 3,50€ statt 4,50€ verlangt 🙂

– Die Süchtigen und ich. Darüber könnte ich ein Buch schreiben. Es ist mal wieder soweit. Ich hocke in dem Loch namens Coabhängigkeit. Das ist so zermürbend. Da weiß ich schon alles darüber und tappe doch immer wieder hinein. Ich erkenne es oft immer noch zu spät. Aber ich komme schneller wieder davon raus, als früher. Immerhin.
Wir passen immer gut zusammen, der Süchtige und ich. Wie Schloß und Schlüßel. Man findet sich. Man findet sich anregend und spannend. Der eine übernimmt keine Verantwortung, der andere übernimmt sie. Der eine will sich dauernd bedienen lassen, ich bediene. Ich war vor 20 Jahren in einem örtlichen Chat. Man kannte sich untereinander, man traf sich öfters zum brunchen, zum sporteln, zum feiern. Eine bunte Mischung, vom arbeitslosen bis zum Chef, weiblich, männlich, alles. Ich glaub der Hälfte der Männer half ich: Mit seelischer Unterstützung, mit Sex, mit einem Bett zum ausruhen, als Unterhaltung für einen Abend, als Aufpasserin wenn sich einer mal wieder die Kante gab und ich seine Brille bewahrte oder ihn heim begleitete. Ich hielt Kontakt zum Anwalt, als einer der Typen im Knast saß, natürlich besuchte ich ihn auch dort und regelte seinen Scheiß.
Verantwortung? Übernehm ich gerne! Alles organisieren, schauen, machen tun? Ich kann das! Das wäre auch nicht das Problem. Das Problem ist, dass dieses geben zu einseitig ist. Es gibt ja vieles was ich nicht machen kann oder will, das könnte ja dann der andere machen. Aber da kommt dann: ach ne da bin ich zu naiv, zu schusselig, das kann ich nicht blaablaaa und weil es dann einfacher ist: mach ich es halt doch.
Dann geht es mir schlechter und schlechter. Ich verfalle in eine Depression, vegetiere vor mich hin, phantasiere Suizidpläne. Wundere mich, warum es mir so schlecht geht…hm?
Ich habe mich wieder mal selbst verloren. Die Verbindung zu meinen Bedürfnisse, Gefühlen und Wünschen. Ich fühle mich leer. Ausgesaugt. Ausgelaugt. WO ist meine Energietankstelle?
Ich fand letztens einen guten Satz über Süchtige:
„Bei Drogensüchtigen sagt man auch: Sie sind „stoned“, d.h. man könnte genausogut versuchen eine emotionale Beziehung zu einem Stein herzustellen.“
Absolut! Man ackert also für NIX. Man verhungert emotional, man fühlt sich nicht nur innerlich leer, man ist es auch. Solange bis man seinen Fokus wieder nach innen, zu sich richtet und sich und sein Leben wieder spürt und somit füllt.
Mir fehlen die Grenzen in Suchtbeziehungen. Es entsteht sofort (oder relativ schnell) eine ungesunde Symbiose. Ein ICH gibt es nicht mehr, eher nur noch ein ER  (manchmal auch eine SIE) oder WIR. Es gibt nur ein entweder ganz oder gar nicht. Verschmelzung oder gar keinen Kontakt. Vielleicht ist das auch normal, wahrscheinlich geht das in Suchtbeziehungen gar nicht anders.
Ich jedenfalls habe mal wieder die Schnauze voll davon, ertrinkende zu retten, die sich gar nicht retten lassen wollen, sondern ihr bequemes Leben weiterleben wollen, ohne Verantwortung für sich zu übernehmen.
Ich bin dann mal weg….

– lustig: Montagnachmittag bei brütender Hitze ins Kino zu gehen ist das beste was man als Sozialphobiker machen kann: Eine Bekannte und ich hatten das Kino für uns alleine 😉 haben das so genossen. Leider war der Film eher mau: Liebesdings. Naja wenigstens Elyas M’Barek mal wieder in Leinwandröße gesehen *Glotz-und-sabber

– Wohnungssuche: hatte ne Anzeige aufgegeben, in der ich eine neue Wohnung suche. Was da alles zurückkam…die meisten wollten diese Wohnung haben. Haha, die konnten wohl nicht deutsch oder was weiß ich, dann kamen die Liebesangebote: Bin der Jürgen und suche eine Frau, und nur ein mickriges Angebot kam und als ich zurückschrieb, das ich Interesse hätte, kam: nix mehr. Nunja, mal sehen was sich da noch so entwickelt.

-Melancholie fühlt sich an wie Heimweh, während man zuhause ist…

Ein schöner Traum

Ich finds ja immer geil, wenn ich im Traum neues, gesundes Verhalten an den Tag lege. Weil was ich den Tag schon habe, brauch ich ja in der Nacht nicht auch noch und überhaupt, wenn mein Unterbewußtsein schon weiß was zu tun ist, ist das Ziel nah!


Heute also: Ich bin mit einem Mann, den ich noch nicht lange kenne an einem Fluß. Er meint ob wir schwimmen und ich sage das mir das zu kalt ist (ohne mich zu schämen) ich gehe ein wenig herum und merke dass ich gerne schauen möchte was da so hinter den nächsten Häusern ist, ich drehe mich um und sehe, dass der Mann Gitarre spielt und singt (also auch er kann sich alleine beschäftigen und bei sich bleiben) ich mache Zeichen um ihm klar zu machen, dass ich mal ein wenig unterwegs bin und später wieder an den Platz zuu komme. (Ich klebe also nicht nur an ihm sonder kümmere mich auch um meine Bedürfnisse in seiner Gegenwart!) er nickt und meint da hinten ist es echt schön (kein Neid, kein schlecht machen, kein ausreden, er lässt mich machen, weil auch er nicht coabhängig ist). Ich stehe dann an einer Treppe, wieder am Fluß, der Wald und das breite Flußbett, aber auch das kleine Dorf gefällt mir, nur der Typ der neben mir schnulzige Liebesarien zu mir brüllt nervt mich, ich sage ihm er soll ich ihn Ruhe lassen, er geht, ich genieße die Stille. Da geht die Tür vom Bauernhaus nebenan auf und eine Frau steht da. Wir untrehalten uns kurz über den Typen, ich trete in ihre Stube ein. Ja meint sie, das sind die Bettler, die es ja auch in der S-Bahn gibt die neben deinen Sitz Taschentücher legen und einen Zettel auf dem steht das sietaubstumm sind oderwasauchimmer und hoffen dass mn Geld hinlegt. Ja sage ich manchmal sind die aber sehr penetrant, das grenzt schon an Belästigung. Die Frau nickt.
Ich trinke noch einen Schluck Milch und gehe wieder nach draußen. Ich genieße wieder am selben Platz die Aussicht, als ich sehe wie der Mann (der Gitarre spielende) zu mir kommt. Ich freue mich sehr ihn zu sehen und spüre eine tiefe Zuneigung zu ihm, obwohl er äußerlich überhaupt nicht mein Typ ist (aber Typen die äußerlich meinem Beuteschema entsprechen sind auch meistens die unnahbaren, mißbrauchenende, materialistischen, aber hübsche, scharmante Arschlöcher). Er hat ein Kind dabei (auch das kenne ich wohl erst seit kurzem) und das zeigt mir aufgeregt was sie gefunden haben: einen Rucksack mit Fotoausrüstung und glutenfreiem Brot (grins). Aber ich sehe auch 3 leere Bierflaschen und weiß, dass diese von dem Mann sind. Ich bin etwas betrübt.
Wir sitzen dann zu dritt so da und ich fange an zu erzählen und das Kind unterbricht mich und ich bitte es mich ausreden zu lassen (das Kind ist so im Vorschulalter und ich denke, da kann es ruhig lernen, mal zu warten), erst motzt es, dann nickt es aber, wir halten uns an den Händen.
Ich bin sehr erholt, tiefenentspannt wie schon lange nicht mehr und dementsprechend mit guter Laune aufgewacht! Ganz wunderbar!


Gestern musste ich tatsächlich einen Mann in die Schranken weisen, weil er in der Kassenschlange null Abstand hielt. Er berührte mich sogar kurz! Das hat nix mit Corona, sondern mit ANstand zu tun. Seine Antwort war nur ein kurzes: jawoll. Selbst die Kassiererin schüttelte den Kopf und sagte was, ich verstand sie aber nicht weil es so voll war

Grenzgeschichten

Cohängigkeit lässt sich einfach beschreiben mit: zuwenig (oder gar keine) Distanz. Zuviel verstricken mit den Gedanken, Gefühlen, Problemen, Situationen ect. der anderen. Deswegen kann Kontakt mit anderen Menschen so sehr erschöpfen, deswegen kann ein Großstadtbummel zur Reizüberflutung führen, deswegen wird man wütend auf Freunde und Familie.

Endlich weiß ich warum ich die letzten Monate soviele Kloträume hatte. Ich wußte zwar dass die immer was mit Grenzen zu tun haben, aber ich fand und fand nicht heraus, um welche Situation es derzeit gerade geht. Nun weiß ich es, zu sehr verstrickt mit J. Prompt träumte ich heute nacht wieder: Ich durchstreifte Räume und da waren auch Sanitärräume dabei, aber ich suchte kein Wc, wunderte mich aber, dass die Badewannen so frei und ungeschützt rumstanden und ich mir dachte, dass ich da nicht baden und entspannen könne, wenn da jederzeit einer vorbeilatschen kann.

Das andere Traum war dann noch treffender: Meine Wand zum Nachbarn bestand nur aus Brettern und 2 fehlten, so dass ein Loch da war. Ich lief dem Handwerker der dafür zuständig war übern Weg und bat ihn das zu richten. Er hatte aber keine Bretter dabei und fand eine andere Lösung: er versetzte alle Bretter ein Stück so, dass nach jedem Brett ein Spalt war, also sah mein Nachbar ja noch mehr von mir! Das ging gar nicht, ich fühlte mich noch ungeschützter als mit dem einen Loch und bat ihn das zu ändern, nämlich dass eine geschlossene Bretterwand da steht (für mich einstehen, was einfordern, jeah!!) er grummelte und füllte den Zettel mit dem Auftrag aus, dann Ende.

Die Realität sah damals tatsächlich fast so aus: Als ich einzog fehlte die Trennwand der Dachterrasse zum Nachbarn. Ich konnte also nie meine Balkontür offen lassen, wenn ich z.B. im Bad war. Aber auch sonst war es unangenehm, weil er sich oft ans Geländer lehnte und so tat als ob er rausschaut, stattdessen aber so halb zu mir rüberlinste und mich schonmal rief. Wir hatten uns auch angefreundet und einiges zusammen unternommn, aber ich bat ihn dann bitte wie alle anderen Menschen, einfach zu klingeln. Er murrte und meinte, dass sei doch übern Balkon einfacher. Wir kamen dann wegen was anderem in einen leichten Streit und daraufhin, erst nach 1,5 Jahren!!!! bat ich ihn, die Trennwand wieder einzubauen, die stand nämlich bei ihm. Daraufhin bekam ich Poston seinem Rechtsanwalt (!!). Total gestört. Es vergingen nochmal 2 oder 3 Monate wo er das Teil dann mitten in der Nacht wieder einbaute. Unser Kontakt war daraufhin beendet und es  gruselt mich heut noch wenn wir uns mal übern Weg laufen

Der Kick

Wenn ich das Thema erwischt habe, um das es gerade in meinem Leben geht (vor allem eben wenn es mir schlecht geht) wird mir leichter ums Herz und manchmal gibts so ein wohliges kribbeln im Bauch. Auch wenn das Thema schmerzhaft und schwierig ist. Aber wenn ich es mal zu fassen kriege, kann ich was tun, besser als im trüben zu fischen. Orientierungslos, schwammig, unklar ist immer doof.
Heute so beim Spaziergang hatte ich noch eine Erkenntnis. Was ist denn so reizvoll an emotional unerreichbaren Menschen? Es ist der Kick, wenn sie einem mal emotionale Nähe schenken! Wie wenn man eine Diät macht, hungert und dann ein Stückchen Schokolade. Mmmhhh, woah, wow, super! Die Endorphine sprudeln, das tut gut! So ist es auch mit einem süchtigen Menschen, wenn er mal wirklich zugewandt ist oder aufmerksam oder liebevoll.
Nunja, möchte man meinen, aber warum dann nicht zu einem Menschen gehen, der das öfters macht? Das ist langweilig, kein Drama, keine Anspannung, außerdem kenne ich das nicht, da bin ich von jeher gleich mißtrauisch…und zuviel Zuwendung ist ja auch nicht gut, das bin ich ja gar nicht wert. Tja…

Schwimmender Sonntag

Nach fast 5 Monaten war ich endlich heute wieder schwimmen, nachdem ja 2G weggefallen ist. Gefreut habe ich mich nicht. Die Freude starb irgendwann in den letzten Wochen. Weil ich öfters dachte, dass ich nun endlich wieder schwimmen kann, aber erst kam ewig der Impfstoff nicht, dann wurde dies und jenes wieder verlängert und geändert. Es war einfach zermürbend. Trotzdem bin ich heute losgefahren, weil ich wußte: es tut mir trotzdem gut und die Freude kommt auch wieder irgendwann. Aber ich wurde nochmal auf die Probe gestellt: Normal brauche ich 35 Mins in dieses Hallenbad (ich wechsel gerne durch) aber nun brauchte ich 1,5 Std. meine Nerven! Erst kam gar keine Bahn, dann war Baustelle, dann 20 Minuten Takt bei der anderen Bahn, die normal alle 5-10 mins fährt, dann noch umsteigen wegen Gleisarbeiten…irre. Aber dann war es soweit: ich zog die erste Bahn und ZACK verkrampfte sich schmerzhaft mein Nackenmuskel. Menno. Es wurde aber besser und ich hatte sogar eine Bahn für mich alleine, ganze 45 Minuten lang und als so langsam die kinderreichen Familien eintrudelten ging ich wieder und genoß einen leckeren Cappichino samt netter Begegnung mit dem Inhaber des angrenzenden Cafes. Ein Gastronom durch und durch. Super!
Interessant war ein junges Pärchen im Schwimmbecken, sie standen da rum und redeten, dazwischen heftige Küsse, dann weiterreden. Ich beobachtete sie ein wenig und wenn ich vorbei schwamm lauschte ich ein wenig. Als ich sie nur sah und noch nicht hörte dachte ich so: ah er ein Südländer Typ Schönling, sie sah ich nur von hinten, er eher kühl, sie total anhänglich. Als ich vorbei schwamm meinte er grad: Ja Vergebung ist das A und O. Ach dachte ich…lass mich raten, du hast Scheiße gebaut und säuselst nun deiner Freundin wieder die Ohren voll. Ich beobachtete weiter, er sah sie nie an, sondern redete immer mit Blick an ihr vorbei.
Wahrscheinlich hat er für jeden Wochentag ne andere Freundin. Egal. Ich beschäftigte mich dann wieder mit meinen Themen und finde es weiterhin erstaunlich wie ein Alkoholiker in meiner Nähe solche Auswirkungen auf mich hat. Das ist irre. Der Wahnsinn, leider im negativen Sinne. Der Fokus wandert wieder mehr zu mir zurück. Und das tut gut

Rapunzel´s Turm

(K)PTBS für Anfänger, Fortgeschrittene und Angehörige

TRAUMALEBEN

Leben mit Entwicklungstrauma / komplexer PTBS & Traumafolgestörungen

Al-Anon Blog

Deutschsprachige Beiträge und Informationen zu Al-Anon

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Hanni hat Heimweh

Auf der Suche nach Ruhe und Sicherheit, aber leider nur stark im Auffinden von Chaos und Gespenstern.

Sick Girl

Depression

Herzensgrenze

Überleben als Introvertierte mit dem Wrong-Planet-Syndrom

Hochsensibel und Multipassioniert

Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer. Antoine de Saint-Exupéry

Eine Art Tagebuch

Amat victoria curam