Wochenrückblick 17.Dezember 2022

gefreut: über die 300,- Energiepauschale für Rentner. Ich habs ja erst geglaubt, als es aufm Konto war 😉

– komatös: oh no! Nach dem Frühstück völlig ko wieder ins Bett fallen. Hatte ich früher jahrelang, dann lange nicht mehr und jetzt wieder? Bitte nicht….bis mir einfiel: Gluten zum Frühstück! DAS wars. Das gibts auch nur einige Male zur Weihnachtszeit, wenn ich ein Mischbrot mit Butter bestreiche und dann Gewürzspekulatius kurz in Kaffe tausche und dann gleich aufs Butterbrot lege. Das ist so lecker! Gut muss jetzt auch wieder reichen. Überhaupt freue ich mich wieder, auf verträgliches Essen. Aber die Weihnachtsleckereien sind derzeit halt auch zu lecker. Und meine Disziplin zu schlecht.

– HSP: Wenn ich Berichte oder Videos über Hochsensibilität höre oder sehe, wird oft gefragt: Wenn Du diese Hochempfindlichkeit wegzaubern könntest, würdest Du? Und fast alle verneinen.. Nein es sei ja auch ein Geschenk und wunderbar…usw. Versteh ich nicht. Mir reichts. Ich würde das gerne loswerden, mich belastbarer fühlen, nicht vor Schreck halb sterben wenn der Schaffner pfeift, nicht im Supermarkt den Tunnelblick und Schweißausbrüche bekommen, nicht all die Demütigungen in der Kindheit weil mir sooft alles zuviel war und ich weinte.

– kreativ: ein Glühwein war mir zuviel Alkohol, aber einen Kinderpunsch wollte ich auch nicht, also einfach einen Kinderpunsch mit Schuß bestellt. Die Verkäuferin lachte 😉

– Affirmation der Woche: „Augenblicklich ist es gut für mich, dass ich Schritt für Schritt auf meine eigene Art erfolgreich bin.“ YES!

– gelassen: Ich weiß gar nicht so recht woher das kommt (naja so paar Vermutungen hab ich schon)aber die neue Gelassenheit gefällt mir. Klar bin ich oft noch angespannt, gerade wenn es um Liefertermine geht oder wenn was wichtiges auf der Kippe steht. So zum Beispiel mein neuer Internetanschluß: erst kam der Router nicht, als der da war, ging trotzdem kein Internet, also musste ein Techniker kommen.Dann bei den Einstellungen hab ich mich so doof angestellt, dabei habe ich das ja schon öfter gemacht. Naja aber nun funzt es und ich freu mich.
Und ja die Nacht vor einem Arbeitstag ist oft auch sehr unruhig, aber das hol ich dann wieder auf.
Das getrieben sein ist weniger, ich gehe langsamer, ich lasse mir Zeit, ich kann kurze Pausen (wie Bahnfahren) zum entspannen nutzen und loslassen und nicht gedanklich im übermorgen sein, was das wieder für ein anstrengender Tag wird. Im Jetzt bleiben. Kleine Dinge genießen. Ein „alles ist gut“- Gefühl. Frieden in mir. Ich habe mehr Selbstwertgefühl, ich bin weiterhin gut bei meinen Gefühlen und Bedürfnissen. Ich erlaube mir andere doof zu finden und mich OK und nicht andersrum, wie früher. Lockerer sein, dann mach ich eben mal was nur zu 80% und nicht 150%, ich verurteile mich nicht mehr wenn ich gut für mich sorge! Ich summe und singe mehr, letztens hab ich nachdem der Radiowecker losging, noch ein paar Minuten den Moderatoren zugehört und bin liegen geblieben und das war dann so lustig und ich hab laut losgelacht, noch im Bett eingemummelt, wie geil ist das denn! Ich fühle mich weniger klein und überfordert wenn ich unterwegs bin. Ich denke viel öfter an Dinge die ich mag und die Spaß machen und tue die auch. Ich bleibe viel seltener im düsteren Gedankenszenario oder Gefühlschaos hängen. Es ist wunderbar. So macht Leben Spaß! Ich genieße das sehr!

*** und kaum läuft es mal so gut…***

– emotional verkatert: ich fühle mich tieftraurig. Seit gestern. Obwohl mir was sehr schönes passierte. Seltsamerweise agierte ich kurz danach ähnlich, als ob ich was schlimmes erlebte. Erst erstarrte ich. Sprichwörtlich und dann ergriff ich die Flucht: ich zog mich an und ging über eine Stunde stramm spazieren, während dessen mir immer wieder Tränen übers Gesicht liefen. Ich war so verwirrt, auch geschockt, ein wenig Freude war auch dabei und ganz viel staunen. Gefühlschaos. Auf jeden Fall ein „sich wie im Film fühlen“, ich dachte, bald wach ich auf, alles nur geträumt. Später überwog die Freude und ich hörte kraftvolle spirituelle Musik, sang und tanzte. Die Nacht war unruhig, der Ruhepuls viel zu hoch. Heute morgen: In mir alle grau. Ich ging trotzdem zum schwimmen, das tat auch gut, es war zum Glück wenig los, aber die Streßhormone kreisen immer noch in mir. Was war passiert? Hier ist schon viel Weihnachtspost angekommen und ich hatte Lust ein Päckchen aufzumachen. Ich habe da viel mehr Spaß dran, wenn ich die Tage vor Weihnacten hier und  da schonmal was auspacke oder eine Karte lese. Ich entschied mich für eine kleine Schachtel. Und erwischte den Jackpot. Ein sehr wertvolles Geschenk. Ich glaub ich kann damit einfach nicht umgehen. So etwas bekam ich noch nie. Noch nichtmal zum 18. oder zur Firmung oder warum auch immer. Meine Mutter schaffte es mal original mir Slipeinlagen aus ihrem Badschrank zu schenken, weil sie die ja nicht mehr brauche, nach ihrer OP.
SO gings bei uns zu. Wenn ich von meinem Vater was wertvolles bekam (selten, aber kam vor) war das immer ein „mich kaufen“, mich an ihn binden. Unausgesprochen aber klar fühlbar. Ätzend. Gruselig. Vielleicht wird dieses Gefühl gerade wieder getriggert: Welche Bedingungen sind dran geknüpft? Was erwartet man nun von mir? Außerdem verwirrt  mich, das Verhalten der Schenkenden, weil sie sehr widersprüchlich agiert (auch etwas was mich evtl. angetriggert hat): Mal vergisst sie meinen Geburtstag, dann schreibt sie unglaublich zugewandt und warmherzig, dann schenkt sie mir ihre gebrachten Sachen die sie nicht mehr braucht und dann wieder was total teures oder kunstvoll eingepackt, mal kommt gar keine Antwort auf meine Nachricht und dann kommt wieder eine lange Mail wo ich soviel Nähe und Freude und eine Bindung spüre. Mal heiß, mal kalt. Unvorhergesehenes Verhalten. Ich weiß nie wie sie mich als nächstes behandelt. Unberechenbar. Wie früher zuhause: wieviel hat Mama getrunken, wie schlecht ist ihre Laune, ist sie müde und kann mir nicht bei den Hausaufgaben helfen? Bei Papa das gleiche: ist seine Angst wieder so schlimm das wir den Ausflug abbrechen müssen? Oder geht es ihm so gut das er mich von der Schule abholen kann? Alles immer brüchig, keine Konstante auf die ich mich vertrauen und verlassen konnte, immer Habacht-Stellung, immer nur auf die zwei schauen, damit ich wußte wie ich mich verhalten muss, um größere Schäden zu vermeiden.
Da dieses Geschenk ohne Vorwarnung kam, hat es mich glaub ich wirklich geschockt. Selbst wenn es was gutes ist. Anscheinend geht das. Ich bin/war wirklich überfordert.
Dann dachte ich, vielleicht hat es gar nichts damit  zu tun (Verleugnung), sondern dass ich bald wegfahre oder weil ich mich derzeit ziemlich einsam fühle. Vielleicht spielt das AUCH mit rein, aber der Hauptgrund ist eher das Geschenk, weil es mir ja seitdem so komisch geht. Krass. Ich muss das wirklich innerlich erstmal verarbeiten

Nähe – Distanz

Mir wird langsam bewußt, dass mich chatten ähnlich stresst wie realer Kontakt zu Menschen. Nicht ganz so, aber doch ordentlich. Wenn ich zudem bedenke, dass ich meistens abends chatte, ist es nicht verwunderlich, wenn ich schlecht schlafe, angespannter werde, auch ängstlicher und generell unzufriedener.
Wenn ich mich dann noch erinnere, dass es lange Zeiten gab, in denen ich ich fast nur von Kaffe und Zigaretten ernährte, vornehmlich vorm Chat, wird mir ganz anders.
Ich war innerlich leer und bedürftig und suchte im Chat mein Glück. Aber da sind meistens auch leere, bedürftige Menschen wie ich immer wieder feststelle. Zum Beispiel der eine Mann. Wir können super plaudern, haben ähnlichen Humor, können rumalbern aber auch mal (einigermaßen) ernsthaft „reden“. Er ist IMMER online. Wenn ich dem schreibe habe ich zu 90% nach 5 Minuten eine Antwort. Egal ob er arbeitet, einen Film schaut oder die Wohnung putzt. Er zerstreut quasi seine Energie immer. Er sucht sein Glück im außen. Selbst 3 große Urlaube allein in diesem Jahr (davon eine Kreuzfahrt in die Karibik, wo jeder irgendwie berührt oder was auch immer wäre) erfüllten ihn nicht. Ich habe den Eindruck er ist von sich selbst abgekapselt. Von seinen wahren Bedürfnissen und Gefühlen. Kenn ich ja. Von mir. Aber ich werd immer bewußter und ich mag mich nicht mehr von Leuten benutzen lassen, die meinen sie können von mir Energie saugen um ihre eigene Leere zu füllen.

Deswegen werde ich bei täglichem Kontakt aggressiv. Übrigends egal bei welchem Menschen, den kann ich noch so sehr mögen, zuviel Nähe ist für mich Gift (es gibt von Miss Allie dazu einen schönen Song: Zu nah). Auch das wird mir erst jetzt so langsam bewußt. Und Ärger/Wut ist ein gutes Zeichen, da wird eine Grenze überlatscht, da passt was nicht, da heißt es: Hinschauen! Ich durfte in meiner Familie keinerlei Anzeichen von Unmut, Ärger oder Wut zeigen. Und so verinnerlicht, habe ich das früher sofort weggedrückt, wenn ich nur den Anflug solcher Gefühle habe. Das hat sich geändert. Ich nehme es wahr. Oft noch sehr spät, aber besser als nie. Ahhh da stimmt was nicht, da passt mir was nicht, was ist es? Kann ich es ändern? Früher habe ich mit dem Finger auf andere gezeigt:weil der so und so ist, dies und jenes macht, geht es mir schlecht, werd ich wütend, usw. Das ist Opferdenken.

Der Typ ausm Chat zwingt mich ja nicht täglich mit ihm zu schreiben. ICH habe die Entscheidung. Das Problem: Ich weiß, dass er es gerne hätte. Und da springt das coabhängige Verhalten an: Ich meine, mich so verhalten zu müssen, wie es IHM passt. Tue ich es nicht, kommt extreme innere Unruhe in mir auf und lieber schreib ich dann halt schnell zurück, als diese Unruhe auszuhalten oder bekämpfe sie anderweitig  mit naschen, kaufen, Alkohol ect.
Das werde ich mal als Übung für die nächsten Tage hernehmen. Es ist ja ein kindlicher Teil der diese Unruhe hat: wenn ich meinen Eltren nicht gefalle, niht tue was sie von mir wollen/erwarten, verlassen sie mich und ich werde elendig sterben oder mich noch gnädigerweise da wohnen lassen, aber mit Nichtbeachtung strafen, wie so einen nasskalten, dreckigen Lappen.
Heute werde ich für diesen Kindanteil da sein und ihm Sicherheit und Geborgenheit vermitteln

Wochenrückblick 6. November 2022

-schlachtreif: es bahnte sich an: verschleimter Rachen, niesen, eiskalte Füße: Erkältung; die böse. Hatte ich schon ewig nicht mehr. Mindestens 3 Jahre. Kurz davor wieder verstimmter Magen und dann auch noch Tage. Super. So richtig schön krank. Und ich ließ mich in Ruhe. Döste, wenn mir danach war, packte mich warm ein und machte nur das was ging. Im Gegensatz zu früher. Erkältet? Egal, ich ging arbeiten, machte mit meiner Schwester einen Ausflug mit langer Busreise, war viel zu dünn angezogen. Erst als mich dann vereiterte, entzündete Nebenhöhlen (sehr oft! und echt fies schmerzhaft!) wirklich schachmatt setzten, gab ich zwangsweise Ruhe. Das mach ich jetzt gleich.

– Eltern: es besteht ja schon länger kein Kontakt mehr zu meinen Eltern. Weil ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe. Aber immer mal wieder kommt es hoch: Sollte ich nicht doch mal vorbei schauen? Oder anrufen? Zumindest bei Mama. Seltener beim Papa. Sie leben ja getrennt. Nochmal ein Versuch? Könnte ich es verkraften, wenn es eines Tages heißt: Dein Papa/Deine Mama ist tot, dass ich sie nicht nochmal gesehen habe? Meist hielt dieser Gedanke nur einen Tag, selten länger. Und fast immer kommen solche Gedanken in der PMS-Zeit (warum auch immer, das würd mich mal interessieren). Wenn es das neue Bahnticket gibt, müßte ich ja nicht extra dafür zahlen, da wäre doch nichts verloren. Ich bin ja inzwischen auch gefestiger, erwachsener geworden. Sehe ihre Krankheiten und Verwundungen…
malsehen…

– Freude: ich hab wieder heißes Wasser! Seit so ca 3 Monaten hatte ich nur mäßig warmes Wasser an allen 3 Wasserhähnen. Und dafür musste ich den Regler auch ganz nach links drehen, folglich war da auch kaum Druck drauf. Unter lauem Geplätscher duschen macht mich echt aggressiv. Ich weiß nicht was alle an diesen Regenkopfduschen so toll finden, woanders mal getestet und für Unfug befunden. Ich brauch nen harten Strahl. Allein schon wenn ich meine langen Haare wasche dauert das sonst ewig.
habe damals den Hausmeister und einige Nachbarn angesprochen: nö angeblich wurde weder was an der Haustechnik gemacht, noch beschwerten sich andere Nachbarn. Und jetzt wie ein Wunder, alles wie früher: So heiß, dass ich bis zur Mitte zurückdrehen muss und da ist dann auch genug Druck auf der Düse. Ach was bin ich froh, darf bitte so bleiben!

– gelacht: nun aus der Reihe: achtsam morden, den 3.Band bestellt. und unter welcher Kategorie hat dieses Buch derzeit Platz 1 (bei dem großen A): Christliche Meditation und Spiritualität!! 😉 ja ne is klar

Sonntagstipps

– Trainiere nicht nur Deine Bauchmuskeln, sondern erst recht dein Bauchgefühl! Viele Gewaltopfer erzählen, dass sie zuvor schon ein komisches Gefühl hatten. Lieber einmal zuoft weggehen, was abbrechen ect. wenn die innere Sirene angeht, stimmt dieses Gefühl meistens!

– „Bevor du dir selbst eine Depression diagnostizierst, stelle sicher, dass du nicht von Arschlöchern umgeben bist.“ Es ist mir scheißegal wer das angelich gesagt hat. Der Satz ist SOOO wahr. 3 Wochen keinen Kontakt zu J.: ich blüh auf, fühle mich leicht und gut gelaunt, mache wieder Dinge die mir Spaß machen, spüre mich selbst wieder. Dann wieder nur kurzen Onine-Kontakt, mit Planung eines Ausfluges: Schwupp, meine Laune sinkt in den Keller, ich habe wieder mehr Angst, ich fühle mich schlecht und abgetrennt von mir und meinen Gefühlen un Bedürfnissen. Wieder kein Kontakt: es geht mir blendend!
Alles klar. Ein Energieräuber wie er im Buche steht. Verständlich warum da kein Antidepressiva hilft und Therapieplanung ist auch wieder gestrichen, ich brauche sie schlicht nicht mehr.
Ich habe das schonmal so krass gespürt, nämlich als ich den letzten Kontakt (nämlich den zu meinem Vater)zu meiner Ursprungsfamilie kappte. Zu meiner Mutter und Schwester hatte ich schon länger keinen Kont mehr und von meinem Vater distanzierte ich mich auch mehr und mehr, bis hin zu Telefonnummer- und Emailänderung. Und dann: Ein so intensives aufatmen, dass ich fast problemlos das rauchen aufhören konnte! Lebenslust und Energie durchströmten mich und ich hatte endlich die Kraft meine Lebensprojekte umzusetzen, mich auf mich zu konzentrieren und man weiß ja: Energie folgt der Aufmerksamkeit!
Also: checke regelmäßig die Menschen in deinem Umfeld.

-Wenn du gut mit dir selbst in Kontakt bist, wirst du dich (fast) nie mehr einsam fühlen! Es ist eine der besten Investitionen in dein Leben, dich um diesen Kontakt sehr gut zu kümmern. Dann gelingen meistens auch die anderen Kontakte besser.

– Wenn du merkst dass ein Mensch in deiner nahen Umgebung Alkohol, Medikamente, Drogen ect. mißbraucht, mißbraucht er sehr wahrscheinlich auch Menschen (egal in welcher Hinsicht: finanziell, emotional, sexuell…) also lauf! Da das oft nicht geht, pass sehr gut auf dich auf, halte größtmöglichen abstand zu dieserPerson. Sie hinterlassen meistens nur verbrannte Erde und ihr ganzes Umfeld ist verletzt, wie nach einem Granateneinschlag. Die Splitter streuen weit!

Und zur Stärkung nun noch zwei Affirmationen:
Unumkehrbar stehe ich fest dazu, das ich mein eigenes Ding machen darf!
Mit aller Kraft wird es mir klar wie Kloßbrühe, dass NEIN! ein vollständiger Satz ist.

In diesem Sinne: Euch allen einen kraftvollen, lebendigen, lustvollen, liebevollen und fürsorglichen Sonntag 🙂

Ich bin coabhängig!


Wenn ich mich verrückt fühle, ist irgendwas verrücktes in meinem Leben.
Passend dazu kam ich gestern beim „verrückten Eismacher“ einer Eisdiele vorbei.
Gestern löste sich nochmal ein großer Knoten. Gestern abend dämmerte es mir: ich stecke mal wieder voll in der Coabhängigkeit drin und statt wie sonst gegen 21h ins Bett zu fallen und fast sofort einzuschlafen, saß ich hellwach da und las in dem Buch: Unabhängig sein von Melody Beattie.

Wie schon vor einem 3/4 Jahr hat es was mit J. zu tun. J. hat eine gewisse „Bedien-mich-mentalität“, so lernten wir uns ja auch kennen: ich noch in der „Sexarbeit“ er der Kunde der seinen Fetisch ausleben wollte, so in Richtung Domina-devoter Typ, nur viel weicher. Und irgendwie ist er da hängen geblieben: ich werds schon machen, er kann sich zurücklehnen und sich gut fühlen.
Außerdem hat er was kindisches, unreifes und verantwortungsloses an sich und trinkt jeden Tag Alkohol.
Er meidet wirkliche Nähe. Wir schreiben uns zwar jeden Abend, aber sehr oberflächlich, auch die Treffen laufen fast immer nach dem gleichen Schema ab und emotionales ist fast nie Thema, außerdem geht die Initiaive ob/wann und wo meistens von mir aus.  Das werde ich ab sofort wieder lassen!

Wahrscheinlich hänge ich da schon wieder seit Monaten fest. Er saugt Energie und ich lasse es zu und weil ich nichts von ihm bekomme, ist mein Fokus voll auf ihn gerichtet damit ich ja nichts übersehe WENN mal was von ihm kommt. Außerdem behandel ich ihn übervorsichtig, sage nicht was ich manchmal wirklich denke und fühle (es könnte ihn ja verletzen, er könnte sich von mir abwenden!), sondern übernehme Verantwortung für seine Gefühle oder wenn er mal nicht weiter weiß (welches Gleis, welche Straße, was er im TV schauen soll, wie er richtig kocht usw). Ich hebe ihn auf einen Sockel, bin immer erreichbar, immer nett, immer zugewandt, immer interessant, in der Hofung, dass ich vielleicht auch mal emotional auftanken kann, was von IHM bekomme. Da ist aber nicht. NICHTS!
Das habe ich in meiner Familie so gelernt. Ich tat alles für ein wenig Aufmerksamkeit. Von Zuwendung, Liebe, ehrliches Interesse für meine Bedürfnisse, Gefühle, Gedanken und Unterstützung will ich gar nicht reden.

Das ganze mit J. bekam einen Riss, als es ihm diese Woche sehr schlecht ging, auch wegen Ärger in der Firma (was ich mir gut vorstellen kann, wenn er da auch keine Verantwortung übernimmt, werden seine Kollegen nicht sehr begeistert sein). Ich stand ihm bei und bot meine Hilfe an, außerdem wollte ich ihm eine Postkarte schicken die ich letztens fand, mit einem Motiv das sehr gut zu ihm passt und wo ich mir dachte, das gefällt hm bestimmt, das macht ihm eine kleine Freude. Als kleine Aufmunterung. Aber da merkte ich schon eine Sperre in mir ein: nein ich will das nicht tun. Ich hörte drauf und ließ es bleiben. Gut so!
J. half sich selber, er buchte kurzerhand einen Mniurlaub und fuhr weg und ich? Merkte eine Wut in mir. Hm? Was los? Neidisch?  weil ich nicht einfach mal so mein E-Bike, auf meinen neuen Audi schnallen kann (weil ich bedes nicht habe) und  in einem 4-Sterne-Hotel auf dem Land einchecke? NEIN, weil er sich um sich kümmerte, OHNE mich. Meine Sucht gebraucht zu werden verpuffte ins Leere. Ich fühlte mich vor den Kopf gestoßen, nutzlos, wertlos. Boah!

Wenige Tage später kam ich mal wieder an einen Tiefpunkt: voller Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, gequält von Suizidgedanken (weil mich braucht ja eh niemand usw.), die ich ja eigentlich gar nicht will und auch keine Erleichterung bringen. Nun wandte ich mich an ihn. Sprach offen an, wie beschissen es mir gehe. Es kamen 2 billige Sätze voller Phrasen via Whatsapp zurück. Als ich darauf antwortete, kam: nichts mehr. Waaahhh bloß nix mit Gefühlen! Und da dämmerte es mir.

Natürlich könnte ich jetzt schimpfen wie unreif er ist usw. nur das hilft mir nix. Denn das erste was man in 12-Schritten-Guppen erfährt: Du kannst den anderen nicht kontrollieren und nicht ändern! Schade auch, das wär nämlich einfacher jetzt ihm die ganze Schuld zu geben 🙂 Aber ich muss mich an die eigene Nase fassen!
Fakt ist: ICH bin zusehr verstrickt. Ich denke sooft an ihn und verliere meinen Fokus auf mein Leben und damit auch Energie. Denn diese folgt der Aufmerksamkeit! Kein Wunder, dass ich mich leer fühle und alles sinnlos erscheint.

Die Katzenbetreuung war natürlich DIE Coabhängigkeit schlechthin, danke Körper dass du dich so massiv gemeldet hast. Leider habe ich nicht richtig verstanden was genau los ist nur dass es „zuviel“ ist.
Auch bei  der Tafel gibt es derzeit einen Mann, auf den ich schon wieder „anspringe“ nicht im Sinne von verliebt sein, sondern von „für ihn sorgen“, mich zuständig fühlen, überlegen was ich ihm gutes tun könnte. Vor Jahren ist er aus dem nahen Osten geflüchtet, erst nach Kanada nun eben Deutschland, medikamentenüchtig (Opiate!) und Kiffer, wohnt in einer ehemaligen Arbunterkunft die mehr als schlimm ist (alt, abgenutzt, ect.) er selber ist auch verlottert mit uralter Kleidung, fährt oft mit der Bahn schwarz, wird oft erwischt steht kurz vor einer Gefängnisstrafe weil er das natürlich nicht bezahlen kann, evtl. auch spielsüchtig weil er erzählte dass es hier im Ort ja kein Wettspielcafe gibt. Angeblich hat er Frau und Kinder die irgendwo leben. Er erzählt auch oft von kruden wirren Geschichten halb auf englisch wo ich oft nichts verstehe außer dass es um irgendwelche Verschwörungstheorien in den sozialen Medien geht. Aber er hat eben auch was lustiges, heiteres und warmes und das ist genau die Mischung auf die ich anspringe. Vorsicht also, ganz große Vorsicht!

Als ich da so gestern über all das nachdachte, das Buch wieder rauskramte spürte ich wie Freude und Energie mich dufluteten! Ich war wieder im Jahre 2022 angekommen und sah (wortwörtlich!) nicht mehr durch die Augen eines Kindes, das versucht endlich irgendeinen warmen Blick oder eine liebevolle Geste von ihrer alkoholsüchtigen Mutter zu bekommen oder mal wirklich gefühlt und gesehen wird vom coabhängigen, narzzstischen Vater. Alle meine Bemühungen liefen ins Leere. Keiner der beiden war da. Und so suche ich mir heute noch Leute die genauso emotional nicht verfügbar sind und hoffe und versuche weiterhin diese Leute endlich dazu zu bringen für mich da zu sein.
Das durch die Augen des Kindes zu sehen, habe ich das erste mal so bewußt nun erlebt. Es ist schwer zu beschreiben, aber vor allem in ländlicher Umgebung (das Umfeld in dem ich aufwuchs) war es nun deutlich: Man sieht sich um, mit denselben Gefühlen von damals und sieht die Stimmung, das Licht, alles genauso wie damals, auch wenn es ein anderer Ort ist.  Kein Wunder, dass ich da so festhing und immer depressiver und lebensmüder wurde. Und Arbeit überhaupt nicht ging (übrigends auch ein Feld in dem ich stark coabhängig reagiere, was sich zeigt, dass ich oft noch 2 Tage nach dem Arbeitstag gedanklich nur dort verweile!).

Witzigerweise las ich letztens ein dünnes Büchlein das ich fand: Wenn Männer zuviel trinken. Es tat gut darin zu lesen, aber da dämmerte es mir immer noch nicht, wie sehr ich schon wieder in meiner Sucht stecke. Ich dachte das hätte ich hinter mir gelassen. Weit gefehlt

Rache ist süß

Gestern spätnachmittag, ich ging nochmal eine Runde spazieren, kam mir so der Gedanke, wie ich wieder Kontakt zu meinem Vater aufnehmen könnte, nach fast 10 Jahren Funkstille (ich habe den Kontakt abgebrochen) nur um den Spieß umzudrehen.


Ich mache all das, was er mir angetan hat. Ja nicht sehr kreativ in Sachen Rache, aber es tat gut mich diesen süßen Rachephantasien hinzugeben. Vom Opfer zum Täter werden mag nicht gut sein, aber was ist in dieser Welt schon gut, nein das klingt jetzt wieder zu pessimistisch und verdirbt mir die gute Laune, die das Gedankenspiel mir bringt.


Er ist ein einsamer alter Mann und wahrscheinlich würde er ziemlich schnell auf den Zug aufspringen, den ich ihm vorbei schicken würde. Der lieben Tochter, die ich spielen würde, die sich Sorgen um ihn macht, dass es doch schade wäre wenn wir so im Schweigen verweilen, wer weiß wieviel Zeit uns noch bleibt laberlaber-heuchelheuchel.


Ich würde ihm in Aussicht stellen ihn vielleicht auch mal wieder zu besuchen…je öfter er nachfragt wann das denn sei, desto mehr ließe ich ihn emotional am ausgestreckten Arm verhungern. So wie er es mit mir gemacht hat. Ich kenne all die Psychospielchen und wenn mir mal nichts mehr einfiele, müßte ich nur im Buch „Die Masken der Niedertracht“ nachlesen.
Ich würde ihm auch unpersönliche Sachen schenken, irgendein Geraffel aus meinem Keller was ich eh nicht mehr brauche. Und er natürlich auch nicht, aber das wäre mir wurscht.
So wie er es getan hat.
Ich würde ihn zuscheißen mit Links zu stundenlangen Technoplaylisten, so wie er mir einen USB-Stick schenkte mit 900 Lieder voller Rockmusik, wo er genau weiß das höre ich NIE.
Ich würde all das verhöhnen und verachten was ihm wichtig ist und was er mag. Aber natürlich nur wenn ich von anderen Leute erzählen würde, denen genau das auch wichtig ist.
Ich würde ihn als schwach, alt, gebrechlich nennen, während es mir immer gut ginge, ich würde ihn zuschwafeln voller Lügen, dass ich einen tollen Mann an meiner Seite hätte, wir viel unternehmen usw.
Er wäre der Schwache und ich würde ihm helfen. Jetzt wäre ich oben und er unten
Ich würde ihn in Sicherheit wiegen und auch gegen diese Scheißpolitik und all die Ausländer schimpfen, auch wenn das nicht meine Meinung ist, einfach um ihn ein wenig einzulullen, dass wir was gemeinsam hätten. WIR gegen den Rest der Welt!
Ich würde ihn anlügen, dass ich Geld bräuchte…für irgendwas muss dieser Vater ja zu nutze sein.
Ich würde alles nehmen was ich kriegen könnte, umsäuseln würde ich ihn, umhegen und sanft bitten und theatralisch aufseufzen bzw. mich eisig beleidigt zurückziehen, nur damit er merkt dass er ganz alleine ist.

Eotionale Erpressung, habe ich von dir höchstpersönlich gelernt.

Berechnend ist das? Jawoll. Ist es. Wer weiß, vielleicht schleime ich mich so sehr ein, dass ich die Alleinerbin von seinem Haus werde, in dem er mich nicht aufnahm, als ich in großer Not und obdachlos war.

Wann war er mal wirklich für mich da?
Wann hat er mich jemals wirklich gesehen mit meinen Gefühlen und Bedürfnissen?
Wann war ich mal nicht die Erweiterung seines Selbst, das sein Ego schmeicheln, seine Zeit vertreiben, seine Gefühle auffangen und seinen Rücken kraulen sollte?
Ich war seine Ersatzfrau, weil er zu feige für eine Partnerschaft auf Augenhöhe war.
Ich war seine Ersatzmama, weil seine schon lange tot ist.
Er hat mich benutzt
Er hat mich mißbraucht
Jetzt soll er mal spüren wie das ist.

Ich muss gestehen, mich diesen Gedanken hinzugeben fühlte sich kraftvoll an, so ein kribbeln im Bauch, so ein fester Blick, so eine Kraft und eine Faust in der Tasche. Dir blödes Arschloch zeig ichs.
Aber es wird bei diesen Gedanken bleiben. Ich habe das nicht nötig und es ist auch total sinnlos. Schlimmstenfalls verletze ich mich selbst dabei, weil ich ja nicht weiß wie sadistisch, hinterhältig und böse dieser Mann inzwischen ist. Dass wir keinen Kontakt mehr haben ist Strafe genug. Keiner mehr da, der sein Ego füttert und ihn bewundert und besucht.
Sich mit einem waschechten Narzissten anzulegen kann sehr übel ausgehen. Ich habe viele von denen kenngelernt. Ich halte lieber Abstand.

Aber das Gedankenspiel zeigt mir: darüber nachzudenken und es zu tun, da ist schon nochmal eine große Hemmschwelle dazwischen. Zum Glück. Ich glaube das nennt sich Gewissen. Oder Moral oder gesunder Menschenverstand oder wie auch immer.
Ich habe mich entschieden es nicht zu tun.
Meine Eltern haben sich anders entschieden. Sie taten es mir an (meine Mutter tat das mehr offen böse, während mein Vater mehr mit Zuckerbrot und Peitsche agierte, meine Mutter hat sich in den letzten 40 Jahren ihr Hirn weggesoffen, sie befindet sich kurz vorm Endstadium der Alkoholsucht, der brauche ich nichts mehr antun, die siecht eh nur noch vor sich hin, die lasse ich einfach in Ruhe).
Mir kann keiner mehr erzählen: sie wußten es nicht besser, sie haben ihr bestes getan. Nein, auch sie hätten mal aufhorchen können, nach innen lauschen und sich fragen: was tue ich hier eigentlich meinem Kind an? Wie gehen wir miteinander um?
Ich habe sehr viel Zeit damit verbracht meinen Eltern zu erklären wie man respektvoll miteinander umgeht und was mich stört. Schade, dass ich da soviel Energie verbrauchte, denn sie WOLLTEN es einfach nicht wissen bzw. wußtenes sehr wohl und taten es trotzdem.
Sie hatten ihre Gründe.

Du darfst nicht fühlen!

Es treibt mich weiter um, wie sehr ich wieder in der Gefühlsverleugnung war. Und umso besser geht es mir jetzt, dass ich mich wieder spüre! Klar ich merke, dass ich seit über einem Jahr keine Therapie habe, denn dort fiel es mir leichter anzuschauen was dann da „schlimmes und überwältigeendes“ in mir lorderte, aber ich kann ja nicht lebenslang in Therapie gehn.
Du sollst nicht fühlen ist kein kirchliches Gebot, abr es war in unserer Familie eines.
Ich habe Angst: ach da brauchst du keine Angst haben, das ist gleich vorbei und tut gar nicht weh (was selten stimmte, was doppelt schlimm war weil so musste ich meine Angst und meinen Schmerz/Leid unterdrücken)
Ich will das nicht: ja aber da musst du halt jetzt durch
Wenn ich still war: jetzt sei halt nicht so bockig…
aber auch bei „schönen“ Gefühlen. Wenn ich zum Beispiel aufgeregt war (egal ob wegen was schlimmes oder schönen, hat sich meine Stimme „überschlagen“ und es hörte sich sehr nasal an, die Energie das kribbeln im Bauch strömte quasi durch eine Nase, was Anlass war das sich meine Familie über mich lustig machte und mich beschämte. Ausdruck von Lebensfreude durch tanzen oder singen? Die spinnt…jeder Gefühlsausdruck wurde immer bewertet.

Noch heute erwische ich mich dabei, mir zu verbieten zu tanzen wenn ich Lust drauf habe und ein Lied im Radio kommt das ich mag, oder mal vorm Spiegel bissl rumzualbern …das ist KINDISCH.
Ich habe ein Foto wo ich es endlich deutlich sehe und einen Beweis habe: Es war abends auf der Theresiewiese, wir wateten auf den Bus der uns nach Berlin zur Loveparade bringen sollte. Ich war immer ein leidenschaftlicher Technofan und endlich sollte es auf DIE Party gehen. Es ging eine Sektflasche rum, ich trank, tanzte und lachte verschmitzt in die Kamera, meine Schwester daneben schaut mich voller Verachtung an.


Ich verbot mir zu fühlen. Ich fühlte nicht, dass der Beruf der Kinderpflegerin mir überhaupt nicht taugt, aber ich dachte halt, mei wem macht Arbeit schon Spaß. Dass sie das sehr wohl tun kann, erfuhr ich leider erst später.
Das ich den Typ mit dem ich zusammen wohnte und so tat als wären wir ein Paar, nocht nicht mal leiden konnte geschweige denn liebte, spürte ich ebenso nicht. Wir hielten Händchen, knutschten, verbrachten unsere Freizeit mit einander, fuhren in Urlaub, hatten Sex und ich mochte ihn nicht. Nicht seine Tics, nicht seinen extremen Zigarettenkonsum, nicht seine Schlaksigkeit und schon gar nicht keine krankhafte Kontrolle. Ich merkte das erst als ich immer kränker wurde und ein Arzt vertraulich mit mir sprach und mich auf etwas aufmerksam machte.
In der Sexarbeit spürte ich keinen Ekel, keinen Widerwillen, nur wenn ich Angst spürte nahm ich diese ernst und traf mich nicht mit Typen die mir komisch vorkamen.

Mit Gefühlen umgehen habe ich in meiner Familie nicht gelernt, alle unterdrückten ihre eigenen, mein Vater verlies vor lauter Angst das Haus nicht mehr, meine Muter soff und meine Schwester wurde das perfekte Vorzeigekind (und Jugendliche) eiskalt und sadistisch.
Als ich anfing mithilfer ersten Therapien meine Gefühle zu entdecken und sie ernst zu nehmen wurde ich ganz schnell das schwarze Schaf in meiner Familie. Ich entschied nämlich so Sachen wie: Nein ich möchte nächsten Sonntag nicht zu Besu kommen, nein ich will nicht die Geldkarte von Papa, nein ich möchte dieses Jahr Weihnachten anders feiern, nämlich auf einer Party. Ab da wurden alle Manipulationen und Erpressungen noch schärfer und somit offensichtlicher. Das war nicht leichter, bestätigte mich aber, das ich auf dem richtigen Weg bin, zumal es mir körperlich und seelisch um Welten besser ging!

Dabei sind Gefühle weder gefährlich noch schlimm. Sie wollen meistens nur wahr und ernst genommen werden. Das muss man aber erstmal wissen UND ausprobieren, dass das wirklich so ist. Es muss nicht gleich weitreichende Konsequenzen haben. Nur weil mich mein Mann grad nervt heißt das nicht dass wir uns gleich scheiden lassen müssen, nur weil ich heute keine Lust auf Arbeit habe, heißt das nicht dass ich kündigen und ab sofort unter der Brücke schlafe muss.
Klar manchmal muss man auch handeln, ich hatte irgendwann all die Schikanen meiner Familie so satt, dass ich mit 32 Jahren sagte: So Schluß aus, ich will keinen Kontakt mehr zu euch, macht euren Scheiß alleine! Und fast zeitgleich konnte ich das rauchen sein lassen! Ich musste mithilfe der Zigaretten nichts mehr wegdrücken. Das jährt sich nächsten März nun zum 10. mal und das macht mich stolz.

Das wir leider derzeit wieder in einem Klima des „du darfst nicht fühlen“ sind, triggert mich. Wenn jemand Bedenken wegen Corona hat, sei es an der Krankheit an sich, wegen der Impfung oder wegen der Politik wird man sofort als rechter, verblödeter, verschwurbelter, asozialer Esoteriker/Volldepp/ect. hingestellt.

Eine Autorin die mir geholfen hat, meine Gefühle wieder zu entdecken ist Safi Nidiaye. Sie schreibt klar und gut verständlich, immer wieder hole ich mir ihre Bücher hervor.
Ein anderes Buch, das mir die Augen öffnete war: Gefühlsstau von Hans-Joachim Maaz, ich las es eher weil es darin um das politische System der DDR ging und mich das schon immer faszinierte und interessierte, wie die Menschen das damals erlebten, wie es ihnen ging, wie sie das aushielten. Das Buch fesselte mich, manchmal spürte ich so eine extreme Unruhe und Wut in mir, dass ich es weglegen und mich erstmal irgendwie austoben musste. Bis ich erkannte: So war unser System in der Familie auch! Ich wurde massiv getriggert. Mir gingen die Augen auf. Es war schmerzhaft aber auch sehr hilfreich zu erkennen: Mein Widerstand und meine Rebellion und meine Abneigung gegenüber meiner Familie haben einen Grund!

Nunja, heute muss ich zum Glück nicht wieder bei 0 anfangen. Ich bin schneller bei meinen Gefühlen. Manchmal stelle ich sie mir als Wesen vor: Die gebeugte Angst, die plumpe gemächliche Gelassenheit, manchmal rede ich mit inneren Anteilen, mit dem ängstlichen Kind, mit der eigenbrötlerischen Jugendlichen, auch das hilft…da findet jeder seine eigene Methode.

Im Land der Dichter und Denker wär es schön, wenn man abundzu auch auf seine Gefühle schaut und dass diese eine Berechtigung haben. Den Weg des Herzens gehen

Menschen, nahe

Es war letzte Woche, als ich mit J. abends essen ging und auf dem Heimweg erzählte ich ihm, dass ich letztens alte Tagebücher von mir gelesen hatte (ich weiß nicht mehr wie wir darauf kamen) und zwar die von 2009 und 2012 und dass das mit meine schlimmsten Jahre waren und dass es mich nicht mehr wundert, dass ich da zusammenklappte und dass dann der Kontaktabbruch zur Familie kam und Rentenbewilligung undso.
Wenige hundert Meter später waren wir beim Thema „meine Familie“ und ich ließ so ein paar relativ harmlos Beispiele fallen, wie meine Eltern so tickten. Wir warteten zusammen auf die Bahn, es war dunkel und keiner von uns besoffen, noch nicht mal angeschickert.
Und auf einmal sagt J. Dinge wie, dass er niemanden kennt der so selbstständig ist wie ich und so schlau und kreativ und noch ganz viele Lobe (nennt man das so?).
Und es war weder anmachend, noch irgendwie schwülstig, sondern ganz spontan und offen aus reinstem Herzen. Ich wußte gar nicht wo ich hinschauen sollte und wie reagieren. Ich sah weg, meine Augen wurden feucht und es kam die Bahn. Wir drückten uns ganz fest aneinander, er hatte auch feuchte Augen und stieg in die Bahn, ich machte mich die wenigen Meter zu Fuß auf dem Heimweg, auf dem ich kurz heulte.
Weil es mich so berührte, weil mir schon lange, sehr lange nicht mehr jemand so ehrlich sowas nettes sagte. Weil ich mich von ihm so gesehen fühlte. So erkannt. Es war Nähe zwischen uns und davor habe ich Angst.


Irgendwann gehen ja doch alle Freundschaften kaputt, irgendwann muss man sich doch wieder trennen, irgendwann tut der andere mir doch wieder weh. Also ließ ich das ganze gar nicht so nah an mich heran. Was mich irgendwie erschreckte. Aber es ist sicherer. Der letzte Mann mit dem ich freundschaftlich verbunden war, fragte dann doch eines Abends, als ich bei ihm übernachtete, ob er ihn nicht doch mal kurz, nur ganz kurz reinstecken dürfe.
Menschen sind scheiße und Nähe ist gefährlich.
Aber J. trieb das weiter um und wir schrieben paar Mails. Er war erschüttert zu hören was ich erleben musste und wie kann so eine junge Psyche stark und groß werden, wenn sie nie Unterstützung und Geborgenheit bekam? Und weitere Zeilen dieser Art. Sehr schön und treffend beschrieben, nur…auch das höre ich nicht zum ersten Mal von Leuten die relativ behütet aufwuchsen und nie größere Krisen zu bewältigen hatten. Aber was hilft mir das? Nix.
Und außerdem grübelte ich weiter…das waren ja Lappalien die ich ihm erzählte, das war ja noch nicht mal die Spitze des Eisberges, das waren grad mal die Schneeflöckchen auf der Spitze des Eisberges! Würde ich ihm von den wirklich fiesen Sachen erzählen, würde er wahrscheinlich nen Herzinfarkt bekommen.


Ich bin ganz schön kaputt. Und inzwischen auch noch so kalt wie der Eisberg. Gefühlskalt. DAS erschreckt mich wirklich. Denn normalerweise gebe ich mich mit Haut und Haaren demjenigen hin, der mir so nahe kommt, der mich erkennt und sieht und wahrhaft mitfühlt. (und hoffentlich endlich endlich das einsame, verlassene Kind inmir rettet).
Aber ich bin vorsichtiger geworden. Kein Mensch kann dich retten. Ich bleibe also emotional etwas auf Abstand. Immerhin ich habe endlich dazu gelernt. Blöd ist nur, dass der jetzige Abstand genauso weh tut, wie der wenn man sich hingibt und dann fallen gelassen wird. Nur das ich es jetzt selbst entscheide.
Scheiße ist beides. Und die Isolation tut verdammt weh. Aber, sicher ist es…

Erwachsen werden

Manchmal frage ich mich schon, ob meine „schlechte Arbeitsmoral“ wirklich nur eine Traumafolgestörung ist. Ja, ich habe mit drohendem Autonomieverlust/ ausgeliefert sein (ich MUSS da jetzt bleiben und das und jenes machen) und mit der Angst vor Bewertungen (soziale Phobie) extreme Probleme,
aber es wäre auch interessant zu erfahren, wie es mir ergehen würde, wenn ich gewisse Dinge anders erlebt hätte. Das wären konkret 2 Sachen:


1. ich bekam 12 Jahre mit, dass man auch leben kann, wenn man nicht arbeitet. Mein Vater arbeitete in dieser Zeit nicht (weder in einem Lohnverhältnis noch in der Hausarbeit) er frönte seinen Hobbys und schlief viel und lange. Dass er eine heftige Angststörung hatte und vieles nicht machen KONNTE erfuhr ich ab dem Zeitpunkt als ich in den Kindergarten kam und er mich manchmal nicht abholen konnte (Haus verlassen und so war für ihn halt oft schwierig), das hieß: ich fuhr mit dem Taxi heim oder wartete ewig lange bis meine Mutter mit dem Fahrrad kam, mich in den Bus setzte und mit dem Radl hinterher fuhr. Er überwand seine Angststörung als er arbeiten und sich um sich selber kümmern MUSSTE. Meine Mutter hatte das alles nämlich irgendwann satt (kann ich echt verstehen und wunderte mich wie lange sie das überhaupt aushielt!), sich scheiden ließ und mit uns Kindern wegzog. Gut, seine Angststörung war zwar „weg“ dafür explodierte sein Narzissmus: er kontrollierte vor allem mich um so mehr und machte mich zu seiner Bezugsperson. Er manipulierte, erpresste emotional und erkaufte sich meine Zuwendung, bis auch ich mit Anfang 30 von seinen Psychospielchen die Schnauze voll hatte und den Kontakt kappte.
Die Frage ist: Gäbe es keine Rente und/oder keine Grundsicherung für mich, würde dann das mit dem arbeiten bei mir klappen? Weil ich ja „müsste“?

Weiterlesen „Erwachsen werden“

Wochenrückblick 4.Juni 2021

entdeckt: es gibt sogar ein Diabetesmuseum!

– geärgert: dass ich mir eine Tageskarte extra kaufte obwohl ich mir dann eine Monatskarte kaufte, hätte ich da mal früher dran gedacht. Naja…

– innere-Anteile-Arbeit: tut gut wieder mehr nach innen zu kommunizieren. Habe ich die letzten Monate sehr vernachlässigt, da musste ich funktionieren und habe mich (leider mal wieder) nach innen eher abgeschottet, wollte quasi sowenig wie möglich mit mir selbst zu tun haben. Kurz darauf hatte ich einen sehr schönen Traum, meine Mutter hatte mir zum Geburtstag ganz was tolles geschenkt, viele kleine Sachen, ganz liebevoll verziert und gebastelt und ich spürte im Traum wie gut das tat wenn es für mich getan wird, als wirkliches Geschenk und nicht weil somit die Mutter gut dasteht und Lob für sich bekommt. So war das immer in unserer Familie, es wurde nicht wirklich was für den anderen getan, um ihm wirklich zu helfen oder ihm wirklich eine Freude zu machen, sondern immer nur damit der andere gut dasteht und man dankbar sein muss undso…Habe den Traum und das Gefühl des „gesehen werdens“ so sehr aufgesaugt und genossen!

– genossen: Sonne! Wärme!

– gemacht: einen Ausflug: normalerweise mache ich an Sonntage oder Feiertagen keine größeren Ausflüge, weil mich die ach so (vermeintlich) glücklichen Familien/Paare traurig oder aggressiv oder beides nacheinander machen. Aber am Donnerstag (Fronleichnam in Bayern) musste ich raus und ich wußte auch wohin: In eine Kleinstadt südlich von München, da wollte ich schon lange mal (wieder) hin. Ganz früh bin ich schon los (um den Massen zu entkommen) um in der S-Bahn festzustellen: Die ist voll. Mist. Als aber wirklich ALLE an einem Bahnhof ausstiegen, andem auch ein Zug Richtung Berge hält war ich schon fast euphorisch: die ganze Bahn bis zur Endhalestelle für mich alleine 🙂
Es ging dann entlang der Loisach hoch in einen kleinen Bergwald. Sehr idyllisch, sehr ruhig. Oben am Kamm teilweise eine super Panoramasicht zu den schneebedeckten Bergen. Auf der anderen Seite wieder runter, an der Loisach wieder Richtung Altstadt. Da machte ich pause und überlegte was ich noch machen will, noch rüber zur Isar oder nach Hause oder wieder Richtung München und da irgendwo nochmal aussteigen? Ich machte erstmal Pause und entschied, ich geh mal Richtung Isar und sollte mir das zu weit, zu laut (an der Bundesstraße entlang) werden, kann ich immer noch umdrehen.


Ich ging unter einer Brücke durch wieder rauf zur Straße und stand vor einem kleinen Gebäude, das mich erstmal flashte. Diese Kleinstadt ist mir nicht unbekannt. Als Kind fuhr ich öfters (ich weiß nicht wie oft, glaube aber so 1-2x im Jahr) mit meiner Mutter zu einem Arzt. Wegen meinen Kopfschmerzen. Es war immer eine lange Fahrt und dann saßen wir lange im Wartezimmer (ich kann mich an jedes Detail erinnern),dann wurde ein EEG gemacht (sehr unheimlich für ein Kind, vor allem wenn die sehr mitfühlende Mutter einem sagt, dass die jetzt schauen, ob ich auch brav immer an sie denke), dann Gespräch. Als ich einmal las was das für ein Arzt ist: PSychiater und Neurologe weigerte ich mich da rein zu gehen. Ich! Zum Psychiater! Ich hatte keine Chance. Naja und danach gingen wir jedesmal in dieses Gebäude vor dem ich nun verdattert stand: „Frauenname“-Stüberl. So ne Boazn wo sich Berufsalkoholiker treffen und es Fertiggerichte aus der Mikrowelle gab. Einerseits mussten wir wohl auf den Bus zurück warten, der nur wenige Male täglich fuhr, andererseits, das wurde mir da so richtig klar, konnte meine Mutter ihren Alkohol nachtanken. Ob ihr niemals der Zusammenhang auffiel: ihre Sauferei und mein Besuch beim Psychodoc? Denn ich hatte nie Kopfschmerzen, ich merkte einfach, dass ich dadurch etwas Aufmerksamkeit bekam und es als Ausrede nutzen konnte vor Dingen, vor denen ich Angst hatte. Und da ich mit 5 Jahren einen schweren Fahrradunfall hatte, kaufte man mir das auch ab. So berechnend ist natürlich keine 6-jährige, dass mir das so bewußt war wie heute. Meine tolle Mutter sagte mir dann auch mal Jahre später, dass ich aufgrund des Unfalls ein Blutgerinnsel im Kopf hätte. So ein Unfug. Dazu hätte man ein bildgebendes Verfahren wie CT/MRT ect. gebraucht, das niemals gemacht wurde.
Als ich mich von dem Stüberl wieder löste (es war zum Glück eh geschlossen), ging ich die wenigen Schritte zu der ehemligen Arztpraxis. Da ist jetzt eine Anlaufstelle für Erziehungshilfen drin von einer caritativen Vereinigung. Auch passend. Hätte unserer Familie auch gut getan.

Ich fragte mich, wie es meiner Mutter wohl heute geht, sie hatte auch noch an dem Tag Geburtstag…
Den letzten Bericht von dieser Praxis habe ich mal in einer sehr verzweifelten Situation (eine Woche später Suizidversuch) vernichtet. Wahrscheinlich hoffte ich insgeheim: wenn der Bericht weg ist, sind auch die Probleme weg. Ich weiß nur noch bruchstückhaft was da drin stand.
Was mir bei dem Ausflug wieder gravierend auffiel: Dass es keinerlei emotionale Verbindung zu meiner Mutter gab: Da hatte ich sie mal einen halben Tag für mich alleine (keine Arbeit, keine anderen Männer, keine Schwester ect.) und trotzdem war sie so weit weg. Absolut unerreichbar! Wie unsichtbar. Wie eine fremde Frau die jetzt mit mir zum Arzt geht. So traurig.
Aber ich kenne die Stadt auch noch von zwei anderen Ausflügen als ich etwas älter war und ich ließ mich in dem Ort zweimal tätowieren. Und ich hatte sogar mal einen Exfreund der dort wohnte.
Nun, jetzt ging ich dann doch noch zur Isar hinunter und fand einen schönen Wald voller Trampelpfade, noch stiller als im Bergwald und kaum Menschen. Da dort nichts ausgeschildert war, musste ich mich auf meine Orientierung verlassen, was wunderbar funktionierte.
Dann fuhr ich zufrieden, etwas traurig und sehr erschöpft wieder nach hause

Rapunzel´s Turm

(K)PTBS für Anfänger, Fortgeschrittene und Angehörige

TRAUMALEBEN

Leben mit Entwicklungstrauma / komplexer PTBS & Traumafolgestörungen

Al-Anon Blog

Deutschsprachige Beiträge und Informationen zu Al-Anon

minchen‘s blog 

über psychisch kranke Eltern

galgenzork

chronisch

Hanni hat Heimweh

Auf der Suche nach Ruhe und Sicherheit, aber leider nur stark im Auffinden von Chaos und Gespenstern.

Sick Girl

Depression

Herzensgrenze

Überleben als Introvertierte mit dem Wrong-Planet-Syndrom

Hochsensibel und Multipassioniert

Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer. Antoine de Saint-Exupéry

Eine Art Tagebuch

Amat victoria curam