Ich bin coabhängig!


Wenn ich mich verrückt fühle, ist irgendwas verrücktes in meinem Leben.
Passend dazu kam ich gestern beim „verrückten Eismacher“ einer Eisdiele vorbei.
Gestern löste sich nochmal ein großer Knoten. Gestern abend dämmerte es mir: ich stecke mal wieder voll in der Coabhängigkeit drin und statt wie sonst gegen 21h ins Bett zu fallen und fast sofort einzuschlafen, saß ich hellwach da und las in dem Buch: Unabhängig sein von Melody Beattie.

Wie schon vor einem 3/4 Jahr hat es was mit J. zu tun. J. hat eine gewisse „Bedien-mich-mentalität“, so lernten wir uns ja auch kennen: ich noch in der „Sexarbeit“ er der Kunde der seinen Fetisch ausleben wollte, so in Richtung Domina-devoter Typ, nur viel weicher. Und irgendwie ist er da hängen geblieben: ich werds schon machen, er kann sich zurücklehnen und sich gut fühlen.
Außerdem hat er was kindisches, unreifes und verantwortungsloses an sich und trinkt jeden Tag Alkohol.
Er meidet wirkliche Nähe. Wir schreiben uns zwar jeden Abend, aber sehr oberflächlich, auch die Treffen laufen fast immer nach dem gleichen Schema ab und emotionales ist fast nie Thema, außerdem geht die Initiaive ob/wann und wo meistens von mir aus.  Das werde ich ab sofort wieder lassen!

Wahrscheinlich hänge ich da schon wieder seit Monaten fest. Er saugt Energie und ich lasse es zu und weil ich nichts von ihm bekomme, ist mein Fokus voll auf ihn gerichtet damit ich ja nichts übersehe WENN mal was von ihm kommt. Außerdem behandel ich ihn übervorsichtig, sage nicht was ich manchmal wirklich denke und fühle (es könnte ihn ja verletzen, er könnte sich von mir abwenden!), sondern übernehme Verantwortung für seine Gefühle oder wenn er mal nicht weiter weiß (welches Gleis, welche Straße, was er im TV schauen soll, wie er richtig kocht usw). Ich hebe ihn auf einen Sockel, bin immer erreichbar, immer nett, immer zugewandt, immer interessant, in der Hofung, dass ich vielleicht auch mal emotional auftanken kann, was von IHM bekomme. Da ist aber nicht. NICHTS!
Das habe ich in meiner Familie so gelernt. Ich tat alles für ein wenig Aufmerksamkeit. Von Zuwendung, Liebe, ehrliches Interesse für meine Bedürfnisse, Gefühle, Gedanken und Unterstützung will ich gar nicht reden.

Das ganze mit J. bekam einen Riss, als es ihm diese Woche sehr schlecht ging, auch wegen Ärger in der Firma (was ich mir gut vorstellen kann, wenn er da auch keine Verantwortung übernimmt, werden seine Kollegen nicht sehr begeistert sein). Ich stand ihm bei und bot meine Hilfe an, außerdem wollte ich ihm eine Postkarte schicken die ich letztens fand, mit einem Motiv das sehr gut zu ihm passt und wo ich mir dachte, das gefällt hm bestimmt, das macht ihm eine kleine Freude. Als kleine Aufmunterung. Aber da merkte ich schon eine Sperre in mir ein: nein ich will das nicht tun. Ich hörte drauf und ließ es bleiben. Gut so!
J. half sich selber, er buchte kurzerhand einen Mniurlaub und fuhr weg und ich? Merkte eine Wut in mir. Hm? Was los? Neidisch?  weil ich nicht einfach mal so mein E-Bike, auf meinen neuen Audi schnallen kann (weil ich bedes nicht habe) und  in einem 4-Sterne-Hotel auf dem Land einchecke? NEIN, weil er sich um sich kümmerte, OHNE mich. Meine Sucht gebraucht zu werden verpuffte ins Leere. Ich fühlte mich vor den Kopf gestoßen, nutzlos, wertlos. Boah!

Wenige Tage später kam ich mal wieder an einen Tiefpunkt: voller Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, gequält von Suizidgedanken (weil mich braucht ja eh niemand usw.), die ich ja eigentlich gar nicht will und auch keine Erleichterung bringen. Nun wandte ich mich an ihn. Sprach offen an, wie beschissen es mir gehe. Es kamen 2 billige Sätze voller Phrasen via Whatsapp zurück. Als ich darauf antwortete, kam: nichts mehr. Waaahhh bloß nix mit Gefühlen! Und da dämmerte es mir.

Natürlich könnte ich jetzt schimpfen wie unreif er ist usw. nur das hilft mir nix. Denn das erste was man in 12-Schritten-Guppen erfährt: Du kannst den anderen nicht kontrollieren und nicht ändern! Schade auch, das wär nämlich einfacher jetzt ihm die ganze Schuld zu geben 🙂 Aber ich muss mich an die eigene Nase fassen!
Fakt ist: ICH bin zusehr verstrickt. Ich denke sooft an ihn und verliere meinen Fokus auf mein Leben und damit auch Energie. Denn diese folgt der Aufmerksamkeit! Kein Wunder, dass ich mich leer fühle und alles sinnlos erscheint.

Die Katzenbetreuung war natürlich DIE Coabhängigkeit schlechthin, danke Körper dass du dich so massiv gemeldet hast. Leider habe ich nicht richtig verstanden was genau los ist nur dass es „zuviel“ ist.
Auch bei  der Tafel gibt es derzeit einen Mann, auf den ich schon wieder „anspringe“ nicht im Sinne von verliebt sein, sondern von „für ihn sorgen“, mich zuständig fühlen, überlegen was ich ihm gutes tun könnte. Vor Jahren ist er aus dem nahen Osten geflüchtet, erst nach Kanada nun eben Deutschland, medikamentenüchtig (Opiate!) und Kiffer, wohnt in einer ehemaligen Arbunterkunft die mehr als schlimm ist (alt, abgenutzt, ect.) er selber ist auch verlottert mit uralter Kleidung, fährt oft mit der Bahn schwarz, wird oft erwischt steht kurz vor einer Gefängnisstrafe weil er das natürlich nicht bezahlen kann, evtl. auch spielsüchtig weil er erzählte dass es hier im Ort ja kein Wettspielcafe gibt. Angeblich hat er Frau und Kinder die irgendwo leben. Er erzählt auch oft von kruden wirren Geschichten halb auf englisch wo ich oft nichts verstehe außer dass es um irgendwelche Verschwörungstheorien in den sozialen Medien geht. Aber er hat eben auch was lustiges, heiteres und warmes und das ist genau die Mischung auf die ich anspringe. Vorsicht also, ganz große Vorsicht!

Als ich da so gestern über all das nachdachte, das Buch wieder rauskramte spürte ich wie Freude und Energie mich dufluteten! Ich war wieder im Jahre 2022 angekommen und sah (wortwörtlich!) nicht mehr durch die Augen eines Kindes, das versucht endlich irgendeinen warmen Blick oder eine liebevolle Geste von ihrer alkoholsüchtigen Mutter zu bekommen oder mal wirklich gefühlt und gesehen wird vom coabhängigen, narzzstischen Vater. Alle meine Bemühungen liefen ins Leere. Keiner der beiden war da. Und so suche ich mir heute noch Leute die genauso emotional nicht verfügbar sind und hoffe und versuche weiterhin diese Leute endlich dazu zu bringen für mich da zu sein.
Das durch die Augen des Kindes zu sehen, habe ich das erste mal so bewußt nun erlebt. Es ist schwer zu beschreiben, aber vor allem in ländlicher Umgebung (das Umfeld in dem ich aufwuchs) war es nun deutlich: Man sieht sich um, mit denselben Gefühlen von damals und sieht die Stimmung, das Licht, alles genauso wie damals, auch wenn es ein anderer Ort ist.  Kein Wunder, dass ich da so festhing und immer depressiver und lebensmüder wurde. Und Arbeit überhaupt nicht ging (übrigends auch ein Feld in dem ich stark coabhängig reagiere, was sich zeigt, dass ich oft noch 2 Tage nach dem Arbeitstag gedanklich nur dort verweile!).

Witzigerweise las ich letztens ein dünnes Büchlein das ich fand: Wenn Männer zuviel trinken. Es tat gut darin zu lesen, aber da dämmerte es mir immer noch nicht, wie sehr ich schon wieder in meiner Sucht stecke. Ich dachte das hätte ich hinter mir gelassen. Weit gefehlt

Rache ist süß

Gestern spätnachmittag, ich ging nochmal eine Runde spazieren, kam mir so der Gedanke, wie ich wieder Kontakt zu meinem Vater aufnehmen könnte, nach fast 10 Jahren Funkstille (ich habe den Kontakt abgebrochen) nur um den Spieß umzudrehen.


Ich mache all das, was er mir angetan hat. Ja nicht sehr kreativ in Sachen Rache, aber es tat gut mich diesen süßen Rachephantasien hinzugeben. Vom Opfer zum Täter werden mag nicht gut sein, aber was ist in dieser Welt schon gut, nein das klingt jetzt wieder zu pessimistisch und verdirbt mir die gute Laune, die das Gedankenspiel mir bringt.


Er ist ein einsamer alter Mann und wahrscheinlich würde er ziemlich schnell auf den Zug aufspringen, den ich ihm vorbei schicken würde. Der lieben Tochter, die ich spielen würde, die sich Sorgen um ihn macht, dass es doch schade wäre wenn wir so im Schweigen verweilen, wer weiß wieviel Zeit uns noch bleibt laberlaber-heuchelheuchel.


Ich würde ihm in Aussicht stellen ihn vielleicht auch mal wieder zu besuchen…je öfter er nachfragt wann das denn sei, desto mehr ließe ich ihn emotional am ausgestreckten Arm verhungern. So wie er es mit mir gemacht hat. Ich kenne all die Psychospielchen und wenn mir mal nichts mehr einfiele, müßte ich nur im Buch „Die Masken der Niedertracht“ nachlesen.
Ich würde ihm auch unpersönliche Sachen schenken, irgendein Geraffel aus meinem Keller was ich eh nicht mehr brauche. Und er natürlich auch nicht, aber das wäre mir wurscht.
So wie er es getan hat.
Ich würde ihn zuscheißen mit Links zu stundenlangen Technoplaylisten, so wie er mir einen USB-Stick schenkte mit 900 Lieder voller Rockmusik, wo er genau weiß das höre ich NIE.
Ich würde all das verhöhnen und verachten was ihm wichtig ist und was er mag. Aber natürlich nur wenn ich von anderen Leute erzählen würde, denen genau das auch wichtig ist.
Ich würde ihn als schwach, alt, gebrechlich nennen, während es mir immer gut ginge, ich würde ihn zuschwafeln voller Lügen, dass ich einen tollen Mann an meiner Seite hätte, wir viel unternehmen usw.
Er wäre der Schwache und ich würde ihm helfen. Jetzt wäre ich oben und er unten
Ich würde ihn in Sicherheit wiegen und auch gegen diese Scheißpolitik und all die Ausländer schimpfen, auch wenn das nicht meine Meinung ist, einfach um ihn ein wenig einzulullen, dass wir was gemeinsam hätten. WIR gegen den Rest der Welt!
Ich würde ihn anlügen, dass ich Geld bräuchte…für irgendwas muss dieser Vater ja zu nutze sein.
Ich würde alles nehmen was ich kriegen könnte, umsäuseln würde ich ihn, umhegen und sanft bitten und theatralisch aufseufzen bzw. mich eisig beleidigt zurückziehen, nur damit er merkt dass er ganz alleine ist.

Eotionale Erpressung, habe ich von dir höchstpersönlich gelernt.

Berechnend ist das? Jawoll. Ist es. Wer weiß, vielleicht schleime ich mich so sehr ein, dass ich die Alleinerbin von seinem Haus werde, in dem er mich nicht aufnahm, als ich in großer Not und obdachlos war.

Wann war er mal wirklich für mich da?
Wann hat er mich jemals wirklich gesehen mit meinen Gefühlen und Bedürfnissen?
Wann war ich mal nicht die Erweiterung seines Selbst, das sein Ego schmeicheln, seine Zeit vertreiben, seine Gefühle auffangen und seinen Rücken kraulen sollte?
Ich war seine Ersatzfrau, weil er zu feige für eine Partnerschaft auf Augenhöhe war.
Ich war seine Ersatzmama, weil seine schon lange tot ist.
Er hat mich benutzt
Er hat mich mißbraucht
Jetzt soll er mal spüren wie das ist.

Ich muss gestehen, mich diesen Gedanken hinzugeben fühlte sich kraftvoll an, so ein kribbeln im Bauch, so ein fester Blick, so eine Kraft und eine Faust in der Tasche. Dir blödes Arschloch zeig ichs.
Aber es wird bei diesen Gedanken bleiben. Ich habe das nicht nötig und es ist auch total sinnlos. Schlimmstenfalls verletze ich mich selbst dabei, weil ich ja nicht weiß wie sadistisch, hinterhältig und böse dieser Mann inzwischen ist. Dass wir keinen Kontakt mehr haben ist Strafe genug. Keiner mehr da, der sein Ego füttert und ihn bewundert und besucht.
Sich mit einem waschechten Narzissten anzulegen kann sehr übel ausgehen. Ich habe viele von denen kenngelernt. Ich halte lieber Abstand.

Aber das Gedankenspiel zeigt mir: darüber nachzudenken und es zu tun, da ist schon nochmal eine große Hemmschwelle dazwischen. Zum Glück. Ich glaube das nennt sich Gewissen. Oder Moral oder gesunder Menschenverstand oder wie auch immer.
Ich habe mich entschieden es nicht zu tun.
Meine Eltern haben sich anders entschieden. Sie taten es mir an (meine Mutter tat das mehr offen böse, während mein Vater mehr mit Zuckerbrot und Peitsche agierte, meine Mutter hat sich in den letzten 40 Jahren ihr Hirn weggesoffen, sie befindet sich kurz vorm Endstadium der Alkoholsucht, der brauche ich nichts mehr antun, die siecht eh nur noch vor sich hin, die lasse ich einfach in Ruhe).
Mir kann keiner mehr erzählen: sie wußten es nicht besser, sie haben ihr bestes getan. Nein, auch sie hätten mal aufhorchen können, nach innen lauschen und sich fragen: was tue ich hier eigentlich meinem Kind an? Wie gehen wir miteinander um?
Ich habe sehr viel Zeit damit verbracht meinen Eltern zu erklären wie man respektvoll miteinander umgeht und was mich stört. Schade, dass ich da soviel Energie verbrauchte, denn sie WOLLTEN es einfach nicht wissen bzw. wußtenes sehr wohl und taten es trotzdem.
Sie hatten ihre Gründe.

Du darfst nicht fühlen!

Es treibt mich weiter um, wie sehr ich wieder in der Gefühlsverleugnung war. Und umso besser geht es mir jetzt, dass ich mich wieder spüre! Klar ich merke, dass ich seit über einem Jahr keine Therapie habe, denn dort fiel es mir leichter anzuschauen was dann da „schlimmes und überwältigeendes“ in mir lorderte, aber ich kann ja nicht lebenslang in Therapie gehn.
Du sollst nicht fühlen ist kein kirchliches Gebot, abr es war in unserer Familie eines.
Ich habe Angst: ach da brauchst du keine Angst haben, das ist gleich vorbei und tut gar nicht weh (was selten stimmte, was doppelt schlimm war weil so musste ich meine Angst und meinen Schmerz/Leid unterdrücken)
Ich will das nicht: ja aber da musst du halt jetzt durch
Wenn ich still war: jetzt sei halt nicht so bockig…
aber auch bei „schönen“ Gefühlen. Wenn ich zum Beispiel aufgeregt war (egal ob wegen was schlimmes oder schönen, hat sich meine Stimme „überschlagen“ und es hörte sich sehr nasal an, die Energie das kribbeln im Bauch strömte quasi durch eine Nase, was Anlass war das sich meine Familie über mich lustig machte und mich beschämte. Ausdruck von Lebensfreude durch tanzen oder singen? Die spinnt…jeder Gefühlsausdruck wurde immer bewertet.

Noch heute erwische ich mich dabei, mir zu verbieten zu tanzen wenn ich Lust drauf habe und ein Lied im Radio kommt das ich mag, oder mal vorm Spiegel bissl rumzualbern …das ist KINDISCH.
Ich habe ein Foto wo ich es endlich deutlich sehe und einen Beweis habe: Es war abends auf der Theresiewiese, wir wateten auf den Bus der uns nach Berlin zur Loveparade bringen sollte. Ich war immer ein leidenschaftlicher Technofan und endlich sollte es auf DIE Party gehen. Es ging eine Sektflasche rum, ich trank, tanzte und lachte verschmitzt in die Kamera, meine Schwester daneben schaut mich voller Verachtung an.


Ich verbot mir zu fühlen. Ich fühlte nicht, dass der Beruf der Kinderpflegerin mir überhaupt nicht taugt, aber ich dachte halt, mei wem macht Arbeit schon Spaß. Dass sie das sehr wohl tun kann, erfuhr ich leider erst später.
Das ich den Typ mit dem ich zusammen wohnte und so tat als wären wir ein Paar, nocht nicht mal leiden konnte geschweige denn liebte, spürte ich ebenso nicht. Wir hielten Händchen, knutschten, verbrachten unsere Freizeit mit einander, fuhren in Urlaub, hatten Sex und ich mochte ihn nicht. Nicht seine Tics, nicht seinen extremen Zigarettenkonsum, nicht seine Schlaksigkeit und schon gar nicht keine krankhafte Kontrolle. Ich merkte das erst als ich immer kränker wurde und ein Arzt vertraulich mit mir sprach und mich auf etwas aufmerksam machte.
In der Sexarbeit spürte ich keinen Ekel, keinen Widerwillen, nur wenn ich Angst spürte nahm ich diese ernst und traf mich nicht mit Typen die mir komisch vorkamen.

Mit Gefühlen umgehen habe ich in meiner Familie nicht gelernt, alle unterdrückten ihre eigenen, mein Vater verlies vor lauter Angst das Haus nicht mehr, meine Muter soff und meine Schwester wurde das perfekte Vorzeigekind (und Jugendliche) eiskalt und sadistisch.
Als ich anfing mithilfer ersten Therapien meine Gefühle zu entdecken und sie ernst zu nehmen wurde ich ganz schnell das schwarze Schaf in meiner Familie. Ich entschied nämlich so Sachen wie: Nein ich möchte nächsten Sonntag nicht zu Besu kommen, nein ich will nicht die Geldkarte von Papa, nein ich möchte dieses Jahr Weihnachten anders feiern, nämlich auf einer Party. Ab da wurden alle Manipulationen und Erpressungen noch schärfer und somit offensichtlicher. Das war nicht leichter, bestätigte mich aber, das ich auf dem richtigen Weg bin, zumal es mir körperlich und seelisch um Welten besser ging!

Dabei sind Gefühle weder gefährlich noch schlimm. Sie wollen meistens nur wahr und ernst genommen werden. Das muss man aber erstmal wissen UND ausprobieren, dass das wirklich so ist. Es muss nicht gleich weitreichende Konsequenzen haben. Nur weil mich mein Mann grad nervt heißt das nicht dass wir uns gleich scheiden lassen müssen, nur weil ich heute keine Lust auf Arbeit habe, heißt das nicht dass ich kündigen und ab sofort unter der Brücke schlafe muss.
Klar manchmal muss man auch handeln, ich hatte irgendwann all die Schikanen meiner Familie so satt, dass ich mit 32 Jahren sagte: So Schluß aus, ich will keinen Kontakt mehr zu euch, macht euren Scheiß alleine! Und fast zeitgleich konnte ich das rauchen sein lassen! Ich musste mithilfe der Zigaretten nichts mehr wegdrücken. Das jährt sich nächsten März nun zum 10. mal und das macht mich stolz.

Das wir leider derzeit wieder in einem Klima des „du darfst nicht fühlen“ sind, triggert mich. Wenn jemand Bedenken wegen Corona hat, sei es an der Krankheit an sich, wegen der Impfung oder wegen der Politik wird man sofort als rechter, verblödeter, verschwurbelter, asozialer Esoteriker/Volldepp/ect. hingestellt.

Eine Autorin die mir geholfen hat, meine Gefühle wieder zu entdecken ist Safi Nidiaye. Sie schreibt klar und gut verständlich, immer wieder hole ich mir ihre Bücher hervor.
Ein anderes Buch, das mir die Augen öffnete war: Gefühlsstau von Hans-Joachim Maaz, ich las es eher weil es darin um das politische System der DDR ging und mich das schon immer faszinierte und interessierte, wie die Menschen das damals erlebten, wie es ihnen ging, wie sie das aushielten. Das Buch fesselte mich, manchmal spürte ich so eine extreme Unruhe und Wut in mir, dass ich es weglegen und mich erstmal irgendwie austoben musste. Bis ich erkannte: So war unser System in der Familie auch! Ich wurde massiv getriggert. Mir gingen die Augen auf. Es war schmerzhaft aber auch sehr hilfreich zu erkennen: Mein Widerstand und meine Rebellion und meine Abneigung gegenüber meiner Familie haben einen Grund!

Nunja, heute muss ich zum Glück nicht wieder bei 0 anfangen. Ich bin schneller bei meinen Gefühlen. Manchmal stelle ich sie mir als Wesen vor: Die gebeugte Angst, die plumpe gemächliche Gelassenheit, manchmal rede ich mit inneren Anteilen, mit dem ängstlichen Kind, mit der eigenbrötlerischen Jugendlichen, auch das hilft…da findet jeder seine eigene Methode.

Im Land der Dichter und Denker wär es schön, wenn man abundzu auch auf seine Gefühle schaut und dass diese eine Berechtigung haben. Den Weg des Herzens gehen

Menschen, nahe

Es war letzte Woche, als ich mit J. abends essen ging und auf dem Heimweg erzählte ich ihm, dass ich letztens alte Tagebücher von mir gelesen hatte (ich weiß nicht mehr wie wir darauf kamen) und zwar die von 2009 und 2012 und dass das mit meine schlimmsten Jahre waren und dass es mich nicht mehr wundert, dass ich da zusammenklappte und dass dann der Kontaktabbruch zur Familie kam und Rentenbewilligung undso.
Wenige hundert Meter später waren wir beim Thema „meine Familie“ und ich ließ so ein paar relativ harmlos Beispiele fallen, wie meine Eltern so tickten. Wir warteten zusammen auf die Bahn, es war dunkel und keiner von uns besoffen, noch nicht mal angeschickert.
Und auf einmal sagt J. Dinge wie, dass er niemanden kennt der so selbstständig ist wie ich und so schlau und kreativ und noch ganz viele Lobe (nennt man das so?).
Und es war weder anmachend, noch irgendwie schwülstig, sondern ganz spontan und offen aus reinstem Herzen. Ich wußte gar nicht wo ich hinschauen sollte und wie reagieren. Ich sah weg, meine Augen wurden feucht und es kam die Bahn. Wir drückten uns ganz fest aneinander, er hatte auch feuchte Augen und stieg in die Bahn, ich machte mich die wenigen Meter zu Fuß auf dem Heimweg, auf dem ich kurz heulte.
Weil es mich so berührte, weil mir schon lange, sehr lange nicht mehr jemand so ehrlich sowas nettes sagte. Weil ich mich von ihm so gesehen fühlte. So erkannt. Es war Nähe zwischen uns und davor habe ich Angst.


Irgendwann gehen ja doch alle Freundschaften kaputt, irgendwann muss man sich doch wieder trennen, irgendwann tut der andere mir doch wieder weh. Also ließ ich das ganze gar nicht so nah an mich heran. Was mich irgendwie erschreckte. Aber es ist sicherer. Der letzte Mann mit dem ich freundschaftlich verbunden war, fragte dann doch eines Abends, als ich bei ihm übernachtete, ob er ihn nicht doch mal kurz, nur ganz kurz reinstecken dürfe.
Menschen sind scheiße und Nähe ist gefährlich.
Aber J. trieb das weiter um und wir schrieben paar Mails. Er war erschüttert zu hören was ich erleben musste und wie kann so eine junge Psyche stark und groß werden, wenn sie nie Unterstützung und Geborgenheit bekam? Und weitere Zeilen dieser Art. Sehr schön und treffend beschrieben, nur…auch das höre ich nicht zum ersten Mal von Leuten die relativ behütet aufwuchsen und nie größere Krisen zu bewältigen hatten. Aber was hilft mir das? Nix.
Und außerdem grübelte ich weiter…das waren ja Lappalien die ich ihm erzählte, das war ja noch nicht mal die Spitze des Eisberges, das waren grad mal die Schneeflöckchen auf der Spitze des Eisberges! Würde ich ihm von den wirklich fiesen Sachen erzählen, würde er wahrscheinlich nen Herzinfarkt bekommen.


Ich bin ganz schön kaputt. Und inzwischen auch noch so kalt wie der Eisberg. Gefühlskalt. DAS erschreckt mich wirklich. Denn normalerweise gebe ich mich mit Haut und Haaren demjenigen hin, der mir so nahe kommt, der mich erkennt und sieht und wahrhaft mitfühlt. (und hoffentlich endlich endlich das einsame, verlassene Kind inmir rettet).
Aber ich bin vorsichtiger geworden. Kein Mensch kann dich retten. Ich bleibe also emotional etwas auf Abstand. Immerhin ich habe endlich dazu gelernt. Blöd ist nur, dass der jetzige Abstand genauso weh tut, wie der wenn man sich hingibt und dann fallen gelassen wird. Nur das ich es jetzt selbst entscheide.
Scheiße ist beides. Und die Isolation tut verdammt weh. Aber, sicher ist es…

Erwachsen werden

Manchmal frage ich mich schon, ob meine „schlechte Arbeitsmoral“ wirklich nur eine Traumafolgestörung ist. Ja, ich habe mit drohendem Autonomieverlust/ ausgeliefert sein (ich MUSS da jetzt bleiben und das und jenes machen) und mit der Angst vor Bewertungen (soziale Phobie) extreme Probleme,
aber es wäre auch interessant zu erfahren, wie es mir ergehen würde, wenn ich gewisse Dinge anders erlebt hätte. Das wären konkret 2 Sachen:


1. ich bekam 12 Jahre mit, dass man auch leben kann, wenn man nicht arbeitet. Mein Vater arbeitete in dieser Zeit nicht (weder in einem Lohnverhältnis noch in der Hausarbeit) er frönte seinen Hobbys und schlief viel und lange. Dass er eine heftige Angststörung hatte und vieles nicht machen KONNTE erfuhr ich ab dem Zeitpunkt als ich in den Kindergarten kam und er mich manchmal nicht abholen konnte (Haus verlassen und so war für ihn halt oft schwierig), das hieß: ich fuhr mit dem Taxi heim oder wartete ewig lange bis meine Mutter mit dem Fahrrad kam, mich in den Bus setzte und mit dem Radl hinterher fuhr. Er überwand seine Angststörung als er arbeiten und sich um sich selber kümmern MUSSTE. Meine Mutter hatte das alles nämlich irgendwann satt (kann ich echt verstehen und wunderte mich wie lange sie das überhaupt aushielt!), sich scheiden ließ und mit uns Kindern wegzog. Gut, seine Angststörung war zwar „weg“ dafür explodierte sein Narzissmus: er kontrollierte vor allem mich um so mehr und machte mich zu seiner Bezugsperson. Er manipulierte, erpresste emotional und erkaufte sich meine Zuwendung, bis auch ich mit Anfang 30 von seinen Psychospielchen die Schnauze voll hatte und den Kontakt kappte.
Die Frage ist: Gäbe es keine Rente und/oder keine Grundsicherung für mich, würde dann das mit dem arbeiten bei mir klappen? Weil ich ja „müsste“?

Weiterlesen „Erwachsen werden“

Wochenrückblick 4.Juni 2021

entdeckt: es gibt sogar ein Diabetesmuseum!

– geärgert: dass ich mir eine Tageskarte extra kaufte obwohl ich mir dann eine Monatskarte kaufte, hätte ich da mal früher dran gedacht. Naja…

– innere-Anteile-Arbeit: tut gut wieder mehr nach innen zu kommunizieren. Habe ich die letzten Monate sehr vernachlässigt, da musste ich funktionieren und habe mich (leider mal wieder) nach innen eher abgeschottet, wollte quasi sowenig wie möglich mit mir selbst zu tun haben. Kurz darauf hatte ich einen sehr schönen Traum, meine Mutter hatte mir zum Geburtstag ganz was tolles geschenkt, viele kleine Sachen, ganz liebevoll verziert und gebastelt und ich spürte im Traum wie gut das tat wenn es für mich getan wird, als wirkliches Geschenk und nicht weil somit die Mutter gut dasteht und Lob für sich bekommt. So war das immer in unserer Familie, es wurde nicht wirklich was für den anderen getan, um ihm wirklich zu helfen oder ihm wirklich eine Freude zu machen, sondern immer nur damit der andere gut dasteht und man dankbar sein muss undso…Habe den Traum und das Gefühl des „gesehen werdens“ so sehr aufgesaugt und genossen!

– genossen: Sonne! Wärme!

– gemacht: einen Ausflug: normalerweise mache ich an Sonntage oder Feiertagen keine größeren Ausflüge, weil mich die ach so (vermeintlich) glücklichen Familien/Paare traurig oder aggressiv oder beides nacheinander machen. Aber am Donnerstag (Fronleichnam in Bayern) musste ich raus und ich wußte auch wohin: In eine Kleinstadt südlich von München, da wollte ich schon lange mal (wieder) hin. Ganz früh bin ich schon los (um den Massen zu entkommen) um in der S-Bahn festzustellen: Die ist voll. Mist. Als aber wirklich ALLE an einem Bahnhof ausstiegen, andem auch ein Zug Richtung Berge hält war ich schon fast euphorisch: die ganze Bahn bis zur Endhalestelle für mich alleine 🙂
Es ging dann entlang der Loisach hoch in einen kleinen Bergwald. Sehr idyllisch, sehr ruhig. Oben am Kamm teilweise eine super Panoramasicht zu den schneebedeckten Bergen. Auf der anderen Seite wieder runter, an der Loisach wieder Richtung Altstadt. Da machte ich pause und überlegte was ich noch machen will, noch rüber zur Isar oder nach Hause oder wieder Richtung München und da irgendwo nochmal aussteigen? Ich machte erstmal Pause und entschied, ich geh mal Richtung Isar und sollte mir das zu weit, zu laut (an der Bundesstraße entlang) werden, kann ich immer noch umdrehen.


Ich ging unter einer Brücke durch wieder rauf zur Straße und stand vor einem kleinen Gebäude, das mich erstmal flashte. Diese Kleinstadt ist mir nicht unbekannt. Als Kind fuhr ich öfters (ich weiß nicht wie oft, glaube aber so 1-2x im Jahr) mit meiner Mutter zu einem Arzt. Wegen meinen Kopfschmerzen. Es war immer eine lange Fahrt und dann saßen wir lange im Wartezimmer (ich kann mich an jedes Detail erinnern),dann wurde ein EEG gemacht (sehr unheimlich für ein Kind, vor allem wenn die sehr mitfühlende Mutter einem sagt, dass die jetzt schauen, ob ich auch brav immer an sie denke), dann Gespräch. Als ich einmal las was das für ein Arzt ist: PSychiater und Neurologe weigerte ich mich da rein zu gehen. Ich! Zum Psychiater! Ich hatte keine Chance. Naja und danach gingen wir jedesmal in dieses Gebäude vor dem ich nun verdattert stand: „Frauenname“-Stüberl. So ne Boazn wo sich Berufsalkoholiker treffen und es Fertiggerichte aus der Mikrowelle gab. Einerseits mussten wir wohl auf den Bus zurück warten, der nur wenige Male täglich fuhr, andererseits, das wurde mir da so richtig klar, konnte meine Mutter ihren Alkohol nachtanken. Ob ihr niemals der Zusammenhang auffiel: ihre Sauferei und mein Besuch beim Psychodoc? Denn ich hatte nie Kopfschmerzen, ich merkte einfach, dass ich dadurch etwas Aufmerksamkeit bekam und es als Ausrede nutzen konnte vor Dingen, vor denen ich Angst hatte. Und da ich mit 5 Jahren einen schweren Fahrradunfall hatte, kaufte man mir das auch ab. So berechnend ist natürlich keine 6-jährige, dass mir das so bewußt war wie heute. Meine tolle Mutter sagte mir dann auch mal Jahre später, dass ich aufgrund des Unfalls ein Blutgerinnsel im Kopf hätte. So ein Unfug. Dazu hätte man ein bildgebendes Verfahren wie CT/MRT ect. gebraucht, das niemals gemacht wurde.
Als ich mich von dem Stüberl wieder löste (es war zum Glück eh geschlossen), ging ich die wenigen Schritte zu der ehemligen Arztpraxis. Da ist jetzt eine Anlaufstelle für Erziehungshilfen drin von einer caritativen Vereinigung. Auch passend. Hätte unserer Familie auch gut getan.

Ich fragte mich, wie es meiner Mutter wohl heute geht, sie hatte auch noch an dem Tag Geburtstag…
Den letzten Bericht von dieser Praxis habe ich mal in einer sehr verzweifelten Situation (eine Woche später Suizidversuch) vernichtet. Wahrscheinlich hoffte ich insgeheim: wenn der Bericht weg ist, sind auch die Probleme weg. Ich weiß nur noch bruchstückhaft was da drin stand.
Was mir bei dem Ausflug wieder gravierend auffiel: Dass es keinerlei emotionale Verbindung zu meiner Mutter gab: Da hatte ich sie mal einen halben Tag für mich alleine (keine Arbeit, keine anderen Männer, keine Schwester ect.) und trotzdem war sie so weit weg. Absolut unerreichbar! Wie unsichtbar. Wie eine fremde Frau die jetzt mit mir zum Arzt geht. So traurig.
Aber ich kenne die Stadt auch noch von zwei anderen Ausflügen als ich etwas älter war und ich ließ mich in dem Ort zweimal tätowieren. Und ich hatte sogar mal einen Exfreund der dort wohnte.
Nun, jetzt ging ich dann doch noch zur Isar hinunter und fand einen schönen Wald voller Trampelpfade, noch stiller als im Bergwald und kaum Menschen. Da dort nichts ausgeschildert war, musste ich mich auf meine Orientierung verlassen, was wunderbar funktionierte.
Dann fuhr ich zufrieden, etwas traurig und sehr erschöpft wieder nach hause

Melancholie….und Weihnachten

So ein Familienbesuch wirkt immer sehr lange bei mir nach. Den direkten Tag danach kann ich meist eh knicken (das plane ich schon immer so ein). Aber auch so denke ich viel nach. Wie deren Leben aussieht, was die so (wirklich) beschäftigt, wie was früher war, was sie sagten und taten.

Dieses Mal wirken zwei schöne Sätze nach (das ist was Neues und vielleicht beschäftigt mich der Besuch deswegen noch mehr als sonst), zum einen sagte der Mann meiner Cousine bei der Verabschiedung, dass ich jederzeit herzlich willkommen sei. Da schwang soviel Wärme mit, keine Anmache, keine plumpe Aussage, weil man das halt so sagt, sondern grundehrlich und offen.
Und das andere war dann die Nachricht von meiner Tante: Schön, dass Du uns besucht hast. Obwohl das aufm Handy geschrieben stand, fühlte ich auch hier, die Wärme und Ehrlichkeit. Das ist meine Tante soundso, warm und ehrlich.
Es ist ungewohnt und die Angst vor erneuten Enttäuschungen und Verletzungen ist riesig.
Ich bleib lieber draußem im dunkeln, nassen, kalten. Das kenne ich.
Sie haben mir die Tür geöffnet, zu ihnen ins warme, kuschelige, gesellige Zimmer zu kommen.
(das klingt jetzt pathetisch. Ich bin in der übelsten PMS-Zeit, ich darf pathetisch sein.)
Aber wenn ich zurück denke, ich war schon immer so. Schon als Kind waren mir laute Feste, mit viel Geselligkeit, Spielen (Kinderfasching ein Graus!) oder lustiges Zusammensein irgendwie suspekt. Oft war ich so schnell überreiz und überfordert, dass ich nur noch weinte.
Im Schullandheim (Schwäbischen Alp) ging ich mit einer Freundin auf den nächsten Hügel, kurz vor Sonnenuntergang. Da saß ein Typ auf einem Felsen und schaute nachdenklich in die Ferne. DEN fotografierte ich. Das gefiel mir 🙂

Und sonst so? Mir graut ganz furchtbar vor Weihnachten. Schon seit Monaten immer wieder diese Sinn-und Hoffnungslosigkeit, Perspektivlosigkeit und den Gedanken einfach nicht mehr leben zu wollen. Puh, das wird in der dunkeln Jahreszeit nicht weniger. Und dann liegt das auch noch so doof am Wochenende, da ist der 24. der Donnerstag und dann bis Sonntag quasi NIX. Soviel kann nicht mal ich schlafen.
Also wie früher: wegfahren? Hmm, mal paar Ferienwohnungen geschaut, ganz wenige gefunden. Nur: will ich das? Oder ist das nicht erst recht trübselig und trist in einer fremden Umgebung alleine zu hocken. Früher war das eine willkommende Abwechslung, weil mit Angststörung alleine wegfahren war das teilweise schon eine Herausforderung. Aber es ging immer alles gut und ich habe es inzwischen locker an die 8 Mal gemacht. Jetzt wirds quasi langweilig.

Wo wieder die Familie ins Spiel kommt: Die luden mich ja schon öfters auch zu Weihnachten ein, aber wenn mir ein Halbtagesbesuch schon so Bauchweh macht, wie soll das erst Weihnachten inkl. Übernachtung werden? Oh no…

Meins finden

Ich bin mir noch nicht sicher, ob das eine neue Erkenntnis ist oder ob ich die schonmal hatte. Vermute eher letzteres. Aber egal. Das erstaunliche jedenfalls: Sie kam mir im Schlaf, im Traum und noch während dem aufwachen dachte ich weiter dran.

Dass ich Eigenes nicht ausbilden, nicht finden und schon gar nicht mögen durfte, hat mir meine Familie gründlich ausgetrieben. Mein Vater und meine Schwester haben jegliches Gefühl, Neigung, Wünsche, Jobs, Lebensgestaltung aktiv mit Worten, Gesten und Blicken abgewertet, verhöhnt

Meine Mutter glänzte mit blühender Desinteresse.

Ich hatte in Deutsch immer eine Eins, war Klassen-und Schülersprecherin, erschwamm bei einem Wettbewerb Gold, war kreativ bei Umzügen, fuhr mit dem Auto weit weg in den Urlaub, machte tat und rackerte mir einen ab, um einmal zu hören: Das ist aber schön, was du da gemacht hast! Gratuliere! Das hast du toll gemacht….IRGENDEINE Anerkennung! IRGENDEINE positive Reaktion!

Gut, das weiß ich schon länger, dass viele kleine Stiche aus einer Kinderseele auch Hackfleisch machen.

Aber dass daraus die Coabhängigkeit entstand: Wenn ich mich nur richtig verhalte und die alle Wünsche von den Augen ablese, DANN endlich siehst du mich….oder zumindest kommen dann keine Erniedrigungen, Demütigungen und andere psychischen Gewalttaten mehr.

Meine Eigenheiten. Mein eigenes habe ich fast komplett vergraben. Mühsam mache ich mich schon länger auf die Suche was ich will. Und damit meine ich nicht den großen Lebensentwurf, sondern auch im Kleinen: Was will ich jetzt hier und heute tun?

Mein Eigenes wieder finden. Manchmal bin ich in dem Flow und tue wie selbstverständlich Dinge die meins sind und die vernichtenden inneren Stimmen geben Ruhe wenn ich das malen anfange, oder endlich in eine bestimmte Kunstausstellung gehe oder zu einem Kraftort fahre.

Und dann wie derzeit tue ich fast schon zwanghaft Dinge, die ich eigentlich gar nicht will, ist die Hürde zu „meinem“ so riesengroß. Fühle mich verloren, extrem unsicher, bekomme meinen Rücken nicht mehr gerade und hoffe einfach, dass ich bald sterbe. Um Erleichterung zu finden schaue ich schnell in die Anzeigen ob ich irgendwo arbeiten, heißt HELFEN kann, dann geht es mir wenigstens kurzfristig gut, bis der Blues noch heftiger zuschlägt.

Weil ich mich vollends verloren habe…

ABER! Aber SIE haben es nicht ganz geschafft, mein Innerstes, mein Wollen, meine Bedürfnisse zu töten. Immer wieder haben ich trotzdem Dinge getan, die meine Familie schrecklich oder nicht akzeptabel fand: Ich zog nicht in die Nähe meines Vaters (was er immer wollte), ich gab die EC-Karte (womit er mich kaufen wollte) wieder zurückgegeben, ich liebte meinen Fahrerjob (obwohl ich 10 Jahre zuvor soviel Angst vorm Auto fahren hatte, dass ich noch nicht mal den Führerschein machen wollte), ich habe viel gemodelt, mich tätowieren und piercen lassen, ich bin einfach zur Loveparade gefahren weil ich Bock drauf hatte, ich sagte NEIN, ich entschied immer öfter wann ich wen wo besuchen wollte oder ob überhaupt. Und was war die Reaktion: Sie zogen die Daumenschrauben immer enger und ich tat etwas womit sie niemals rechneten: Die ach so brave, füg-und folgsame Luna sagte: So. Aus Schluß vorbei. Ich habe keine Lust mehr. Ich bin erwachsen und ich will mein Leben so leben, wie ich es für richtig halte. Auf eure Sanktionen, Reaktionen, auf eure psychische Gewalt habe ich keine Lust mehr! Tschüß, ich will mit euch nichts mehr zu tun haben! Änderte meine Mailadresse und meine Telefonnummern und fühlte mich richtig gut!

Und stark. Und mutig.

Nur die innere Familie, die übernommenen Stimmen und Täterstrukturen, die bekomme ich nicht so einfach los. Da heißt es: dranbleiben, aufmerksam bleiben, immer wieder und sehr sehr oft.

Einmal Lebensinhalt bitte!

Ich bin einen hohen Adrenalinpegel gewöhnt.

Ab meinem 12. Lebensjahr war Trubel angesagt. Damals Scheidung, neuer Stiefvater, mit dem zusammengezogen, neue Schule – dort Extremmobbing, neuer Ort, keine Freunde, kein Vater. Mutter Alkoholikerin, neuer Stiefvater natürlich auch, Vater kann dank fetter Angststörung seit 15 Jahren nicht mehr arbeiten und hat manipulative Techniken drauf, so dass man macht was er will. Man selbst als Person zählt nicht.

Mit 16 nach München zum damaligen Freund gezogen. Dem totalen Psychopathen. Der hatte leichtes Spiel mit mir, ich war ja schon gut vorgeschädigt.

Knapp ein Jahr später heimliche Flucht aus der Wohnung. Das war unfassbar krass. Danach Personenschutz durch einen Bekannten, der eben die richtige Ausbildung/Ausrüstung dafür hatte. Warum? Ein Psychopath lässt nicht so schnell los. Monatelanges Stalking.

Mit 18: Einzug in WG, wieder mehr Leichtigkeit, mit Partys undso. Ausbildung abgeschlossen, Führerschein gemacht. Erste richtige Beziehung samt Heiratsantrag (von ihm, ich schwieg). Läuft.

Ab 19: Erste eigene Wohnung, Alleine! Ein Traum! Keiner redet mir mehr rein, keiner bestimmt über mich. Guter Arbeitsplatz bei der Stadt München. Beziehung geht in die Brüche. Dann komme ich ins trudeln. Kein Überblick über Finanzen, Schulden, vermisse T (große Liebe), wechsle Arbeitsstelle innerhalb des Arbeitgebers. Lerne B.kKennen, total kaputter Typ, Drogen und so. Das Ende vom Lied: wir wollen uns gemeinsam das Leben nehmen. Fahren nach Italien usw. alles geht schief, ich will sofort nach Hause, dort beim Doc wird B. In die Psychatrie eingeliefert, ich fahre zu meinem Vater (auch denkbar ungünstig, aber damals war er noch mein Held).

Ab 21: Hocke das erste Mal beim Psychiater, Diagnose: ordentliche Depression. Ab da wechselte ich Wohnungen, Jobs und Männer wild durch. Ich dachte ich muss im außen endlich nur das richtige finden, damit es mir besser geht. Wirds nicht.

Supergau mit 26: Die Wohnung wird mir wegen Mietschulden geräumt. Ich mache „das Beste“ draus und tingle mit einem fast fremden Mann halb durch Europa. Er hat ein gutes Herz. Ein feiner Kerl.Tolle Zeit.

Wieder in Deutschland kratze ich noch einmal mein Programm Funktioniere! zusammen, suche mir einen Job und mit dem Verdienstnachweis finde ich auch endlich wieder eine eigene Wohnung. Möchte endlich mein Leben hinkriegen, mich gut fühlen und schuldenfrei werden. Gehe in eine psychosomatische Klinik. Arbeite ab da meine Vergangenheit auf.

Komme aus der Abspaltung heraus, lese viele Bücher über Selbstwertgefühl, Depression, Lebenshilfe allgemein.

Gehe in Selbsthilfegruppen für erwachsene Kinder von Alkoholikern, immer wieder sehr aufwühlend. Lerne dort zwei Frauen kennen, die auch stark uner Ängsten und Depressionen leiden, die eine bringt mich auf das Thema Narzissmus. Und ich erkenne, dass mein Vater nicht so heilig ist, für den ich ihn immer hielt.

In mir bricht vieles zusammen. Im außen macht das Arbeitsamt Stress. Ich bin immer wieder sehr aufgewühlt und „getriggert“, damals wußte ich aber nix von Trauma.

Ich funktioniere noch einmal, weil man ja arbeiten muss und finde eine Stelle als Fahrerin für behinderte Kinder. Leider ist die Chefin (Subunternehmerin) eine saublöde Kuh und zahlt nicht. Ich verweigere daraufhin meine Arbeit. Und werde gekündigt. Die Oberchefin ist aber sehr zufrieden mit mir und stellt mir direkt bei sich ein: Ich fahre an Schultagen 400 km täglich. Die Hälfte davon mit bis zu 5 Kids hinten drin, wovon einer regelmäßig völlig ausrastet, sich abschnallt usw. Nach einem Jahr (mit 29) erleide ich einen Nervenzusammenbruch zuhause. Kann nicht mehr schlafen und essen, hatte auf der Autobahn akustische Halluzinationen und das Gefühl ohnmächtig zu werden, wog bei 183cm Körpergröße nur noch 58kg.

Nun ging nix mehr mit funktionieren. Nach 1,5 Jahren wurde mir die EU-Rente bewilligt. Einige Zeit später kam ich in eine Trauma-Tagesklinik, da ich aufgrund der vielen Ängste kaum mehr außer Haus kam. Ich geriet an eine sehr kompetente Trauma-Therapeutin, die das erste Mal: Komplexe PTBS aussprach. Ich setzte mich damit auseinander, verstand mich mehr und mehr. Nur das Muster: funktioniere! scheint noch des öfteren durch.

Ich lese noch mehr über psychische Gewalt und narzisstischen Mißbrauch. Mir gehen ganze Kronleuchter auf. Also: Kein Täterkontakt.

Mit der Klinik im Hintergrund schaffte ich es auch endlich zu meinem Vater den Kontakt abzubrechen. Zu meiner Mutter hatte ich schon einige Jahre davor nichts mehr zu tun, ebensowenig mit meiner Schwester die eiskalte, sadistische Tendenzen hatte und mich immer wieder zurück warfen.

Mit 32 schaffte ich das rauchen aufzuhören, wieder mit dem Sport anzufangen und mich endlich um mich selbst zu kümmern.

Ruhe kehrte ein…und genau die ertrug ich nicht und machte mich auf die Suche nach einem Mann. Leider stand ich immer noch auf die mit demselben toxischen Verhalten wie meine Familie sie hatte und „durfte“ nochmal ein paar Erinnerungen daran auffrischen. Blöderweise landete ich auf einer Datingseite auf der Männer Geld boten. Und aus lauter Abenteuerlust, Einsamkeit und Langeweile traf ich mich also gegen Geld. Sexarbeit also, so sah ich das natürlich nicht, ich machte ja alles freiwillig. haha

Es ging im seltensten Fall um den klassischen Sex, sondern um „Spielereien“ drum herum. Oder eben Fetische. Mein Ego war riesig. Ich fühlte mich endlich als wer. Und ich war gefordert: Die Männer aussuchen, Mails schreiben, schauen ob das passt, Termine ausmachen, treffen, schauspielern, lügen (auch privat, wenn ich unterwegs jemand traf und der mich fragte wo ich hingehe…?), Körperpflege usw. Ich war in der altbekannten Adrenalinspirale wieder drin. Nicht fühlen – funktionieren. Natürlich ging das nicht gut. Der Ausstieg mühsam, weil die Einsamkeit und die Langeweile schon warteten.

2019 kam der Bescheid, die EU-Rente wird dauerhaft bis zur Altersrente bewilligt.

Es gibt keine Action mehr. Weder in der Wohnungssache, noch im Job, noch mit irgendwelchen Männern oder schrägen „Hobbys“. Rauchfrei, fast schuldenfrei…was kommt noch?

Ich kann Strafgefangene verstehen die mit der Freiheit nicht zurecht kommen und wieder was tun wofür sie wieder eingesperrt werden: Das kennen sie.

Ich muss diese Ruhe nun selber füllen, mit gesunden, weniger schädlichen Dingen.

Das Problem: Mein Körper braucht viel Ruhe, da merke ich einfach das ausgelaugt sein. Mein Kopf aber, der ist frisch und will was tun, was erleben, hinaus ins Leben, du bist noch jung! Und so knirscht das Getriebe…

Vor wenigen Tagen traf ich zufällig L. im Supermarkt. Sie half mir damals in der Angst-Selbsthilfegruppe sehr und ich mochte sie immer. Vor wenigen Jahren starb ihr Mann recht unerwartet an Krebs, daraufhin kümmerte sie sich viel um ihre Enkelskinder, die damals noch sehr klein waren. Sie war immer im Streß, immer was zu tun, nur ja keine Ruhe und den Schmerz fühlen….jetzt sagte sie mir, dass ihr Sohn auch Krebs hätte. Ähnlich aggressiv wie beim Vater. Schon überall Metastasen. Er ist nur wenige Jahre älter als ich. Und ganz ehrlich, beim Heim gehen dachte ich schon: Es trifft echt immer die falschen…

Nochmal Neffe

Ja nü. Gestern kam Post. Mein Weihnachtsgeschenk an meinen Neffen kam ungeöffnet mit der Post zurück mit dem Vermerk: Empfänger konnte unter dieser Adresse nicht ermittelt werden. (es war schon ein sehr komisches Gefühl, das Geschenk wieder auszupacken,d as man selber verpackt hat.)

Das gibts doch nicht: Soviele Zufälle von nicht auffindbar, email nicht gefunden, Nachricht erst nach 2 Jahren angeblich gelesen usw. Ich weiß nicht was da in seinem Kopf vorgeht. Ich habe absolut keine Lust mehr drauf. Und auch der Gedanke, dass ich ihn ja noch auf den richtigen Weg bringen könnte oder oder… verflüchtigt sich zunehmends. Hab mir bei solchen Leuten schon oft genug die Zähne ausgebissen, da gibts nicht zu retten. Doch: mich! Weg da! Bloß weg!

Habe zu dem Thema nun eine Neurografik gemacht, tat gut. Vor allem mit der Hintergrundmusik: Shinead O‘Connor. Mehr als passend. Die mochte ich schon immer, weil sie die Verletztheit und Wut so gut transportiert. Auch sie eine verletzte Seele.

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Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer. Antoine de Saint-Exupéry

Eine Art Tagebuch

Amat victoria curam