Wochenrückblick 14. August 2022

– Arbeit: mal wieder Großauftrag: Endreinigung einer 3-Zimmerwohnung, allerdings ohne Fenster putzen. War trotzdem viel, aber ich war fit und gut gelaunt, die Auftraggeberin eine sehr nette, höfliche Frau die auch sehr dankbar für meine Hilfe war und das auch gut honorierte. Sie fragte natürlich gleich ob ich bei ihr als Haushaltshilfe anfangen möchte. Ich habe abgelehnt, mit der Begründung das ich ungern in Haushalte gehe, das ist mir zu nah. Offen und ehrlich es MIR eingestehen, aber auch dem anderen das so sagen. Sie konnte das total verstehen und sagte OK! War interessant.
Der Einsatz tat gut, auch wenn ich danach natürlich ko war, aber das war ein angenehmes ko und innerlich war ich sehr zufrieden.

– Arbeit Teil 2: Zweimal in einer neuen Ferienwohnung gewesen. Gut zu erreichen, schöne Wohnung, auch die Kundin sehr nett und dankbar, aber sehr sehr weich, fast schon unterwürfig.. Und mir wurde bewußt wie ICH Tätergedanken bekam. Weil sie, kaum war sie weg, via Whatsapp schrieb, wenn ich länger brauche, würde sie mir das Geld sofort überweisen, hat sich auch tausendmal bedankt, sie machte sich selber klein! Der könnte ich glatt sagen ich hätte 4 Stunden gearbeitet, obwohl ich nach 2 Std. schon wieder ging. Oder: wenn die über was mosert, is mir das egal, DIE nehm ich nicht ernst. Dann gabs paar selbstgemalte Bilder in der Wohnung mit ihren Initialien: aha war wohl mal in ner Psycho-Klinik. Natürlich arbeitete ich ordentlich und war ehrlich, aber ich war viel entspannter, weil ich wie gesagt, vor der keine Angst oder irgendwie Respekt habe! Das ist interessant, wie sich das anfühlt, wenn der Gegenüber so „schwach“ ist, wie es ein leichtes wäre da jetzt „drauf zu hauen“. Das ist natürlich keine Einladung und keine Entschuldigung für übergriffies, mieses Verhalten, aber ich sehe auch, dass es immer zwei Parteien dafür braucht. Und ich sage nicht Verantwortung!
Es ist wie mit eine Wohnung, wenn ich die Fenster offen lasse und dann in den Urlaub fahre, lade ich quasi Einbrecher regelrecht ein. Ich trage meinen Teil dazu bei.
In der Psychoklinik in der ich war, wurde das Bild des Vorgartens genommen. Drumherum ist im besten Falle ein Zaun (Grenzen!) und eine geschlossene Türe. ICH entscheide ob ich mich mit anderen nur am Zaun unterhalte, oder an der geöffneten Tür  oder ihn in den Garten bitte oder gar in mein Haus. Das kann man klar sagen: komm doch rein oder auf vielen anderen Wegen kommunizieren: nicht rein bitten, Arme verschränken, viel lächeln, Kopf schräg halten oder bin ich geschwätzig/wortkarg usw, ich entscheide auch wie hoch der Zaun ist: nur kniehoch oder schulterhöhe…usw.
Ich muss auch immer wieder an meinen Grenzen arbeiten. Und da fällt mir noch ein Satz ein: Lieber gefürchtet als verachtet.
Das hab ich gleich geübt:

– sei nicht nett! Also zumindest nicht zu Menschen, die das nicht schätzen und nicht verdienen. Ich weiß, dass dieser eine Typ kifft, Medikamente mißbraucht und viel im Spiel/Wettbüro abhängt, also evt. noch spielsüchtig ist. Wir hatten was vereinbart und 2x kam er nicht. Aus die Maus. Ich wurde abweisend, ließ ihn stehen. Da kann er noch 100x sorry sagen. Ich geb nicht mehr viel auf Worte. Sondern mehr auf Taten/Verhalten. Soll er ruhig merken, dass ich sauer bin und das nicht mit mir machen lasse. Ja dann ist Konfrontation, ja dann ist schlechte Stimmung. Ich hab das früher nicht ausgehalten und wurde schnell wieder nett und auch unterwürfig! Nein, jetzt nicht mehr. Es muss mich nicht jeder toll finden oder lieb haben.

– Zyklus: Nachdem mir ja das Lyrica wieder den Zyklus zerschossen hat, und es auch von der Wirkung nicht mehr so gut war wie beim ersten Mal (bzw. ich hätte mehr aufdosieren müssen, aber das damalige absetzen mit extrem langsamen abdosieren war so krass, das will ich nicht nochmal). Nun hab ich wieder nen normalen Zyklus. Pünktlich und so wie ich es kenne (mit den Symptomen, Begleiterscheinungen und nicht ständig einem anderen Überraschungspaket, das kann ich echt nicht gebrauchen).

– wenn der Ex sich meldet: Ich hatte zwar seine Nr. aufm Handy blockiert, was er wahrscheinlich auch merkte, aber anscheinend nicht akzeptierte, denn da kam er einfach mal vorbei und klingelte. Und hatte mir vorher noch nen Zettel ins Briefkasten geworfen. War wahrscheinlich was ganz dringendes. Nach ein paar Tagen Überlegung und einige Nachrichten später fühlte ich: nein, ich will da nix mehr anfangen. Das war immer so chaotisch und der endgültige Abschied von ihm so schmerzhaft und schwierig, nein da geht nix mehr. Also schrieb ich ihm, das ich ja nen Grund hatte warum ich seine Nummer blockierte, weil ich diese Achterbahnfahrt nicht mehr will und auch zuviel kaputt gegangen sei und ich dabei bleibe und mich verabschiedete. Da kam relativ schnell nur ein HÄ? zurück. Ich schwieg. Soll er mal sein Hirn anstrengen. Nach 3 Stunden kam dann: Es sei ja meine Achterbahn gewesen und nicht seine und er wolle nur mal schauen wie es mir geht und mal bitte schön locker bleiben….
Oh Gott. Das war mit ein Grund warum ich den nicht mehr in meinem Leben haben will. Diese verquere, schräge Kommunikation. Klar er fühlte sich getroffen, zurückgewiesen. Ich schrieb ja nicht dass es seine Achterbahn war, ich gab ihm ja gar keine Schuld. Ich war damals auch kein Lamm. Egal welchen Achterbahn es sei, ich will sie einfach nicht mehr!!! Das spüre ich so deutlich, das drücke ich nicht mehr weg um lieb zu sein!! Das er nur mal schauen wolle wie es mir geht, das glaube ich nicht, irgendwas wollte er schon: Sex, Aufmerksamkeit, Putzhilfe ect. Ich solle mal locker bleiben? Ich war sowas von locker und nachdem ich seine Nachricht las, diese löschte und seine Nummer wieder blockierte wurde ich gleich NOCH VIEL lockerer. Ich atmete regelrecht auf: Nicht wieder dieser Streß mit dem!  Verantwortung für mich übernehmen. Klarheit. Entscheidung treffen. Tut so gut.

– gelesen: mach ich zur Zeit wieder sehr gerne: Lesen! Hatte ein Lesebuch von unterschiedlichen Schrifstellern: kleine Geschichten, Erzählungen ect gefunden. Es ging sehr viel um Cechov, dem bedeutenden russischen Schrifsteller. Ich las paar Sachen von ihm und dacht mir echt: mei wieder so ein Kerl der ganz furchtbar aufgeblasen wird. Er schreibt normale Geschichten. Nichts besonderes Fertig. Aber nein, da muss man wunderwas draus machen, wie toll und kreativ und überhaupt der war. *augenverdreh

– Schwerbehindertenausweis: der neue kam heute an. Unbefristet gültig. Wieder dieses seltsame Gefühl, einerseits natürlich erleichtert, weil wieder ein Ding weniger um das ich mich kümmern muss, andererseits der schale Geschmack…nunja.

– bei mir sein: macht echt Spaß! Wieder zu merken: oaahh Schokopudding hat ich ja schon ewig nicht mehr! Und Rouladen! Und abends aufm Balkon nen Hugo trinken und träumen und keine Anspannnung und keinen Streß spüren und kein ich müßte und sollte und darf mich NICHT entspannen, was zur Hölle machst du da schon wieder verbotenes, übrigends du hast dich schon lange nicht mehr geschämt und schuldig gefühlt…wär mal wieder dran oder..ODER???? Nein einfach ein: Mir gehts gut und das ist gut so. 🙂

– Was mein Leben reicher macht: Frische, selbstgemachte, kühle Bananenmilch mit einer Prise Zimt, dazu Mano Chao als Musik und das ganze in der Sonne aufm Balkon (am Boden sitzend weil mich da keiner sieht). Quasi Miniurlaub!

– Zitat der Woche (bei Twitter gelesen): „dass ich ein neues Lebensziel brauche und zwar: dass es mir gut geht. Anfänglich klang das total simpel und schräg und ich nahms nicht ernst. Aber mittlerweise ordne ich alles diesem Ziel unter. Denn wie mein Therapeut sagt: wenn es ihnen nicht gut geht, geht alles andere auch bergab.“
Mensch das muss einem doch gesagt werden…aber gut, wenn man nie Selbstfürssorge lernen durfte, sondern drauf gedrillt wurde sich ausschließlich um andere zu kümmern (und zwar als Kind um die Erwachsenen!!!) is das irgendwie auch nicht verwunderlich

– Affirmation des Tages: Ohne Frage beschleicht mich das Gefühl, dass ich soviele Stärken habe, sodass selbst Hulk neben mir schwach aussieht! :-))))

Agency-Verhalten

Letztens dachte ich so: wie heißt eigentlich die Krankheit, wenn man kaum bei sich selbst ist? Selbstentfremdung, Selbstverlassenheit, Dissoziation. Ich fand dann im Netz den Begriff „Agency“. Wenn man zuviel Mitgefühl hat, den Focus zu sich selbst, sehr schnell verliert. Wie kommt man aus diesem Agency-Verhalten wieder raus? Nicht durch nachdenken, da dreht man sich im Kreis, sondern über den Körper: Wenn ich daran (z.B. im Falle eines neuen Arbeitseinsatzes) denke und sich der Körper eng, schwer anfühlt dann ist es Agency. Fühlt man sich weit energiegeladen und fröhlicher gestimmt, ist es das echte Selbst. Bewußt seinen Körper wahrnehmen!
Ich hatte mit einem Mann geschrieben, der für seine Familie eine Bügelhilfe suchte. Och dachte ich, besser als putzen. Wir schrieben. Wir machten ein Probearbeiten aus. Ab dem Zeitpunkt wurde mein Tinnitus lauter, meine Laune sank, auf meinem Brustkorb saß wieder ein fetter Bär, ich wachte schon nervös auf. Ich hatte aber auch generell kein gutes Gefühl, weil er manipulierend war. Total begeistert von mir, mir fast den roten Teppich ausgelegt, damit ich auch ja komme und bleibe. Nach einer Nacht drüber schlafen sagte ich ab. Und dann kam, was ich schon vermutete: Mr. „ich wohn in ner Villa im nobelsten Stadtteil Münchens“ konnte das nicht akzeptieren. Er fragte nach dem genaueren Grund und lobte nun SEINE tolle Arbeitsstelle die sie mir anbieten würden. Ich ließ mich nicht einfangen, Dann wurde er noch komischer und schob mir die Schuld zu, weil sie ja alle anderen bagesagt hätten, ich hatte sie hingehalten, das ist nicht fair laberlaberlaber. Wahnsinn, wenn jemand so eine kleine Grenze schon nicht akzeptiert! Mr. ich-hab-Geld, bekommt wahrscheinlich sonst immer was er will. Bin ich froh das wieder rechtzeitig gespürt zu haben!


Nein ich bleibe bei den Endreinigungen, evtl. Ferienwohnungen wenn Bedarf ist und den Marktforschungen die nun nach Corona auch wieder mehr anlaufen. DAS fühlt sich gut und stimmig an.
Bewußtheit. Jeden Tag. Bei ganz kleinen Dingen. Immer wieder schauen: Wo bin ich gerade mit meinen Gedanken? Habe ich mich schon wieder innerlich abgestellt und fühle nicht mehr was ich jetzt wirklich machen möchte und denke wieder ständig an X und Y? Ich bin da echt wie paralysiert. Gestern war ich angespannt, der Kopf sagte: lesen. Ich spürte genauer hin: ne ich will irgendwas belangloses im TV schauen. Hab ich gemacht. War super!


Erschreckend wie schnell ich mich „vergesse“, abspalte, beim anderen bin. Tagesaufgabe: STOP! Schauen, was fühle ich gerade, was ist mein Bedürfnis, inneren Automat abstellen, der schnell handelt, aber ohne inneren Bezug.
Um mich kümmern. Ich will mich nicht um den Scheiß anderer kümmern. Ich hab mich immer gekümmert. Ich will nicht mehr. Ich will mich nur um mich kümmern. Weil ich merke wie meine Freude, Zuversicht, Gelassenheit, Energie und Wohlbefinden massiv steigt! Und dann kommt wieder die Zeit wo ich gerne wieder was für andere tue, weil ich die Kraft dazu habe!

Heutige Affirmation: Neuerdings passt es zu meinem Selbstbild, dass ich mich schätze und achte, so wie ich bin. Der Selbstwertgenerator macht echt Spaß!!!

Wendepunkt


Es geht mir gut. Ich fühle mich wieder wohler. Ich bin wieder gut bei mir angekommen.
Dennoch immer wieder erschreckend, wie schnell ich mich im Kontakt verliere und ins alte Muster falle: ich kümmer mich um dich und du dann um mich. Dann passieren üble Verstrickungen, Projektionen, ob bewußt oder unbewußt, ich fühle mich schräg, ohne Selbstwert, falle in kindliche Anteile usw…Puh.
Dann brauche ich wieder viel Abstand-bis Kontaktabbruch und es geht wieder von vorne los. Mit manchen Menschen/Beziehungen heftiger, bei manchen schwächer ausgeprägt.

Ich habe wieder die Verantwortung für mich übernommen und überlasse die andere Verantwortung bei den anderen. Sind ja alles erwachsene Menschen (und auch kein pflegebedürftigen ect.).
Aufatmen. Lächeln. Die Kraft strömt wieder zu mir. Ich habe wieder Lust was zu machen.
Gestern war dann ein voller Tag. Das war auch in Ordnung so, ich habe mir die Termine ja selber gelegt. Ich nahm ein leichtes unterstützendes Medikament und war somit gelassener. In der früh ging es zu einer unbekannten Ferienwohnung samt Besitzerin. Das lief recht gut, Folgeauftrag für die Reinigung ist gegeben. Dann fuhr ich wieder heim um nachmittags nochmal los zufahren, diesmal in die Uni für eine Studie. Nach ewig langer Zeit endlich mal wieder vor Ort. Dort musste ich 40 Minuten lang bestimmte Bewegungen ausführen, natürlich unter Beobachtung (für Sozialphobiker echt schwierig). Die Sudienleiterin war sehr nett, es war anstrengend, aber da ich mich auf die Abfolge konzentrieren musste, blieb nicht soviel Raum für die Angst. Insgesamt war ich gestern 3,5 Std. in der Bahn unterwegs, plus die Jobs, plus Konversation mit fremden Menschen, plus die Hitze, aber alles funktionierte gut. Ich sorgte für mich: In der Bahn Musik in den Ohren damit ich abgelenkter bin, Pause im Park, in der Mittagspause ne Dusche, leichtes Medikament.
Ich habe wieder was geschafft. Ich habe was geleistet. Ich hatte einen guten Tag. Ich habe mein eigenes Geld verdient.
Und jetzt kann ich den freien Tag so richtig genießen. Mit Schlaf und gutem Essen 🙂

Gegönnt: Selbstwertgenerator! Ich hatte mich erst wieder an die 12-Schritte Literatur gewandt, aber ich kann damit absolut nichts mehr anfangen. Diese Lobhudelei überall: Seit ich bei AlAnon bin gehts mir supi…und wenn ich der höheren Macht vertraue die weiß was gut für mich ist (hä? Das ist das Gegenteil der Eigenverantwortung!) und unterschwellig immer dieses: sei demütig! Boah ne. Schrecklich.
Vor einigen Monaten sah ich schonmal den Selbstwertgenerator. 30 Euro. Puh viel Geld. JETZT fiel mir das wieder ein und dacht mir: Kaufste! Das ist ja die Krux, das was mir wirklich hilft und gut tut, da bin ich knauserig und was schädlich ist, geb ich locker viel Geld aus. Er kam auch gleich am nächsten Tag und ich bin begeistert! Jeden Tag kann man durch 3 Stapel sich einen neuen Satz zum Thema Selbstwert zusammenstellen. So entstehen insgesamt über 200.000 (!) positive Affirmationen. Er steht nun schräg gegenüber von meinem Esstisch. So dass ich immer wenn ich da sitze, den Satz lesen kann. Heute ergab sich dieser: Zweifelsfrei erkenne ich, dass meine Wünsche und Bedürfnisse wichtig sind.
Genau! 😉 In diesem Sinne, kümmere ich mich heute mal um meine Wünsche. Und Bedürfnisse.

Überforderung vermeiden

Unsere Zeit/Gesellschaft ist ja vom Fortschrittsgedanken wie bessessen: Noch besser, noch schneller, noch einfacher, noch größer, noch kleiner usw. Ich merke das auch an/bei mir: Gut, vor 3 Jahren ging dies und jenes nicht, also sollte das nun langsam mal funktionieren! Aber bitte pronto!
Mein Ego steht mir ziemlich krass im Weg, dass ich nicht so funktioniere, wie ich das gerne hätte. Einen Schritt zurück machen, damit ich mich nicht weiter überfordere….nur mit Zähneknirschen (im wahrsten Sinne des Wortes).
Kleine Brötchen backen. Tun was geht UND Energie bringt, statt raubt.
Kleine Dinge die gut funktionieren:


Die Mikroabenteuer kamen in der Coronazeit in Mode. Für mich ist das nix neues, weil mit Angststörung ist schon ein Tagesausflug in unbekanntes Gelände sehr abenteuerlich. Ganze Bücher wurden darüber geschrieben, was man im Kleinen tun kann, um aus dem Alltag auszubrechen, den Kopf frei zu bekommen und ein kleines Urlaubsfeeling aufkommen zu lassen. Wie z.B. Internetfreie Zeiten, draußen übernachten, ohne große Planung einfach drauf losfahren, zum Hauptbahnhof fahren und einfach den nächsten Zug nehmen (jetzt mit dem 9,- Ticket ideal, ansonsten auch machbar mit den Ländertickets wie Bayern-Ticket), ein Buch aus einem Genre lesen, das man noch nicht kennt, für mutige: Wohnungstausch usw.

Dann wären da noch die Mikrojobs, (dank Internet!) die ich genauso gerne mache, weil ich selber entscheide welche ich annehmen will und welche nicht, es kaum Verantwortung gibt, ich die alleine erledigen kann, oft witzige Sachen dabei sind und ein wenig Geld kommt auch dabei rum.

Mikroprojekte sind so ein Zwischending zwischen Urlaub und Arbeit. Letztens las ich den Vorschlag in einer Zeitung z.B. für den Lieblingsplatz in der Natur zu sorgen, sich ein wenig verantwortlich fühlen, von Müll befreien, oder was neues pflanzen ect. Ich fand tatsächlich eine verwilderte Parkbank (nicht unbedingt mein Lieblingsplatz, aber doch eine angenehme Pausemöglichkeit) die schon fast zugewachsen war. Bei der nächsten Radrunde nahm ich Gartehandschuhe und eine Schere mit und stutzte den Wildwuchs. Jetzt kann man sich wieder bequem hinsetzen.
Ich mag den Gedanken und die Idee dahinter sehr, weil es auch Spaß macht, oft wenig Geld kostet und niedrigschwellig ist. Mir helfen diese Mikroaktionen im Leben zu bleiben, ein wenig Sinn zu finden, abzuschalten, Neues kennenlernen und auch das Gefühl zu haben „ich schaffe doch etwas!“

Das fing schon in meiner Jugend an, als ich völlig verwirrt, tief traumatisiert und sehr gelangweilt (bzw. total orientierungslos was ich machen sollte) Kleinanzeigen entdeckte. Früher gabs da eine ganze Zeitung davon: Kurz&fündig. Ich liebte es darin zu stöbern, kam dadurch auf viele neue Ideen, lernte manchmal nette Menschen darüber kennen, stattete meine Wohnung und mich mit verrückten, skurilen Sachen aus. Heute geht das klar, online und einfacher, aber ich liebe es immer noch. Was mir im Bekannten/Freundeskreis oft ein erstauntes und bewunderndes: „was Du immer findest!“ einbringt. Was mich dann sehr freut 🙂

Der Kick

Wenn ich das Thema erwischt habe, um das es gerade in meinem Leben geht (vor allem eben wenn es mir schlecht geht) wird mir leichter ums Herz und manchmal gibts so ein wohliges kribbeln im Bauch. Auch wenn das Thema schmerzhaft und schwierig ist. Aber wenn ich es mal zu fassen kriege, kann ich was tun, besser als im trüben zu fischen. Orientierungslos, schwammig, unklar ist immer doof.
Heute so beim Spaziergang hatte ich noch eine Erkenntnis. Was ist denn so reizvoll an emotional unerreichbaren Menschen? Es ist der Kick, wenn sie einem mal emotionale Nähe schenken! Wie wenn man eine Diät macht, hungert und dann ein Stückchen Schokolade. Mmmhhh, woah, wow, super! Die Endorphine sprudeln, das tut gut! So ist es auch mit einem süchtigen Menschen, wenn er mal wirklich zugewandt ist oder aufmerksam oder liebevoll.
Nunja, möchte man meinen, aber warum dann nicht zu einem Menschen gehen, der das öfters macht? Das ist langweilig, kein Drama, keine Anspannung, außerdem kenne ich das nicht, da bin ich von jeher gleich mißtrauisch…und zuviel Zuwendung ist ja auch nicht gut, das bin ich ja gar nicht wert. Tja…

Heilsame Bewegung

Wie ja letztens schon geschrieben, versuche ich derzeit wieder mehr IN meinen Körper zu kommen, durch dehnen, strecken, bewußt spüren beim Haare kämmen, Selbstmassage, Igelball usw. Und natürlich Sport. Heute war ich 3 Stunden unterwegs. Spazieren. Einfach gradeaus an der Isar entlang. Im eigenen Tempo kontinuierlich eine Stunde gehen. Ohne Musik/Podcast ect. in den Ohren. Nur laufen, atmen, laufen. Am besten natürlich einen Weg den man schon kennt, oder wo man sich kaum verlaufen kann, damit man wirklich entspannt im Kopf ist und und mehr in den Körper rutscht. Dann Pause an einem kleinen Weiher, aber nicht lange,ich musste weiter laufen. wieder eine Stunde zurück. Da sogar einen Teil barfuß, weil es ein Trampelpfad war mit schöner fester glatter Erde, ohne Steine oder irgendwas, raus aus den Schuhen, spüren, erden! Eine Wohltat. Klar etwas kühl, aber so 10 Minuten gings schon.


Dann rüber da war dann der englische Garten und weiter laufen, laufen, laufen. Es tat SO gut.
Durch körperliche Bewegung kommt man auch in seine Kraft, raus aus dem Ohnmachtsgefühl, hinein seine Eigenmacht und gleichzeitig in eine Entspannung und es stärkt den Selbstwert ungemein.

Kein Mittelchen dass ich sonst bei Spannungszuständen nehme, half in letzter Zeit, es machte nur matschig in der Birne, mehr nicht. Aber gehen, etwas wofür wir geschaffen sind, bringt genau die richtige Konzentration/Mischung an Dopamin, Serotonin, Endorphine und was weiß ich, die beanspruchten Muskel schütten bestimmt auch irgendwas aus, der frische Sauerstoff , die Lymphe reinigt sich und das wichtigste scheint mir: Mein Nervensystem ruckelt sich wieder ein, das alles schafft kein Medikament!


Ich glaube, dass mich nicht bewegen auch antriggert, es erinnert an die Erstarrung nach einem Übergriff!: nicht atmen, nicht dasein, nichts tun um nicht weiter zu provozieren.
Etwas tun, bringt mich in die Handlungsfähigkeit und erinnert mich und mein Körpergedächtnis, dass ich heute eine erwachsene Frau bin die Kraft hat! Und kein kleines dünnes Mädchen mehr.


Und wieder wird so klar, dass ARBEIT derzeit überhaupt nicht dran ist. Ich muss mich erst wieder auftanken, bevor ich wieder was geben kann. Und so mache ich meine geliebten Ausflüge. Endlich mal all die Wege gehen die ich mir aufgeschrieben oder abgespeichert habe. Ging früher nur schwer, weil den Tag nach dem Arbeitstag konnt ich meist auch noch knicken, weil es mir zuviel gewesen wäre, am Wochenende bin ich ungern unterwegs weil da soviele andere Menschen auch untewegs sind und besonders am Sonntag finde ich das super deprimierend weil nur Pärchen/Familien! Mittwoch bin ich oft bei der Tafel, blieb also immer nur Montag und Dienstag und da war dann das Wetter mies, oder ich traute mich nicht oder war körperlich zu ko, bekam meine Tage (ersten 2 Tage bin ich da nicht sehr wanderfreudig) hatte Arzttermin oder vergaß es auch schlicht oder hatte mal wieder das Gefühl dass ich es mir ja nicht gutgehen lassen darf. Und so verschob ich das wandern immer wieder: irgendwann…
Und das irgendwann ist JETZT!


Meine Fahrkarte gilt ja erst ab 9 Uhr, heute war ich aber so unruhig das ich dachte: scheiß drauf, ich muss eher los, dann zahl ich halt die 5,30€ für die eine Strecke bis meine Karte dann gilt. 5,30…das ist die berühtem Sperre: Geld auszugeben für Dinge die mir wirklich gut tun. Das ist dasselbe bei glutenfreien Sachen. Da ist mir „alles zu teuer“ aber das normale Kuchenstück das ich nicht vertrage aber das ich gerade essen will, da is es mir egal wieviel das kostet. Aber es verändert sich…langsam, aber immerhin

Ein schöner Sonntag

Wenn das Selbstwertgefühl Achterbahn fährt.
Es gibt ja Zeiten, da fühle ich mich fit, stabil, fahre in der Weltgeschte herum (naja leicht übertrieben), gehe mehr arbeiten, treffe mich mit Leuten, unternehme was, kann es aber auch gut aushalten mir nen faulen Tag auf dem Sofa oder gar im Bett zu machen, kurz: ich bin mit mir einigermaßen im reinen.
Leider ist dieses Ding namens Selbstwertgefühl bei mir sehr fragil. Sehr.
Und die letzten Monate (!?!) war es ja quasi gar nicht vorhanden oder in der Geisterbahn.
Ich fühlte mich halt schlecht, niedergeschlagen, lustlos, depressiv, suizidal, aber dass es am mal wieder kränkelnden Selbstwertgefühl liegt? Hmm..nööö, hätte ich gesagt, hätte mich wer gefragt.

Ich zog mich immer mehr zurück. Da kann kein Selbstwertgefühl wieder wachsen. Aber ich hatte es ja versucht, wieder was zu machen und nahm ja die Tierbetreuung an. Das dass die pure Überforderung war, schrieb ich ja schon.
Heute löste sich ein Knoten. Ich ging endlich den kleinen Wanderweg, den ich schon letztes Jahr gehen wollte, aber immer verschob. Heute weß ich: Aus Angst. Einen fremden Weg in einer fremden Gegend gehen, fast 6 Kilometer lang? UUAAHHH!
Meine frühere Therapeutin würde wahrscheinlich sagen: Darf ich Sie erinnern, dass sie schon ganz alleine an die Nord-UND Ostsee gefahren sind und dort Urlaub machten? Was mit dem Zug gute 7 Stunden dauert?
Das Problem, wenn man mit traumatisierten Anteilen oder Gefühlen identifiziert ist, weiß man das vielleicht schon, aber die Sicherheit ist nicht da, man fühlt altes Zeug: Angst, Überforderung, Überflutung, Chaos.

Heute morgen wollte ich schon wieder vermeiden: Vielleicht doch nur an der Isar spazieren gehen? Nein, heute wollte ich endlich diesen EINEN Weg laufen. Ich fuhr also über eine Stunde mit der S-Bahn dahin und ging los, ging prompt andersrum wie gedacht, aber später stellte sich raus, dass ich den „richtigen“ Weg kaum hätte finden können, weil das so ein Insider-Trampelpfad ist, dann war ich also auf Strecke, herrlicher Feldweg, weite Sicht, Sonne, kaum Menschen, einfach gehen, immer im gleichen Tempo und das Ziel war ein großer See, an dem ich vor 20 Jahren immer gerne hinfuhr (andere Uferseite) zum baden. Da war er also wieder. Schön.
Ich hatte es geschafft. Ich ging endlich diesen einen Wanderweg! Wie meinte letztens eine Freundin: „Du brauchst dringend mal wieder ein Erfolgserlebnis!“ Recht hatte sie, ich dachte aber eher an einen neuen Job oder neue Wohnung (wobei das immer noch so im Hinterkopf rumspukt) oder was weiß ich. Dass ich mal wieder ganz klein anfangen muss, also wirklich ganz klein, das hätte ich nicht gedacht…Aber ich weiß auch, dass der Selbstwert wie ein Muskel ist: wenn er schonmal gut trainiert war, kommt er nach einer Trainingspause schneller wieder in den alten fitten Zustand, als wenn er erstmal neu auftrainiert werden muss.

Interessant war auch: ich saß am Ufer auf einer Parkbank, mit Rücken zum Weg was ein wenig unangenehm war, aber viel besser auszuhalten als noch vor wenigen Tagen. Ich genoß mein Wurstbrot, da kam ein großer Hund ohne Besitzer. Hmmm schmunzelte ich so vor mich hin, schlechte Kombination ist das grad. Noch vor wenigen Tagen wäre ich kurz vor einer Panikattacke deswegen gewesen und hätte nicht wie nun ein Gespräch mit dem doch noch kommenden Besitzer angefangen in dem ich fröhlich meinte: „Jetzt hatte ich echt ein wenig Angst um mein Wurstbrot!“  „Ja,“ lachte er zurück, „das war berechtigt!“ Und wir plauderten noch ne Weile während sich die Fellnase im Wasser vergnügte. Einfach so, ich ganz souverän, zwar körperlich ein wenig angespannt, weil die Räumlichkeiten doch beengt waren, aber bei weitem lockerer als zuletzt.
Auf der Heimfahrt genoß ich dann Musik in meinen Ohren und als ich beim Umsteigen am Bahnhof warten musste, wippte ich sogar ein wenig den Takt mit, weil alles so gut passte: Gute Musik im Ohr, warme Sonne und ich endlich wieder etwas stabiler, ruhiger, entspannter…mehr bei mir seiend und vor allem mehr in der Erwachsenen. Sehr angenehm!

Die Entscheidung liegt bei dir!

Wir haben viel mehr Macht als wir glauben!

Das Buch: Die Entscheidung liegt bei dir! Lässt mich grad wieder atmen! Die Schwere und das Erdrückende weicht von mir. Zuoft hänge auch ich in dem: Du musst, du sollst, das macht man nicht. Und im: ich kann nicht. Wenn ich mich klein und hilflos und ohnmächtig fühle, kriecht die Depression daher…
Du kannst alles tun und/oder alles lassen (krass formuliert) was du willst, du musst nur bereit sein, den Preis dafür zu zahlen und die Konsequenzen tragen.
Wenn ich das Gefühl habe, ich MUSS arbeiten, ist der Ofen aus. Dann geht nix mehr. Sage ich mir aber, dass ich mich dafür ja entschieden habe, weil ich Gründe dafür habe: mehr Geld, Zeitvertreib, Beschäftigung usw. sieht das gleich anders aus. Entscheide ich mich bewußt dagegen, weil mir meine Gesundheit, Freizeit ect. grad lieber ist, kann ich das auch gut nach außen vertreten und meine freie Zeit besser genießen, weil mir das grad wichtiger ist. ZU MIR STEHEN, lautet die Zauberformel.

Gutes Beispiel mal wieder bei der Tafel: Wenn die Nummern verteilt werden, strömen alle zum Nummernmann, weil klar: je mehr Nummern sich im Beutel befinden, desto größer die Chance eine kleine Nummer zu ziehen (ob das statistisch wirklich so ist, weiß ich nicht, aber das Gefühl der Selbstkontrolle oder schlicht der Ungeduld und Gier lässt alle vordrängeln. Jetzt sollen wir natürlich in Corona-Zeiten Abstand halten. Macht keiner. Alle drängeln. Moment, doch ein paar „brave“ machen das, die warten, ganz hinten. Eine zeitlang gehörte ich auch dazu und war gehorsam. Bis ich mir dachte: weißte was? Scheiß drauf! und strömte auch nach vorne. Manchmal zog ich tatsächlich eine kleine Nummer, manchmal eine hohe. Wie immer halt. Ene Frau beschwerte sich nun. Immer zöge sie eine hohe Nummer, weil sie hinten wartet und Abstand hält. Oft hatte sie nun eine so hohe Nummer, dass sie erbost mit leeren Tüten wieder abzog. Keiner nagelte sie „da hinten“ fest. Es ist ihre Entscheidung abseits zu warten oder eben auch mal die Ellbogen auszufahren, mal nicht brav zu sein, sondern im weitesten Sinne eben auch mal aggressiv nach vorne stürmen. Der Prinz auf dem weißen Pferd wird nicht zu ihr galoppieren und ihr eine kleine Nummer geben.
Generell gibt es bei der Tafel viele mit der Einstellung: Versorge mich! Und wehe das passiert nicht so wie man das will, dann wird gemeckert wie ein Kleinkind.
Oder in den 12-Schritte-Gruppe, wo auf die höhere Macht gebaut wird. SIE soll entscheiden und machen, nur mit IHRER Unterstützung kann ich clean bleiben. Auch so kann man sich selbst klein halten.
Noch ein aktuelles Beispiel: ich hab so richtig Lust auf eine Pizza, aber ich will mich jetzt nicht nochmal umziehen und einkaufen gehen und eine bestellen ist mir grad zu teuer. Der Preis ist mir also doppelt zu hoch. Mit der Konsequenz dass es dann eben was anderes zum Abendessen gibt, kann ich gut leben und freue mich dann umso mehr auf die nächste Pizza 🙂
Selbstverantwortung und Eigenermächtigung sind super!

Ich hab noch ein Video für Euch, irgendwie gefällt mir das teilweise, die schöne Naturaufnahmen, die Musik und man merkt dem Kerl an, dass er weiß wovon er redet und nicht nut platt irgendwas nachplappert.
https://youtu.be/7IKJmFGYFAA
In diesem Sinne: (was mir noch grad einfiel) Liebe es, veränderes es oder lass es!

Die Sache mit der Normalität

Wer will schon durchschnittlich sein? Wer will nicht was besonderes sein?
https://www.psymag.de/9609/auf-dem-weg-zur-ich-staerke-ich-schwaeche-2/
Ich fand gestern diesen interessanten Artikel, der mich sehr nachdenklich machte und in dem ich mich wieder erkannte.
Er spricht Tacheles und wirft nicht mit Wattebällchen, das finde ich gut, auch wenn die Selbsterkenntnis gerade nicht schön ist und auch etwas ziept, aber manchmal muss das eben sein.
Angestochen hat mich der Punkt NORMALITÄT, dass ich-schwache Menschen sich einerseits danach sehnen, andererseits diese scheuen, weil „das machen ja die meisten Menschen schon und ich will was besonderes sein“. Ja das klingt nach Narzissmus und hat durchaus etwas damit zu tun.
Man hat das Gefühl, wenn man nicht als bonders heraussticht, geht man erst recht unter in der Masse, doch oft ist das Gegenteil derFall.
Wo sich kein stabiles Selbst bilden konnte, macht sich das Ego breit. Mit diesem Thema beschäftige ich mich schon seit einigen Wochen.
Den Mangel an Aufmerksamkeit durch andere Menschen versucht man dadurch zu kompensieren (auch keine Neuheit) indem man auffällt und zumindest oberflächliche Aufmerksamkeit bekommt.
Ich weiß noch, es war in der 5.Klasse und meine Eltern lebten im Trennungsjahr. Es ging mir hundsdreckig, ich hätte die Klasse fast wiederholen müssen und da war U. eine neue Mitschülerin (die Klasse wurde neu zusammengewürfelt) und eine hervorragende Zuhörerin. Ihr klagte ich immer mein Leid. Sie nahm mich ernst, fühlte mit, das tat so gut. Überhaupt war die Scheidung meiner Eltern was besonderes, denn vor 30 Jahren, in einem kleinen hochkatholischen Dorf, war das noch etwas neues. Keiner machte sowas. Scheidung, so war man damals der Meinung, sei genauso schlimm für Kinder wie wenn sie verprügelt und in der Wüste ausgesetzt wurden. Ich war was besonderes. Ich hatte Aufmerksamkeit. Da spürte ich das erste Mal den „Kick“ daran.
Das normale, verlässliche mied ich. Ich hatte nicht die ersten intimen Kontakte mit gleichaltrigen, sondern mit älteren Männern die ich über Kontaktanzeigen traf. Die folgenden Beziehungen waren auch immer stressig und mißbräuchlich. Ein verlässlicher liebevoller Mann? Nein danke, zu langweilig. Später zog oft um, hatte dauernd verschiedene Jobs und einen auffallenden  Kleidungsstil, provozierende Tatoos und Piercing samt bunten Haaren durften nicht fehlen, das bei einer Größe von 183cm verfehlte selten seine Wirkung, zudem ich schon als Kind hörte, wie hübsch ich doch sei, mit diesen eisblauen Augen…
Auch die Jobs waren selten normal, es waren immer die krassesten, anstrengsten, schwierigsten oder das wa „man nicht macht“ wie Aktmodel oder später im Erotikbereich.

Ja oft verachtete ich offen was „alle machten“: Faschingsumzug mitmachen, zum Trachtenverein und/oder Schützenverein gehen, den Sommer toll finden, Weihnachten bei der Familie feiern, Haus bauen, jahrelang im selben Job sein..sowas eben.
Ich habe mich allem verweigert, fühlte mich den Hippies nahe, interessierte mich für barfuß Leben, las bei den glücklichen Arbeitslosen und das Recht auf Faulheit. Schon immer hingezogen zu den schrägen Vögeln, zu den Süchtigen und Heimatlosen.
Es gab Zeiten da fühlte ich den Kick „wie krank ich sein muss, um mit 32 Jahren in Rente gehen zu müssen!“
Wieder was besonderes…was anderes. Seht her, wie traumatisiert ich bin.

Wenn man kein Selbst hat, fühlt man sich ausgeliefert, hilflos. Wenn ich in mir keine Heimat finde, fühle ich mich ständig angegriffen und bin äußerst mitßtrauisch anderen gegenüber und unterstelle ihnen, dass sie mir nur böses wollen, auch diesen Zusammenhang kann man gut in dem Artikel nachlesen.
Auch dass sie Dinge, die sie nicht schaffen dessen Stellenwert überhöhen, das wäre bei mir Thema Arbeit. Es gibt ja noch andere Bereiche im Leben, aber dass ich nicht arbeiten kann, aber einerseits irgendwie doch will, was zur Folge hat, dass ich es immer wieder versuche und dann wieder aufgebe, nagt ebenso am Selbstwert.
Der eh schon kaum vorhanden ist und um das zu vertuschen komme ich arrogant rüber.

Mit eine Rolle spielt sicher auch, dass ich an den hohen Adrenalinspiegel gewöhnt bin. Ich brauche hohe, starke Reize. Zuause gab es wenig Normalität, noch weniger Geborgenheit, Sicherheit und Hilfe. Ich war sehr auf mich alleine gestellt und immer sehr angespannt, alles war brüchig.

Das heißt jetzt nicht, dass ab sofort alles easy ist, ich heiraten, in einen Yogakurs gehen und mehr arbeiten werde. Die Schwierigkeiten sind ja durchaus da, aber ich möchte das nicht mehr noch mehr künstlich aufbauschen.
Nur etwas mehr Normalität wagen…ich wurd ja schon ruhiger, die Kleidung unauffälliger, die Piercings (fast)weg, seit 15 Jahren nicht umgezogen, rauchfrei, schuldenfrei, keine Drama-Beziehung, der Versuch den Marktsonntag zu genießen schlug fehl, ich war extremst gestresst und zum Ende hin kurz vor der Panikattacke. Aber ich muss ja nicht alles mögen.


Es reicht schon mich nicht immer anders zu fühlen, ich habe mit anderen Menschen mehr gemeinsam, als das was uns trennt. Raus aus der emotionalen Isolation. Raus aus dem Extrastatus. Ich habe in der Trauma-klinik mich mal tatsächlich gewehrt, gegen eine „Extrawurst-behandlung“. Ich war schon wieder anders, weil ich damals nicht mit anderen Menschen essen konnte. Vor lauter Panik und Anspannung (da brach nach einer Extrembelastung die PTBS so richtig aus) ging das einfach nicht. Nur wollte ich dieses Mal nicht wieder auffallen, aber die Ärzte sahen meine große Not und über 6 Std. Tagesklinik plus 1Std. Fahrzeit, da muss man was essen. Also nahm ich Brotzeit mit und aß draußen im Park.

Witzigerweise wurde mir nach dem oben genannten Titel ein anderer vorgeschlagen: Mentale Hocheffizienz oder: Das Gefühl nicht in die Welt zu passen. Da hatte er mich wieder, der Kick: Ja mein Geist ist auch so überaktiv, ja ich bin ja auch so hochsensibel, ja ich fühle mich auch immer so anders!
Der Kick dauerte nur kurz, ich kam mir selbst wieder auf die Schliche. Die Falle schlug wieder zu.
Nein ich denke genausoviel wie andere, vielleicht ein wenig anders, mehr um die Ecke, wenn ich mehr spüre oder von meiner Umwelt mitbekomme liegt das höchstens an der Überaufmerksamkkeit durch jahrelange Traumata, die kann ich nicht verleugnen, aber ich kann an der Entspannug arbeiten: Jetzt, hier ist als gut

Move it, baby

Ich bin der klassische Bewegungstyp: schlank, groß, setze schwer an Gewicht an (wobei sich das mit dem Alter etwas ändert).


Ich war als Kind schon lieber draußen, während meine Schwester vor der Glotze versank. Wir hatten soviele Wiesen und Bauernhöfe um uns, da gab es immer was zu spielen und entdecken, egal ob alleine oder mit den vielen Kindern aus der Nachbarschaft. Selbst bei starkem Regen im Sommer waren wir draußen, unter dem riesigen Ahorn im Hof der ein tolles Blätterdach bot.
Nach der Scheidung meiner Eltern und dem Umzug in eine größere Stadt wars vorbei mit der Bewegung: Hauptstraße vor der Tür und auch sonst wenig Freiraum. Schulsport mochte ich aufgrund der sozialen Phobie eher weniger, wobei mir Schlittschuhlaufen am besten gefiel auch weil ich es besser als andere konnte 😉 Das viele rumsitzen und der Streß durch die neue Umgebung plus Mobbing in der Schule und keine Geborgenheit zuhause verschlechterten meinen Zustand dramatisch.
Dann kamen die Rollerblades auf den Markt, damit konnte ich hinterm Haus auf dem großen Parkplatz meine Runden drehen und diese tollen Rollschuhe sollten mich über 10 Jahre begleiten. Unvergesslich immer montags die Blade-night, tausende fuhren auf den gesperrten Straßen durch München, ich liebte das!
Abundzu ging ich auch schwimmen, aber mit einem desatrösen Selbstwertgefühl traute ich mich da kaum rein. Meine Mutter meldete sich im Fitneßstudio an und fragte ob ich mitkommen wolle. Ich ging mit. Hatte einen blöden Glanznylonturnanzug ab (wie aus den 80ern) und da meine Mutter dann doch nie hinging (Arbeit, zuviel gesoffen ect.) ging ich alleine, trotz Soziphobie und das stresste mich alles dermaßen, dass es auch nicht wirklich gut tat. Später habe ich sogar in einem Fitneßstudio an der Rezeption gearbeitet und wieder nicht die Möglichkeit genutzt, der Schreck Fitneßstudio saß zu tief.

Doch erstmal fing ich vor lauter Streß, Langeweile und dem Wunhsc dazuzugehören das rauchen an. Schlecht in Sachen Sport…auch als ich mit 16 auszog war Sport kein Thema, eher noch mehr rauchen. Erst so mit Anfang 20 ging ich wieder mehr schwimmen, weil es ein Hallenbad recht nah gab. Das Fahrrad nutzte ich eher als Fortbewegungsmittel, wenn auch recht selten, ich fuhr alles mit dem Auto, selbst den 1km zur Tanke wegen Kippen. Aber: fast jedes Wochenende ging ich ausgiebig in den Technohallen tanzen. Endlich austoben, schwitzen, lachen, Euphorie, das tat mir sehr gut! Aber als auch die Club-zeit vorbei war, war das auch wieder mit der Bewegung, bis auf kleinere Spaziergänge.

Dann kam viel Zeit voller Arbeitslosigkeit, rumsitzen, die Angststörung breitete sich immer mehr aus.
Erst 2012 als ich endlich das rauchen aufgeben konnte, stieg ich morgends statt der ersten Zigarette, aufs Radl und drehte eine Runde. Das war ein sehr guter Ersatz zu der Qualmerei! Das weitete ich immer mehr aus und es tat mir sehr gut! Auch ging ich wieder wöchentlich 1x schwimmen. Mein körperlicher und psychischer Zustand verbesserte sich, aber es war noch kein richtiger Ausdauersport. Den fing ich erst so 2018 an. Moderat, nicht zu schnell nicht zu langsam radeln, gleiches Tempo, so dass ich zwar schwitze aber noch gut atmen kann. Möglichst nicht an der Straße, weil mich Autos stressen, selbst auf einem eigenen Weg. Von daher sah man mich oft Sontagsfrüh radeln und/oder schwimmen, weil da kaum einer unterwegs ist. Das Körpergefühl war schön, die Hitzeverträglichkeit im Sommer viel besser, der kurze Sprint zur Bahn: kein Problem. ich fühlte mich psychisch stärker und selbstbewußter.
Es kam noch das Rudergerät dazu, das auch sehr viel Spaß macht und eine andere Bewegung ist, aber alle Muskeln beansprucht, dazu kamen Taebo und andere Sportübungen von Youtube die man super mitmachen kann.
Auch das Trampolin machte anfangs viel Spaß, vor allem das zweite dann mit Gummiseilen weil die weicher schwingen. Ich mache da aber mehr Gymnastik drauf, als richtig zu hüpfen. Oder jogge da drauf.
Mein Körper baut schlecht Streßhormone ab, das merke ich daran, das ich ewig lange im Streßmodus bleibe, obwohl die Situation längst vorbei ist. Bis ich mich entspannen kann, das dauert. Mit Sport geht das wesentlich leichter. Ich mus nur aufpassen, dass Sport nicht wieder in Streß ausartet. Wenn zum Beispiel viele Menschen im Schwimmbecken sind und ich immer ausweichen und aufpassen muss, komme ich nicht in meinen Rhythmus und außerdem stressen mich Menschen die mir so nah sind, während wir alle auch noch halbnackt sind sowieso.
Für mich ist Bewegeung jeglicher Art mit einer der größten Stützpfeiler in meinem Leben, um (vor alem psychisch) gesund zu bleiben und eine wirkliche Lebensqualität zu haben.
Gerne würde ich auch weitere Bewegungsarten ausprobieren, wie z.B. Kajak fahren oder mit den Langlauf-Skiern auf Rollen fahren. Schwierig ist halt dabei meine soziale Phobie, klar kann ich einen Einsteigerkurs machen, aber vor anderen Menschen etwas machen ist mir inzwischen fast unmöglich.
Auch würde ich mich gern mal wieder in einer Turnhalle austoben: Seitlich über den Kasten springen, oder erst aufs große Trampolin und dann in die große weiche Matte. Generell das Setting mage ich: großer Raum wo ich mich frei fühle, der aber eben begrenzt ist, ich mag das sehr.
Auf alle Fälle richte ich wieder meinen Fokus mehr auf Bewegung und kümmere mich auch um das Drumherum: das die richtige Ausrüstung (vor allem gute Kleidung) da ist und ich die Sachen auch pflege (vor allem mein Fahrrad)
Mein größter Wunsch wenn ich viel Geld hätte, wäre nicht eine Luxusvilla oder ein toller Sportwagen, auch Schmuck und Fernreisen jucken mich eher weniger….sondern mir würde ein eigenes kleines Schwimmbad und ein Zimmer mit Fitneßgeräten reichen und ich wüde mir eine Bahncard100 für die 1. Klasse gönnen, damit ich für kleine Wanderungen und Ausflüge jederzeit irgendwo hinfahren könnte.

Was mir außer der Bewegung und der richtigen Ernährung (vor allem dass ich unverträgliches weg lasse, fällt mir immer noch schwer…) noch hilft ist: kalt duschen. Nicht sofort eiskalt, sondern erst normal warm duschen, manchmal auch heißer und dann Stück für Stück auf kühler drehen, und immer von den Zehen und Fingerspitzen Richtung Körpermitte. Immer ein kleines bisschen über die Grenze wo ich merke: uija jetzt ist es eine kleine Überwindung, manchmal hab ich auch Lust auf eine große Überwindung (aber auch hier drauf achten, wo es wieder zu stressig wird) und juchze und jodel dann unter dem kalten Strahl. Es macht definitiv gute Laune und mein Körper lernt viel besser sich bei Kälte/Wärme zu regulieren. Das merke ich diesen Winter sehr: ich friere kaum, hab die Heizung nur auf 2 statt früher 3, brauche viel weniger warme Kleidung (außer auf dem Kopf da bin ich empfindlicher geworden) und mein Kreislauf ist wesentlich fitter.
Es kostet nichts und hat so eine große Wirkung. I love ist! Netter Nebeneffekt: das kalte Wasser beruhigt sehr, auch wenn es wach macht, aber der Nervus Vagus wird durch die Kälte aktiviert, man atmet tiefer und ist danach entspannt

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