Move it, baby

Ich bin der klassische Bewegungstyp: schlank, groß, setze schwer an Gewicht an (wobei sich das mit dem Alter etwas ändert).


Ich war als Kind schon lieber draußen, während meine Schwester vor der Glotze versank. Wir hatten soviele Wiesen und Bauernhöfe um uns, da gab es immer was zu spielen und entdecken, egal ob alleine oder mit den vielen Kindern aus der Nachbarschaft. Selbst bei starkem Regen im Sommer waren wir draußen, unter dem riesigen Ahorn im Hof der ein tolles Blätterdach bot.
Nach der Scheidung meiner Eltern und dem Umzug in eine größere Stadt wars vorbei mit der Bewegung: Hauptstraße vor der Tür und auch sonst wenig Freiraum. Schulsport mochte ich aufgrund der sozialen Phobie eher weniger, wobei mir Schlittschuhlaufen am besten gefiel auch weil ich es besser als andere konnte 😉 Das viele rumsitzen und der Streß durch die neue Umgebung plus Mobbing in der Schule und keine Geborgenheit zuhause verschlechterten meinen Zustand dramatisch.
Dann kamen die Rollerblades auf den Markt, damit konnte ich hinterm Haus auf dem großen Parkplatz meine Runden drehen und diese tollen Rollschuhe sollten mich über 10 Jahre begleiten. Unvergesslich immer montags die Blade-night, tausende fuhren auf den gesperrten Straßen durch München, ich liebte das!
Abundzu ging ich auch schwimmen, aber mit einem desatrösen Selbstwertgefühl traute ich mich da kaum rein. Meine Mutter meldete sich im Fitneßstudio an und fragte ob ich mitkommen wolle. Ich ging mit. Hatte einen blöden Glanznylonturnanzug ab (wie aus den 80ern) und da meine Mutter dann doch nie hinging (Arbeit, zuviel gesoffen ect.) ging ich alleine, trotz Soziphobie und das stresste mich alles dermaßen, dass es auch nicht wirklich gut tat. Später habe ich sogar in einem Fitneßstudio an der Rezeption gearbeitet und wieder nicht die Möglichkeit genutzt, der Schreck Fitneßstudio saß zu tief.

Doch erstmal fing ich vor lauter Streß, Langeweile und dem Wunhsc dazuzugehören das rauchen an. Schlecht in Sachen Sport…auch als ich mit 16 auszog war Sport kein Thema, eher noch mehr rauchen. Erst so mit Anfang 20 ging ich wieder mehr schwimmen, weil es ein Hallenbad recht nah gab. Das Fahrrad nutzte ich eher als Fortbewegungsmittel, wenn auch recht selten, ich fuhr alles mit dem Auto, selbst den 1km zur Tanke wegen Kippen. Aber: fast jedes Wochenende ging ich ausgiebig in den Technohallen tanzen. Endlich austoben, schwitzen, lachen, Euphorie, das tat mir sehr gut! Aber als auch die Club-zeit vorbei war, war das auch wieder mit der Bewegung, bis auf kleinere Spaziergänge.

Dann kam viel Zeit voller Arbeitslosigkeit, rumsitzen, die Angststörung breitete sich immer mehr aus.
Erst 2012 als ich endlich das rauchen aufgeben konnte, stieg ich morgends statt der ersten Zigarette, aufs Radl und drehte eine Runde. Das war ein sehr guter Ersatz zu der Qualmerei! Das weitete ich immer mehr aus und es tat mir sehr gut! Auch ging ich wieder wöchentlich 1x schwimmen. Mein körperlicher und psychischer Zustand verbesserte sich, aber es war noch kein richtiger Ausdauersport. Den fing ich erst so 2018 an. Moderat, nicht zu schnell nicht zu langsam radeln, gleiches Tempo, so dass ich zwar schwitze aber noch gut atmen kann. Möglichst nicht an der Straße, weil mich Autos stressen, selbst auf einem eigenen Weg. Von daher sah man mich oft Sontagsfrüh radeln und/oder schwimmen, weil da kaum einer unterwegs ist. Das Körpergefühl war schön, die Hitzeverträglichkeit im Sommer viel besser, der kurze Sprint zur Bahn: kein Problem. ich fühlte mich psychisch stärker und selbstbewußter.
Es kam noch das Rudergerät dazu, das auch sehr viel Spaß macht und eine andere Bewegung ist, aber alle Muskeln beansprucht, dazu kamen Taebo und andere Sportübungen von Youtube die man super mitmachen kann.
Auch das Trampolin machte anfangs viel Spaß, vor allem das zweite dann mit Gummiseilen weil die weicher schwingen. Ich mache da aber mehr Gymnastik drauf, als richtig zu hüpfen. Oder jogge da drauf.
Mein Körper baut schlecht Streßhormone ab, das merke ich daran, das ich ewig lange im Streßmodus bleibe, obwohl die Situation längst vorbei ist. Bis ich mich entspannen kann, das dauert. Mit Sport geht das wesentlich leichter. Ich mus nur aufpassen, dass Sport nicht wieder in Streß ausartet. Wenn zum Beispiel viele Menschen im Schwimmbecken sind und ich immer ausweichen und aufpassen muss, komme ich nicht in meinen Rhythmus und außerdem stressen mich Menschen die mir so nah sind, während wir alle auch noch halbnackt sind sowieso.
Für mich ist Bewegeung jeglicher Art mit einer der größten Stützpfeiler in meinem Leben, um (vor alem psychisch) gesund zu bleiben und eine wirkliche Lebensqualität zu haben.
Gerne würde ich auch weitere Bewegungsarten ausprobieren, wie z.B. Kajak fahren oder mit den Langlauf-Skiern auf Rollen fahren. Schwierig ist halt dabei meine soziale Phobie, klar kann ich einen Einsteigerkurs machen, aber vor anderen Menschen etwas machen ist mir inzwischen fast unmöglich.
Auch würde ich mich gern mal wieder in einer Turnhalle austoben: Seitlich über den Kasten springen, oder erst aufs große Trampolin und dann in die große weiche Matte. Generell das Setting mage ich: großer Raum wo ich mich frei fühle, der aber eben begrenzt ist, ich mag das sehr.
Auf alle Fälle richte ich wieder meinen Fokus mehr auf Bewegung und kümmere mich auch um das Drumherum: das die richtige Ausrüstung (vor allem gute Kleidung) da ist und ich die Sachen auch pflege (vor allem mein Fahrrad)
Mein größter Wunsch wenn ich viel Geld hätte, wäre nicht eine Luxusvilla oder ein toller Sportwagen, auch Schmuck und Fernreisen jucken mich eher weniger….sondern mir würde ein eigenes kleines Schwimmbad und ein Zimmer mit Fitneßgeräten reichen und ich wüde mir eine Bahncard100 für die 1. Klasse gönnen, damit ich für kleine Wanderungen und Ausflüge jederzeit irgendwo hinfahren könnte.

Was mir außer der Bewegung und der richtigen Ernährung (vor allem dass ich unverträgliches weg lasse, fällt mir immer noch schwer…) noch hilft ist: kalt duschen. Nicht sofort eiskalt, sondern erst normal warm duschen, manchmal auch heißer und dann Stück für Stück auf kühler drehen, und immer von den Zehen und Fingerspitzen Richtung Körpermitte. Immer ein kleines bisschen über die Grenze wo ich merke: uija jetzt ist es eine kleine Überwindung, manchmal hab ich auch Lust auf eine große Überwindung (aber auch hier drauf achten, wo es wieder zu stressig wird) und juchze und jodel dann unter dem kalten Strahl. Es macht definitiv gute Laune und mein Körper lernt viel besser sich bei Kälte/Wärme zu regulieren. Das merke ich diesen Winter sehr: ich friere kaum, hab die Heizung nur auf 2 statt früher 3, brauche viel weniger warme Kleidung (außer auf dem Kopf da bin ich empfindlicher geworden) und mein Kreislauf ist wesentlich fitter.
Es kostet nichts und hat so eine große Wirkung. I love ist! Netter Nebeneffekt: das kalte Wasser beruhigt sehr, auch wenn es wach macht, aber der Nervus Vagus wird durch die Kälte aktiviert, man atmet tiefer und ist danach entspannt

Du darfst nicht fühlen!

Es treibt mich weiter um, wie sehr ich wieder in der Gefühlsverleugnung war. Und umso besser geht es mir jetzt, dass ich mich wieder spüre! Klar ich merke, dass ich seit über einem Jahr keine Therapie habe, denn dort fiel es mir leichter anzuschauen was dann da „schlimmes und überwältigeendes“ in mir lorderte, aber ich kann ja nicht lebenslang in Therapie gehn.
Du sollst nicht fühlen ist kein kirchliches Gebot, abr es war in unserer Familie eines.
Ich habe Angst: ach da brauchst du keine Angst haben, das ist gleich vorbei und tut gar nicht weh (was selten stimmte, was doppelt schlimm war weil so musste ich meine Angst und meinen Schmerz/Leid unterdrücken)
Ich will das nicht: ja aber da musst du halt jetzt durch
Wenn ich still war: jetzt sei halt nicht so bockig…
aber auch bei „schönen“ Gefühlen. Wenn ich zum Beispiel aufgeregt war (egal ob wegen was schlimmes oder schönen, hat sich meine Stimme „überschlagen“ und es hörte sich sehr nasal an, die Energie das kribbeln im Bauch strömte quasi durch eine Nase, was Anlass war das sich meine Familie über mich lustig machte und mich beschämte. Ausdruck von Lebensfreude durch tanzen oder singen? Die spinnt…jeder Gefühlsausdruck wurde immer bewertet.

Noch heute erwische ich mich dabei, mir zu verbieten zu tanzen wenn ich Lust drauf habe und ein Lied im Radio kommt das ich mag, oder mal vorm Spiegel bissl rumzualbern …das ist KINDISCH.
Ich habe ein Foto wo ich es endlich deutlich sehe und einen Beweis habe: Es war abends auf der Theresiewiese, wir wateten auf den Bus der uns nach Berlin zur Loveparade bringen sollte. Ich war immer ein leidenschaftlicher Technofan und endlich sollte es auf DIE Party gehen. Es ging eine Sektflasche rum, ich trank, tanzte und lachte verschmitzt in die Kamera, meine Schwester daneben schaut mich voller Verachtung an.


Ich verbot mir zu fühlen. Ich fühlte nicht, dass der Beruf der Kinderpflegerin mir überhaupt nicht taugt, aber ich dachte halt, mei wem macht Arbeit schon Spaß. Dass sie das sehr wohl tun kann, erfuhr ich leider erst später.
Das ich den Typ mit dem ich zusammen wohnte und so tat als wären wir ein Paar, nocht nicht mal leiden konnte geschweige denn liebte, spürte ich ebenso nicht. Wir hielten Händchen, knutschten, verbrachten unsere Freizeit mit einander, fuhren in Urlaub, hatten Sex und ich mochte ihn nicht. Nicht seine Tics, nicht seinen extremen Zigarettenkonsum, nicht seine Schlaksigkeit und schon gar nicht keine krankhafte Kontrolle. Ich merkte das erst als ich immer kränker wurde und ein Arzt vertraulich mit mir sprach und mich auf etwas aufmerksam machte.
In der Sexarbeit spürte ich keinen Ekel, keinen Widerwillen, nur wenn ich Angst spürte nahm ich diese ernst und traf mich nicht mit Typen die mir komisch vorkamen.

Mit Gefühlen umgehen habe ich in meiner Familie nicht gelernt, alle unterdrückten ihre eigenen, mein Vater verlies vor lauter Angst das Haus nicht mehr, meine Muter soff und meine Schwester wurde das perfekte Vorzeigekind (und Jugendliche) eiskalt und sadistisch.
Als ich anfing mithilfer ersten Therapien meine Gefühle zu entdecken und sie ernst zu nehmen wurde ich ganz schnell das schwarze Schaf in meiner Familie. Ich entschied nämlich so Sachen wie: Nein ich möchte nächsten Sonntag nicht zu Besu kommen, nein ich will nicht die Geldkarte von Papa, nein ich möchte dieses Jahr Weihnachten anders feiern, nämlich auf einer Party. Ab da wurden alle Manipulationen und Erpressungen noch schärfer und somit offensichtlicher. Das war nicht leichter, bestätigte mich aber, das ich auf dem richtigen Weg bin, zumal es mir körperlich und seelisch um Welten besser ging!

Dabei sind Gefühle weder gefährlich noch schlimm. Sie wollen meistens nur wahr und ernst genommen werden. Das muss man aber erstmal wissen UND ausprobieren, dass das wirklich so ist. Es muss nicht gleich weitreichende Konsequenzen haben. Nur weil mich mein Mann grad nervt heißt das nicht dass wir uns gleich scheiden lassen müssen, nur weil ich heute keine Lust auf Arbeit habe, heißt das nicht dass ich kündigen und ab sofort unter der Brücke schlafe muss.
Klar manchmal muss man auch handeln, ich hatte irgendwann all die Schikanen meiner Familie so satt, dass ich mit 32 Jahren sagte: So Schluß aus, ich will keinen Kontakt mehr zu euch, macht euren Scheiß alleine! Und fast zeitgleich konnte ich das rauchen sein lassen! Ich musste mithilfe der Zigaretten nichts mehr wegdrücken. Das jährt sich nächsten März nun zum 10. mal und das macht mich stolz.

Das wir leider derzeit wieder in einem Klima des „du darfst nicht fühlen“ sind, triggert mich. Wenn jemand Bedenken wegen Corona hat, sei es an der Krankheit an sich, wegen der Impfung oder wegen der Politik wird man sofort als rechter, verblödeter, verschwurbelter, asozialer Esoteriker/Volldepp/ect. hingestellt.

Eine Autorin die mir geholfen hat, meine Gefühle wieder zu entdecken ist Safi Nidiaye. Sie schreibt klar und gut verständlich, immer wieder hole ich mir ihre Bücher hervor.
Ein anderes Buch, das mir die Augen öffnete war: Gefühlsstau von Hans-Joachim Maaz, ich las es eher weil es darin um das politische System der DDR ging und mich das schon immer faszinierte und interessierte, wie die Menschen das damals erlebten, wie es ihnen ging, wie sie das aushielten. Das Buch fesselte mich, manchmal spürte ich so eine extreme Unruhe und Wut in mir, dass ich es weglegen und mich erstmal irgendwie austoben musste. Bis ich erkannte: So war unser System in der Familie auch! Ich wurde massiv getriggert. Mir gingen die Augen auf. Es war schmerzhaft aber auch sehr hilfreich zu erkennen: Mein Widerstand und meine Rebellion und meine Abneigung gegenüber meiner Familie haben einen Grund!

Nunja, heute muss ich zum Glück nicht wieder bei 0 anfangen. Ich bin schneller bei meinen Gefühlen. Manchmal stelle ich sie mir als Wesen vor: Die gebeugte Angst, die plumpe gemächliche Gelassenheit, manchmal rede ich mit inneren Anteilen, mit dem ängstlichen Kind, mit der eigenbrötlerischen Jugendlichen, auch das hilft…da findet jeder seine eigene Methode.

Im Land der Dichter und Denker wär es schön, wenn man abundzu auch auf seine Gefühle schaut und dass diese eine Berechtigung haben. Den Weg des Herzens gehen

Sei nicht lieb, sei echt!

Wenn dich jemand verlässt, ist das schmerzhaft,
wenn du dich selbst verlässt, ist das desatrös.

Dass ich gestern im Chat mal bei mir und meinen Gedanken, Gefühlen und Bedürfnissen blieb löste wohl einen schon sehr festsitzenden Knoten. Ich kam wieder bei mir selber an. Und es kam viel Energie. Viel Wut. Viel Aggression.
Gleich nach dem sehr kurzen Frühstück heute (ich musste an die Luft!) ging ich über eine Stunde recht flott über die Feldwege, danach brachte ich Müll weg, ging einkaufen, setzte mich auf mein Rudergerät und da merkte ich es: all die Wut wollte mal raus, Schimpfwörter, schnaufen, nicht die lieb reizende sanfte nette ruhige Frau, nein eine gereizte, aggressive, kraftvolle, berauschte (kein Alkohol), verschwitzte Frau voller Grimassen und Flüche saß da und ruderte und ließ all die Energie raus, die (leider mal wieder) seit wann? unterdrückt wurde, zwischendrin wollte ich was anderes machen, wollte mich zurückhalten, weil erst Sport, dann duschen, dann alles andere. Aber SCHEIß DRAUF! Also schrubbte ich mittendrin wie eine wahnsinnige mein Bad. Samt Fliesen. Ruderte weiter. Schimpfte auf die fucking Coronapolitik, erst recht auf den Arsch von bay. Ministerpräsident, natürlich auf meinen Vater, dann auf irgendeine Bekannte usw….ARRRGHHH tat das gut!
Das muss raus! Dann Musik laut aufgedreht, tanzen, hüpfen, weiterschnaufen, scheiß Nachbarin verhöhnen die sich für was besseres hält, daweil ist die auch nur ne Putzfrau undso ging es munter weiter…


Ich glaube das deswegen Frauen öfter depressiv sind. Weil sie ihre Aggression (was ja nichts anderes als Energie ist) sooft unterdrücken müssen. Wie sieht das denn aus, eine wütende Prinzessin im rosa Tütü? Nicht schön..nein mein Kind, sei brav, reg dich nicht auf, sei lieb, der Onkel hat das nicht so gemeint, komm iss ein Stück Kuchen, hat die Mami extra für dich gebacken (anlügen muss man sich auch noch lassen).
Während Jungs animiert werden sich zu wehren, sich den Ball zu schnappen, zurückzuhauen, dem anderen zeigen wos lang geht, dass man das nicht mit sich machen lässt!
Nein, nun ist meine innere Ronja Räubertochter dran..harhar….Mittagsschlaf? Heut nicht. Ich bin voller Energie, fast etwas manisch, aber es fühlt sich gut an, lebendig, warm, kraftvoll, Suizidgedanken? Never! Bevor ich mich umbringe, bring ich lieber jemand anderen um, der das auch verdient hat!


Selbstentfremdung…schrecklich…man fühlt sich hilflos, ausgeliefert, kränkbar, wenn man nicht mal sein Selbst mehr hat…was denn dann?
Depression – Aggression sagen ja schon die Wörter….da helfen auch keine bunten Pillchen…eher ne Runde TaeBo, Kissen verprügeln oder die Wand anschreien. Oder alles zusammen.
Ich habe wieder Zugang zu mir…lange genug hats gedauert. Leider.
Aber jetzt genieß ich noch ein wenig Energie. Meine. Da läuft grad so ein tolles Lied….
Tanzende Grüße

Einmal Selbstwert bitte

Erschreckend wie sehr mein Selbstwertgefühl am Boden klebt und da bleibt. Egal was passiert. Ich hab immer gute Arbeit abgeliefert, die meisten Arbeitgeber ließen mich ungern weiter ziehen und ich zog oft und viel weiter. Doch dieses „ich kann was“ „ich bin gut“ kommt irgendwie nie bei mir an. Das ist so traurig.
Ich traue mir weiterhin nichts zu. Heute wieder Aushilfsjob in einer Ferienwohnung. Einer sehr speziellen Ferienwohnung, einer sehr sehr großen (umgebaute Gastwirtschaft), mit über 15 Betten. Und da die originale Bar drin gelassen wurde, wird diese Unterkunft gerne von jungen Leuten gemietet die feiern wollen. Das Gebäude steht frei, man kann also auch ordentlich Lärm machen. Man weiß also nie so recht was einen erwartet, wenn man als Reinigungskraft da reingeht. Und obwohl ich schon viele Schwierigkeiten in meinem Leben gemanagt habe (meistens alleine), einen funktionierenden Kopf habe, weiß dass ich gut arbeite, die Wohnung schon kenne, der Chef immer erreichbar ist und weiterhilft, hätte ich auf dem Hinweg schon wieder fast nen Herzkasper bekommen, inkl. Panikschübe.

Der Chef war und ist immer höchst zufrieden: Du hast ein Auge für die Ecken, du denkst mit, du bist zuverlässig usw…all das hat er mir mehrmals gesagt und auch heute wieder ein Angebot für einen Minijob gemacht, weil er mich wertschätzt und gutes Personal braucht.
Und ich will mich nur vergraben. Bekomme ultra schlechtes Gewissen, weil ich wahrscheinlich ablehnen werde. Diese scheiß dicke Mauer um mich herum…
Bildlich gesprochen: wäre mein Selbstwert eine Wiese, dann wäre an diesem Platz erst alles totgetrampelt worden, dann geteert, dann drüber betoniert und gepflastert und irgendein Gebäude drauf gesetzt. Da kann nichts mehr wachsen.
Schrecklich ist das…ganz schrecklich…
und ich kann nicht mal ein Fünkchen stolz auf mich sein, dass ich das heute geschafft habe, sehr gut geschafft habe, trotz Angst, trotz Schienenersatzverkehr, ich hab aus dem Saustall wieder eine saubere Bude gemacht, ich hab 5 Stunden geackert, bei schwülen 28 Grad, ich wurde gelobt…und in mir ist trotzdem alles staubig, dunkel und tot

Erwachsen werden

Manchmal frage ich mich schon, ob meine „schlechte Arbeitsmoral“ wirklich nur eine Traumafolgestörung ist. Ja, ich habe mit drohendem Autonomieverlust/ ausgeliefert sein (ich MUSS da jetzt bleiben und das und jenes machen) und mit der Angst vor Bewertungen (soziale Phobie) extreme Probleme,
aber es wäre auch interessant zu erfahren, wie es mir ergehen würde, wenn ich gewisse Dinge anders erlebt hätte. Das wären konkret 2 Sachen:


1. ich bekam 12 Jahre mit, dass man auch leben kann, wenn man nicht arbeitet. Mein Vater arbeitete in dieser Zeit nicht (weder in einem Lohnverhältnis noch in der Hausarbeit) er frönte seinen Hobbys und schlief viel und lange. Dass er eine heftige Angststörung hatte und vieles nicht machen KONNTE erfuhr ich ab dem Zeitpunkt als ich in den Kindergarten kam und er mich manchmal nicht abholen konnte (Haus verlassen und so war für ihn halt oft schwierig), das hieß: ich fuhr mit dem Taxi heim oder wartete ewig lange bis meine Mutter mit dem Fahrrad kam, mich in den Bus setzte und mit dem Radl hinterher fuhr. Er überwand seine Angststörung als er arbeiten und sich um sich selber kümmern MUSSTE. Meine Mutter hatte das alles nämlich irgendwann satt (kann ich echt verstehen und wunderte mich wie lange sie das überhaupt aushielt!), sich scheiden ließ und mit uns Kindern wegzog. Gut, seine Angststörung war zwar „weg“ dafür explodierte sein Narzissmus: er kontrollierte vor allem mich um so mehr und machte mich zu seiner Bezugsperson. Er manipulierte, erpresste emotional und erkaufte sich meine Zuwendung, bis auch ich mit Anfang 30 von seinen Psychospielchen die Schnauze voll hatte und den Kontakt kappte.
Die Frage ist: Gäbe es keine Rente und/oder keine Grundsicherung für mich, würde dann das mit dem arbeiten bei mir klappen? Weil ich ja „müsste“?

Weiterlesen „Erwachsen werden“

Ich bin verletzt

Ich mache mich weiter auf die Suche warum ich derzeit so wütend und zwanghaft bin.
Ich komme zu Schmerzen die ich nicht fühlen will. Mal wieder viel zu viel Mißachtung und Grenzüberschreitungen in der letzten Zeit.
Klar das größte war natürlich der Wasserschaden. 2 Monate nicht nach hause können, währenddessen da drin fremde Männer herum wuseln. Absoluter Supergau! In der Zeit war auch mein Vermieter ohne meines Wissens mindestens 1x in der Wohnung und entschied einige Sachen über meinen Kopf hinweg. Alarmstufe rot.
Dass die Frau von der Tafel mir nicht half, obwohl sie zusagte war auch übel, aber noch übler als sie mir später süffisant mitteilte, dass sie nun auch die glutenfreien Sachen mitnimmt, weil die ja echt lecker schmecken. Wie dreist kann man sein? Sie weiß, dass ich das Zeug brauche und zwar nicht weil es mir so lecker schmeckt, sondern weil ich sonst krank werde. Überhaupt widert mich ihr gieriges Verhalten so an. Ich ignoriere sie so gut es geht, das scheint sie nicht zu merken, bzw. sucht nun erst recht meine Nähe. Am Arsch, blöde Kuh!
Aber es ging ja munter weiter, J. der mir nicht wirklich half, meine Tante die nicht wollte dass ich zu Besuch komme und die nun auch meinen Geburtstag vergessen hat und als ihr Emailprogramm sie daran erinnerte packte sie ihre gebrauchten Schuhe zusammen und schickte sie mir. Auch das kenne ich von meiner Mutter. Wie demütigend, so lieblose Geschenke. Da lieber ne gekaufte Pralinenschachtel oder nen Gutschein. Weiter gings: A. fragte ich letzte Woche ob er am Samstag vorbei kommen will, es kam (zum wiederholten male) weder eine Zu-noch Absage, völlige Ignoranz. Ok, hat sich für mich auch erledigt, weil wenn ich bei ihm bin, dann fühle ich mich da überhpt nicht willkommen, er hat so eine abweisende Art: läuft in den größten Gammelklamotten rum, aufm Tisch stapelt sich Dreck, er noch halb verschlafen…ich war mir nicht ganz sicher ob ich wieder übertreibe oder so, aber dann fand ich einen guten Trick: Ich stellte mir eine Freundin vor, die mich um Rat fragt, wie sie das Verhalten von dem Typen finden soll….und alles aufzählt. Vor Ekel verzog sich mir das Gesicht. Den Trick merke ich mir.
Die andere A. da fühle ich mich auch nicht gesehen, sie marschierte in ihrem Tempo ohne Rücksicht, obwohl ich locker 1,5 Schritte hinter ihr war und laberte und laberte…das war kein miteinander sondern Müll abladen.
Auch das schon mehrmals!
Die in der Arbeitsstelle vergaß meinen Lohn (den gabs dann zwar und kam auch das erste Mal vor) aber trotzdem…das nicht gesehen werden, das alles alleine machen müssen, dass sich keiner mal um mich kümmert, das schäbige Verhalten von sovielen…kein Wunder das ich aufschreie und auch kaputt machen will. Leider eher mich als die anderen. Macht kaputt was euch kaputt macht.
Ich hab eine scheiß Wut auf all die Arschlöcher, auf die Verlogenheit, auf die Ignoranz, auf die Lieblosigkeit.
Weil mich das auch noch extrem triggert, ich wuchs damit auf, ich kenne es eigentlich nicht anders…
und ich habe es so satt.

Wochenrückblick 15. Mai 2021

Wohnung: Im Urlaub macht man ja meistens inge, Die man im Alltag nicht so macht. Ich habe mir eine Insel im Wohnzimmer geschaffen: Meine Couch ausgezogen (ohne Bürostuhl und Schreibtisch ist da nun auch der latz da) und lebe fast nur da drauf. Ich liege bequem und habe einen tollen Blick hinaus in den Himmel, recht die Screibsachen, Strickzeug, links Handy und Bücher, alles in Reichweite. Habe ich schon gesagt dass ich Einfachheit liebe? Wenn ich mag dreh ich mich mal für 10 Minuten um und döse ein wenig und wenn ich wach bin brauche ich nur die Hand auszustrecken, um mir z.B. Musik anzumachen und noch ein wenig weiterzuräumen. Herrlich. Wie im Urlaub 😉
So eine Galerie ist zwar toll, aber dort hinauf führt eine sehr steile Leiter. Bin ich müde und kraxel hoch, bin ich oben wieder munter. Nach dem Schlaf runterzuklettern braucht hohe Konzentration und jedesmal habe ich angst da mal runterzupurzeln, was den Adrenalinspiegel gleich wieder steigen lässt.. Kontraprosuktiv…
Für mich ist tatsächlich eine 1-Zimmerwohnung (auf einer Ebene) das beste. Es darf halt ein großes Zimmer sein, weil ein wenig Platz zum tanzen, Gymnastik und einfach Luft haben brauche ich schon. Und da komme ich wieder zu meinen Umzugsplänen: In einem Raum reicht dann das Bett und Sitzmöglichkeiten am Tisch, da brauch ich nicht noch eine extra Couch. Das ist mir aber extrem unangenehm, wenn Besuch da ist und mein Bett so jeder sehen kann (das is eine längere Geschichte dazu, aber Bett ist für mich eben sehr intim).
Wäre die Möglichkeit nur die Couch mitzunehmen und auf der zu schlafen und wnn Besuch kommt, die wieder zusammenklappen und Bettzeug verstauen, bzw. das auch zu machen wenn ich den Raum für Sport brauche. Das klingt nach einer sehr guten Möglichkeit. Das Bettgestell ist mir eh zuwider weil irgendwi wackelig, die Matratze ist zwar noch relativ neu, aber naja…

– tat sooo gut: alles ausblenden und mal wieder so richtig bei mir ankommen. Viel gedöst, viel in mich gespürt, viel im Flow vor mich hingewerkelt (die beste Erholung ever!), genossen auf was ich Lust hatte, sei es mal ein Milchkaffe oder eine kalte Cola, am Balkon in der Sonne liegend oder eingemümmelt auf der Couch, während es draußen fast zwei Tage lang durchregnete. Keine Angst. Keine Anspannung. Dafür mal wieder Kreativität, über vieles mal genauer nachdenken, vor mich hin philosophieren, tagträumen…ganzganz wunderbar!

– Geld: Das ist mir schon lange nicht mehr passiert, dass ich die Kontrolle über meine Finanzen verlor. Anders kann ich es nicht ausdrücken. Ich kann mit viel Geld einfach nicht umgehen, ich muss es zwanghaft ausgeben. Es gab ja den Coronazuschlag von 150,- und dann noch fast 100,- von der Versicherung für meine Räumarbeiten wegen dem Wasserschaden. Eigentlich wollte ich davon mindestens 50,- weglegen für die Umschläge SPAREN und URLAUB. Jetzt ist es so dass ich für den restlichen Monat nur noch das nötigste kaufen kann (Essen ist da nicht das Problem, eher so für alle anderen Nonfood-Sachen). Nunja, ich werde die 2 Wochen bis zum nächsten 1. auch überleben. Wenigstens gabs keine Mahnung/Zahlungsverzug (Nachtrag: stimmt nicht, eine Mahnung kam doch. 2.Nachtrag: nein ich hatte schon bezahlt, nur falsch überwiesen, hoffe, dass das sich klärt).
Trotzdem ärgerlich, dass ich aus diesem Verhalten nicht rauskomme.
Letztens habe ich so gelacht, weil ich mich mit einer Bekannten unterhielt und wir irgendwie auf Kosten fürs Bankkonto kamen und sie meinte: „ne das Konto bei Bank XY ist gratis, wenn man immer über 3000,- aufm Konto hat!“ Ich schaff es ja nichtmal aus dem Minus rauszukommen (ok das wurde schon besser, da war ich oft so um die 500-600 im Minus, während es jetzt nur noch um die 100 sind. Trotzdem, mal 200 im PLUS wär auch nett.

– überhaupt zwanghaft: nicht nur im Geld ausgeben, auch im Essen (natürlich Süßes) ist es wieder schlimm und phasenweise auch mit dem Alkohol. Derzeit echt ne üble Zeit. Dann kommen immer wieder diese Suizidpläne ins Gedächtnis. Auch seltsam, da denk ich Tage nicht dran und es geht mir gut und dann ZACK, gefühlt aus dem Nichts wieder das: wozu das alles? Und: ändert sich ja eh nichts. Also lieber mit Würde gehen, als jahrelang dahin siechen undsoweiter.
Aber ich weiß aus Erfahrung auch, dass es meistens eben schon einen Grund für solche Phasen gibt. Oft sind es die feinen unscheinbaren Trigger. Also nicht die ganz offensichtlichen wie eine Arztuntersuchung, sondern  was man erst ein wenig suchen muss. Und da musste ich dieses Mal nicht lange suchen: ich habe derzeit in meinem nahmen Freundes/Bekanntenkreis niemanden wo ich mich so richtig gut aufgehoben fühle. Wo ich richtig verstanden und mich gesehen fühle. Und das löst alte Not aus. Viel Wut, viel Scham, viel Ungeduld, viel Ärger…so wo ich am liebsten mit einem Rundumschlag was anstellen mag. Früher war das Haare abrasieren, sehr laut Musik hören, riskant mit dem Auto fahren, natürlich Umzug, Treffen mit Männern (erst ohne, später mit Geld), wild feiern, auffällige Klamotten tragen, sehr überheblich und arrogant sein, mich mit der Polizei anlegen. Irgendwas außergewöhnliches, damit ich mich wieder spüre und die anderen mich sehen und denken: OHA!
Also eine eher diffuse Art der Selbstverletzung, eine Selbstschädigung.

Und im Moment fühle ich mich von vielen Menschen verlassen: J. nervt mich total, der checkt einfach nicht um was es mir geht, es ist immer nur so larifari Whatsapp-Kontakt, keine wirkliche Nähe. Aber was will ich erwarten? Er trinkt seit Jahren jeden Abend Alkohol. Das ist in meinen Augen ein Alkoholiker und Süchtige habens nicht so mit Gefühlen und wirklich hinschauen, weder bei sich noch bei anderen. Und dann sein Pseudomitgefühl ala Kalendersprüche, da könnt ich Amok laufen.
Mit M. ist es auch nicht besser, die nervt mich so mit ihrer Dummheit (sorry anders kann ich es nicht sagen), aber wer mit 65 Jahren nicht weiß, wie Tortellini aussehen? Und andere immer nach dem Mund reden und keine eigene Meinung hat…ne…außerdem meldet sie sich so gut wie nie von sich aus und was mich echt verletzt hat, sie war auf der Beerdigung von E. E. nahm sich vor 1,5 Jahrn das Leben und das hab ich erst vor wenigen Monaten erfahren. M. wußte dass wir mal näheren Kontakt hatten und da sagt die nix zu mir? Da fühle ich wieder das alte Gefühl: Verrat. Und als ob ich unsichtbar wäre.
Von meiner Tante höre ich gar nichts mehr…
Und da kommts dann wieder hoch: ach dann kann ich auch gehen, wenn ich eh niemandem was bedeute. Dann braucht ihr euch aber auch nicht zu wundern oder gar rumzuheulen, wenn ich tot bin.

– Sonntagstourette: Uh hatte ich am Sonntag schlechte Laune, und irgendwie dachte ich na fährste mal ne Runde mitm Radl…Ganz schlechte Idee am frühen Nachmittag bei strahlender Sonne. Überall diese verliebten Pärchen und glücklichen Familien (was man sich natürlich gerne so einredet, dass die das sind, weiß ich schon), am liebsten hätt ich nur rumgeschrien: WIRD DAS HEUT NOCH? WAS FAHR ZU DU DU DEPP! GLOTZ NICHT SO ARSCHLOCH!! JA GEHTS NOCH? UIUI ich hab geschaut, dass ich wieder heimkomme und mich verkrieche ;))
Also wie man derzeit sieht: besonders gut gehts mir nicht.
Nur wenn ich ganz viel alleine bin und bei meinen Gedanken und Gefühlen bleibe. Mir selber Nähe schenken und es nicht wie die anderen: mich auch noch selber verlassen!
Passend habe ich dazu geträumt, dass in einem Haus (Mischung aus Kindergarten und Familienzusammenkunft mit vielen Kindern) ein Feuer ausbrach. Alle schliefen, ich wählte den Notruf und stellte mich vorne an die Straße um sie reinzuwinken, weil es en versteckter Hinterhof war. Als das Auto (Notarzt) kam, meinte ich: „wir brauchen die Feuerwehr auch! Die Kinder sind noch in den Räumen!“ Da war der Beifahrer ganz erbost, dass wir die nicht schon längst ins Freie brachten, aber wer hätte dann den Einsatzkräften den Weg gezeigt?
Also klare Sprache: Innere Kinder retten!

– Polizei: derzeit öfters begegnet. Ein Bekannter wurde mit Handy am Steuer erwischt, am nächsten Tag fahr ich mit dem radl aus einer Seitenstraße wo mich ein orangenes Aufstell-Schild auf einen Unfall hinweist, als ich um die Ecke biege sehe ich schon das Polizeiauto daneben ein Kleinwagen in dem eine total aufgelöst heulende junge Frau saß, sie tat mir so leid, dass ich am liebsten gleich mitgeheult hätte! Gegenüber stand ein Paketauto, beide äußerlich unbeschädigt, aber eben trotzdem ein Schock. Am nächsten Tag geh ich durchs Nachbardorf als neben mir ein röhrender aufgemottzter BMW vorbei rauscht, na denke ich so, wenn das die Polizei hört, biste aber fällig du röhrender Hirsch. Eine Minute später donnert ein Polizeiauto an mir vorbei. Dann gehe ich zu einer Tramhaltestelle und sehe dort in der Ecke zwei Beamte mit Laserpistole auf Raser warten. Die kamen sprichwörtlich schnell: In den 10 Minuten die ich da stand, sprintete einer der beiden bei 3 Autos auf die Straße und die Geschwindigkeitsüberschreiter rauszuwinken.

– erschrocken: ich mein ich bin ja von Männern leider einiges an Gewalt und Grenzüberschreitungen gewöhnt, aber dass fand ich schon unfassbar. Situation: Ich warte am Gehweg mit meinem Radl bis alle Autos aus den sich gegenüberligenenden kleinen Straßen auf die Hauptstraße abgebogen sind. Die sich gegenüberstehenden Autos wollen beide jeweils nach links abbiegen. geht ja wunderbar aneinander vorbei. Eigentlich. In dem einen Wagen saß eine Frau und wollte doch noch lieber das von links kommende Auto abwarten, das hätte den Typen im anderen Wagen ja nicht stören brauchen. er hätte a) auch warten können oder b) Gas geben können um noch einzuscheren, aber beides völlig unabhänig von der Frau. Der Typ jedoch explodierte in seinem Auto und zeigte ihr einen defigen Mittelfinger, von einer Hand der man fast schon ansah dass sie diese Geste öfters macht und somit gewohnt ist (hatte ich so das Gefühl). Die Frau hatte das glaube ich nicht gesehen, weil sie sich auf was anderes konzentrierte. Ich fand das irgendwie unfassbar, weil das so extrem boshaft und völlig unnötig war und unfair oben drein.

– Aussicht: Geburtstag. Derzeit nicht grad der beste Zeitpunkt. Mal sehen was ich machen werde: mich abschießen, depressiv werden, ignorieren, mir Gutes tun…mal sehen. Kein Streß. Kein Druck. Keine Selbstverurteilung für was auch immer

Pimp my Selbstwert

Ohne Selbstwertgefühl ist man am oder im Arsch. Je nach grammatikalischen Präferenzen. Oder je nach Ansichtssache.

Ich glaube, ein gutes Selbstwertgefühl zu fördern, ist das wichtigste was man seinem Kind „antun“ sollte. Geld ist da nicht so wichtig. Oder der richtige Kindergarten. Oder das richtige Spielzeug. Wichtig ist dem Kind zu vermitteln, dass es willkommen ist und das es seine Gefühle, Gedanken, Bedürfnisse haben darf. Dass das Kind als eigenständige Persönlichkeit gesehen wird. Ohne es ständig auf den Sockel zu heben.

Depression ist ein Mangel an Selbstwertgefühl. Zumindest bei mir ist das so.

Ein schwankendes, fragiles Selbstwertgefühl ist eine anstrengende Sache. Wenn etwas nicht sofort perfekt ist, was ich gerade mache (z.B. ein neues Backrezept ausprobieren), fühle ich mich als Komplettversager. Als Mensch nichts wert.

Wenn mein Selbstwertgefühl am Boden ist, hasse ich es aus dem Haus zu gehen, ich fühle mich schutzlos ausgeliefert.

Wenn mein Selbstwertgefühl sich mal wieder in den hintersten Winkel verkrochen hat, verkrieche ich mich viel ins Bett: Da ist es sicher, da mache ich nichts falsch, da sieht mich keiner, da verpenn ich die schlimme Zeit, auf dass bald eine bessere Zeit kommen möge.

Wenn ich kein Selbstwertgefühl habe, dann kaufe ich viel, um die innere Leere zu stopfen und esse viel um das innere Loch zu füllen. Beides hilft nicht, ich mache es trotzdem, weil es doch ein klitzeklein wenig aufs Belohnungszentrum im Hirn geht und es einen klitzekleinen Dopaminschub gibt. Leider kann man danach süchtig werden. Also: Vorsicht!

Aber ohne Selbstwertgefühl ist mir meistens dann eh schon alles egal.

Ohne Selbstwertgefühl lese ich viel, auch da kann ich nicht viel falsch machen und die Zeit vergeht und ich denke an was anderes, als an mein schäbiges Leben.

Die Schwester des niedrigen Selbstwertgefühls ist die Einsamkeit. Ich fühle mich von Gott und der Welt verlassen. Ertrage aber auch keine anderen Menschen. Bin gereizt und keiner kann es mir Recht machen. Wenn ich mit mir nicht zufrieden bin, bin ich mit anderen auch nicht zufrieden und lästere innerlich total über andere, was ich gar nicht will, weil es mich noch griesgrämiger, grantiger und gereizter macht, als ich es eh schon bin.

Wenn ich kein Selbstwertgefühl habe und elendig deprimiert bin, ist ein sonniges, warmes Wochenende die Hölle, vor allem wenn es das erste Frühlingswetter nach einem elendig langen Winter überhaupt ist und alle Juchu und Juchee schreien, den Grill anschmeißen und den Rasen mähen, fahre ich nur ganz gepflegt meinen Mittelfinger aus und wünsche alle in die Hölle.

Wenn mein Selbstwertgefühl die Biege gemacht hat und ich dann noch den asozialen Nachbarn sehe der mit den anderen Nachbarn zu einer lustigen Radltour aufbricht, dann fühlt sich das an wie Chili auf der Seele. Ich bin alleine und keiner mag mich, wo ich doch viel netter, hilfsbereiter und ehrlicher bin als dieser Psychopath!

Wenn ich nicht mehr weiter weiß, dann hole ich Bücher raus mit den Titel: Dein Recht dich schlecht zu fühlen. Oder: Am Arsch vorbei geht auch ein Weg. Oder: Ich bleib so scheiße wie ich bin.

Dann geht es mir ein Stück weit besser.

Zumindest für kurze Zeit.

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