Überforderung erkennen

Ich habe gestern mit einer recht sympathischen Coachin telefoniert. Es tat mir gut. Sie erklärte mir, warum sowas vermeintlich harmloses wie „Katzenbetreuung“ zuviel war: „Derzeit ist das zuviel Verantwortung für Sie! Wenn Sie nicht vorbei schauen und denen kein Futter geben, hungern die Tiere, sie sind abhängig von Ihnen! Eine andere Möglichkeit wäre, z.B. bei einem Gnadenhof oder Bauerhof MIT zuhelfen, aber nicht alleine zuständig zu sein. Wo Sie nur einen Teil übernehmen sozusagen!“ Allein die Vorstellung erleichterte mich so sehr, dass endlich Tränen liefen. Ich hab immer alles alleine gemacht, ich kann das! Ja klar, aber es kostet ungemein viel Kraft. Nur wo finde ich jetzt a)Unterstützung und b) etwas wo man in Gemeinschaft sich beschäftigen kann, ohne große Verantwortung und wo meine soziale Phobie mitspielt.
Sie merkte schon, dass ich mir selbst sehr viel Druck machte und nahm ihn zum Teil raus, als sie erklärte, dass der normale Alltag schon schwer ist. Wenn man sich nur mal anschaut wieviel Koordination es braucht ein Waserglas zu heben, ohne es zu zerbrechen und dann zielgerichtet zum Mund führen. Hunderte Muskeln, Sehnen, Signale vom Gehirn machen das alles selbstständig. Und für sich sorgen, mit allem drum und dran IST anstrengend. Viele unterschätzen das, weil auf Insta und Co das alles immer so leicht und schön aussieht. Wenn dann noch Einschränkungen wie Angst, Depression ect. dazukommen, kommt man schnell an das Ende seiner Kraft.
Ihr Verständis, ihre Wärme, ihre Ermunterung haben mir sehr gut getan.


Es war aber auch schwierig anzunehmen, dass ich eher einen Schritt zurück machen muss, als einen Schritt nach vorne (wie ich das derzeit eher forciert habe).

Schön war heute, als ich auf einer kleinen Radrunde am Pferdehof vorbei fuhr und die gerade dabei waren, die Pferde auf die Wiesen zu lassen. Immer eine Herde nach der anderen, mal kleinere, mal größere von 20 Tieren. Berührend wenn soviele Pferde lostraben und galoppieren und dann sich im Gras wälzen, wieder lospreschen und sich einfach austoben. Toll!

Selbstfürsorge – Selbstschädigung

Gestern den Aufnahme-Fragebogen der Institutsambulanz  rausgelegt zum ausfüllen. Es muss was passieren, definitiv. Dann kam ich auf die Idee einfach mal auf die Webseite der Tagesklinik (wo ich 2010 und 2011 war) zu gehen, nur mal schauen. Denn das war die beste Therapie die ich jemals hatte. Ich konnte sehen, dass einige Ärzte/weitere Angestellte von damals noch dort arbeiten, finde das ein recht gutes Zeichen. Und siehe da, auch dort gibt es eine Ambulanz. Also gleich eine Mail geschrieben, bevor ein innerer destruktiver Anteil mir das wieder vermiest, weil es mir ja nicht gut gehen darf.
Der meldete sich damals auch, nach der Tagesklinik, als meine Bezugstherapeutin in eine ambulanten Praxis wechselte. Ich verbot es mir über 2 Jahre dort anzurufen, für die Folgetherapie. Weil: wär ja auch zu einfach, zu passend, das machen alle anderen schon, da wird eh nix frei sein. Irgendwann rief ich doch an und blieb viele Jahre.
Gestern passierte mir noch was: hatte ja vor einigen Tagen meinen Account von der „Kontaktseite“ doch wieder reaktiviert. Furchtbar, echt. Naja nun tat ich was, was man nicht tun sollte, ich verstoß gegen die Nutzungsregeln und prompt wurde ohne Vorwarnung mein Account gesperrt. Und irgendwie bin ich echt froh drum.

Die ersten Schritte…hinaus

Der erste Schritt, heißt es ja gerne, ist immer der schwerste. Dem kann ich zustimmen. Schritt eins: Mir eingestehen, dass ich Schamgefühle ( ja mir geht es schon wieder sehr schlecht, sorrysorry wenn ich dich damit nerve) und Schuldgefühle (hätte ich mehr für mich tun müssen, was anderes tun müssen usw.?) habe. Hilft nur nix, weil: es ist, wie es ist. Ich hänge mal wieder in einer schweren Depressionsphase. Das erkenne ich unter anderem daran, dass ich Dinge ewig aufschiebe, das ist normal nicht so bei mir. Warum mache ich es nicht sofort? Es geht nicht. Das ist wie eine riesen Sperre in mir, die mich bremst. Sehr ätzend. Daher war gestern ein toller Tag weil es mir so gut ging und ich endlich mehrere Telefonate schaffte! Das tat gut! Im übrigen kam ich drauf, dass es mir vor exakt einem Monat auch so gut ging, das waren die Tage wo ich mehrere Stunden problemlos spazieren gehen konnte. Das ist genau in der Mitte meines Zykluses gewesen. Eisprungtage sind also wunderbare Tage, dass ich da mit 41 Jahren auch mal drauf komme. Ich finde das eh katastrophal, dass bei Frauen die psychische Probleme haben NULL auf die Hormone geschaut wird. Oder bei wem wurde das mal getestet? Gibts da hier Erfahrungen?

Also nach monatelangem quälen (wieder Scham/Schuldgefühle: warum hsat dir nicht eher Hilfe gesucht…?) die bittere Einsicht: Von alleine wird es nicht besser. Das hoffte ich ja insgeheim. Und klar bei leichteren schwierigen Phasen komm ich da auch gut raus, dafür hab ich ja auch echt viel Therapie gemacht, aber wenns zu arg ist: nope…is nicht…(wieder Schamgefühle: ich schaffe es nicht alleine, ich Loser!!)

Nunja, jedenfalls gab mir letzte Woche der Krisendienst folgenden Tip: bei der Kassenärztlichen Vereinigung anrufen, die schicken Listen raus, wo noch freie Therapieplätze sind. Ej ich bin seit 20 Jahren beim Psychiater und höre das erste Mal, dass es das gibt! Also angerufen: Tel: 09218809940410 (wer es auch probieren möchte.) Da war eine recht nette Frau, die fragte paar Sachen und 5 Minuten später (!) hatte ich 4 Adressen in meinem Email-Postfach. Ach schau an. Und da stand auch eine Institutsambulanz drin, ein Zwischending aus ambulanter Einzeltherapie und Tagesklinik. Man hat also an ca 2-3 Tagen/Woche unterschiedliche Termine. Von Gruppentherapie, Kunst-,Bewegung-und ntürlich Einzeltherapie. Also ein gemischtes Programm. Auch davon habe ich noch nie gehört. Klingt gut. Dort angerufen und der auch nette Herr schickt mir die Anmeldeunterlagen zu. Bin gespannt

Ich und/oder die Krankheit

Ostern – Neuanfang – auferstanden von den Toten…


Ach dacht ich gestern so für mich hin, son Neuanfang, eine Zeitenwende, neue Lebendigkeit wäre auch bei mir echt mal angebracht.
Gestern sah ich den Film Cortex (eher experimenteller Art, bissl schräg, aber für meine derzeitige Grundstimmung genau das richtige, zudem gab es tolle Musik und atmosphärische Szenen) und da meinte die Ehefrau: „Um uns herum entwickelt sich alles und jeder und bei uns ist Stillstand.“ Bingo, dachte ich, is bei mir auch so.


Seit Monaten diese depressive Grundstimmung und Todessehnsucht. Keine Freude, kein genießen können, alles träge, alles grau, alles scheiße. Keine Veränderung, keine Entwicklung, alles trostlos.
Und bevor ich mir heute noch vor dem Frühstük Druck machen konnte: Schönes Wetter und Ostern und ich muss raus und guter Laune sein: Nö, frühstücken (immerhin mit leckerer Semmel und O-Saft, was ich echt genossen habe) und dann ab ins Bett mit dem Buch: Arbeit an Selbstanteilen, an dem ich immer noch lese, weil es doch sehr intensiv ist. Und obwohl ich diese Arbeit kenne, lerne ich da doch immer wieder was neues. Ein gutes Buch!
Jedenfalls ging es mal wieder ums de-identifizieren mit Anteilen/Symptomen. Um entschmelzen. Damit man erstmal wieder Abstand davon hat und etwas mehr Ruhe einkehrt. Dann lässt es sich klarer denken, entscheiden und handeln.
Mir wurde dann wieder bewußt, dass wenn ich meine, dass ich die Depression BIN, mich furchtbar klein, schuldig, handlungsunfähig, ohnmächtig fühle. Sage ich, dass ich Depression HABE, ist das Gefühl gleich anders. Es ist nur ein Teil in meinem Leben. Manchmal ein größerer, manchmal ein kleinerer, aber damit kann ich dann besser umgehen.
Ich bin mehr als die Depression, die Angststörung und alle anderen Traumafolgesymptome! Menschen mit Esstörungen machen das manchmal so, dass sie dieser Essstörung einen Namen geben, auch das kann helfen.

Nichtsdestotrotz fiel mir dann die Option Tagesklinik ein. (Warum nicht schon eher? Keine Ahnung und irgendwie schad, aber naja…). Es gibt hier eine sehr gute, zumindest war sie das vor 12 Jahren. Spezialisiert auf  PTBS. Aber nur mit 10 Plätzen und damals schon mit 3 Monaten Wartezeit, ird sichangesichts der letzten 2 schwierigen Jahre noch verlängert haben.

Aber heute werde ich mich erstmal wieder in der Akzeptanz üben, dass ich eine Krankheit habe und das nicht mein persönliches Versagen ist oder ich schuldig, dumm und faul bin.
Nur für heute werde ich achtsam mit mir umgehen, mich pfleglich behandeln und liebevoll mit mir sein.

Frohe Ostern!

Leben mit Angst


Das erstemal Angst hatte ich mit etwa 5 Jahren (auch wenn ich natürlich noch nicht wußte, dass man das Angst nennt). Ich hatte einen Fahrradunfall und lag mit gebrochener Schulter und Gehirnerschütterung im Krankenhaus. Alleine in einem großen Zimmer. Mutter mußte arbeiten, Vater konnte kaum ein Krankenhaus betreten. Also sah ich nachts mit Schrecken die riesigen Schatten an den Wänden, versteckte mich hinter der Tür wenn jemand herein kam und blieb stumm stehen als man mich zu einem Mädchen (dass da auch alleine lag und nicht aufstehen durfte) in ein Zimmer stellte. Irgendwann holte man mich wieder ab. Wir hätten zusammen spielen sollen.


Dann kam ich in den Kindergarten. Der Horror für mich. Viele fremde Kinder in einem kleinen Raum. Streß pur. Ich kannte niemanden und traute mich nicht bescheid zu sagen, wenn ich auf Toilette musste und nässte immer wieder ein. Das war natürlich sehr schambehaftet, wenn das andere mitbekamen. Ich sagte dann, ich hätte so geschwitzt. Als ich dann doch mal auf Toilette ging, kam mir ein Junge nach und glotzte über die Tür drüber. Was das ganze nicht besser machte.
Und so ging es das ganze Leben weiter. Die Grundschule war noch okay, weil ich mich auf den Lerninhalt konzentrieren konnte und gerne lernte. Freundschaften baute ich keine auf. Zuhause in der Nachbarschaft gab es viele Kinder mit denen ich auch viel spielte. Aber ob ich das gerne tat? Ich glaube eher nicht. Man tat es halt.
Ich konnte mich noch nie gegen Übergriffe wehren. Nachbarjungs die mich hänselten, schikanierten oder körperlich angriffen. Die fanden das alle immer lustig. Ich verstehe das bis heute nicht, wie man das lustig finden kann.


Dann kam der große Umbruch und danach in der Hauptschule wurde das Mobbing massiv und extrem, wieder half mir keiner und ich erduldete es. Die Angst steigerte sich natürlich dadurch auch mehr.
Irgendwann ging das Berufsleben los und ich wußte nicht was ich machen wollte. Was ICH wollte, fühlte, dachte spielte nie eine Rolle und auf einmal soll man das wissen…
Es folgte eine umtriebige Zeit, viele Umzüge, Jobs, Nebenjobs und dann hörte ich immer öfter von meinem Umfeld: Halte doch mal was durch! Ich war empört und wütend über diese Aussage, wußte abernicht warum.
Heute weiß ich es: Ich habe schon immer sehr viel ausgehalten, bis zur kompletten Selbstabspaltung. Nur sah man das nicht. Später habe ich mich selbst oft hart innerlich verurteilt, wenn ich wieder etwas aus Anst absagen musste: Jetzt halte doch mal was durch. Ich fühlte mich wie ein Versager.
Was soll ich denn noch alles durchhalten? An Schmerz, an Einsamkeit, an Angst, an Anspanung, an Ausgrenzung…?
Der nächste bescheuerte Satz war dann: Da wo die Angst ist, da gehts lang. Und dieser Satz kam aus Kreisen in denen durchhalten, einhalten strenger Verhaltensregeln und viel Härte gegen sich selbst an der Tagesordnung stand. Die Angst wird nicht weniger wenn man durch sie hindurch geht, meistens ist es so, dass man diese abspaltet, dissoziiert um das auszuhalten.


Erst in einer sehr guten Trauma-Tagesklinik wurde mir das erste Mal erlaubt meine Grenzen zu achten: es wird zuviel? Du darfst den Raum verlassen. Du darfst sogar das Haus verlassen, gib nur bitte bescheid, nicht das wir dich suchen. Mir wurde geglaubt, dass ich nicht faul oder zaghaft oder schwach bin oder mich vor Sachen drücke, sondern dass es wirklich nicht geht. Ich durfte hinspüren: will ich mich woanders hinsetzen oder erstmal nur beobachten und später mitmachen? Ich musste mich nicht mehr durch Sachen prügeln, die ich nicht machen wollte oder konnte. Welch Befreiung! Dort bekam ich auch endlic die richtige Diagnose: komplexe PTBS und 3 Jahre später wurde ich deswegen in EU-Rente geschickt.

Viel zu oft ist es in psychosomatischen Kliniken so, dass diese Leute meinen, was richtig für einen ist, da wird ein Therapieplan aufgestellt und der muss durchgezogen werden.
Nunja, aber die Angst blieb. Vor Menschen, vor Kritik, aber am meisten vor Autonomieverlust und vor Nähe. Denn die schlimmsten Verletzungen haben mir nahe Menschen zugefügt: Eltern, Schwester, Partner, Freunde, Mitschüler. Ich glaube es war zuviel.
Wenn ich, so wie derzeit wieder wie unter Strom stehe, wie wahnsinnig 3 Stunden durch den Wald laufe oder schon um 6 Uhr früh im Nieselregen durchs Dorf spaziere, ständig angespannt und unruhig bin, schlecht schlafe mit wilden Träumen, weiß ich heute, es ist wohl wieder was angetriggert. Und dann muss ich mich auf die Suche machen. Und meistens dann, das was ich fand, das oder denjenigen verlassen. Anders geht es nicht mehr. Ich habe alle Möglichkeiten und Therapien und Hilfsmittel durch, damit es doch irgendwie funktioniert. Aber es hilft nichts.
Ich muss mich umdrehen und gehen. Und trauern, weil meistens gab es ja auch was schönes an der Sache oder dem Menschen das ich nun auch verliere.
Ein einsames Leben

Leben ohne Drama


Nun bin ich seit 9,5 Jahren in voller Erwerbsminderungsrente, und seit 2 Jahren in unbefristeter. Heißt: Läuft, ohne erneuter Überprüfung, bis zu meiner Altersrente in über 25 Jahren. 25 Jahre! Was ne Zeit! Vor 25 Jahren bin ich nach München gezogen, mit zarten 16 Jahren. Zu einem Psychopathen von gestandendenen 24 Jahren. Was dann noch alles passierte, soll jetzt gar nicht groß Thema sein, aber es passierte viel! Viele verschiedene Jobs, Wohnungen, Lebensmodelle, Beziehungen, Freundschaften, Hobbys. Wilde Zeiten, schlimme Zeiten, doch ich kann schon sagen, dass ich viel erlebt habe!


Selbst die Anfangszeiten in der Rente waren spannend, trotz Angststörung allein ins Halllenbad, alleine an die Nord-und Ostsee – finanziert durch Prostitution, auch da natürlich immer was los…dann hörte ich das auf. Auch alleine verreisen war nicht mehr spannend und aufregend sondern nur noch einsam.
Nebenher immer in Konfrontation mit meinen Symptomen, die ja bei PTBS doch vielfältig sind, immer wieder versuchen, das zu bessern, zu heilen, einen vollen Minijob hinzubekommen, sowas wie ein normales Leben, zumindest ansatzweise. Alles scheiterte…


Was also nun? Was kann ich noch ausprobieren? Was noch machen? Diese geschützten Arbeitsplätze sind nichts für mich, da werde ich aggressiv.
Was tun in Rente? Stellen sich viele Menschen ab 60 diese Frage. Nur, ich bin Anfang 40, das kommt noch erschwerend hinzu. Ich sehe was andere 40-jährige geschafft haben und schaffen. Mit Mitte 20 darf man noch orientierungslos sein, oder mal arbeitslos, oder was versemmeln, mal straucheln, aber immer? Bis über 40? Irgendwann sind doch die Flausen weg! Es sind ja keine Flausen , es sind Traumafolgestörungen! Ach jetzt willste dich auf deiner Krankheit ausruhen und das immer als Ausrede benutzen?
Ich weiß es nicht. Ich weiß gar nichts mehr.


Meine Therapeutin meinte heute wieder (ich hatte nach langer Zeit doch mal wieder einen Notfalltermin, auch wenn mir der nicht sonderlich viel brachte, ich glaub die Zeit bei ihr ist definitiv vorbei): Sie schaffen viel mehr, als sie glauben, sie sind kompetent, souverän, sie schaffen viel, wenn sie müssen (ach bin ich doch einfach nur faul oder übernehmen doch nur innere Kinder ständig die Führung?). Klar kann ich funktionieren, wenn es sein muss, aber das hat mich ja erst in diese Scheiße geritten, dass ich mal NICHT gesagt habe:macht euren Scheiß alleine, dass ich immer für alle da war, dass ich immer alles managte, dass ich die Elternrolle für meine Eltern übernahm, weil die so süchtig, unreif und unselbstständig waren/sind.
Ich funktionierte immer, bei den schlimmsten Typen die mich dafü bezahlten, im schlimmsten Ausbeuterjob, mit den schlimmsten Krankheiten: ich komm klar, ich schaff das! Ich mach das! Und wenn ich vor Erschöpfung zusammenbrach: habe ich mich dafür geschämt, habe ich mich noch mehr angetrieben, noch mehr versucht um endlich wieder „auf Spur“ zu kommen, noch mehr gemacht!
Letztens fragte mich ein Bekannter, ob ich am Flohmarkt helfen wolle. Ehrenamtlich natürlich: Ein Stand am Wochenmarkt, der Sachen verkauft, der Erlös kommt dem Seniorenheim zuguten. Nur alle 2 Wochen für 2 Std. Früher hätte ich natürlich sofort JA gesagt. Coabhängigkeit deluxe! Heute: Nope weder will noch kann ich das. Und es ist mir egal! Juhu!


Mein Leben war geprägt von Drama und Adrenalin. Immer Chaos, immer Schulden, keine Verwurzelung, Trauma, Trigger, Mißbrauch, Verrat…und jetzt: Nix. Einfach nur Ruhe. Und ich halte es nicht aus.
Trotzdem ist mein derzeitiges Mantra: ich akzeptiere…
ich akzeptiere, dass ich nur kurz schwimme, weil ich zu ko bin. Und nur kurz auf der Liegewiese bleibe, weil ich mich zu ungeschützt und panisch fühle. Ich akzeptiere, dass ich derzeit nur meine Sachen machen kann, dass ich keine Kraft für „Juhu es ist kein Lockdown mehr und dafür Sommer!“ habe. Ich akzeptiere…
aber es fällt mir schwer…sehr schwer..ich versuche neues Drama in mein Leben zu holen…um dann am nächsten Tag dem Drama zu sagen: ne du, sorry, doch nicht…
Mit 32 Jahren in EU-Rente zu kommen, muss man auch mental verarbeiten, das kommt gefühlt erst jetzt dran. Weil ich merke: Der Zustand (mein innerlicher und äußerlicher) der bleibt so! Da ist nix mit großer Veränderung oder gar Verbesserung! Wie ich früher immer hoffte…
Für viele wäre in so einer Situation die Drogen der Ausweg. Das kommt für mich überhaupt nicht in Frage, da bin ich Schisser…Alkohol und Essen sind Alternativen. Wenn auch keine besseren.
Das einzig spannende derzeit im Leben ist: Wie wird das Wetter? Und welcher Tatort/Polizeiruf kommt am Sonntag?
Tja, so siehts aus…

Weiterlesen „Leben ohne Drama“

Thera heute

Ich wollte eigentlich heute mit meiner Therapeutin schauen, warum ich derzeit so blockiert bin. Warum ich wieder in so einem Loch hänge. Sie hat mich aber gleich zu anfangs irritiert, indem sie mir eine Frage stellte. Das macht sie normalerweise nicht, sondern lässt mich anfangen. Und somit sprang mein Muster: „ich muss gefallen, ich muss tun was die jetzt will, ich muss mich fügen“ an (was mir erst Stunden später klar wurde.)

Ich war nicht mehr bei mir und so konnte ich auch nicht mehr klar sagen, dass ihr Vorschlag derzeit überhaupt nicht zu mir passt und das ich ganz stark spüre, dass ich das nicht will: nämlich wieder in eine Art therapeutisches Setting, am besten noch Gruppentherapie. Wie auch immer geartet, ob Ergothera oder Soz.psy. Dienst oder Frauenzentrum…und ich merke so: NEIN!

Ihr Anliegen war es, dass ich a) wieder mehr unter Leute komme und b) wieder mehr feste Termine generell bekomme. Beides ja nicht verkehrt. Beides würde ich auch alleine schaffen, wenn diese extreme Erschöpfung und Müdigkeit nicht wäre. Wär ich schon längst mit Radl unterwegs oder zu Fuß neue Wanderwege laufen usw.

Therapeutin meinte, dass die Erschöpfung auch daher kommen könnte, dass der Teil der gerne mehr unterwegs, aktiv und sportlich ist und neues kennenlernt derzeit nicht so zum Zuge kommt und das macht ja auch Frust.

Jo was war als erstes da? Henne oder Ei?

Dann kamen wir auf morgen: da habe ich nichts zu tun, außer zuhause zu bleiben, weil im Laufe des Tages ein Paket abgeholt wird. Und was spüre ich? Erleichterung! Kein Druck! Besserung! Gute Laune! Genau wie in den ersten 4 Wochen des Corona-Lockdown! Nur kamen wir da beide nicht so recht drauf (ging auch schon zum Ende der Stunde hin) dass daher die Erschöpfung kommt, weil ich im Alltag SOVIEL ANGST UND DRUCK unterdrücken/bewältigen muss.

Thera meinte, dass ich nur eine Aufgabe (zuhause warten) bräuchte die mich nicht überfordert. Auch klar, das ist aber im Moment eigentlich nur: zuhause sein, schlafen, essen, sowie ich schon den Balkon betrete ist es aus mit Entspannung. Von arbeiten oder einkaufen will ich gar nicht reden.

Jetzt so im nachhinein wurd mir klar, die Erschöpfung kommt daher, dass es ordentlich im Getriebe knirscht: Der aktive Teil will hinaus, was machen, neues erleben, der ängstliche Teil schreit WAAHHH spinnst du, bleib bloß daheim! Keiner kommt vorwärts. Beide sind gleich stark und nun enttäuscht und frustiert. Krompomisse schließen waren noch nie meins, aber mir scheints, da muss ich eine Lösung finden (innere Teile-Arbeit).

Mein altes Dilemma. Man ej. Ich kenne nur Angstpatienten die sich mehr oder weniger damit arrangieren nur zuhause zu sein, kaum einer hat dieses/mein Dilemma. Sollte es doch welche geben, dürfen sich diejenigen gerne melden 😉

Natürlich spielt mein schlechter Schlaf auch eine Rolle, da bin ich logischerweise ängstlicher, dünnhäutiger, gestresster.

Warum helfen mir die Angstmedikamente nicht bzw. nur sehr kurz?

Extrem genervte und frustrierte Grüße

Thera heute

Ich so: „ach ich glaub 2020 wird einfach ein tolles Jahr!“

Thera so: „Naja es hat ja auch ein neues Jahrzehnt angefangen, vielleicht wirds ja ein tolles GANZES Jahrzehnt?!?“

Ta! Die haut mir immer wieder (positiv) den Schalter raus.

Soweit denke und plane ich ja selten und soweit zu hoffen, dass es mir mal über JAHRE gut und stabil gehen könnte und dürfte, war bis heute eher…undenkbar.

Sagen wir so: wenns so kommt, dann hab ich absolut gar nichts dagegen!

Therapie

Heute „Nachbearbeitung“ von Familienbesuch (ich finde nicht das richtige Wort, weil Familie da geht bei mir Alarm los, weil es Ursprungsfamilie Mutter-Vater-Kind meint, Verwandtschaft klingt so weit weg…hmm Cousinenbesuch?)

Also im Leben hätt ich ja niemals gedacht, das ich mal positive Erfahrungen, mit Menschen die mir genetisch nahe stehen, machen darf. Ein nachnähren sozusagen, das mich natürlich extremst freut!

Diese liebevolle, fürsorgliche, ehrlich und offene Kommunikation und Behandlung. Keine Heimlichtuerei, kein lächerlich machen, kein demütigen, kein ignorieren, aber vor allem: Keine Manipulation! Keine Aggression! Ja für mich war all das jahrelang in der eigenen Familie + Partnerschaften Alltag.

Auch bin ich wieder mal erstaunt wie sehr das arbeiten mit inneren Anteilen funktioniert und das damit erfolgreiche aussteigen aus massiven Ängsten und Phobien. Ein klasse Handwerkszeug, das ich immer und überall machen kann!

Absolut faszinierend!

Und wieder bewußt gemacht: Wenn ich mich derzeit daheim vergraben WILL, dann ist das ein Bedürfnis. Anders die Sache, wenn ich mich daheim vergrabe aus ANGST und weil ich nicht hinaus gehen KANN. Ich schmeiß das gern mal in einen Topf. Es ist okay meinem derzeitigen Bedürfnis nachzugehen!

Auch das ich Weihnachten völlig unspektulär daheim verbringen will, erleichtert mich. Meist spüre ich schon so im Spätsommer/Anfang Herbst was ich machen will, ob Haus/Tierssitter wie letztes Jahr oder die Jahre davor wegfahren in die Berge oder an die Ost/Nordsee. Dieses Jahr also nix davon. Und ja ich kann mich noch gut an viele Jahre davor erinnern, wo die Feiertage schwierig waren. Mit viel Angst und Scham und soviel freie Zeit…und keine Familie zu haben. Heute kann ich mit viel Selbstbewußtsein sagen: Geht mir dieses Jahr alles am Arsch vorbei, ich freu mich auf Bücher, Filme, schreiben, malen, schlafen, vielleicht lecker essen….

Ich stehe zu mir und meinen Bedürfnissen.

Ui schau an, schau an ein neuer Glaubenssatz hat sich da eingeschmuggelt.

Habe beschloßen: Der darf bleiben 🙂

Nichts ist so beständig, wie die Veränderung

Gerade las ich einen Artikel über Kinder von psychisch kranken Eltern. Ich habe mich darin wieder gefunden. Die Irritation: man sieht und fühlt, dass da was nicht stimmt, aber alle tun so als sei alles in Ordnung und ganz normal. Die Verantwortung die man übernimmt und die maßlos überfordernd ist. Der Tausch der Rollen, die Parentifizierung, Kinder versorgen ihre Eltern oder kleinere Geschwister. Die Einsamkeit, das allein gelassensein weil sich kranke Eltern kaum um ihre Kinder kümmern können. Sie sind ja selbst sehr bedürftig.

Mein Vater war schwer angstgestört, er verließ kaum das Haus und wenn dann nur um mit dem Auto herumzufahren. Aus dem Auto auszusteigen ging schon wieder nicht. Meine Mutter Alkoholikerin und beziehungssüchtig. Beide sehr coabhängig mit einem schwachen Selbstwertgefühl.

Ich habe das alles erst nach und nach kapiert, was da abgegangen ist, die schockierten Blicke in der Selbsthilfegruppe, das erklären meiner Therapeutin, das endlich fühlen dürfen, das erkennen was Sucht mit einer Familie macht, halfen mir dabei.

Erst jetzt mit Ende 30 weiß ich wer ich bin, brauchte viel Kraft und Zeit um mich aus diesem kranken Sog zu befreien, übernehme nicht mehr zuviel Verantwortung, lege meinen Perfektionismus öfter ab. Ich lasse die Schatten der Vergangenheit hinter mir und lebe endlich mein eigenes Leben, anstatt ständig meine Eltern retten zu wollen.

Und darüber möchte ich heute schreiben:

Das ich vermehrt Langeweile und Sehnsucht nach Menschenkontakt spüre ist ja relativ neu für mich. Bzw. nicht ganz, Langeweile verspürte ich als Jugendliche sehr, hatte aber keinen Plan was ich machen sollte, ich war noch zu geschockt von der Scheidung, dem Umzug, all meine Freunde weg, neue Freunde nicht in Sicht, Schule langweilig (ich war da wirklich unterfordert, durfte aber dank meiner Mutter nicht auf die Realschule), Papa weg, Schwester auch usw. schlimme Zeit. Und Langeweile hab ich so ein klein bisschen schon auch später gespürt, stand aber wieder hilflos davor. Ich vergrub mich dann halt in irgendeinen Aktionismus, der weder ein konkretes Ziel noch sonstwas hatte. Neben der Hilflosigkeit spürte ich noch später aber auch Angst: Dann muss ich ja raus und was tun, mir was zutrauen, mich womöglich zeigen WUAH ne da geh ich lieber ins Bett und schlafe.

Und Kontakt mit Menschen? Bloß nicht! So wenig wie möglich. Also gab es viel Leerlauf und viel Alleinesein. Und heute merke ich: Das habe ich genauso gebraucht. Nach all dem Streß mit der Familie, den Jobs, den kaputten Beziehungen ich musste erstmal aus allem RAUS. Mich finden, mich überhaupt mal kennenlernen, mich damit auseinandersetzen: was ist da eigentlich alles gelaufen, meine vielfältigen Traumatisierungen erstmal bewußt werdend.

Und auch: einfach mal zur Ruhe kommen. Viel schlafen, sowenig Streß als möglich und Streß war schon einkaufen gehen.

Dann Schritt für Schritt wieder hinaus in die Welt. Eine Therapie angefangen, wieder mehr Sport gemacht, mehr Menschenkontakte, ganz viele kleine Sachen: weniger perfekt sein, auch mal schlunzig außer Haus gehen, keine Angst mehr vor dem Nachbarn haben mit dem ich mich zerstritten habe, dafür mehr Kontakt zu einer anderen Nachbarin, kleine Ziele gesetzt, weiter gespürt was ich möchte und will, mich ausprobiert, den ersten winzigen Job (alle 2 Wochen 3 Std.). Immer wieder „Rückfälle“ in massiver Erschöpfung, sehr viel Angst vor Menschen, deren Bewertungen, vor unangenehm auffallen. Dann wieder mehr Selbstwertgefühl, das erste Mal mich aktiv wehren gegen eine Grenzüberschreitung, weniger nett sein, das erste Mal alleine verreisen, bessere Selbstfürsorge usw.

Ganz viele kleine Schritte aus dem Traumadesaster. Ein langer Weg, das ist okay. Es wird besser.

Es ist kein geradliniger Verlauf, immer wieder habe ich solch Rückzugszeiten, aber sie sind weniger und kürzer.

Und so merke ich immer öfter: Soviel Schutz-und Rückzugsraum brauche ich gar nicht mehr. Ich fühle mich sicherer und das verbraucht schonmal weniger Energie. Ich kann eher eins nach dem anderen machen und im Hier und Jetzt bleiben, anstatt das meine Gedanken schon wieder weiter purzeln. Ich spüre eher festen Boden: Ich schaffe das schon und wenn nicht ist es auch nicht schlimm. Ich kann was! Ich bin wer! Ich habe Rechte! Ich fühle mich ganzer. Und mehr eins. Ich komme schneller in die Entspannung. Das gehetzte ist weniger.

Ich spüre mehr Sicherheit. In mir. Ich muss nicht mehr ständig alles im Außen kontrollieren. Fühle dass wenn es mal ein schlechter Tag ist, mich was nervt, ich müde bin, alles schief geht: Das geht auch wieder vorbei! Dieser Glaube: es wird wieder gut! Und auch der Glaube an mich selbst wurde stärker: ich schaffe das schon! Und wenn nicht dann darf und kann ich mir auch Hilfe holen! Unbezahlbar. Hatte ich früher nicht. Auch immer wieder das entspannen: Jetzt, hier ist im Moment alles gut, ich muss erst in 30 mins das Haus verlassen bis dahin lass ich es mir gutgehen, entspanne Bauch, atme tief, denke an was schönes. Ich komme raus aus dieser Trauma-Erstarrung, aus dem Schock, aus der Hilflosigkeit, ich komme wieder ins gestalten, ins aktive gestalten meines Lebens. Das fühlt sich kraftvoll an! Heilung heißt nicht, dass alles wieder ungeschehen ist, heißt nicht, dass immer und alles super läuft. Heilung heißt: trotz der Wunden gut zu leben!

Ich habe mich in den letzten jahren sehr gut selbst kennengelernt, ich weiß mehr was ich kann und was ich mag. Ich halte mich mehr an das, als weiterhin meine Kraft zu vergeuden mit Dingen die ich nicht mag und nicht kann. Ich habe gelernt mich zu akzeptieren, mich gut zu finden. Ich lache wieder öfter, ich verdiene auch einen respektvollen Umgang. Ich achte andere Menschen mehr, weil ich weiß jeder hat sein Päckchen und die meisten leben so gut sie es eben können. Ich bin friedlicher, ich habe mehr meinen Frieden geschloßen mit meiner Vergangenheit, mit vielen Menschen die mir weh taten, sie sollen heute im hier und jetzt keine Macht mehr über mich haben. Das ist die beste und größte Rache! Ich habe viel losgelassen. Oft auch aufgegeben. Aber ich bin wieder aufgestanden. Man hat mich oft klein gemacht und ich wollte nicht für immer klein bleiben. Ich bin stolz auf mich was ich alles „trotz allem“ geschafft habe. Es ist nicht das was üblich ist in einem „normalen“ Leben, viele Schwierigkeiten machen mir immer noch oft das Leben schwerer, aber es ist mein Leben und das will ich nicht mehr abwerten, verurteilen oder gar wegwerfen. Ich bin präsent. Das Leben ist ein Präsent. Ein Geschenk.

Ein guter Artikel zum Thema Entwicklungstraune, hier: https://www.sein.de/entwicklungstrauma-folgen-und-heilungschancen/

Nachtrag: Die Tagesmeditation von CODA lautet heute:

In diesem Moment – umarme ich mein bisheriges Leben – das Glück und den Schmerz

Ich verurteile meine Vergangenheit nicht, bleibe nicht in ihr stecken, laufe nicht vor ihr weg. Um wirklich ich selbst sein zu können, muss ich meine Vergangenheit voll und ganz in mein Leben einbeziehen. Sie ist ein Teil dessen, was ich heute bin, aber sie ist nicht alles, was ich bin. Ich weiß meine Lehrer von damals zu würdigen, auch wenn die Lektionen schon mal sehr weh taten. Nur dadurch, dass ich meine Vergangenheit voll und ganz annehme, werde ich für die Gegenwart wirklich frei. Jeden Tag wieder bekomme ich Gelegenheit, mein Leben neu zu gestalten. Ich nutze meine Lektionen, um aus jedem Tag das Beste zu machen.

Wie passend! 🙂

 

Rapunzel´s Turm

(K)PTBS für Anfänger, Fortgeschrittene und Angehörige

TRAUMALEBEN

Leben mit Entwicklungstrauma / komplexer PTBS & Traumafolgestörungen

Al-Anon Blog

Deutschsprachige Beiträge und Informationen zu Al-Anon

minchen‘s blog 

über psychisch kranke Eltern

galgenzork

chronisch

Hanni hat Heimweh

Auf der Suche nach Ruhe und Sicherheit, aber leider nur stark im Auffinden von Chaos und Gespenstern.

Sick Girl

Depression

Herzensgrenze

Überleben als Introvertierte mit dem Wrong-Planet-Syndrom

Hochsensibel und Multipassioniert

Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer. Antoine de Saint-Exupéry

Eine Art Tagebuch

Amat victoria curam