Move it, baby

Ich bin der klassische Bewegungstyp: schlank, groß, setze schwer an Gewicht an (wobei sich das mit dem Alter etwas ändert).


Ich war als Kind schon lieber draußen, während meine Schwester vor der Glotze versank. Wir hatten soviele Wiesen und Bauernhöfe um uns, da gab es immer was zu spielen und entdecken, egal ob alleine oder mit den vielen Kindern aus der Nachbarschaft. Selbst bei starkem Regen im Sommer waren wir draußen, unter dem riesigen Ahorn im Hof der ein tolles Blätterdach bot.
Nach der Scheidung meiner Eltern und dem Umzug in eine größere Stadt wars vorbei mit der Bewegung: Hauptstraße vor der Tür und auch sonst wenig Freiraum. Schulsport mochte ich aufgrund der sozialen Phobie eher weniger, wobei mir Schlittschuhlaufen am besten gefiel auch weil ich es besser als andere konnte 😉 Das viele rumsitzen und der Streß durch die neue Umgebung plus Mobbing in der Schule und keine Geborgenheit zuhause verschlechterten meinen Zustand dramatisch.
Dann kamen die Rollerblades auf den Markt, damit konnte ich hinterm Haus auf dem großen Parkplatz meine Runden drehen und diese tollen Rollschuhe sollten mich über 10 Jahre begleiten. Unvergesslich immer montags die Blade-night, tausende fuhren auf den gesperrten Straßen durch München, ich liebte das!
Abundzu ging ich auch schwimmen, aber mit einem desatrösen Selbstwertgefühl traute ich mich da kaum rein. Meine Mutter meldete sich im Fitneßstudio an und fragte ob ich mitkommen wolle. Ich ging mit. Hatte einen blöden Glanznylonturnanzug ab (wie aus den 80ern) und da meine Mutter dann doch nie hinging (Arbeit, zuviel gesoffen ect.) ging ich alleine, trotz Soziphobie und das stresste mich alles dermaßen, dass es auch nicht wirklich gut tat. Später habe ich sogar in einem Fitneßstudio an der Rezeption gearbeitet und wieder nicht die Möglichkeit genutzt, der Schreck Fitneßstudio saß zu tief.

Doch erstmal fing ich vor lauter Streß, Langeweile und dem Wunhsc dazuzugehören das rauchen an. Schlecht in Sachen Sport…auch als ich mit 16 auszog war Sport kein Thema, eher noch mehr rauchen. Erst so mit Anfang 20 ging ich wieder mehr schwimmen, weil es ein Hallenbad recht nah gab. Das Fahrrad nutzte ich eher als Fortbewegungsmittel, wenn auch recht selten, ich fuhr alles mit dem Auto, selbst den 1km zur Tanke wegen Kippen. Aber: fast jedes Wochenende ging ich ausgiebig in den Technohallen tanzen. Endlich austoben, schwitzen, lachen, Euphorie, das tat mir sehr gut! Aber als auch die Club-zeit vorbei war, war das auch wieder mit der Bewegung, bis auf kleinere Spaziergänge.

Dann kam viel Zeit voller Arbeitslosigkeit, rumsitzen, die Angststörung breitete sich immer mehr aus.
Erst 2012 als ich endlich das rauchen aufgeben konnte, stieg ich morgends statt der ersten Zigarette, aufs Radl und drehte eine Runde. Das war ein sehr guter Ersatz zu der Qualmerei! Das weitete ich immer mehr aus und es tat mir sehr gut! Auch ging ich wieder wöchentlich 1x schwimmen. Mein körperlicher und psychischer Zustand verbesserte sich, aber es war noch kein richtiger Ausdauersport. Den fing ich erst so 2018 an. Moderat, nicht zu schnell nicht zu langsam radeln, gleiches Tempo, so dass ich zwar schwitze aber noch gut atmen kann. Möglichst nicht an der Straße, weil mich Autos stressen, selbst auf einem eigenen Weg. Von daher sah man mich oft Sontagsfrüh radeln und/oder schwimmen, weil da kaum einer unterwegs ist. Das Körpergefühl war schön, die Hitzeverträglichkeit im Sommer viel besser, der kurze Sprint zur Bahn: kein Problem. ich fühlte mich psychisch stärker und selbstbewußter.
Es kam noch das Rudergerät dazu, das auch sehr viel Spaß macht und eine andere Bewegung ist, aber alle Muskeln beansprucht, dazu kamen Taebo und andere Sportübungen von Youtube die man super mitmachen kann.
Auch das Trampolin machte anfangs viel Spaß, vor allem das zweite dann mit Gummiseilen weil die weicher schwingen. Ich mache da aber mehr Gymnastik drauf, als richtig zu hüpfen. Oder jogge da drauf.
Mein Körper baut schlecht Streßhormone ab, das merke ich daran, das ich ewig lange im Streßmodus bleibe, obwohl die Situation längst vorbei ist. Bis ich mich entspannen kann, das dauert. Mit Sport geht das wesentlich leichter. Ich mus nur aufpassen, dass Sport nicht wieder in Streß ausartet. Wenn zum Beispiel viele Menschen im Schwimmbecken sind und ich immer ausweichen und aufpassen muss, komme ich nicht in meinen Rhythmus und außerdem stressen mich Menschen die mir so nah sind, während wir alle auch noch halbnackt sind sowieso.
Für mich ist Bewegeung jeglicher Art mit einer der größten Stützpfeiler in meinem Leben, um (vor alem psychisch) gesund zu bleiben und eine wirkliche Lebensqualität zu haben.
Gerne würde ich auch weitere Bewegungsarten ausprobieren, wie z.B. Kajak fahren oder mit den Langlauf-Skiern auf Rollen fahren. Schwierig ist halt dabei meine soziale Phobie, klar kann ich einen Einsteigerkurs machen, aber vor anderen Menschen etwas machen ist mir inzwischen fast unmöglich.
Auch würde ich mich gern mal wieder in einer Turnhalle austoben: Seitlich über den Kasten springen, oder erst aufs große Trampolin und dann in die große weiche Matte. Generell das Setting mage ich: großer Raum wo ich mich frei fühle, der aber eben begrenzt ist, ich mag das sehr.
Auf alle Fälle richte ich wieder meinen Fokus mehr auf Bewegung und kümmere mich auch um das Drumherum: das die richtige Ausrüstung (vor allem gute Kleidung) da ist und ich die Sachen auch pflege (vor allem mein Fahrrad)
Mein größter Wunsch wenn ich viel Geld hätte, wäre nicht eine Luxusvilla oder ein toller Sportwagen, auch Schmuck und Fernreisen jucken mich eher weniger….sondern mir würde ein eigenes kleines Schwimmbad und ein Zimmer mit Fitneßgeräten reichen und ich wüde mir eine Bahncard100 für die 1. Klasse gönnen, damit ich für kleine Wanderungen und Ausflüge jederzeit irgendwo hinfahren könnte.

Was mir außer der Bewegung und der richtigen Ernährung (vor allem dass ich unverträgliches weg lasse, fällt mir immer noch schwer…) noch hilft ist: kalt duschen. Nicht sofort eiskalt, sondern erst normal warm duschen, manchmal auch heißer und dann Stück für Stück auf kühler drehen, und immer von den Zehen und Fingerspitzen Richtung Körpermitte. Immer ein kleines bisschen über die Grenze wo ich merke: uija jetzt ist es eine kleine Überwindung, manchmal hab ich auch Lust auf eine große Überwindung (aber auch hier drauf achten, wo es wieder zu stressig wird) und juchze und jodel dann unter dem kalten Strahl. Es macht definitiv gute Laune und mein Körper lernt viel besser sich bei Kälte/Wärme zu regulieren. Das merke ich diesen Winter sehr: ich friere kaum, hab die Heizung nur auf 2 statt früher 3, brauche viel weniger warme Kleidung (außer auf dem Kopf da bin ich empfindlicher geworden) und mein Kreislauf ist wesentlich fitter.
Es kostet nichts und hat so eine große Wirkung. I love ist! Netter Nebeneffekt: das kalte Wasser beruhigt sehr, auch wenn es wach macht, aber der Nervus Vagus wird durch die Kälte aktiviert, man atmet tiefer und ist danach entspannt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Rapunzel´s Turm

(K)PTBS für Anfänger, Fortgeschrittene und Angehörige

TRAUMALEBEN

Leben mit Entwicklungstrauma / komplexer PTBS & Traumafolgestörungen

Al-Anon Blog

Deutschsprachige Beiträge und Informationen zu Al-Anon

minchen‘s blog 

über psychisch kranke Eltern

galgenzork

chronisch

Hanni hat Heimweh

Auf der Suche nach Ruhe und Sicherheit, aber leider nur stark im Auffinden von Chaos und Gespenstern.

Sick Girl

Depression

Herzensgrenze

Überleben als Introvertierte mit dem Wrong-Planet-Syndrom

Hochsensibel und Multipassioniert

Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer. Antoine de Saint-Exupéry

Eine Art Tagebuch

Amat victoria curam

%d Bloggern gefällt das: